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Verlag der „Eichener Zeitung" G. m. b. H.
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Druck der Eichener VcrlagSdruckcrci.
Nr. 6
Telep hon: Nr. 362.
Samstag, den 18. Januar 1913.
Telephon Nr. 362.
25. Jahrg
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Günstige Kalkanaursichten.
_____ Die Großmächte haben über den Inhalt ihrer -------in Konstantinop l zu überreichenden Note ein Emvec- Bei nehmen erzielt. Die Balkan st aaten haben darauf ™rämmnnM ihren vorzeitigen Beschluß, unabhängig von den Mächten 'OlmuWW eine Art Ultimatum der türkischen Regierung zu über= laschendem Ersol" reichen, aufgehoben und erklärt, sie würden die Wirkung chwersten Fällen der Kollektivnote auf die Türkei abwarten, bevor sie anbei es mehr selbständige Schritte unternähmen. Durch diese Ent- âre^^"i"te Wickelung der Dinge ist nicht nur von den Großmächten, die diese drohende Blamage in zwölfter Stunde abge- ’QOQnno wendet, sondern es ist zugleich auch die für die Wiedec- Herstellung des Friedens aussichtsreichste Aktion ins Werk J|Qg * - "tetzt worden. Da die Türken vor den Toren Athens
Uwl" kleines griechisches Kriegsschiff in den Grund bohr-
Waldung
- " ich und da Adcianopel sich noch immer behauptet und
ne und Kinder. n0(fj Über eine ganze Zeitlang ausreichenden Lebenè- I, °r mittel verfügt, so sieht man, wie berechtigt die auch von L M L^L .Deutschland unterstützte Forderung war, jede Schroffheit Unter'luchinig und '" ^er Note an die Türkei zu vermeiden. Andererseits mg kostenlos. ' ist es nach diesem den Tücken günstigen Tatbestände freilich noch zweifelhafter geworden, ob die Regierung auch den wohlwollendsten Ratschlägen der Mächte enb ar in Gießen, sprechen und Adrianopel abtreten wird. Wahrscheinlich 'wird zunächst in London noch eine Sitzung der Friedens- _________konferenz ftattfindm. Die deutschen Börsen waren auf die Besserung der Lage befestigt.
Die Vernichtung des griechischen Torpedobootszer- ftöcers „Makedonia" durch den türkischen Kreuzer Medjidje" vor der unweit Athens gelegenen Insel Syra ist ein starker moralischer Erfolg der türkischen Flotte, der nur dadurch an Wert verliert, daß ec so spät kommt. — Konstantinopeler Nachrichten lassen auf eine Nachgiebigkeit der Türkei in dec Frage Adrianopels schließen.
otoren
Uon der friedenskonferenzf
Konstantin opel, 16. Jan. Wie eine Mitteilung aus zuverlässiger Quelle wissen will, wird der Vroßwestr Kiamil Pascha das Kabinett heute vor die absolute Notwendigkeit des Friedensschlusses stellen. Aamil erklärte, daß es unmöglich sei, unter.den gegenwärtigen Umständen weiter die Regierungsgeschäfte zu sühren.
London, 16' Jan. Die „Times" meldet aus Konstantinopel: Die Note der Großmächte wurde deshalb bisher noch nicht überreicht, weil der Botschafter Deutschlands noch keine Instruktionen erhalten habe. In türkischen Kreisen glaubt man, daß die Groß
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mächte untereinander noch immer nicht einig sind. Man Nißt deshalb türkischerseits b« Note nicht die ge- tvünschte Festigkeit bei.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Der preußische Gesandte in Darmstadt, Freiherr von Jeni sch, ist als Nachfolger des Staatssekretärs . v. Jagow für den Botschafterposten in Rom in I Aussicht genommen.
Oesterreich.
Wien, 16.Jan. Wie man der „Polit. Korresp." aus Konstantinopel schreibt, hat die Anwesenheit der Offiziere und Matrosen des deutschen Kriegsschiffes „Goeben" beim jüngsten Selamik auf die Tücken einen sehr angenehmen Eindruck gemacht. Entsprechend einem vom Botschafter Fretherrn von Wangenheim geäußerten Wunsche hat man den Offizieren und der Mannschaft gestattet, der Feier beizuwohnen. Als der Sultan in feierlichem Zuge erschien, brachten die Deutschen ein dreimaliges Hurra aus. Dec Herrscher, der davon aufs freudigste berührt war, ließ dafür durch den Ersten Adjutanten Salib-Pascha seine lebhafte Befriedigung und seine Grüße übermitteln. Obgleich dem Vorgänge keine unmittelbare politische Bedeutung zugemessen werden kann, wird die deutsche Aufmerksamkeit im Palais und in den Regierungskreisen doch unter den gegenwärtigen Umständen als eine sehr freundliche Kundgebung gewürdigt.
Rumänien.
Aus Sulina, einem kleinen rumänischen Hafen an der Donaumündung, meldet ein Telegramm, daß von Bukarest die Mobilisierungs-Oc dre eingetroffen sei. Eine Bestätigung der Meldung bleibt abzuwarten.
*
Frankreich.
* Der französische Senat wählte mit 221 von 272 Stimmen Dubost zu seinem Präsidenten. Vizepräsident wurden die Senatoren Touron, Ratter, Maurice Faure und Savary.
Spanien.
* König Alfons und die Republikaner. Nachdem König Alfons von den Konservativen sozusagen boykottiert worden ist, findet eine Annäherung der Republikaner an den Thron statt. Vor einigen Tagen brachte in Murcia dec republikanische Führer Alvarez in einer Volksversammlung Hochrufe auf den König aus wegen dessen liberalen Verhaltens und heute erschien dec republikanische Führer Azcaraga im königlichen Schloß, wohin er von dem König berufen worden war, der ihn über soziale Probleme zu befragen wünschte. In politischen Kreisen wird versichert, daß
der König entschlossen fei, alle hervorragenden politischen Persönlichkeiten, welcher Partei sie auch angehörten, zu empfangen, um ihre Meinung über die verschiedenen politischen Fragen von allen Gesichtspunkten aus kennen zu lernen. Die reaktionären Kreise befürchten, daß der König eine Linksrichtung einschlägt und die Reaktionären unter Maura abschüttelt. Es herrscht ungeheure Sensation.
Serbien.
* Belgrad, 16. Jan. Wie aus Prizrend gemeldet wird, hat dort gestern um 10 Uhr vormittags die feierliche Hissung oer Flagge auf dem österreichisch-ungarischen Konsulat statt- gefunden. Kurz vor der anberaumten Zeit hatte eine Abteilung serbischer Truppen unter dem Kommando eines Offiziers vor dem Konsulat Aufstellung genommen. Konsul Prohaska erschien in Galauniform, umgeben von dem Personal des Konsulats und gab einem Kawaffen das Zeichen zur Hissung dec Flagge. In dem Augenblick, als diese aufgezogen wurde, leisteten der kommandierende Offizier und die ausgerückte Mannschaft unter klingendem Spiele die vorgeschriebene Ehrenbezeugung. Hiermit war die Feier zu Ende. Bald darauf stattete Konsul Prohaska dem serbischen Militärkommandanten einen Besuch ab.
Der Kohlenreichtum des rechtsrheirlssch« westfälischen Industriebesirks.
Im Zusammenhang mit der vom diesjährigen internationalen Geologenkongreß in Kanada veranstal- teten Erhebung über die gesamten Kohlenvorräte der Welt sind auch die im rechtsrheinisch-westfälischen In- dustciebezirk anstehenden Kohlenmengen berechnet worden. Hierfür berichten Bergaffessoc Kukuk und Dr. Mintrop von der westfälischen Berggewerkschaftskasse zu Bochum in einer ausführlichen Abhandlung in der berg- und hüttenmännischen Zeitschrift „Glückauf" in Essen-Ruhr vom 4. Januar 1913 :
Danach sind in dem durch Schachtanlagen aufgeschlossenem Gebiete von 1532 qkm Flächeninhalt nach Abzug der bereits abgebauten Kohlenmengen von rund 2 Milliarden Tonnen bis zu einer Tiefe Voa 1500 m noch 32 Milliarden t absolut abbauwürdige Kohlen vorhanden ; in noch größerer Tiefe lagern außerdem 10 Milliarden t. Durch Bohrungen ist ferner ein Gebiet von 1728 qkm aufgeschlossen, in dem bis 1500 m Tiefe 27 Milliarden t und darunter noch 45 Milliarden t abbauwürdige Kohlen anstehen. Endlich ist das Vorkommen dec Steinkohle in einem weitern, nur durch vereinzelte Bohrungen aufgeschlossene» Gebiete von min
Das Glüâskmd.
Roman von Irene von Hellmuth.
(Nachdruck verboten.)
. t "1 „Ja, wenn er will," entgegnete der Bruder, „ge- ' zwungen kann er nicht werden, weil hier ganz genau ÖrK*' .Acht: „am Tage der Hochzeit."
und Poularde d: ^Nun, den Versuch kann ich immerhin machen."
-1 Mark 6.75 „Tue das, mein Kind," fiel Frau Therese ein, Hilsts nichts, so schadets nichts. Du kannst ja beifügen, .^daß Du ohnehin bald Hochzeit halten wirst, und dann st wie so Anspruch auf das Dir zukommende Teil machen
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„Das werde ich hübsch bleiben lassen. Glaubst Du Sm, daß ich damit Böhler eine Freude machen würde? lt Gegenteil, je länger er im Besitze des ganzen Ka- als bleiben kann, desto lieber wird es ihm sein." IV „Nun, er muß doch aber daraus gefaßt sein, daß Du k auch einmal daran denken wirst, Dich zu verheiraten," > «einte Therese.
I „Ja, aber mir will es scheinen, als ob Böhler herzlich froh wäre, daß ich in dem stillen Forsthause so lange 'avshalte; er war es ja auch, der mich zuerst auf den Ge- .banken brachte, hierher zu gehen,- jedenfalls hatte er dabei seine besonderen Gründe,- er hat auch noch nie gerieben, daß ich wiederkommen soll."
„Na, ich glaube, Du yast auch wenig Sehnsucht nach
Stadt und nach Deinem Vormund," lächelte die Hüterin, und ihr Gatte fiel neckend ein: „Jetzt schon <ar nicht mehr, weil sie einen gefunden hat, der--"
Röschen deckte die kleine Hand auf den Mund des Eprechers und schmollte: „Du bist wirklich ein Böse- «ichi, ich mag Dich nicht mehr leiden!"
Trotz dieser Versicherung füllte sie sich gleich darauf ron zwei kräftigen Armen emporgehoben und zärtlich auf öen Mund geküßt.
Selbst Waldemar konnte sich bei den Neckereien der
beiden eines Lächelns nicht erwehren. Er rüstete jetzt zum Ausbruch, um den Zug nicht zu versäumen.
Der Himmel hatte sich wieder aufgehellt, und so beschloß er, den Weg zur Station zu Fuß zu machen. Ein Fuhrwerk mußte immer erst drunten im Dörfchen, das am Ausgange des Waldes lag, bei irgend einem Bauern entlehnt werden.
Röschen begleitete den Bruder ein Stück des Weges. Mit den herzlichsten Worten und der Bitte um baldige Nachricht verabschiedete sie sich dann bei der nächsten Wegscheiöe.
Die folgenden Tage brachten trübes, regnerisches Wetter, so daß man gezwungen war, im Hause zu bleiben.
So viel Dr. Malljar auch hinter seinem Vorhang nach dem Waldweg hinüber spähen mochte, von der ersehnten Gestalt war nichts zu sehen. Die Ungeduld trieb ihn durch den regennassen, triefenden Wald, hinauf zum Forsthause. Doch still lag dieses da, als ob es kein lebendes Wesen enthielte. Nicht einmal die Hühner und Tauben wagten sich heraus, sie hockten eng aneinander geschmiegt unter dem etwas vorspringenden Dach des Stalles.
Mißmutig, das Herz von Sehnsucht geschwellt, kehrte der einsame Wanderer wieder auf demselben Wege heim,- eintönig tropfte der Regen von Blatt zu Blatt. Im Giebelzimmer des Forsthauses aber wurde leise ein Fenster geöffnet und ein lächelndes, glückseliges Gesicht beugte sich weit heraus, zwei blaue Augen verfolgten die hohe Gestalt, die zwischen den, alten Bäumen in dem hohen, nassen Grase so langfclm dahinging, als wäre der schönste Sonnenschein.
Schon eine Woche hielt der Regen an, und noch immer vermochte kein Sonnenstrahl durch die dichten Wolken zu dringen. Röschen wartete von einem Tag zum andern auf Nachrichten von dem geliebten Bruder und dem Vormund. Endlich traf ein Brief von dem letz-
ieren ein, doch enthielt derselbe nichts Tröstliches. Böhler schrieb, daß es ihm gar nicht eiufiele, eher einen Pfennig herauszugeben, als er müßte, noch dazu für einen solch leichtsinnigen Menschen, der sich wie ein Gimpel an der Leimrute fangen ließ. Waldemar solle sich nur selbst aus der Patsche helfen, in die er durch eigene Dummheit geraten war, — ein Jeder müsse die Suppe auslöffeln, die er sich eingebrockt.
Auch von Tante Aurelia lag ein Zettel bei des Inhalts, daß das Geld ausschließlich für das Mädchen bestimmt ist, und Röschen sich nicht einfallen lassen möchte, daß davon etwas an Waldemar abgegeben werde. Später würde Röschen noch dankbar sein für diese Maßregel,- der Junge hätte eben bei seinem Studium bleiben sollen, anstatt solche einfältige „Witze" zu machen. Sie hielte es für ihre Pflicht, darauf zu achten, daß das Kapital für den Zweck, für welchen es ursprünglich bestimmt gewesen, auch erhalten bliebe usw.
„Armer Bruder," seufzte Rosi, nachdem sie zu Ende gelesen, „von dieser Seite ist also nichts zu hoffen. Na, wir werden ja fehen, vielleicht geht es besser, als wir denken."
Nicht viel ermutigender lautete Waldemars Schreiben. Zwar hatte er nach unsäglicher Mühe die Stelle eines Korrespondenten erhalten, die ihm wenigstens Brot für sich und sein Frau schaffte, auch war es ihm gelungen, einen kleinen Teil der Summe zur Deckung der Wechsel gegen hohe Zinsen aufzutreiben, doch blieb immer noch genug und übergenug übrig.
Die Gläubiger, denen Waldemar alle Umstände seines unverschuldeten Unglücks wahrheitsgemäß dargelegt hatte, sahen freilich ein, daß Waldemar unmöglich Deckung schaffen konnte,- sie lösten daher ihre Wechsel' mit ihrem eigenen Gelde ein, aber der Schuldner hatte sich verpflichten müssen, die Summe innerhalb zehrt Monaten zurückzuzahlen.
(Fortsetzung folgt.).