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Verlag derGießcuer Zeitung" G. m. b. H.

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Druck der Gießener Vcrlagc<drnckcrei.

Nr. 5.

Telep hon: 9tr. 362.

Mittwoch, den 15. Januar 1913.

Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

fta/fÄter Deuniahl im Keichslagswahlkrets Ahey-Singen. M^S^ Die Nachricht, dah di« Wahl des Reichstaqs ab- } wich, votar. n'a^ geordneten für Alzey-Vingen, Dr. Becker, von der ff^Wl Wahlprüfungskommission des 'Reichstages für u n - M-Md ttf gültig crtlärt ist, läht dieDarmst. 3tg. zu folge::« " iolch still u'tâtia ^en Aeußerungen fommen: Falls das Plenum des ' Verkäufer u.Aapi^ Reichstages dieser Entscheidung beitritt, steht der Wahl- ^"En so? kreis Alzey-Bingen damit wieder vor der Wahl eines n^M^ Reichstagsabgeordneten, der viertenWahl seit der Haupt- #. ^'Snn wähl von 1907, diese mit eingerechnet. Der Wahl - kreis hat in der letzten Zeit ein wechselvolles Schicksal gehabt. Von 1871 bis 1878 war er durch einen natio- 0 Mark ' ualliberalen Abgeordneten vertreten, zuletzt durch Bam- v ' berger, mit dem der Wahlkreis zum Linksliberalismus

Chonloh überging. Bamberger vertrat den Wahlkreis noch . bis 1893, von da ab bis 1906 war Schmidt- Elber-

VeÄS k°ld der Abg. für Alzey-Bingen 1907 wurde die Fahne tren an Private üb "des Freisinns heruntergeholt. Keller (Bund ö. L.) Prachtvolle Neuheit wurde in der Hauptwahl gewählt, nach dessen Tod im renntnisse nicht erforc Dezember 1908 wurde bei der Nachwahl im Februar sweispapiere etc. wer igßo ^ § bel (Zentrum) und bei der Hauptwahl 1912 ng können*iLchweS Dr. Becker (nationolliberal) mit 2 Stimmen Mehr- ind mehr pro Tag 1 Heil gewählt. Dr. Beckers Wahl ist jetzt von der Wahl- irden. Auskunft gri Prüfungskommission des Reichstages für ungültig er- ckner, Erbach I. Weste ftä-1, unb er hat voraussichtlich sein Mandat bald wie- ^^^^ der gegen den Freisinn, oder, wie es jetzt heißt. argen die Fortschrittliche Volkspartei zu verteidigen, die seit zuflistokloizi 1907 bei allen Wahlen die größten Anstrengungen ae- " , macht hat, ihren alten Besitz wieder zu' erlangen. I a-

gen Steinpflaster frei rum ^Q| |[c auch bei detMachwahl 1909' ihren Führer, Geräusch u. Staub. z ^ f n r r e r ^ 0 r e H| dort aufgestellt, der aber da- i4 Streck, Bonn Urals, ebenso wie im Januur 1912, in der Stichwahl t reichhaltiges Muster unterlag: zuerst gegen den Zentrumskandidaten, der mit buch Nr. . natirnalliberaler Wahlhilfe siegte, und zuletzt gegen den Rationalliberalen, der die Wahlhilse des Zentrums er-

Eegensätze sogar bis in den Schoß der Familien hia- eingetragen werden, der wird auch wissen, daß bei der jetzt wahrscheinlich nötig werdenden Hauptwahl in Al- zey-Blngen wieder bis aufs äußerste gekämpft werden i wird» Ein Glück in diesem Unglück ist wenigstens, daß bei dem Kampf auf Leben und Tod, den die bürger - lieben Parteien in Alzey-Vingen führen, die Sozialde- mofratie nicht als tertius gaudens den Vorteil on hat. Diese Partei ist bort nämlich ohne jede Bedeutung, sie kommt nur als kleine Süchwahlhilfe für die Fort­schrittliche Volkspartei in Frage. Die Ergebnisse der letzter» Wahlen im Wahlkreise Alzey-Vingen waren fol- : gende- 1909 Korell (Fortschr. V.) 8060, Uebel (Ztr.) I 6604, Dr. Becker 5821, Adelung (Soz.) 1559 Stim­men in der Stichwahl siegte Uebel (Ztr.) mit 12 027 Stimmen über Korell (Fortschr. V.) mit 10 883 Stim­men. Bei der Hauptwahl 1912 erhielt Dr. Becker (ntl.) 10 848, Korell (Fockschr. V.) 9372, Adelung (Soz.) 2315 Stimmen, zersplittert waren 8 Stimmen. Beider Stichwahl erhielt Dr. Becker (natl.) mit 12 012 Stimmen Korell (Fortschr. V.), 12 010 Stimmen.

Die Pforte wird nach Zeitungsmeldungen die K o l l e k 1 i v n, o 1 e der Großmächte, die demnächst überleicht werden soll, a b l e I) n e n und vorschützen, daß sie die Forderungen erst einem Ministerrat, er­breiten müsse.

hielt. Schon dieser kürze Ueberblick über die Geschichte der letzten Wahlkämpfe im Greife zeigt, wie verwickelt dort die Parteiverhältnisse liegen müssen. Vor allem . ist der Gegensatz zwischen den liberalen Parteien sehr gro* Die Nationalliberalen kann man kurz als Alt- n HArantiprfdiest nati'- nalliberale charakterisieren, während die Fortschritt- 9 ^ [et unb ihr Kandidat Korell in ihrer Partei mehr nach

tinfiiB^htohf? links neigen. Dieser Gegensatz, der zwischen den beiden vO^ I Parteien, die sich eigentlich am nächsten stehen sollten, WiIm dem Nationalliberalismüs und der Fortschrittlichen Volks-

und Ziel hinausgehenden Agitation noch mehr zwischen

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, Bnn? der Landwirte und Zenttuw auf der einen und L Fortschritt auf der anderen Seite. Weil in jenen Wabl-

partei. dort herrscht, zeigt sich in einer oft über Maß

m Bike« und W Rb**£Äj ms 'yiäätii bic°

kreise die Verbitterung aus beiden Seiten so groß ist,

deshalb ist es zu bedauern, wenn durch einen

neuen

ulkampf die Erregung wiederum entfacht wird. Wer Verhältnisse dort kennt, der weiß, wie die politischen

Uon der Friedenskonferenz.

London, 14. Jan. Die Drohung der Türken, heute abzureisen, gab Anlaß zu vielen Erörterungen in diplomatischen Kreisen. In den Balkankreisen wird er­klärt, daß kein Delegierter, ohne eine groUe Verletzung der Etikette zu begehen, abreisen könne, bevor noch eine Sitzung der Friedenskonferenz einberufen sein würde, auch wenn dies nur geschehen sollte, um bi» Verhand - lungen in aller Form abzubrechen.

London. Die Delegierten der Valkanstaaten ver­längern ihren Aufenthalt in London nur mit Rücksicht auf die Großmächte und in der Hoffnung, daß die Note der Mächte in Konstantinopel Früchte bringen und die Haltung det Türken in einigen)Tagen ändern werde, andernfalls wären die Delegierten, wie sie sagen, ge­zwungen, London zu verlassen und die Feindseligkeiten würden wieder ausgenommen.

London, 13. Jan Sämtliche Großmächte ha­ben dem Wortlaut der beabsichtigten Mitteilung an die Türkei zugestimmt. Die Note soll unverzüglich in Kon­stantinopel überreicht werden. Der Tert der Wote der Mächte ist heute nach Konstantinopel telegrafiert wor­den, aber er kann unter den günstigsten Umständen erst am Dienstag ober Mittwoch dort vorgelegt werden. Die Note ist kurz und bestimmt und geht ohne Umschweife auf das Ziel los. Sie weist die Pforte klar und ernst­haft auf die Notwendigkeit hin, Adrianopel abzu- treten und die Frage der ägäischen Inseln der Ent- I scheidung der Mächte zn überlassen. Andere Fragen I sind darin nicht berührt.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der Kaiser besuchte vorgestern vormittag den Reick, skanzler. Der Kaiser empfing den Prinzen Mar von Baden, der auch zum Frühstück geladen war.

Frankreich.

* Millerand hat das Amt als Kriegsmini­ster niedergelegt und seinem Nachfolger, dem neuen Kriegsminister Lebrun, offiziell das Ministerium übelgeben. Lebrun empfing daraus den Militärgouver- neur von Paris, Michel Millerand hat bereits gestern nachmittag seine Tätigkeit als Rechtsanwalt wie­der ausgenommen. Er erschien im Iustizpaläste und plädierte in einem Falle, in dem er sich während seiner ministeriellen Tätigkeit vertreten lassen muhte. Lebrun ist der 58. Kriegsminister, den die Republik seit ihrer Gründung im Jahre 1870 besitzt

Rumänien.

* Rumänien verhandelt mit einer deutschen Schis'Swerft wegen des Baues eines Dreabnoughti.

*

Vom Balkan.

Konstantinopel, 13. Jan. Da im Falle der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten eine Mion der griechischen Flotte gegen die kleinasiatische Küste befürch­tet wird, wurden belrächlliche Truppenverstättungen nach den Städten des Wilajets Smyrna entsandt. Auch die 2Puppen von Gallipoli wurden durch Kurden und Arober erheblich verstärtt.

K o n st a n t i n o p e l, 13. Jan. Den Blättern zu­folge ist der Beschluß des Ministerrats, eine National­versammlung zum Zweck der Entscheidung über Krieg und Frieden einzuberufen, noch kein endgültiger. Der Ministerrat wird sich noch mit der Frage beschäftigen. Ein entsprechender Vorschlag ist von dem Großwesir ge­macht worden.

R o m, 14. Jan. Die von den Balkanverbündeten an der türkischen Bevölkerung verübten Greuel sind hier von einem diplomatischen Vertreter einer Großmacht in einem Schreiben geschildert worden, worin auch Einzel» heilen aufgeführt sind. Der Brief sagt wörtnchHier roiil noch immer keine Ruhe einkehren, im Innern bau-

SkHgJ AKK

Das Glückskind.

91 omau von Irene von Hellmuth.

(Nachdruck verboten.)

Ich begriff es anfangs auch nicht, aber höre zu":

Waldemar schöpfte tief Atem, ehe er begann:Mein nziger Fehler, den ich bei der Sache machte, ist der, 5a6 ich leichtgläubig und vertrauend mich in die Hände

jenes Elenden begab, der sich mir unter der Maske der

_ ^ Freundschaft zu nähern wußte, als er erkannt hatte, daß

^T^^SE ich ohne jedes DUßtrauen in die Falle ging. Das Ganze scheint ein Akt der Rache zu sein, weil ich chm ohne mein Zutun das Mädchen abspenstig machte, das er liebte. -TTSuittf Konnte ich denn daftir, daß das reine Herz des Mäd- tflW* , ,t A Gens sich mir, statt ihm zuwandte? Hätte Lorchen ihn Htg gefml' x geliebt, ohne ein Wort würde ich verzichtet haben, wenn Lfort oder IP es mir auch schwer gefallen wäre, sie zu verlieren."

,M g^0®' Der Erzähler machte eine Pause und preßte die Hände an die pochenden Schläfen, um sich zu beruhigen,- wtoWssirtirf hann fuhr er in mattem Tone fort:

rtMâvh^-- &s^Wie ich in das Geschäft von Robert Buchholz kam, ^*<^1 -en tch als mMen Wohltäter pries, habe ich Dir bereits Her ^r" ^r an Pfingsten genau erzähtt, und dann kam, wie Du ».Ätscht ys. weißt, die Hochzeit mit Lorchen. Bis dahin ging alles GfslÄ/^ Äm Geschäft hatte ich mich bald tüchttg eingear- stiges rt bettet Robert versprach mir goldene Berge und machte «. y. j - - - *

01^ Ankäufe im größten Maßstabe, der Umsatz wurde be- Kittend vermehrt. Wir machten glänzende Abschlüsse, vochzufällig", wie ich in meiner Harmlosigkeit dachte, ^ viele5 ^tob Robert sich viel auf Reisen und für Zufall hielt ^n ^vLâ 0 A es auch, daß gerade in dieser Zeit mehrere größere ^&V^ Mahlungen gemacht werden sollten. Da Robert abwe- ?Kt6t6s^â>^ send war, kam natürlich die Sache an mich, als den

s«*

Ascdeaâ'^c^ eteuDertreter und Kompagnon des Geschäftsinhabers,

n. ^ W e^ Sch handelte nach seiner Angabe, stellte Wechsel aus,

ar- v h^® ®le lener es mich gelehrt. Wenn ich wegen der Höbe

kr. ^^ ^« Summen ängstlich wurde und gelegentlich darüber

Rücksprache mit meinem vermeintlichen Freunde nahm, dann lachte er mich aus und versicherte mir, daß wir gut das Dreifache der Summe an den Waren verdienen würden. Und so sind jetzt Wechsel in Höhe von zwanzig- tausend Mark von mir unterzeichnet im Umlauf. Jener elende Schuft aber hat alles, was möglich war, zu Gelde gemacht, außenstehende Beträge einkassiert usw. Wäh­rend ich immer nur so viel bekam, um eben leben zu können und bei etwaigen Klagen auf spätere Zeiten ver­wiesen wurde, hat er mit den eingeforderten Summen das Weite gesucht. Eines Tages erwartete ich ihn ver­gebens im Kontor, er kam nicht mehr, und als es bekannt wurde, daß er fort war, da stellte es sich her- äus, daß er ungeheure Schulden hinterlassen hat. Haus und Geschäft wurde mit Beschlag belegt, nichts nenne ich mein eigen, dazu die Wechsel, die ich bezahlen soll, und derentwegen man dem Halunken, der mich ins Elend brachte, nicht einmal etwas anhaben kann, da sie zwar mit unserer Firuia, jedoch mit meinem Namen als Unterschrift versehen sind."

Stöhnend und erschöpft hielt der junge Mann inne, indes Röschen nichts zum Troste des geliebten Bruders M sagen wußte.

Ich habe bis jetzt alles Mögliche versucht, um we­nigstens Arbeit zu bekommen,' allein trotzdem ich meine Unschuld beteuere, mißtraut man mir und schickt mich fort. Wäre mein armes, bedauernswertes Weib nicht, ich schösse mir eine Kugel durch den Kopf und alles hätte ein Ende. Es wird mir schließlich auch nichts an­deres übrig bleiben, ich kann das Elend nicht länger mehr tragen, mein Leben ist verpfuscht: denn wo in aller Welt soll ich soviel Geld auftreiben? Und selbst wenn ich es könnte, werde ich doch nie imstande sein, es zurückzuzahlen."

Röschen faßte nach des Bruders Hand und obgleich sie selbst das Trostlose der gegenwärtigen Lage einsah, 1 versuchte 'n^ venuoch, den Mut^ërr aufzurichten-

Du warst freilich viel zu leichtgläubig und uner­fahren," sprach sie,aber es muß sich ein Mittel finden, Waldemar, wie Dir geholfen werden könnte. Komm, laß uns zum Onkel Förster gehen, vielleicht weiß er Rat in dieser verzweifelten Sache. Nur nicht den Kopf verlieren, mein Waldi! Blicke nicht so starr und hoff­nungslos darein, wir werden schon etwas ausdenken.^

Der junge Mann lachte so schrill auf, daß es Rös­chen ins Herz schnitt, und willenlos wie ein 5kind folgte er der Schwester, die sich nicht merken ließ, wie traurig es ihr zu Mut war, sondern scheinbar ruhig und zuver­sichtlich aussah.

Ein scharfer Wind blies von Westen her, dazu fing es jetzt stark zu regnen an, die kalten Tropfen schlugen den Geschwistern ins Gesicht: sie beeilten sich daher, möglichst schnell das schützende Dach zu erreichen.

Unterwegs zermarterte sich Röschen den Kopf, einen Ausweg zu finden: denn daß der Förster nicht helfen konnte, wußte sie wohl. Derselbe hatte nie Ge­legenheit gehabt, Schätze zu sammeln. Die beiden Al­ten lebten zwar behaglich und ohne Sorgen, hatten auch einige Tausend Mark für den Notfall auf die Seite ge­legt, aber das war auch alles.

Einen Augenblick dachte Röschen an Malljar, doch verwarf sie diesen Gedanken sofort wieder, da sie in die pekuniären Verhältnisse des Mannes keinen Einblick hatte. Daß er reich sein mußte, ging wohl aus seinem ganzen Auftreten hervor, aber ob er über große Bar­mittel verfügte, wußte Röschen nicht. Und selbst wenn es der FM war, was konnte das ibr nützen? Konnte man von ihm eine so große Summe verlangen? Nein, nein!

*" * (Fortsetzung folgt.) ' -