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Bejugspreis 25 Psg. monatlich
vierteljährlich 75 Psg., vorauszahlbar, frei iuS Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg. — Erscheint Mittwochs und Samstags. — Redaktion: Selters-
weg 83.
Expedition: Seltersroeg 85.
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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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Nr. 13
Telep hon: Nr. 362.
Mittwoch, den 12. Februar 1913.
Telephon Nr. 362.
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Verlobung im Kaiserbause.
Das uralte Welsenhaus, das aus Karls des Großen Zeiten in die Geschichte der Gegenwart hinein- ragt, hat seinen Frieden mit dem Hause Hohenzollern gemacht und damit die Gebietsveränderungen des Krieges von 1866 anerkannt. Damit ist auch die letzte Unstimmigkeit aus jenem deutschen Bruderkriege âge- glichen. Der Reichsanzeiger gibt in einer Extraausgabe die am Montag in Karlsruhe vollzogene Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise von Preu» he n mit dem Prinzen Ern st August vonCum - b e r l a n d, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, bekannt. Ueber dies der Oeffentlichkeit ganz überraschend kommende Ereignis ist folgendes zu melden: Ganz unvermutet ist Sonntag abend das Kaiser paar mit dem Prinzen Oskar und der Prinzessin Viktoria L u i s e nach Karlsruhe abgereist, wo im Laufe der Nacht bei seinem Schwager, dem Prinzen Mar von Vaden, Her- zihg Ernst Amgust, der in der bayerischen Armee steht, eingetroffen ist. Die Reise des Kaiserpaares war in aller Stille und mit aller Heimlichkeit vorbereitet worden, so daß selbst der Hofstaat erst im Laufe des Sonnlag nachmittag davon Kenntnis erhielt. Zum Empfange in Karlsruhe waren das Grohherzogspaar und Prinz Mar von Baden nebst seiner Gattin erschienen, die eine Tochter des alten Welsenherzogs, des Herzogs vvn ClMberland, und Schwester des Prinzen Ernst August ist. Die hohen Herrschaften begrüßten sich auf
dem Bahnsteig auf das herzlichste. Am Montag abend eiche EaiMungea. S7 Uhr war Gratulationscour für das neuverloble Paar
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nn Großherzoglichen Schloß zu Karlsruhe, zu. welcher sich außer der Kaiserlichen Familie eingefunden hatten: Das Grohherzogsvaar, die Großherzoginwitwe Luise, Prinz Und Prinzessin Mar, der preußische Gesandte Er- zellenz v. Eisendecher, der kommandierende General von Hoiningen, sowie sämtliche hohen Staats-, Militär- und Eemeindebeamlen. An die Gratulationscout anfchlieh-
gen schon vieles an- ;ewandt, bringt mein letes Mittel schnelle sehend. Erfolg, selbst Mjb fand im engsten Familienkreise Tafel statt.
Dankschreiben." ‘
r. M. 3.50, extra Nachnahmeversand
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von Gäberland und die Herzogin, waren nicht erschienen.
Prinzessin Viktoria Luise, die einzige Tochter des deutschen Kaiserpaares, ist am 13. September
1892 geboren. Die Prinzessin, die der erklärte Liebling namentlich ihres Vaters ist, erfreut sich auch bei der Hofgesellschaft wegen ihres frischen, natürlichen und liebenswürdigen Wesens allgemeiner Beliebtheit. Wie jede preußische Prinzessin, so bekleidet auch sie eine militärische Ehrenstellung, und zwar ist sie Chef des zweiten Leibhusaren-Regiments Königin Viktoria von Preußen in Danzig. Prinz Ern st August von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, ist am 17. Motvember 1887 als jüngerer Sohn des Herzogs Ernst August von Cumberland geboren. Mit dieser Verbindung gewinnt das Hohen; ollernhaus einen zweiten Anschluß an den dänisch-wel fischen Verwandtenkreis. Zuerst wurde dieser Anschluß durch die Vermählung des Kronprinzen mit der Herzogin Cecilie zu Mecklenburg hergestellt, die eine Schwester der Königin von Dänemark und Schwägerin der zweiten Tochter des Herzogs Ernst August von Cumberland, der Grtthherzogin Alexandra von Mecklenburg-Schwerin, ist. Durch diese jüngste Verlobung gewinnen diese Beziehungen weitere Befestigung. Die Tochter des Kaisers wird die Schwiegertochter des Chefs des Welfenhauses, der mit der Prinzessin Thyra von Dänemark vermählt ist, einer Tochter des verstorbenen Königs Christian 9. von Dänemark, der 1864 Schleswig-Holstein verlor, und Schwester der Königinwitwe von England und Kaiserinwttwe von Rußland.
Die politische Bedeutung dieser Verlobung liegt darin, daß sie die politische Aussöhnung der Ho- henzollern und Welfen wegen der Ereignisse von 1866 nach sich zieht und damit der letzten Fronde gegen die Entwickeluna Preußens und des Deutschen Reiches ein Ende bereitet. — In Braunschweig herrscht freudige Erregung über die au*5 Berlin und Karlsruhe ein- getroffenen Nachrichten von einer Verlobung zwischen den Häusern Hohenzollern und Welf.
Für die Welfenpartei bedeutet, so meint das „Verl. Tagebl.", die Lösung der Welsenfrage durch die Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August von Cumberland einen vernichtenden Schlag. Die natürliche Folge dürfte sein, daß das Wel- fentUm auseinanderfallen muß. Seiner politischen Grundrichtung entsprechend, wird ein Teil der Anhänger des WelfentUms zweifellos in das konservativ-bünd-
lerische Lager hinüberwechseln. Der erheblich größere Teil aber besteht aus liberalen oder mehr demokratisch empfindenden Elementen, des kleinen Bürger- und Bauerntums.
Eifrig kolportiert wird auch hier die Nachricht, daß nach der Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August auch die Verlobung der Prinzessin Olga von Cumberland mit dem Prinzen Oskar von Preußen bevorsteht.
Uom Balkan-Krieg.
K o n st a n t i n o p e l, 10. Febr. Eine amtliche Veröffentlichung besagt: Unsere Truppen, die sich bei Derkcs befinden, besetzten, ohne Widerstand zu finden, die verschanzten Stellungen des Feindes. Der linke Flügel der Tschataldscha-Armee, der vorrückte, um den Feind aus den Höhen von Omarli anzugreifen, zwang zwei feindliche) Regimenter, sich zurückzuziehen. Der Feind griff unsere Stellungen am großen See an und besetzte unsere Deckungen, aber unsere Truppen erwiderten lebhaft das Feuer und nahmen sie wieder ein. Die bei Scharkoej ausgeschiffien Truppen kamen in einen Kamps mit dem Feinde und fügten ihm einen Verlust von 200 Toten zu. Ein bulgarischer Offizier wurde gefangen. Das Bombardement von Adrianopel dauert fort; aber nur sehr schwach. Die Lage für die türkischen Truppen soll überall gut sein. Nach der Beschießung der bulgarischen Stellungen bei Silivri zogen sich die Bulgaren in das Innere der Stadt zurück. Die Kämpfe bei Maltepe auf der Halbinsel Gallipoli sind sehr erbittert gewesen. Die Bulgaren haben hunderte von Toten Und Nepwundeten. Die Türken machten rund 30 Gefangene, sie hatten nur 2 Tote und etwo 30 Verwundete.
Cetinje, 10. Febr. Nach 3tägigen erbitterten Kämpfen, die Um die Einnahme von Bardanzolt geführt wurden, belaufen sich die Verluste der Montenegriner auf etwa 2500 Tote und Verwundete. Auf beiden Seiten der Türken sind etwa 4000 gefallen, die auf dem Schlachtfeld liegen. Aus dem Berge Tarabosch bei Vrditza wütet der Kampf seit 3 Tagen. Obwohl die Truppen gegen Befestigungen zu kämpfen
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Das Glückskind.
Roman von I r e u e von Hellmuth.
(Nachdruck verboten.)
Als sie ihm aber ihr Anliegen vortrug, und ihn fast öemütig bat, ihr das Geld, das doch ihr gehöre, zurück- zugeben, da sie nach ihrem eigenen Ermessen bereits darüber verfügt habe, da schien er erst gar nicht zu wiffen, was sie eigentlich meinte, und dann — da sie in deutlichen Worten das von dem Vormund ausgezahlte Kapital verlangte, — da lachte Winter aus vollem Halse, >daß ihm die Tränen in die Augen traten, und Röschen ganz verzweifelt die Hände faltete, und nochmals bat: ^Gtb mir das Geld zurück, ich muß es haben, hörst Du, ich flehe Dich an, denn--"
„Aber Täubchen", unterbrach sie der Gatte, noch immer lachend, „was willst Du denn damit?" Das ist -och Sache der Männer, nicht der Weiber,- laß Du Dein Veld nur ruhig in meinen Händen, es ist schon ganz gut aufgehoberu
Da rang das arme, gequälte Weib in furchtbarer Lugst die Hättde, uxö bat und beschwor den Garten, — umsonst — er blieb’ unerbittlich. Röschen suchte immer dringender und heftiger die Herausgabe des Gelbes zu erzwingen.
Als auch dies fruchtlos blieb, — da sing sie an, den verhaßten Maim zu schmähen in den unüberlegtesten beleidigendsten Ausdrücken, daß er sie bloß um des Renten Mammons willen geheiratet, wie ervärm- M. eine solche Handlungsweise in ihren Augen sei, Wöaß er nie, so lange sie lebe, darauf rechnen dürfe, M BerzeWM Uttd AchMg,"üoch viel MMger ihr pètz und ihre Liebe zu erringen.
M Das war zu viel für den stolzen Mann. Mtt einer wütenden Gebärde riß er das zarte, erschrockene Reib empor, und rief mit wetthin dröhnender, tief erbitterter Stimme: „So wisse denn, was ich Dir un-
w! - ^-^;v'."jr.ww!«»Tr-r^^*.>.'-iRnM^»i»w^ ———— dankbarem, einfältigem Geschöpf aus Zartsinn und Schonung für immer verschweigen wollte, und- bedenke stets, daß Du selbst es warst, die mich zu der Mitteilung zwang: daß ich nämlich aus eigenem Antrieb und vollständig freiwillig auf das ganze Kapttal r htet HMe,
— einesteils, weil Dein Vormund selb, hts mehr sein eigen nannte, und ich von meinem Rechte keinen Gebrauch machen mochte, anöerntells, wett ich in Deinem Besitz allein mein ganzes Glück suchte, nicht in Deinem Geld, wie Du irrtümlich vermutest. Ich HMe zwar Böhler versprochen, Dir nie Andeutungen darüber machen zu wollen, allein, wie die Verhältnisse liegen, konnte ich nicht schweigen, und einen solch' erniedrigenden Verdacht auf mir sitzen laffen. Und nun sieh' zu, wo Du den Mut herntmmst, mich wieder zu schmähen."
Röschen sank nach diesem zornigen Ausbruch wie vernichtet in ihren Stuhl zurück: das arme Weib war nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, nur eines begriff es, das Schreckliche, Fürchterliche: Daß das ganze, große, unermeßliche Opfer umfonst gebracht war!
Nun mußte Waldemar doch verloren sein, wer sollte ihn retten?
Von ihrem Gatten konnte sie doch unmöglich verlangen, daß er, nachdem er auf das Kapital verzichtet, auch noch des Bruders Schulden bezahle, — er würde sie höchst wahrscheinlich verspotten und verlachen, wollte sie mit einem solchen Ansinnen kommen, ihm, den sie so tief gekränkt mtt ihrem unwürdigen Verdacht.
Aber auch Wirtter Mtze, d<O er in seiner Heft^- ^^tt & witf ä^ ganzem Herzen, daß er sich hatte fortreißen lassen, und bat sogar der geliebten Frau das Vergehen M.
Doch diese hörte nicht. In ihrem Kopfe summte und brummte es bunt durcheinander. Die brennenden Augen schmerzten so heftig, sie füllte sich wie zer
schlagen am ganzen Körper, und zog sich frühzeitig auf ihr Zimmer zurück.
Da lag die arme junge Frau in dem mit Luxus ausgestatteten Gemach auf ihrem Ruhebett die ganze Nacht mit fieberhaft erregten Skerven, und sann und sann, und konnte doch keinen Ausweg finden.
Der fahle Schein des anbrechenden Morgens stahl sich durch die seidenen Gardinen und huschte über die kostbaren Teppiche, über die geschnitzten, zierlichen, Möbel, über die Blumen, die in Schalen und Vasen überall umherstanden und das ganze Zimmer mit zartem Duft erfüllten, und blieb zuletzt an dem schönen, geisterbleichen Gesicht der jungen Frau haften, das so unbeweglich schien, als wäre das Leben aus diesen ebenmäßigen Zügen bereits entflohen.
Winter kam und klopfte an die verschloffene Türe, erzieln aber keine Antwort. Mißmutig entfernte er sich, i der Meinung, seine Frau schlafe noch. Der Kammerjungfer, die der Gebieterin das Frühstück bringen wollte, ging es nicht besser.
So wurde es Mittag, da litt es den besorgten Gatten nicht länger Mein. Nachdem er wiederholt in den zärtlichsten Ausdrücken gebeten hatte, Röschen möge doch öffnen, ward ihm die Auskunft, sie wünsche für sich zu bleiben. , „ ,
Erst als die Zofe kam und meldete, daß sie einen Brief an ine gnädige Frau abzugeben hMe, wurde geöffnet. Die junge Frau nahm erblassend das Kuvert und las die Aufschrift: ^Frau Direktor Winter, Wohlgeboren."
„Gott, mein Gott, von WaUemar", bebte es von Wren Lippen.
Sie wagte kaum, das Schreiben, das in ihrer Hand, zitterte, zu öffnen. Doch wie selige BEärung stop es schon nach den ersten Zeilen über das blaffe Gesicht die Augen leuchteten hell, wie in glücklichen Zetten.
(Fortsetzung folgt.).