»Kietzener Zeitung
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Verlag her „Gießener Zeitung" O. m. b. H.
‘leht
Nr. 49. zeiep^n:«r. 362. Mittwoch, ben 18. Juni 1913.
Anzeigenpreis 15 Pfg.
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Telephon Nr. 862. 25. 3^0^^
Dts Kaisers Regierungs-Jubiläum.
Da sich mit dem eigentlichen Tage des Negier - . Bugs Jubiläums das Andenken an das Hinscheiden sei- Ties Vaters, Kaiser Friedrichs 3., vereint, hatte der Kai- [ |tr bestimmt, daß am 15. Juni von glanzvollen Ver- «njtüllungen abgesehen werden sollte.
^cbenpiatz 3 Das Kaiserpaar selbst nahm am Gottesdienste in .— N Potsdamer Garnisonkirche teil, in der sich außer der —Gemeinde Abordnungen der Potsdamer Garderegimen- e " ' ‘ v mit tem Kriegsminister viele hohe Milttärs verhütten. Es war mit dem Prinzenpaar Ernst inwfw , —o-r -tts Berlin gekommen; ferner hatten sich einge- er fiaS!“^ alle seine Kinder mit Ausnahme des Kronprin- ■3 ~ alt 3n J;3tn- welcher erst am 16. Juni eintreffen konnte, und die «KreuMch. ^Geschwister des Kaisers, mit Ausnahme der Königin it jB(m Griechenland, ebenso die anderen in Berlin und anwesenden Prinzen und Prinzessinnen. Die ^tav Wetii; Wrebiö* hielt Hofprediger Nichter. Der Tert, Römer ---.5, D. 3—5, war vom Kaiser selbst bestimmt worden, d Aasflygsort ^ Ttr Geistliche führte aus, was Fürst und Volk in uN-
furterHof^ Einheit verbinde, sei der stille Gast in den
^"z^ wie in den Hütten der Armen: das
k. gute Küci j ^; Der kömgliche Dulder habe im tiefsten Leid mehr
zer W.Leiw ^oftc bc^vlesen als der Sieger von Königgrätz und — $ontb - Heldenmut, Geduld, Standhaftigkeit, die Kraft, ouszlkharren attch auf dem schwersten Posten. Das ■■■ei Mu)cr[te müsse allein getragen werden. Mit Hoffnungs- blick habe der verstorbene Kaiser auf seinen Sohn ge- fyat ^d mit Hoffn ungsblick schaue dieser heute auf ^'^ Kinder und Enkel, schaue hinaus in sein Land Md über die Welt mit dem Hoffnungsblick: Du, Gott, List meine Zuversicht und meine Hoffnung. — Nach dem Gottesdienste begab sich der Kaiser mit seiner Fa- ü 1913. Mlie nach dem Mausoleum bei der Friedenskirche, um ert in der fc ^ Sarge Kaiser Friedrichs Kränze niederzulegen.' Bei in Rückkehr ins Neue Palais wurde der Kaiser von Jlborbnuugen ehemaliger Angehöriger verschiedener Gar- auf aus den Jahrgängen 1877—1880 be-
rwet^pm™ ^f. ber Monarch reichte jedem der alten Unterofft- zu FraÄ j!frc und alten Leute die Hand und sprach lange mit -jbnen. Auch die Kaiserin begrüßte die Abordnung. —
Ufr 'Sbenbs 7 Uhr gelangte das Kaiserpaar mit seinen Rim J!on wieder im Berliner Schlosse an, wo Abendlasel für
Füsilierw * lie in Berlin anwesenden Fürstlichkeiten stattfand.
Nachmittag' u
-Virtuosen Grs Aus dem Tempelhofer Felde fand Sonntag vor- . (KleiL5 ^illag Feldgottesdienst und Parade der Kriegervereine
1 p im 1M- Erschienen waren der Hauptverband der Berliner s . schauspH Miogewereine» die Sanitäts- und die Genossenschasts - an' verbände vom Roten Kreuz. Auch im Grunewald und
mf den NathausPlätzon mehrerer Borortsgemeiân r M zgz lenden Gedenkfeiern statt, die zahlreich besucht waren.
liglichen Pro^ r Die Nachbarn vom Heideland.
■ im ^1 - I Roman von Ludwig BlUmcke.
:te in 3 AKie | ^^ (Nachdruck verboten.)
Der zweite Festtag, der 16. Juni, wurde bei präch- tigem Sommerwetter um 7 Uhr durch das große Welken eingeleitet, das von den Spielleuten der 2. Garde- Insa nterie-Brigade ünd dem Musikkorps des Garde- I Füsilier-Regiments ausgeführt wurde, während das
Trompelerkocps des 2. Garde-Ulanen-Regiments vkm der Kuppel der Schlotzkapelle die Choräle blies.
Eine große Menschenmenge lauschte am Lustgarten und vom Schloßplatz aus den feierlichen Klängen und wartete aus den Anmarsch der 7000 Knaben und Mädchen Berliner Gemeindeschulen, die gegen 8.15 Uhr anrückten, um dem Kaiserpaar vom großen Schloßhos aUs ein Ständchen zu bringen. In musterhafter Ordnung, geführt von ihren Lehrern, marschierten sie ein, die Mädchen in weißen Kleidern, mit BlumenkrÄnzen im Haar, die Knaben mit Schleifen in den Reichsfar- ben geschmückt. Die Kinderschar brachte vier rhythmisch und dynamisch fein schattierte Chöre zum Vortrag. Nach Verklingen des letzten Liedes brachte Oberbürgermeister Wermuth ein Hoch aus das Monarchenpaar aus, das aus all den jugendhellen Kehlen mit einem dreifachen Hurra begrüßt wurde. Dann folgte die Nationalhymne und musterhaft, wie sie gekommen, zogen die 7000 Sänger wieder ab unter Tücherschwenken und Hurrarufen hinaus zum Schlosse.
Hierauf nahm das Kaiserpaar die Gratulationen des engeren Hofes entgegen, dann die Glückwünsche des Kronprinzen und der Kronprinzessin, der Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, sowie der in Berlin anwesenden Prinzen und Prinzessinnen aus souveränen altfürstlichen Häusern. Zum Schlüsse wurden die Generalität sowie der Hofstaat zur Gratulation zu- gelassen.
Um 11 Uhr war im Rittersaale Gratulationsdefi- liercaur. Das Kaiserpaar hatte vor dem Throne Rufstellung genommen. Die Prinzen und Prinzessinnen standen zu Seiten des Thrones, die Hofchargen dem Throne gegenüber.
Bald nach 12 Uhr begab sich der Kaiser zu Fuß vom Schlosse nach dem Zeughause hinüber. Er war begleitet von seinen 6 Söhnen und seinem Schwiegersohn, sowie den Herren des Hauptquartiers. Eine ungeheure Menschenmenge jubelte dem Monarchen zu, der auf das freundlichste banste. Im Lichthofe wurde der Kaiser von den Klängen der Nationalhymne begrüßt. Sodann ließ er einen Armeebefehl des Kaisers von Oesterreich verlesen und brachte selbst ein dreifaches Hurra auf Kaiser Franz Joseph aus. Nach Entgegennahme von militärischen Meldungen nahm der Kaiser vor dem Zeughause den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie und der Salutbatterie ab. Um 11% Uhr war Familienfrühsiückstafel, und für die Geiolae Marschalltafel.
Berlin, 16. Jum. Der Kaiser empfing heute den Großadmiral, Prinz Heinrich von Preußen, an der Spitze einer Deputation der verschiedenen Offizierkorps und der Beamtenschaft der Marine, die als Geschenk einen silbernen Adler zum Flaggenstoick der kaiserlichen yad)t überreichten.
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Die Festfreude, in deren Zeichen die Reichs- b a u p 1 st a d t am Montag stand, zog im Laufe des Tages immer weitere Kreise und erreichte in der 6. Nachmittagsstunde ihren Höhepunkt. Der Kaiser und die Kaiserin machten eine Rundfahrt durch die Stadt, Um sich auch an diesem Tage den Berlinern und den nach Zehntausenden zählenden Fremden zu zeigen und die glänzenden geschmückten Straßen in Augenschein zu nehmen. Alle Hände fDo gen in die Höhe, Tausende Hüte wurden geschwenkt uUd tausende Hurrarufe erfüllten die Lust. Der Monarch schien in bester Stimmung zu sein und sich über die lebhafte Stadt äußerst zu freuen. In der Noßmarienstraße wurde der Verkehr gehemmt uUd das kaiserliche Auto zum Stehen gebracht. Das Publikum benutzte die Gelegenheit, um das kaiserliche Auto zu umringen und dem Kaiser Ovationen darzubringen.
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Der Kaiser hat der Armee eine Anzahl verschiedenartiger Auszeichnungen zukommen lassen. Eine ganze Anzahl Regimenter haben Chefs erhalten, so das Infanterie-Regiment Nr. 17 in Mörchingen den Groh- Herzog von Hessen, dessen Vorfahre, Erotzher- zog Ludwig 3. bereits die gleiche Ehrenstelle inne hatte. Der Grohherzog von Oldenburg wurde Chef des Jnf.- Regiments Nr. 70 in Saarbrücken, der König von Sachsen Chef des thüringischen Husaren-Regimertts Nr 12 in Torgau, der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha Chef des Husaren-Regiments Nr. 9 in Straßburg i. Els. a la suite, dessen es bisher geführt wurde. Die Großherzogin von Baden ist zum Chef des badischen Dragoner- Regiments Nr. 21 in Bruchsal ernannt worden.
Berlin, 16. Juui. In der Aula der Universität hat heute Mittag zur Feier des Kaiser-Jubiläums ein Festakt stattgefu'nden, an welchem die Nestoren der deutschen Universitäten, Kultusminister Trott zu Solz, sein Amtsvorgänger, von Stubl und Staatssekretär v. Lisco teilnahmen. Die Festrede hielt der Historiker Hintze, der von einens bisher unbekannten Vorfälle -Mitteilung machte, den Redner selbst aus dem Munde des Kaisers erfahren habe. Beim Tode Kaiser Friedrichs erhielt der Kaiser von dem JUstizminister Dr. Friedberg ein verschlossenes Schriftstück, daß das politische Testament Friedrich Wilhelm 4. barg und das jedem Thronfolger vor der Vereidigung vorgelegt werden mußte. Es ent=
abends 8-1 . , Abends 8 Das Werden. ; ilacbtdenkm^ der Geograf
Auf dem Wege nach der Mühle traf Hinrichsen den Miller Thorö.
„Herr Hinrichsen, Sie tun mir leid," sagte der, des tichhofers mächtige Hand innig drückend. „Ich weiß ja, wie lange der Hof in Ihrer Familie ist, und daß Khnen die Trennung von diesem Stück Lande schmerzlicher als der Tod ist. Ich will Ihnen nun den Beweis Lesern, daß ich doch nicht so schlecht und grausam bin, vie manche Leute wähnen. Wenn Sie wollen, dann
abends
ne Aben" bleiben Sie auf Ihrer Scholle bis an Ihr Lebensende, m der K j wenn auch nicht als Besitzer, so doch als Pächter. Ich ■ fhan ^ ' kaufe Ihnen den Hof ab und verpachte denselben gleich
1001 vieder an Sie. Die Pachtsumme soll nicht höher sein,
, Terra) als die Zinsen betragen hätten, die Nathan von Ihnen ' ^ ü 1 verlangte. Könnten Sie sich da-u entschließen? Biel
ÂbeDY Seit zum Ueberlegen ist nicht mehr. Der Vertrag müßte Bestender g noch in dieser Stunde geschloßen werden." —
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Hinrichsen tat einen tiefen Seufzer. Wenn Lorenzen nun doch recht hätte und Stine und Hans, wenn dieser Mann ein so scheinheiliger Betrüger wäre, wie er -as früher selber fest geglaubt? So durchhämmerte es sein Hirn, ehe er eine Antwort fand. Aber Zett zum Ueberlegen gab es ja nicht. Wäre doch jetzt Lorenzen
Nrr Stelle gewesen, nur drei Worte hätte er mit dem Een Freunde reden mögen!
wie Sie wollen," sprach Thorö achselzuckend mit gleichgültiger Miene. „Sie können sich denken, - ich den Eichhofer dieser Tage billiger haben könnte
jert âf M â kür der: Preis, den ich Ihnen als anständiger Mann bdete. Also wie Sie wollen, Herr Nachbar."--
"Ja — nehmen Sie es mir nicht übel, aber —" .Aber Sie trauen mir nicht recht, Herr Hinrichsen.
— Lasten wtr das also. Ich habe versucht, Ihnen meine freundschaftliche Gesinnung zu zeigen. Vielleicht finden Sie auf einem größeren Gut irgendwo eine Verwalter- stelle. Wenn das böse Kopfleiden nur nicht wäre!"
Jedes Wort machte den beabsichtigten Eindruck auf den Eichhofer. So gab er denn nach, folgte Thorö zur Mühle und ließ denselben einen Pachtkontrakt und einen Kaufvertrag abfassen.
Wie ging das nur alles schnell! Wie glitt des schlauen Geschäftsmannes Feder über das geduldige Papier! Ach so schnell konnte Hinrichsen nicht folgen, unmöglich. Heute schwirrten ihm die Gedanken überhaupt so wirr durcheinander. Doch so viel hörte er heraus, wie Thorö das eben Geschriebene hastig vorlas, daß die Bedingungen keineswegs günstig, daß er von des neuen Besitzers Gnade und Ungnade abhängig war. Wenn er nur einmal die Pacht nicht pünktlich zahlen konnte, oder auch sonst Thorö nicht zu Willen war, so etwa stand da, dann war das ein Grund zu sofortiger Kündigung. — Aber was half es? Er mußte sich fügen. Mit zitternder Hand unterschrieb er. Morgen früh sollte das weitere bei dem Notar Soennichsen in Flensburg abgemacht werden.
X.
' Die Strafe.
Thorö hatte erreicht, was er so lange erstrebt. Er war ein Glückspilz, sagten die Leute. Nun gehörte ihm auch der Eichhof. Und Hermine Mathiesen, das heißbegehrte Mädchen, gab ihm gestern ihr Jawort. Ihre Mutter hatte nichts dagegen, daß die Hochzeit noch vor Weihnachten gefeiert würde. Mochten die Arendruper denken was sie wollten, dem neuen Brautpaar war das vollkommen gleichgültig.--
Von Hans war dieser Tage die Nachricht eingetrof- ; fen, daß es ihm etwas bester ginge und daß es einem । sehr geschickten Arzr gelungen wäre, die Kugel und alle
Knochensplitter glücklich aus dem Bein zu entfernen. Eine Amputation wäre nicht nötig.
„Auch gut!" sagte Hermine, nachdem sie diesen Brief gelesen und auf den Eichhof geschickt. „Dann wird er ja auch den Schmerz verwinden, daß ich ihm untreu geworden. Bis er etwa zurückkommt, bin ich mit meinem neuen Schatz längst in Kopenhagen." —
Thorö stand nämlich bereits wegen des Verkaufs seines Mühlengrundstücks und der anderen bethen Besitzungen in Unterhandlung und durfte sicher sein, ein gutes Geschäft zu machen, sobald der Frieden gekommen. Und der müßte bald geschlosten werden.
Ein Tag der Freude war das heute auf dem Eichhof, als der von Hans mit eigener Hand geschriebene Brief eintraf. Wie ein warmer Sonnenblick durch finsteres Gewölk wirkte die Nachricht auf alle Gemüter. „Er wird gesund werden, er wird wiederkommen und sich über die Treulosigkeit seiner Braut trösten!" jubelte Hinrichsen.
Der alte Lorenzen, der so selten ein Wort mitzu^ reden pflegte, meinte darauf: „Vielleicht wird er erkennen, daß diese Treulosigkeit für ihn das größte Glück bedeutet. Mit Hermine hätte ihm kein Glück geblüht. Die ist schlecht, grundschlecht, da wußte ich schon lange."
In der Tat regte Herminens Brief, in dem sie ihm kurz und kühl mitteilte, daß sie seiner überdrüssig und sich mit Thorö verlobt hätte, den Verwundeten lange nicht so auf, wie man hätte erwarten sollen. Wohl sprach aus seinem langen Schreiben, das der Vater bald darauf erhielt, ein tiefer Schmerz, aber zugleich auch die Erkenntnis, von der Lorenzen neulich gesagt. Er hätte lange geahnt, daß es so kommen, würde, schrieb Hans. So selten, wie Hermine seiner während des Krieges gedacht, so kalt und gleichgültig, wie ihre Briefe waren, mußte er ja auch erraten, daß ihre Liebe nicht echt. —
(Fortsetzung folgt.)