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brzugspreir 25 Psg. monatlich

vi ri el jährlich 75 Pfg., vorattSzahlbar, frei insHauS. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabesteüen vierteljährlich 60 Pfg. Erscheint Mittwochs und SamstagS. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Stürffenbimg n ich t verlangter Manuskripie wird nicht garantiert. Verlag her Gießcucr Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 14

Telephon: Nr. 362

Vom vâarl-Wrg.

Konstantinopel. Authentisch verlautet, idaß her Initiativ-Vorschlag des türkischen Botschafters in London Tewsik Pascha bei Sir Edward Grey zur Wie­deraufnahme der FriedensverHandlungen gescheitert ist.

Konstantinopel, 13. Febr. Die Landungs- oersnche Enver Beys sind mißlungen. Ungefähr 20 000 Mann versuchten zwischen Rodosto und Tschar- köej zu landen, stiegen jedoch auf eine größere Trup­penmacht und mußten sich zurückziehen und wieder ein­schiffen. Sie sollen jetzt nach Gallipoli dirigiert werden.

Die türkischen Streitträfte in Janina haben den Paß Zaaroko angegriffen und nach dreieinhalbstün­digem Kampfe die Griechen vernichtet. Von einem Regiment hätten sich nur acht Mann, von denen noch sechs verwundet seien, gerettet. Den Türken seien 13 Kanonen und viel Munition in die Hände gefallen.

Von der Tschalaldschalinie wird gemeldet: D i e türkischen Soldaten sind in bester Stimmung und haben wiederholt den Wunsch^geäußert, zum Sturme übersehen zu dürfen. Die Türken gewinnen stetig, wenn

aitâ) langsam an Boden.

DasJournal" meldet aUs Sofia: Adrianopel Hallen stand, doch steht die Flammen. Das ist das einzige, was belagerten Stadt mit Sicherheit weiß.

Die Forts von ganze Stadt in man von der Der Kassierer

einer europäischen Bank, der in Adrianopel weilte, hat vor einer Woche die größten Gefahren überstanden, um aus der Festung zu entkommen. Er hat bei Nacht die Trustpenkette durchbrochen.

Es ist eine völlige Uebereinstimmung zwischen Ser­bien und Bulgarien zustande gekommen. Serbien schickt den Bulgaren sofort weitere 8 0 0 0 0 Mann, sowie 150 Haubitzen und Belagerungsgeschütze. Bulgarien erkennt dafür alle vom serbischen Heer er­oberten Gebiete als dessen Besitz an.

Die bulgarischen Angriffe auf die Tschalaldschalinie ' werden n i ch 1 mehr fortgesetzt. Aus taktischen Gründen, über die geschwiegen wird, erhielten die Truppen den neuerlichen Befehl, sich unter Umständen bis aus dreißig Kilometer auf Adrianopel zurückzuziehen.

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ibrcitunßbeö3fthlullfl6, Beüwibung ober bei un ohne Verbindlichkeit.

Erntet der Gießener Verlag Sdructerci, Albin Klein.

Samstag, den 15. Februar 1913.

Telephon Nr.

Nach Meldungen aus S k u 1 a r i machen die M o n- lenegriner keinen Angriff mehr. Die Serben sol­len ihnen die Unterstützung verweigert haben. Die Tür­ken haben die Bulgaren bei Silivri in die Flucht ge­schlagen und ihnen große Verluste beigebracht.

Revolution in Mexiko.

In Mexiko ist die Revolution ausgebro­chen. In der Stadt Mexiko war heftiges Bombarde­ment. Präsident Madero griff von neuem die in der Zitadelle verschanzten Revolutionäre unter Felix Diaz an. Das Gebäude des amerllanischen Klubs ist durch den Kugelregen zerstört worden. Die Insurgenten sol­len den Sta-ttsbahnhof im Mittelpunkte der Stadt Me­xiko niedergebrannt haben. Von Nordamerika sind sechs Kriegsschiffe und 6000 Mann Marinesoldaten unter - wegs nach Mexiko. Bei den Straßenkämpfen sind nach den bisherigen Schätzungen 900 Mann getötet und 1600 verwundet worden.

lungcn verlangte Verzicht aus Hannover weder von dem Herzog von Cumberland, noch von seinem Sohne ausgesprochen worden. Die Einigung unirbe erzielt auf Grund einer Formel, daß der Prinz sich ver­pflichtet hat, nicht mit ungesetzlichen Mitteln seine Rechts­ansprüche auf Hannover zu vertreten und in die preu­ßische Armee als Offizier eintreten zu wollet!.

* Prinz Karl von Rumänien traf Donnerstag in Berlin ein.

* Durch einen Erlaß des preußischen

am

Mi- dem in

nisters des Innern vom 11. Februar ist Verband öffentlicher Lebensversicherungsanstatten Deutschland die Ausdehnung seines Geschäftsbetriebes auf das Gebiet der Volks Versicherung genehm migt worden. Der Verband wird unverzüglich mit der Durchführung des Betriebes der Volksversicherung be-

dem dem

Politische Rundschau.

* Der deutsche Kaiser hat am Donnerstag Herzog von £r|mberlanb telegraphisch von Einzuge und dem festlichen Empfang des Braut -

paares in Berlin Mitteilung gemacht.

* Berlin, 13. Febr. Die Hochzeit der Prinzes­sin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August von Cumberlaud soll bereits am 15. Juni d. Js., dem Tage des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kai­sers, stattfinden.

* Wien. Wie verlautet, ist ein Besuch Kaiser Wilhelms bei Kaiser Franz Josef in Schönbrunn für dieses Frühjahr- ganz bestimmt in Aussicht genommen. Bei diesem Anbaß wird sich das erste freundschaftliche Zusammentreffen des deutschen Kaisers mit dem Her­zog von Cumberland in Wien vollziehen. Im Penzin­ger Palais zu Wien soll die Vorstellung der Prinzes­sin Viktoria Luise vor dem Vater des Prinzen Ernst AUgust erfolgen.

* Hannover, 14. Febr. Nach authentischen . Mitteilungen ist der von Preußen in den Vorverhand-

ginnen.

* Das preußische Abgeordnetenhaus genehmigte für die Erneuerung der Schleusentore am Main 76 400 Mark, für die Erneuerung der Böschungsbefes- ligungen an den Schleusen zu Frankfurt a. M.-Flörs­heim 118 000 Mark, für die Fortführung der Main­kanalisation oberhalb Offenbach als erste Rate 100 000 Mark, und beantragte außerdem, möglichst im nächsten Elat Mittel für den Neubau der Kostheimer Schleuse einzustellenk

* Dem württembergischen Landtag ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Regelung des K i n e- malographenwesens zugegangen.

Am Stadt und Land.

* * Das Königlich Preußische Kr egsministerium hat zUgebilligt, daß alljährlich eine begrenzte Zahl von S 1 u d i e r e n d e n der Tierheilkunde der Uni versttät Gießen das erste Diensthalbjahr mit der Waffe auch beim Infanterieregiments Nr. 116 unter der Voraussetzung ableisten dürfen, daß sie bei Antritt des zweiten Diensthalbjahres (nach der Approbation) in einer vom Generalkommando anzuordnenden Prüfung aus­reichende Reitfertigkell und solche Kenntnis in Sattlung, ZäuMung und Stalldienst bartun, wie sie etwa bei den Einjährig-Freiwilligen berittener Truppen nach halb -

is hat sich hland, nach ie kassieren trenxstor ;rn, Beamten sowie auch jnricbtungen gehörenden hlunjzujie- funsch ohne 'reise.

Jede echte Osram-Lampe muss die InschriftOSRAM1 tragen. Überall erhältlich. Auergesellschaft Berlin 0. 17

Das Glückskind.

Roman von Irene von Hellmuth.

(Nachdruck verboten.)

Da stand wirklich und wahrhaftig:Mein liebes, einziges Schwesterlein l Dank, tausend Dank, das ist alles, was ich immerfort rufen möchte) ich kann es kaum fassen, das große Glück, daß ich endlich, endlich befreit bin von der fürchterlichen, drückenden Schuldey-

<*rk

um alles so heim­

e von Zeich­en zu rieh'

lich fertig zu bringen, welche Mühe mag es^Hix M kostet haben, meine Gläubiger auszukunöfchaften! Du zartfühlende, große Seele wolltest mir selbst das Be- fchsimende meiner Lage ersparen, indem Du meine An- Megenheiten m solch dezenter Weise ordnetest. Ich habe keine Schulden mehr, dies hebt mich himmelhoch und gibt Lebenskraft und Mut zurück. Mein Dank ist unermeßlich und läßt sich nicht in Worten fassen. Lorchen, mein geliebtes Weib, ist überglücklich. Sie seg­net Dich, mein Schwesterlein, wie ich es tue. Die Stel­lung, die ich habe, ernährt uns reichlich, so daß ich, wenn auch erst nach vielen Jahren, hoffen darf, einen TeU meiner Schuld an Dich abtragen zu können. T)ie Welt ist jetzt wieder um zwei Glückliche reicher. Dein Waldemar."

Was war das? Wieder und wieder las Rost die glückatmenden Zeilen des geliebten^ Bruders,^ und konnte doch nicht fassen, daß sie die Wahrheit enthielten. Wer in aller Welt konnte der Retter sein?

Ahnungslos stieg ein Gedanke in ihr auf, und doch : wie war es möglich aber es gab fast keine andere Möglichkeit, er mußte es sein, Malljar, gewiß, , nur er konnte so handeln, der erhabene, edle Mann, mit j dem großen, edlen Herzen. E T i

Lange, lange saß die junge Frau die Hände gefal- j tet; wie ein Gebet rang es sich aus ihrer tiefsten Brust, l

ein Gebet für das Glück dessen, den sie geliebt mit der ganzen Kraft ihrer Seele.

Bild um Bild zog an ihrem geisten Auge vorüber, die Erinnerung an die glücklichste Zeit ihres Lebens.

Deutlich hörte sie wieder die tiefe, klangvolle Stimme Malljars, wie sie oft an ihr Ohr gedrungen, wenn sie auf der alten Bank saß, neben ihm. Es war im Frühling, nun war es Herbst, nur eine kurze Spanne Zeit und doch, wie viel an Glück und Leid hatte diese enthalten.

O könnte ihr Herz noch einmal den süßen Frieden empfinden, H?r es dort durchzogen, aber das war vor­bei, vorbei für immer. ^2^<T£i^^

- Md Tage kamen und Tage gingen.

Röschen, die elegante Frau Direktor Winter, die vtelbeneiöete, überall bewunderte Gattin des reichen Mannes, der ein kolossales Verwögen besitzen mußte, um all den Luxus bezahlen zu können, mit dem er sein Weib umgab, sie fühlte sich trotz alledem so elend, wurde immer blässer und hinfälliger, daß der besorgte Gatte endlich einen geschickten Arzt zu Rate zog. Der zuckte die Achseln, sprach von Luftveränderung, einem Aufenthalt in Nizza oder sonstwo, allein die junge Frau wollte davon nichts wissen. Es war ihr ganz recht, daß es so kam, dann würde all die Herzensgual und Sehnsucht ein Ende haben, sie gab sich gar keine Mühe, gesund zu werden, mochte der Tod doch kommen, ihr kam er gewiß nicht zu früh.

Hätte sie jemals geahnt, daß eine Ehe ohne Liebe, ohne Achtung nur eine fortgesetzte Kette von Lei­den bedeuten würde, sie hätte nicht eiygewilligt, die Gat­tin Winters zu werden.

Röschen wähnte in treuer Pflichterfüllung und in dem Bestreben, andere glücklich zu machen, eine gewisse Befriedigung, und wenn auch nicht das verlorene Glück, so doch Ruhe und Frieden finden zu können.

Statt dessen nagte jetzt die Sehnsucht nach Liebe und

Verständnis an ihrem Herzen und machte sie elend, trotz allem Luxus, der im Hause herrschte.

Winter bot alles auf, die Rosen auf die bleichen Wangen seiner schönen Frau zurückzubringen. Er hoffte dies durch Zerstreuungen aller Art bewirken zu können, allein Rosi lehnte jetzt alles ab. Sie lag am liebsten auf ihrem Ruhebett und starrte zur Decke empor, ohne sich zu regen.

Auf die Dauer wurde ein solches Leben dem an ge­sellige Freuden sehr gewöhnten Ehemann natürlich langwellig. Ost und öfter ging er jetzt allein aus und kam dann erst mit dem grauenden Morgen wieder zu­rück,' Röschen kümmerte sich nicht darum.

Besuche wurden im Winterschen Hause schon gar nicht wehr angenommen, höchstens daß Tante Aurelia hie und da einmal vorsprach. Dieselbe war jedoch keine erhellernde Gesellschafterin für die junge Frau,- denn da sie selbst schwer genug an ihrem häuslichen Unglück zu tragen hatte, befand sich die sehr gealtert aussehende Tante meistens in gedrückter Stimmung.

Mit Böhler kam Röschen niemals wieder in Be­rührung, die beiden vermieden einander, wo sie immer konnten. Nur selten noch ging die junge Frau aus, höchstens besuchte sie hie und da das Grab der Eltern.

Einmal, als sie eben auf dem Rückweg vom Fried­hof begriffen war, kam sie an dem Häuschen, wo die alte Marihe, ihr ehemaliger Schützling wohnte, vor­über. Einer raschen Eingebung folgend, trat sie durch die niedrige Tür durch das kleine, ärmliche Stübchen, das noch genau so aussah, wie damals, als Röschen zum letztenmal über diese Schwelle geschritten war.

Dort an der Wand stand noch das schmale Bett, das sie einst aus dem Leihhause geholt hatte. Dicht am Fenster saß auf einem elenden, wackligen Stuhl ein Herr, welcher der Eintretenden halb den Rücken zu- zuwaudte und sich mit einem etwas leidend aussehenden Kinde beschäftigte. (Fortsetzung folgt.)