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Nr. 65
Telep Hon: Nr. 362.
Mittwoch, den 13. August 1913
Telephon -Nr. 362.
25. Jahrg
Ein Vepescbenwecbscl zwischen Kaiser
R o ri i g von Rumänien wurden anläßlich ? jnedensschlusses folgende Telegramme gewechselt:
Wilhelm und König Karol.
Zwischen dem deutschen Kaiser und
dem des
. B u k a r e st. Nach Ueberwindung von bedeutenden Etikett und Um|M^ ist der Friedensschluß gesichert,
schritt Fabrikat ^r baut Dir ein definitiver bleibt. In die- ÄraAliw-kb 'M für meine Regierung so bedeutungsvollen Augen - bjid weilen meine Gedanken bei Dir. Ich danke Dir von ganzen: Herzen für Deine treue Freundschaft und lOiinue Sympathie, die Du mir in diesen ernsten Zei- kn ganz besonders entgegen braßtest. Gez. Karol.
3rWnllpi^ Swinetmünde („Hohenzollern"). Dein heute - "acht angenommenes Telegramm ist eine große Freude Bt'nBfir mich. Ich sage Dir die aufrichtigsten, herzlichsten -MEnSdlW# Nlâckwünsche zu dem schönen Erfolge, den nicht nur —Volk, sondern alle kriegführenden Staaten uUd Qualitäten E da mit ganz Europa Deiner weisen, wahrhaft staatsmän- uif(Mi Politik zu verdanken haben. Es ist mir gleich- NadiweiswnBezu^ A eine große Genugtuung, wenn Du erwähnst, daß —u—iw 1 zu bem jetzt Erreichten habe beitragen können. Der I; ?llmächtige Gott 'erhalte Dich in Gnaden noch lange zum ' j flj^k des Landes, dessen herrliche Entwickelung ich von mch wie vor mit herzlicher Freundschaft und Bewun-
öume», tt^ htninq verfolge. Ich freut mich unseres gemeinsamen P-mmenwirk-n- zum
- und Silber;?
) Sintis»
^ârger, X\%i.
( B u k a re st. Die jo warmen herzlichen
Zwecke des Friedens.
Gez. Wilhelm.
liebevollen Worte in Deinem
Telegramm erfüllen mich mit
^YVstel ^5 und aufrichtiger Dankbarkeit. Ich schätze mich glücklich, daß durch mein Eingreifen dem langen und bluti- ^v Mu 'gw Kriege ein Ende gemacht und der Frieden auf der ^j^ gesichert werden konnte. Möge es uns
Mrr.?..«^ gestattet sein, mit Zuversicht in die Zukunft zu blik- RH, lcreu-ü>si kcn imb einer längeren Periode der Ruhe entgegenzu- — c^cn, damit das Vertrauen in allen Kreisen des öffent- Lebens wiederkehre. Nochmals innigen Dank für iftirter Hof1,de:'Bein warmes Interesse und Deine wirksame Anteil -
Aus dem Depeschenwechsel sind 3 bemerkenswerte Punkte hervorzuheben: Erstens das hohe Lob, das unser Kaiser der „weisen und wahrhaft staatsmännischen Politik" Rumäniens zollt und sogar in dem Ausdruck der „Bewunderung" ausklingen läßt. Zweitens der ! mehrfache Hinweis auf die „wirksame Anteilnahme", die I Beihilfe des deutschen Kaisers an dem Friedenswerke ! von Bukarest. Drittens die Bemerkung in dem ersten • Telegramm des Königs Karol, daß der Friedensschluß I „Dank Dir ein definitiver bleibt."
Die Anerkennung, die unser Kaiser dem rumänischen König zollt, sowie die Verleihung eines Ordens an den Ministerpräsident Majorescu, sind gewiß gerechtfertigt. Dem Könige von Griechenland ist zugleich die Würde eines deutschen Generalfeldmarschalls verliehen worden. Als Militär hat König Konstantin die Auszeichnung gewiß verdient. Griechenland ist aber nicht als Friedensstifter, sondern als Kämpfer, und zwar gegen Bulgarien, hervorgetreten; daher erscheint uns die deutsche Auszeichnung vom politischen Standpunkt nicht ganz unbedenklich. Hoffentlich fassen die Bulgaren die verwandtschaftlichen Beziehungen der beiden Herrscherhäuser nicht außer Betracht.
Was die Mitwirkung des deutschen Kaisers und seiner Regierung an dem Bukarester Friedenswerk betrifft, so ist sonst noch nichts darüber bekannt geworden, daß Deutschland sich in anderer Weise, als die übrigen Mächte, beteiligt habe. Es würde uns freuen, wenn wir näheres erführen über deutsche Bestrebungen, die bloß dem Frieden zu Liebe und niemandem zu Leide erfolgt wären.
Die a k 1 u e l l st e Frage ist nun die: Was will König Karol sagen mit der Bemerkung, der Friedens - schluß werde Danf dem deutschen Kaiser ein definitiver bleiben ? Soll das nur die Dauerhaftigkeit der zwischen den Balkanstaaten getroffenen Abmachungen betonen.
dadurch vermieden werden könnte, daß die Ungerechtigkeit, die in Bukarest begangen wurde, gut gemacht wird. Der Vertrag von Bukarest verpflichte Bulgarien, zuerst zu demobilisieren, trotz des Vorstoßes der Türken in Thrazien. Die Türkei fahre fort, Truppen heranzm schaffen, deren Zahl bereits 200 000 Mann erreicht hat.
Die' Friedensunterhündler haben mit wenigen Ausnahmen Bukarest verlassen. Bulgarien scheint die Hoffnungen auf eine ihm günstige Revision des Friedens - Vertrags durch die Großmächte langsam schwinden zu lassen, und auch die Hoffnungen auf Adrianopel wird es bald endgültig begraben müssen. Ruhe soll aus dem Balkan sein und bleiben. Der Vertrag wird nicht abgeändert werden, Deutschland ist nach wie vor für den österreichischen Standpunkt nicht zu gewinnen. Eine Gegnerschaft gegen Bulgarien sei nicht im Spiele. Aber wie die Dinge jetzt lägen, ließen sich die bulgarischen Mün^
sche ohne neue Gefährdung des Friedens nicht lichen.
London. Sir Edward E r e y sprach nachmittag im Unterlaufe über die Lage
verwirk-
gestern auf dem
Balkan. Was die ägäischen Inseln betrifft, so hat Endland durch seine Stellung im Mittelmeer ein besonderes Interesse daran, nämüch, daß keine dieser Inseln von einer der Großmächte in Anspruch genommen oder behalten wird. Was die gegenwärtige Lage betrifft, so bestehen zwei sehr ernste und sehr schwierige Fragen, nämlich die schließliche Entscheidung über Thrazien und Mazedonien. Was Thrazien und Adrianopel betrifft, so haben die Mächte Vorstellungen in Konstantinopel erhoben, daß die Enos-Midia-Linie im
großen
läßlich
unb ganzen respektiert werden niüsse.
König S\ a r o l sandte an König Ferdinand an- des Friedensschlusses ein herzliches Telegramm,
1, schön möbl. F Mme an den letzten für mein Acht, Zenlrilhe Niiei! Ereignissen, rk. gute Kiicke. i y "
tzer w. Leist» Gleichzeitig wird mitgeteilt, nischen Ministerpräsidenten
Land so bedeutungs - Gez. Karol.
daß der Kaiser dem M a j o r e s c u -das
^^^^Mkk'ßkreuz des Roten Adlerordens verliehen, König n st a n t i n von Griechenland zum Feldmarschall ggffl—')« deutschen Armee ernannt und dem Kronprinzen G e- 6 S lA das Eroßkreu>z des Roten Adlerordens verliehen
en
19)
Nach dem Sturm.
Erzählung von Emil Frank.
(Nachdruck verboten.)
clü • 83 '362
Wer weiß, zu welchem Resultat er noch gekommen Wre, hätte man tu diesem Augenblick nicht Schloß Krze- akn vor sich gehabt. Um jedes unnütze Aufsehen zu Vermeiden, stieg er am Eingang des Parkes aus und Kickte den Schlitten in die Remise. Den Weg durch den Warf wollte er zu Fuß zurücklegen. Aus Sojkas Woh- Milg strahlte — noch oder schon — Licht.
In diesem Zlugenblick wurde das Licht gelöscht und Wir hörte das Knarren einer Türe. Warminski machte L einige Schritte und blieb dann auf dem Wege stehen, Hun seinen Verwalter zu erwarten. „Na, was tun Sie Htain schon so früh?" empfing er den Mann, der nicht Mnig erstaunt war, seinen Herrn in dieser frühen Mor- MMst linde vor sich zu sehen. Und nun berichtete er, daß
Adjunkt, der das Melken zu überwachen habe, er- sei, er wolle ihn vertreten. „Das hätte doch aber Menfogut Swoboda, der Inspektor tun können," meinte Iki Graf, obgleich ihn der Eifer seines ersten Beamten Iricht wenig freute.
; Langsam ging Warminski zum Schloß. Er war falbe, die Folgen der durchwachten Nacht machten sich IMend. Ohne weiteres begab er sich zur Ruhe, und er Ivar auch bald im tiefsten Schlaf.
Aber es war ihm nicht lange vergönnt, diese Wohl- in sa genießen. Noch war der Tag nicht völlig erwacht, «ch kämpften die Schatten der Dämmerung gegen die «stm Sendboten des Lichts, da begann man an der Türe seines Schlafzimmers — erst leise, dann immer stärker - zu pochen. Warminski raffte sich mühsam auf und 'M ärgerlich „Herein!" Der Diener kam und über- ttch le die Nachricht, daß in dem Befinden seines Sohnes tote Wendung eingetreten sei, die das Schlimmste be- " Wien lasse. Ungesäumt sprang der Graf aus dem
Uom Balkan.
* Der Friede scheint vielleicht nicht lange dauern zu sollen. In einer langen Unterredung erklärte der Führst der bulgarischen Friedensmission, Tontschew, Bulgarien habe Rumänien ersucht, es möge Rußland und Oesterreich-Ungarn bitten, ihren Revisionsvorbehalt anzumelden. Nur die Revision des Friedensprotokolls könnte eincU Krieg, der sonst unvermeidlich wäre, verhindern. — Die gesamte bulgarische Presse erklärt einmütig, daß der Friedensvertrag, der in Bukarest geschlossen wurde, unfehlbar den Erfolg haben werde, die Wirren auf dem Balkan erneuern zu lassen, was nur
sowie an die Könige von Serbien, Griechenland und Montenegro gleichlautende Drahtungen. Alle vier Könige antworteten ebenso herzlich.
* In einer längeren Depesche aus Petersburg führt der „Temps" aus, daß Rußland auf sein Revi - sionsverlangen endgültig verzichtet.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Berlin. Zur Verstärkung der Befestigungen deutscher Nordsee-Inseln sind im Reichs-Etat für 1913=» 1914 neuerdings erhebliche Mittel eingestellt worden.
Bett. Wie er sich ankleidete, klirrte in den Taschen noch immer das Gold, das er in der Nacht gewonnen. Ihm war's, als mische sich in den hellen Ton ein schneidender Mißklang, ein höhnisches, gellendes Lachen. Aber er kämpfte alle Gedanken nieder. Mit Hilfe des Dieners war er rasch angekleidet, und nun eilte er nach seines kranken Kindes Zimmer.
Wie angedonnert blieb er im Rahmen der Türe stehen. Da lag der Knabe, und der Tod hatte seine Stirne geküßt und holte eben die Hand aus zum letzten Streich. Aus dem wachsbleichen Antlitz des Kindes war die quälende Angst gewichen, die ihn gestern so erschreckt hatte. Ein süßer Friede, der Hauch einer anderen Welt, lag ausgegoffen aus seinen Zügen. Die Augen hielt Stanislaus geschlossen, er schien zu schlummern. Da weckte ihn des eintretenden Vaters Angstruf, und er öffnete die Augen, und die brechenden Blicke ruhten mit einem gar eigenen Ausdruck aus dem Vater, der so spät gekommen ist, bald zu spät. Ein furchtbarer Schmerz packt den Mann, dessen ganzes Wesen Zwiespalt war und ist, der sein Kind liebt und doch hinfuhr, wo die Freude lockte, der sich fort und fort mit Vorwürfen quält und doch sich nicht aufraffen kann, sein Leben so zu gestalten, daß die Vorwürfe fchweigen, der Zwiespalt schwindet. Leise, ganz leise tritt er dicht an das Bett des Knaben. Das Flämmchen seiner Lebenslampe zuckte hie und da schwach auf, man kann sehen, daß er nur noch wenige Augenblicke zu leben hat. Graf Warminskis Blicke wandern von feinem Kind hin zum Arzt, der neben seiner Gattin steht und hie und da um Stanislaus sich bemüht. In den Augen des Arztes liest er die Bestätigung seiner bangen Sorge. Da steht etwas auf in ihm, wird lebendig, was tot war. Erinnerungen an längst vergangene Tage, wo in seinem Herzen reine Flammen glühten, ein frommer Glaube, kindliches Vertrauen, wo er betend Herz und Hände aufhob zum Herrn J
der Welten. Gott kann helfen. Er muß helfen! Gra! Warminski hat äußerlich die Pflichten der Religion steU erfüllt,- Sonntags besuchte er den Gottesdienst, Osterr empfing er die Sakramente, aber sein Herz war bei diesen Dingen unberührt geblieben, es hatte zu beten verlernt, und jetzt, in der furchtbaren Angst und Not vermochten sich die Gedanken nur schwer zu einem Akt der Anbetung, noch schwerer zu einem Akt der Ergebung und Unterwerfung zu ordnen. Er rief nur immerfort: „Herr, wenn du der bist, für den sie dich ausgeben, der große, allmächtige Gott, dann hilf, erhalte mir das Ätnb^ Doch es schien, als wollte Gott das Gebet nicht hören, als wollte er den Jammer einer Mutter übersehen. Noch einmal öffnete Stanislaus die Augen, seine Hände strichen über die weichen Decken, er schien zu spielen, denn im Streicheln sagte er lächelnd: „Mausekatz". Dann schloß er die Augen und wandte das Gesicht ein wenig zur Sette. Ein leichtes, kaum wahrnehmbares Zucken ging durch seinen Körper — er war tot.
Da rang sich aus der Brust des Grafen ein Aechzen los, ein erschütternder Weheschrei. Aber er wagte es nicht, eine Mutter in ihrem Schmerz um das geliebte Kind zu stören, denn sie hatte sich über die Leiche geworfen und bedeckte des toten Knaben Lippen mit heißen Küssen, als könnte sie mit ihrem Odem das entflohene Leben aufs neue entfachen. Scheu stand Warminski daneben, ihm war unsäglich elend zu Mute, und seine Stimmung ward nicht besser, sein Schmerz nicht linder, als seine Ö^au wortlos neben ihm stand. Sie sah ihn nur immer mit ihren verschleierten Augen an, wenn er sie etwas fragte, und er glaubte in diesen Blicken Anklagen zu lesen. Da gab er es endgültig auf, seine Gattin zu stützen und zu trösten. Er zog sich in sein Zimmer zurück und blieb fast den ganzen Tag allein mit seinen seltsamen Gedanken. — —
(Fortsetzung folgt.-.