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Bezugspreis 25 pfg. monatlich

vierteljährlich 75 $., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg. Erscheint Mittwochs und SamStags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag derGießener Zeitung" G. m. b. H.

Expedition: Seltersweg 83.

Knzeigcnpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deS ZahlungS- Zieles (30 Tagei, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plapvorfchriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener VcrlagSdruckcrei, Albin Klein.

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Nr. 22.

Telephon: Nr. 362.

Samstag, den 15. März 1913.

Telephon Nr. 862. 25, Jahrg.

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Die Kergarbeilerlöbne im Sabre 1912.

Die amtliche Statistik der für das 4. Quartal und das ganze Jahr 1912 ermittelten Bergarbeiter- löhne ist im ^NeichSanzeiger" veröffentlicht. In den 3 wichtigsten Steinkohlenrevieren, auf die etwa 2/s der Gesamtbelegschaft des deutschen Bergbaus entfallen, waren im 4. Quartal 1912 folgende Durcbscknittslöhne dec Gesamtbelegschaft und der Hauer (etwa 50 Prozent dec Gesamtbelegschaft) zu verzeichnen: a) Oderberg- amtsbezirk Dortmund, Gesamtbelegschaft Mark 5,17 (gegen 5,10 im 3. Quartal 1912 und 4,75 im 4. Quartal 1911), Hauer 6,21 (6,12 bezw. 5,63); b) Ober­schlesien, Gesamtbelegschaft Mack 3,73 (3,68 bezw. 3,51), Hauer Mk. 4 32 (4,29 bezw 4 01); e) Saar­bezirk, Gesamtbelegschaft Mk. 4,31 (4,21 bezw. 4,14), Hauer Mk. 4,95 (4,82 bezw. 4,69). W e sich die Schicht­löhne sowie das Jahreseinkommen der Bergarbeiter in den letzten 4 Jahren entwickelt haben, ergibt sich aus folgender Aufstellung:

Gesamtbelegschaft Hauer

Die größte Lohnsteigecung ist demnach im Ruhr- kohlenbezirk zu verzeichnen. Der Durchschnittsschichtver­dienst der Gesamtbelegschaft ist seit 1909 um 68 Pfg, das Jahreseinkommen um 236 Mk. gestiegen, bei den Hauern betrug die Steigerung 88 Pfg. bezw. 302 Mk. Die Gesamtsumme der gezahlten Löhne stellte sich im Jahre 1912 im Oberbergamtsbezirk Dortmund auf 570,59 Mill. Mk. (gegen 493,95 Mill. Mk. im Jahre 1911), in Oberschlesien auf 126,25 (115,07) Mill. Mk.. im Saarbezirk auf 62,71 (60,42) Mill. Mk. Die an­gegebenen Löhne sind reine Nettolöhne; sie verstehen sich nach Abzug aller Arbeitskosten sowie der Beiträge für die knappschaftliche Versicherung. Im Jahre 1911 betrug der Jahresbeitrag der Mitglieder des Allgemei­nen Knappschaftsvereins in Bochum (für die Kranken-, Pensions- und Invaliden kaffe) durchschnittlich 80,20, dec Beitrag der Arbeitgeber einschließlich Beitrag für die Unfallversichecung pro Kopf dec Belegschaft berech« net Mk. 123,73, zusammen Mk. 203,93.

merkensw ertes. Bei Bulair befestigt der Feind gewisse Stellungen. Bei Kuscklac und Jailassi in der Gegend von Tscbataldscha fand ein heftiger Kampf zwischen einer tückischen und einer feindlichen Abteilung statt, die zarückweichen mußte und auf ihrem Rückzug die Bahnstation JndzegiS zerstörte und Avcen teilweise eiuäichecte.

* Uesküb, 14. März. Serbisches Militäc griff ca 400 unbewaffnete Ljumesen aus und brachte sie nach Prinzrend, wo 300 der Ljumesen ohne Kriegsgericht und demnach ohne Urteil erschossen wurden. Daraus geht hervor, daß Serbien nach wie vor darauf ausgeht, Albanien zu entvölkern.

Schicht- Gesamtvd. Schicht- Gesamtvd.

Oberbbzk. Dortmui

lohn

Mk. n d:

eines Arbts. lohn eines Hauer

Mk.

Mk.

Mk.

Jahresmittel 1909

4,49

1350

5,33 1556

1910

4,54

1382

5,37

1589

1911

1. Viertels. 1912

2. 1912

4 69 4,83 5 00

1446 1(5,03)1586

5,55 5,74 5,97 6,12

1666

1

3. 1912

5'10

1(6,02)1858

4. 1912

Oberschlcsien.

5,17

6,21

Jahresmittel 1909

3,48

986

3,97

1100

1910

3,44

964

3,91

1068

1911

1. Viertcij. 1912

2. 1912

3,48

3,53]

3,64

980

3,98 4,03' 4,22 4,29 4,32

1094

3. 1912

4. 1912

Saarbezirk:

3 68

3,73

(3,64)1053

(4,22)1196

Jahresmittel 1909

3,96

1136

4,51

1273

1910

3,97

1122

4,50

1248

1911

1. Viertelj. 1912

2. 1912

4,06

4,17]

4,211

1168

4,60

4,73] 4,791

1298

3. 1912

4. 1912

4,21 i

4,31]

<4,22)1251

4,82 (

4,95 s

<4,83)1399

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Die Nachbarn vom Heideland.

Roman von Ludwig Blü rucke.

3) (Nack)ruck verboten.)

Hans schaute sie groß an mit seinen hellen Augen.

Wie kam er zu dieser Ehre? Früher hatte diestolze I Nine" ihn kaum eines Wortes gewürdigt, kaum einen

Gruß erwidert. Und nun lächelte sie ihm holdselig zu, hieß ihn willkommen in der Heimat, schüttelte ihm die Hand?--Ein stattliches Weibsbild ist sie gewor­

den!" mußte er sich gestehen, und seine Blicke hingen wohlgefällig an dem frischen, wohlgeformten Gesicht, an ter hohen, schlanken und doch kraftvollen Gestalt. Er (Wußte nicht recht, sollte er ihr ein Kompliment machen, Hr eine Artigkeit sagen, oder sollte er es lieber nicht tun. Auf ihre Einladung, doch ihren Eltern guten Tag zu sagen, konnte er nicht anders, als ihr zu Willen zu sein

Mathiesen stand breitspurig in Holzschuhen und Hemdsärmeln auf dem Hof und freute sich der stattlichen, gruuzenden Schar seiner wohlgemästeten Borstentiere, die eine Magd soeben in die Freiheit gelassen. Schmun-

zelnd berechnete er, was jedes Stück zum Herbstmarkt einbringen mußte. Er war ein breitschulteriger Mann von kleiner Statur, yatte ein unschönes, aufgedunsenes Branntweingesicht mit ein Paar sehr beweglichen, ver­schmitzt blickenden kleinen Augen und einer mächtigen, kupferroten Hakennase. Der spärliche rote Bart, der das Gesicht in dünnem Kranz umrahmte, trug auch nicht da­zu bei, dasselbe zu verschönern. Sah man dagegen die Wirtin, die jetzt soeben mit einem Milcheimer aus dem Kuhstall trat, dann mußte man unschwer erraten, daß diese imposante, einmal gewiß der Tochter sehr ähnliche Frau ihren Jörgen keineswegs aus Neigung, sondern lediglich seines Geldes wegen geheiratet.--

Ah Hinrichsens Soldat!" rief sie jetzt aus, dem­selben wohlgefällig zuuickend und ihm die Hand, nach-

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der Bundesrat hat u. a. den zuständigen . Ausschüssen den Entwurf eines Gesetzes über die Ec- 1 cichtung eines Kolonialgerichtshofes überwie- fen. Ein Antrag betr. M u st e r s a tz u n g e n für Kran­kenkassen wurde angenommen.

* Bei der Landtagsersatzwahl im Wahlkreise Tel- tow-Beeskow-Wilmecsdocf wurde Haseloff (Kons.) ge­wählt.

*

England.

* London, 13. März Dec Pcinz von Wales reift nächsten Montag nach Deutschland ab.

Belgien.

* Brüssel, 14. März. In hiesigen Hoikceisen ver­lautet, daß dec Schwager des Königs von Belgien, der Herzog von Ucach, ernstlich für den Thron von Albanien in Betracht komme.

China.

* Peking, 13. März Die chinesische Regierung ernannte den amerikanischen Nationalökonom Goodnow zum Berater in Vecfaffungsresocmfcagen.

Vom Balkan.

* Konstantinopel. Nach dem amtlichen Kriegs­bericht ereignete sich vor Adrianopel nichts V e-

dem sie dieselbe an der Schürze abgestrichen, zum Gruße reichend.

Mathiesen hielt es indessen nicht für nötig, die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen, er nickte Hans etwas kühl zu und ließ es bei ein paar landläufigen Phrasen bewenden. Die Hinrichsens gehörten eben zu feinen seltenen Gästen, darum hielt er es nicht für nötig, ihret­wegen viele Worte zu verschwenden. Umso liebenswür­diger nötigte die Wirtin den Ulanen, der ihr nicht min­der gut gefiel als ihrer Tochter, in dieHerrenstube," schenkte ihm ein Glas Bier ein und fragte, ob ihm ein Grog oder ein kleiner Kaffeepunsch obenauf gefällig wäre. Er lehnte das dankend ab, da feine Zeit gar zu knapp wäre.Sie sehen einfach großartig aus, wie ein Leutnant!" beteuerte Frau Mathiesen wiederholt, und aus Minchens verliebten Augen sprach nur zu deut­lich die Bestätigung dieser Behauptung.Am zweiten Festtag dürfen wir Sie doch auch beim Schützenball hier im Saal erwarten? Was werden unsere Arendruper Mädels sich um Sie reißen! Und am dritten Pfingst­tag dürfen Sie natürlich beim Ringreiten und Scheiben- i schießen nicht fehlen." Hans bedauerte, hereingekom­men zu sein und dennoch mochte er am liebsten gar nicht wieder fortgehen, obwohl er immer von neuem sagte, er müßte sich beeilen, nach Hause zu kommen, da der Vater sicher vor Ungeduld verginge. Was war denn da nur an der schönen Hermine, das ihm nicht gefiel, das ihn abstieß?Unsinn, Weiberscheu, nichts als eines preu- ßffchen Reitermannes unwürdige Weiberscheu!" beant­wortete er sich selber diese Frage und gab sich Mühe, ein­mal nicht den Bärbeißigen, sondern W Galanten zu spielen. Das wurde ihm schwer, denn ér war im Ver­kehr mit dem Ewigweiblichen noch immer derselbe Töl­pel, als welchen Mine ihn früher oft verlacht. Er­leichtert atmete er auf, wie er nicht mehr der einzige Gast in dem sauberen, recht gemütlich eingerichteten Herrenstübchen" war. Der da jetzt eintrat, war ein

Jlu$ Stadt und £and.

* Der Großherzog hat dm außerordentlichen Pco- feffor bei dec philosophischen Fakultät der Landesunivec- sität Dr. Willy Schmidt in Gießen auf sein Nach­suchen mit Wirkung vom 1. Apcil 1913 aus dem Staatsdienste entlassen.

* Dec Finanzausschuß dec hessischen Ersten Kammer hat die von der Zweiten Kammer genehmigte Anstellung eines höheren Prozentsatzes dec Schceib- g e h i l f e n der drei Ministerien ab gelehnt und stellt sich auf den Regierungsstandpunkt, wonach 20 Prozent anstatt dec genehmigten 40 Prozent dec Schcetvgehilfen angestellt werden sollen. Auch der Antrag auf Erhöh­ung dec Akteaciatsaffistent nstellen um 58, den die Zweite Kammer angenommen hatte, wurde abgelehnt.

* Der Lehrermangel in Preußen beginnt allmählich aufzuhören. So wird aus dem Regierungs­bezirk Hannover berichtet, daß zurzeit keine vakante Schulstelle mehr zu verzeichnen ist. Aus den übrigen Regierungsbezirken der Provinz Hannover lauten die Nachrichten ähnlich. Die jetzt und später von den Se­minaren abgehenden Schulamtsbewerber werden oft lange auf Anstellung warten müssen. Damit hängt aber auch zusammen, daß die Vertreter der Regierung bei den Abgangsprüfungen vom Seminar und der Präparandenanstalt erheblich höhere Anforderungen stel­len und deshalb mehr Schüler diese Prüfungen nicht bestehen, als in den letzten Jahren.

Ein großes Bedürfnis

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wirklicher Herr, das verriet seine elegante Jug^ rüstung und sein ganzes Auftreten sofort. Er tru^ .r^ur graugrünen Loöenanzug, hohe gelbe Gamaschenm keckes Hütlein mit einem Gemsbart und pnt?< rem un­angenehmes Gesicht. Auch war er von \tnV.hd vv Wuchs Mochte wohl einer von den reichen Hofbesitzer: aus bn Marsch sein. Mit etwas näselnder trimm' fiu^ auf hochdänisch, ob hier wohl ein nukv Glas Wcm bekommen wäre und ob er Herrn Vicrttzrestm nicht ken lernen dürfte.Mein Name ist Thorö," fuhr er ».; Ich bin der neue Besitzer der Windmühle und fom: Ihr Nachbar."

Ei, da wurde die Wirtin lebendig! Wie koume knicksen und fein tun! Hans Hinrichsen war vergeh ihre ganze Aufmerksamkeit gehörte jetzt dem neuen Ga^ Auch Hermine sprang und gebärdete sich, als wäre mm bestens ein Fürst eingekehrt. Sie rief den Vater, hoir« Wein aus dem Keller, half jenem dann schnell ein mc nig Toilette machen, und sagte zu Hans nur noch, aS derselbe ging:Also übermorgen auf Wiedersehen!' Dabei schaute sie ihn an, daß es ihm ganz warm uv das Herz wurde.Ein Prachtmädel!" konnie er nu denken, wie er jetzt mit großen Schritten weitermar feierte. Schon folgte ihm eine Schaar Arenducpe Kinder mit klappernden Holzschuhen und voll aufrichti ger Bewunderung. So ein schmucker Soldat war ebe: eine Seltenheit hier. Mm: grüßte ihn ehrerbiet^a an fühlte sich geschmeichelt, von < n einer Anrede oder eine Scherzes gewürdigt zu weriXk. Und nun hatte er da Moor erreicht, in dem auch henc-. Vater und So!:. Lr renzen emsig an der Arbeit waren. Stine brachre ihne gerade das Versperbrot, wie Hans hinter.den Tor Haufen auftauchte. War das ein Jubel, ein Stauner ein Bewundern!Wahrhaftig, da muß man eitel wer den!" rief der 111-211 aus, wie nun auch Stine mit Hock roten Wangen schüchtern sagte:Man tenm Dich 1 kaum wieder. (Fortsetzung so