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Meyener Beizung

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vierreljâhrüch 75 Pfg., vorausahlbar, frei ins HauS. Abgeholt in unterer Expedition oder in den Zweig. auSqabesteüen vierteljährlich 60 Psg. Erscheint Mittwochs unb EamStagS. Redaktion: Leiters« weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung r verlangter Manuskripte wird nicht garantiert Verlag der ,, Wiedener Heilung" (W. m. b. fr

Expedition: Zeltersweg 83.

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Nr. 84

1. Blatt

Samstag, den 18. Oktober 1913

Telephon 9b:. 862.

25. Iahro

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Die Leipziger Schlacht.

18. Oktober 1913.

Wie heißet der herrliche Ehrentag, Deutschlands Ketten für immer brach? Deutschland Sieg und Freiheit gebracht? Deutschland stark und einig gemacht? . . . Die Leipziger Schlacht!

Wann zog ein Frühling durch Deutschlands pauen, Menschen auf Erden ihn selten nur schaun ? ging in Aehren Held Scharnhorsts Saat? wer brachte heim die köstliche Mahd? . . . Die Leipziger Schlacht!

Wo strafte der Herr mit zornigem Blick? beugte den Korsen das W^ltgeschick?

Wer fügte zusammen z u e r st die Macht, Die später Sedan uns, das Reich gebracht? . . .

Die Leipziger Schlacht!

Vor hundert Jahren, da war, die Zeit Des Völkerringens in blutigem Streit;

Drei Tage währte der schreckliche Kampf, Das Blitzen und Donnern beim Pulverdampf:

O Leipziger Schlacht!

Jetzt steht bei Leipzig das Riesenmal, Zur Weihe strömet der Völker Zahl; Nach tausend von Jahren noch tut es kund Den späten Enkeln, dem Erdenrund:

Die Leipziger Schlacht!

Perli ll-C ha rl ottcmb urg.

Dr. O. M' e d d i g e

n.

Zur Jahrhundertfeier.

Den reichen Kranz der Erinnerungen an die große Seit der Freiheitskämpfe schließen diese Okto- bettage ab, da vor 100 Jahren auf Leipzigs Flü- ren die eisernen Würfel sielen über des sieggewohnten

Korsen Geschick.Die größte Schlacht ist geliffert die nie ns der erde [tabt gefunden hat. Sechshunderttaufend mann kempfften mit einander. Die ganze Feindlige ar- mee ist verlohren. Der Kaiser von Rußland hat mich in Leipzig us öffentlichen margt geküszt und den besreier Deutschlands genannt, auch der Kaiser von Oestreich überhäufte mich mit Lob und mein König dantte mich mit tränen in den Augen. Der gedanke lohnt mich über alles, dasz ich derjenige wahr, der den übermütigen tihrannen demütigte." So schrieb der, greise Blücher frohlockend seiner Frau am Abend des 19. Oktober 1813, als Napoleon mit seinem geschlagenen Heer sich auf dem wilden Rückzüge zum Rhein befand. Was der 18. Ok­tober 1812 begonnen, da der stolze Korse den Befehl zum Abmarsch aus dem brennenden Moskau geben mußte, das hatten die vier blutigen Schlachttage von Leipzig vollendet: der Tyrann war niedergezwuügen, Deutschland war frei, dank der gewaltigen Kriegsarbett, die seit den Frühlingstagen bis in den jungen Herbst hinein die preußische Armee un­ter des greisen, aber jugendfrischen Feldmarschalls Blü­cher Führung geleistet hatte. Hundertunddreitausend to­desmutige Streiter zogen im Frühling ins Feld, und als die Sonne am 1-. Oktober 1813 über den blutge­tränkten Gauen zur Rüste ging, waren sie auf 40 000 zusammengeschmolzen, ein gewaltiges Opfer an Blut, das die Freiheit gefordert.

Das Bild dieses blutigen gewaltigen Ringens mag auch den deutschen F ü r st e n an der Seele vor­überziehen, wenn sie heute zur Weihe des Denk­mals sich zusammensinden, das Liebe zum Vaterland und Stolz aus deutsche W»affentaten an der Stätte er­richtet, da der Grundstein gelegt ward zu des jetzigen Reiches ragenden Bau. Warens die Helden doch, die bei Leipzig geblutet und gesagt, die der Fürsten wank­ende Throne gestützt, die auch Könige und Herzöge be­freit von unwürdigen Fesseln, in die sie der übermütige Korse schlug. Die Sieger von Leipzig deckte lange der kühle Rasen in den weiten deutschen Landen, aber von denen, die aus Frankreichs Schlachtfeldern

ihr Werk vollendet, leben noch Tausende, unb wenn eins einen Schatten wirft in die kommenden Festtage, so ists die Zurücksetzung, die man unseren Veteranen an gedeihen ließ. Statt sie an erster Stelle mit leilnehmen zu lassen an der Weihe des Völkerschlachtdenkmals, das ohne ihre Heldentaten kaum hätte errichtet werden kön­nen, müssen sie abseits stehen, weil man & keinen Platz für sie hat finden können.

Fast 60 Jahre Kleinstaaterei hat das deutsche Volk noch über sich ergehen lassen müssen, bittere Enttäusch - ung hat den Freiheitskämpfern von Leipzig und denen, die nach ihnen kamen, kurzsichtige Höflings-Politik be­reitet, bis endlich der ragende Recke erstand, der Deutsch­lands Einheit und volle Freiheit schuf, der den Traum der Besten glanzvoll erfüllte. Darum mag in diesen crn= sten Erinnerungstagen die eine Frage uns allen auf der Seele brennen: Nützen wir auch das Errungene recht? Entstand uns ein Geschlecht, das würdig ist der großen Taten der Vergangenheit, oder müssen wir be­schämt gestehen, daß manches so ganz anders geworden ist, als unsere Vater es sich gedacht? Wenn dem so ist, dann gilts, eist neues baiübarcres Geschlecht zu er­ziehen, das weiß, was wir dem Vaterland schuldig sind und das freudigen Kampfesmutes voll zu streiten be­reit ist gegen des Auslands Neider und die Nörgler im eigenen Hau's für Deutschlands Ehre und Größe, für Fortschritt und Freiheit. Drum sei die Losung dieser Tage, die vor hundert Jahren schon die Jugend begei­sterte : Der Freiheit und dem Vaterlande immerdar!

Die Feiern zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig haben am Donnerstag ihren Anfang genom­men. In Möckern, wo im Verlause der Völker - schlacht der erste Sieg über die französischen Truppen er­fochten wurde, fand Donnerstag früh 7 Uhr zur Eröff­nung der Feier gr.oßes Wecken durch die Spielleute unb das Musikkorps des 106. Infanterieregiments statt.

In Leipzig erfolgte vormittags um 11 Uhr die feierliche Beisetzung der Uederreste mehrerer

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So,

Nach dem Sturm.

Erzählung von Emil Frank.

(Nachdruck verboten.)

so/ meinte Jadwiga, dann ging sie weiter. Sie blieb nicht eher stehen, bis sie ihr vertrauliches Wohngemach erreicht hatte. -edanken verfolgten sie, tmü sie blieb angekleidet, wie sie gekommen, an einem offenen Fenster stehen. Immer mußte sie doch an diesen Naron denken. Wie batten sie ihn alle gerühmt: erst der Doktor, dann die Leute unten im Dorf. Wie hatte doch der Vater gesagt? Er ist ein E-. mann von der kohle bis zum Scheitel, und Dein Barer hat ihm un- Mdlich vieles zu danken, nicht nur materielle Erfolge -- viel mehr! Ja, so hatte er gesprochen. Was moch­

te es nur sein, das er noch dem Varon verdankte? Materielle Erfolge hatte er ausdrücklich als das Klein­ste, Unbedeutendste hervorgehoben! Was war es?

Sie wanderte auf und ab. So manches fiel chr ein, aber Klarheit wollte nicht kommen. Und sie wollte es wissen.

Da fiel ihr Frau Sojka ein. Die war treu und gut, die verstand sie, wenn sie mit einer solchen Frage kam, hatte nicht gleich wunderliche Gedanken. Hier gab es kein Wundern. Der Fall, in dem sie Aufschluß Verlangte, lag klar: ihr Vater hatte selbst gesagt, daß er ihm vieles zu verdanken habe, und sie wollte nun gern» wissen, was es war.

So ging sie abermals durch den Park.

Sie traf Frau Sojka allein.

Die schäme die junge Dame, die ihr von klein auf neb gewesen wie ihr eigen Kind, mit ihren gütigen ^gen an, und ein freundliches Lächeln umhuschte chr Gesicht:Wie schön, daß Sie kommen, Jadwiga." sagte nicht mehr Komtesse.

Und Jadwiga fragte leise, was sie auf dem Herzen ha tte.

Da entstand eine kleine Pause, und die alte Wand­uhr tickte heftiger als sonst, als wollte sie das Schwei­gen überbrücken.

In dem Herzen der Greisin aber war kurzes Be­ten: Gib mir die rechten Worte, daß ich ein junges Herz nicht vergifte!

Dann hob sie an:

Als Ihr Vater das Vätererbe übernahm, da war es verwildert und überschuldet, jede Welle des Schick­sals konnte ihn wegspülen. Er war, wie so viele Aristokraten, nicht zur Arbeit erzogen. Und gerade damals vollzog sich eine Krisis, die manche Existenz vernichtete. Tas Vermögen Ihrer Mutter rettete ihn. Aber nicht alle Last war von ihm genommen. Nach dem Tode Ihres einzigen Brüderchens fraß der Gram an feinem Herzen. Ihre Mutter war leidend und selbst des Trostes bedürftig. Sie waren noch so klein und Mädchen. Da gab es wenig Luregunaen und Zerstreuungen im Hause, und der Graf suchte sie drau­ßen. Er mag es wohl so gemacht haben, wie die meisten Herren, denen es an Betättgung fehlt: er vielte. Da­mals war in Krzemien eine trübe Zeit. Die Gräfin welkte wie eine Blume dahin, und sie starb. Nicht lange danach tauchte Baron Kappel auf. Mit seiner Energie riß er Ihren Vater fort Sein ganzes Wesen bürgte dafür, daß seinen Planen der Erfolg beschieden sein würde. Baron Kappel verstand es, Ihren Vater für feine Pläne zu begeistern, ihn mit Freude am Schaf­fen zu erfüllen. Und das hatte dem Grafen früher ge­fehlt. Es gibt aber Männvk, denen es unmöglich ist untätig zu sein, in ihnen ist zu viel Kvaft aufgespeichs^ die nach Betätigung ruft. Sehen Sie doch nur Ihren Vater an, mit welchem rastlosen Eifer er jetzt arbeitet, wie ernst er feine Pflichten als Gutsherr und Fabrik- herr erfüllt. Und das, die Führung zu Einern tätigen Leben, voll Pflichterfüllung, verdankt er dem Baron Kappel.^

Jadwiga blickte sinnend vor sich.

Aber Baron Kappel ist jedenfalls nicht schlecht 5* bei gefahren, daß er sich mit meinem Vater verband/ meinte sie kühl,- es war, als wehrte sie sich gegen die Einsicht und Erkenntnis, gerade diesem Manne zum Danke verpflichtet zu st»n.

Gewiß, natürlich," bemerkte die alte Frau,eine Hand wusch die andere, aber es ist doch eine Frage, ob Kochanow jemals so erblüht wäre, wie es jetzt der Fall ist, hätte ein weniger energischer Mann die Sache ge­leitet, als der Baron. Es gehörten große Mittel, or ißer Mut, das ganze Einsetzen einer starken Persönlichkeit dazu, um aus dem Nichts ein solches Werk hervorzu­bringen. Mit welchem Feuereifer sorgt er noch jetzt für sein junges Unternehmen! Wie sorgt er aber auch für seine Arbeiter! Sehen Sie Jadwiga, er hätte das alles viel bequemer haben können, viel billiger, die Fab­rik war da, die Arbeiter kamen gern,- wo sie blieben, was aus ihnen wurde, dafür konnten sie selbst sorgen. Aber so ist Baron 5laypel nicht. Er hat zwar ein stolzes, aber auch ein edles Herz, er hat seine Arbeiter erzogen und erzieh! sie noch. Denn die Herren Unternehmer haben, nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Ba­ron Kappel ist ein Beispiel, wie man diese beiden wich­tigen Punkte erfüllt: er verlangt treue Pflichterfüllung, wie er sie selbst übt.

Am Parkhäuschen rollte ein Wagen vorbei. In­stinktiv sah Jadwiga aus dem Fenster. Es war Baron Kappel. Sie blickte ihm lange nach. Wie sicher sich die­ser Mann gab. zielbewußt,- er durfte stolz sein. Und zum erstenmal kam ihr der Gedanke, daß es sich gut an dieses Mannes Seite leben lassen müsse, daß die Frau I stolz sein könne, der seine Liebe zufiel.--

(Fortsetzung folgt.)