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Nr. 23.

Telephon: 9tr. 362.

Mittwoch, den 19. März 1913.

Telephon 9tr. 362.

25. Jahr

König Geor^ I. von Griechenland ermordet

Saloniki, 18 März. Der König von Grie chenland ist heute nachmittag hier ermordet worden. Während König Georg einen Spaziergang durch die Straßen der Stadt unternahm, trat plötzlich ein un­bekannter Mann auf ihn zu und gab aus einem Revolver einen Schuß gegen die Brust des Königs ab. Dieser sank sofort zu Boden; die Kugel hatte das Herz durchbohrt. Der König wurde ins Spital gebracht, wo er alsbald verschied.

Der Mörder wurde verhaftet. Es soll ein Bulgare sein. Nach einer anderen Mell ung sollen es zwei Täter sein.

Internationale politische Folgen dürfte die Tat kaum haben, auch hat man noch immer erlebt, daß Systeme durch solche Blutopfer eher befestigt als er- schüttelt werden. Sollte sich die Meldung bestätigen, daß ein Bulgare dec Mörder detz Königs sei und poli­tische Gründe ihn zu dem Verbrechen bestimmt hätten, so. würde die weitere Verschlechterung der Beziehungen zwischen Griechen und Bulgaren dre notwendige Folge des Ereignisses sein.

Allzuviel berufliche Freude hat der im 69. Lebens­jahr ermordete König Georg 1., der 1863 zum König der Hellenen erkürte Däner,Prinz aus dem Hause Schletz- wig'Holstein'-Sonderburg-G^ücksbucg in Athen und De- keleia nicht erlebt, und auch das Patronat seiner Schutz­mächte Frankceich, Großbritannien und Rußland hat ihn nicht davor schützen können, daß er mehr als ein­mal in seiner fast 50jährigen RegierungSzeit mit dem Entschluß zum Verzicht auf Krone und Thron zu ringen hatle, daß sogar seine Söhne, an der Spitze der Kron­prinz Konstantin, zeitweise aus dem griechischen Heere ausscheiden mußten.

Das Los der Königsfamilie war besonders nach dem unglücklichen Tütkenkciege br§ Jahres 1897 fast ; unerträglich geworden, da die bösen Schlappen der griechischen Truppen von den Griechen selbst natürlich nicht der ganz all emeinen griechischen Mißwirtschaft, sondern dem Oberbefehl des Kronprinzen zur Last ge­legt wurden.

Hebitgcnä trifft es sich gut, daß gerade ein deut­sches Kriegsschiff vor Saloniki ankert.

England.

* London, 18. März. 3m Unterhaus saa e in Beantwortung einer Anfrage der Manncminister Chur­chill, die Admiralität habe ein deutsches Parseval- Luftschiff bestellt, habe aber keine Rechte erlangt, diesen Luftschifftyp in Eng'and zu bauen.

Italien.

* In Rom ist das Gerücht verbreitet, daß der Herzog von Montpensier der Prätendant auf den albanischen Thron, sich durch einen Gewallstctich tn den Besitz der K^one Albaniens setzen will. Der Herzog soll die Absicht haben, sich nach Südalbanien einzuschiffen.

Serbien.

* Belgrad, 18 März. Prinzessin Nikolaus von Griechenland ist heute nachmittag hier ringt troffen. Auf dem Bahnhöfe hatten sich zum Empfange etnge- funden Kronprinz ^h^jnbtr.

am lich

Pohtifcbe Rundbau

Deutschland.

* Das Kaiserpaar trifft in Homberg v. d H.

2. April ein, der Aufenthalt wird sich voraussichc- bis zum Frankfurter Sängerwettstreit erstrecken.

* Der Gegenbesuch des deuschen Kaiser-

* Der Prinz von-Wa les besucht, bevor er sich nach Stuttgart begibt, zunächst Köln, Düsseldorf, Kob­lenz und Heidelberg. Unter seinem Gefolge befindet sich

der

P^ofeffoc Dc. Fiedler von der Universität Oxford.

Vom Balkan.

London. 18. Mär; Der Vorschlag der Mächte, die ßmie EnosMidia als neue türkisch bulgarische Grenze einzusctzen, anstatt der von den Balkanverbün- beten vorgeschlagenen Linie RodostoMidia, wird für fast unmöglich angesehen.

* Konstantinopel, 18. März An der öst­lichen und westlichen Front von Adnanopel fand an­dauernder Artilleriekampf statt. Voc Bu!a>r herrschte gestern Ruhe. Bei Tschataldscha schlugen tückische Truppen, die in der Richtung auf Nalfakoej und Akalan vorrückten, unter dem Schutze der türkischen Artillerie die vor ihnen stehenden bulgarischen Truppen zurück.

Paares am dänischen Hofe wird im Verlaufe die­ses Sommers erfolgen.

* Wie aus Gmunden nach Hannover gemeldet wird, ist für den Aufenthalt des Herzogpaares von Cumberland am deutschen Kaiseryof nach den bisherigen Anordnungen nur ein Tag, nämlich der 27. März, vorgesehen.

am die

Frankreich.

* Das französische Kabinett Briand ist Dienstag im Senat durch die Abstimmung über Wahlceform gestürzt worden. Briand hatte die

Vertrauensfrage gestellt. Präsident Poincare nahm die Demission des gesamten Kabinetts an.

eine der

Astmol Asthma-Pulver ei« wrmderÄares Mittel. 11841

^ü schreibt Frau Bkltha Sonremann, in Wusseken:Es war ^iiqun ; Go kes. daß tot' dieses Mittel finben sollten." Preis P oicn Bleckdo e von %ftni< l A khma Pulve ^ ist M. 2.50.

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Die Nachbarn vom Hsideland

Roman von Ludwig Blümcke.

(Nachdruck verboten.)

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Zlls dann ein paar Stunden später die Glocken vom «rendruper Kirchturm das Fest einläuteten unv die Heide in wunderbarstem Purpur erglänzte, da versam- «ân sich Lorenzens und die beiden Hinrichsen wieder unter dem alten Apfelbaum, dessen Zweige glitzerten, iLs wären sie vergoldet, und die scheidende Sonne grüßte eine Gruppe glücklicher Menschenkinder. Heute hatte Hans das Wort, und alle lauschten gespannt aus seine Berichte. Sogar Großmütterchen, trotzdem sie bei ihrer Taubheit kein Wort davon verstand. Wie der junge Held dann noä' \ daß die erste, die ihm in seiner Heimat einen .n Willkommengruß geboten, Ma- chiesens Herr... . gewesen, daß er im Wirtshaus einen Schoppen getrunken und zum Tanz, Ringreiten und zum Scheibenschießen eingeladen wäre, da glitt ein Schatten über Stines zartes Gesicht. Ewald aber konnte nicht umhin, die Bemerkung fallen zu lassen:Sollte meinen, das eitle Ding hätte schon ^ Bewunderer und Verehrer genug. Na ja, das Ne. und das Bunte reizt''"

Latz nur gut sein,- die Mine ist ein tüchtiges Ma­del," sagte darauf Baker Hinrichsen.Mag sie auch ein bißchen eitel sein, aber blitzsauber ist sie, sie hält den Keram zusammen, sie und die Lllte. Er ist ein Schmutz­fink und selber sein bester Kunde. Hätte Mathiesen die Frauensleute nicht, dann wäre M3 reiche Erbe seiner Eltern schon längst in alle vier Winde." Lorenzen nickte bestätigend mit dem Kopfe, und Ewald hielt dieses The­ma für erledigt. Aber er irrte sich. Seine Bemerkung mutzte den Freund gereizt haben, denn ziemlich erregt fuhr er diesen an:Junge, was verstehst Du von Frau? ensleuten? Wenn ein Mädel nicht ein bißchen eitel ist, auf sich hält, dann taugt es auch nichts. Die Mine wird

sich wohl aus den Verehrern, die sie hier in Arendrup hat, nicht gerade viel machen."

Ewald schwieg und wurde recht nachdenklich. Er pflegte, wie fein Vater, niemals viele Worte zu machen, roohc aber viel zu denken und viel zu grübeln.--

Hans erzählte weiter, vom vorjährigen großen Ma­növer, von all den Städten und Dörfern, die er wäh­rend desselben kennen gelernt, vom leutseligen Kron­prinzen. vom Prinzen Friedrich Karl, dem er das Pferd einmal hatte halten müffen, und so ging das fort, bis die Nacht sich mit ihren grauen Nebeln hernieöer- senkte.---

2. Des Lumpe nhendriks Rache.

Mathiesens Haus prangte im Schniuck bunter Krän­ze und Girlauöeri und ein Leben und Treiben war da drinnen und draußen wie in einem Ameisenhaufen. Das Königsschießen war nämlich zu Ende, und alles drängte jetzt in die gastlichen Hallen, um bei Tanz und Spiel den Höhepunkt des Felles zu genießen.--

Wer ist König geworden?" fragte Hermine, die wie eine rote Rose glühte und in der seidenen Bluse wirklich großac ig aussah.Der neue Müller. Kein Wunder, der Mensch schießt mit Freikugeln. Er traf mit zehn Schüssen siebenmal den Kopf." Der so antwor­tete, war ein kleines, hinkendes Männlein mit dickem Kopf, citier Geiernase, struppigem roten Bart, schielen­den Triefaugen und einer Atmosphäre von Fuselbrannt­wein um sich. Ein Kasten mit bunten Papierrosen, Bändern, Ketten, Tüchern und anderem Trödel standen neben ihm.Freikugeln? Schwatzt keinen Unsinn, Humpelhendrik!" entgegnete Hermine und wollte wei­ter eilen, da der Arbeit übergenug war.Der Hum­pelhendrik weiß, was er weiß! Nicht so eilig, schöne Rose! Mrtß Euch erst mal etwas zeigen. Nehmt mirs ' " " aber so ein hübsches Mäd­chen wie Ihr seid, habe ich auf meiner ganzen Reise

von Hamburg bis oben nach Kap Skagen nicht getrof­fen. Und diese vornehme Kleidung! Sah neulich in Hamburg eine spanische Prinzessin. Die trug dieselbe Bluse, nur noch so ein Korallenhalsband mit einem Kreuz daran hatte sie um den Hals. Seht, genau so wie dies!" Damit kramte er ein unechtes Halsband mit einem funkelnden 5kreuzlein aus blaukem Messing her­vor, ließ es ein paarmal durch seine krallenähnlichen, unsauberen Finger gleiten, hielt es ihr dann an den weißen Hals und rief aus:

Bei Gott, dagegen ist die spanische Prinzessin gar nichts! Nehmt es, nehmt es, weil Ihr mir manchen guten Grog umsonst gebraut habt, will ich es Euch für einen einzigen Taler lassen, trotzdem ich bei meiner Seel selber drei dafür gab. Also nehmet es, schöne Rose!"

Nach einigem Handeln kaufte Mine das Ding für zehn Groschen und huschte davon, die durstigen Gäste zu bedienen. Um denHumpelhendrik", wie man den in der Gegend übelberüchtigten Handelsmann nannte drängte sich jetzt eine ganze Schar junger Mädchen und Burschen, hörte seine Schmeicheleien an und ließ sich von chm betrügen. Sein großer, roter Kasten hatte aber noch ein Geheimfach, in dem sich aller­lei Dinge befanden, die nicht jedermann, namentlich nicht, wenn er von der Polizei war, sehen durfte. Seine Apotheke war das. Zauberbalsam, Hamburger Pflaster, Kronessenz, Wundertrank und was alles sonst noch da­rin verborgen lag, kannten seine alten Kunden recht wohl und gaben immer wieder öasür, was er verlangte. In besonderem Ruf standen auch seine Liebestränklein. --Aber nun ertönte rauschende Tanzmusik. Da ließ man den Trödler stehen, nur ein Paar alte Weib­lein blieben zurück. Während des Tanzens war Her­mine vom Schenkdienst befrei

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