ießener AeiLrtng
ofslr. 58
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oienellädrlich 75 Pfg uorauSzalUbar, frei ins Haus. Nbgehol t in unserer Expedition oder in den Zweig- auegabeslellen vierteljährlich 60 Pfg. — Erscheint Mittwochs und Samstags. — Redaktion: Selters, weg 83. — Für Aufbewahrung oder Rückiendung nicht verlangter Manuskripte wirb nicht garantiert. Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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Nr. 38
Telephon: Nr. 362.
Samsmg, den 10. Mai 1913.
Telephon Nr. 862.
25. Jahry
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Wer
Uom Balkan.
Seit Mittwoch hat der direkte Meinungsaustausch |LPÜd)en den Großmächten in der Frage der Beruhig - Lig Albaniens begonnen. Ausländische diploma- Islhe Kreise neigen der Ansicht zu, daß MoMenegro keine itnitorialen Kompensationen, sondern nur erhöhte fi-
icn^ieUe Zugeständnisse erhalten wird. Die bulgarische InHâ«: serbische Negierung haben Rußland offiziell benach-
i Billigt, daß sie sich dem Schiedssprüche des Zaren in
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00 00 Oslo Ulisse Ma versendet ♦ fiiiilt Eisenach.
wm Konsljikt fügen werden. Die Unterhandlungen ierüber werden parallel mit den Friedensverhandlun- en in Patts und London stattfinden.
Sofia, 9. Mai. Die letzten Abteilungen der irdischen Truppen, die an den Operationen um Adtta-
yg^wm Pr. Lott'-Einn,, ferner bei rag, W. Ruppert III., W S-t
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Itopcl teilgenommen haben, sind im Lause der letzten Macht in ihre Heimat befördert worden. Im ganzen mürben 562 Offiziere, 38 015 Mann nebst Train- und Sanitätspersonal und Kriegsmalettal befördert.
Nach einer Meldung der „Wiener Neuen Fr. Pr." aus Petersburg äußerte sich der russische Minister des Seligeren einem Vertreter des „Don" gegenüber dahin, haft die Erledigung der noch schwebenden Valkanfragen um io schneller und zuverlässiger eintreffen werde, als ein höherer russischer Gast bald in Berlin eintreffen wird. Dieser Besuch wird als wichtiges Moment zur Annäherung der Tripleentente und des Treibundes in der europäischen Politik angesehen.
Essad Pascha soll sich ehrenwörtlich verpflichtet haben, seine tückischen Truppen nach denjenigen Küstenpunkten zu bringen, die ihm von den Mächten bezeichnet werden. Die albanischen Truppen werde er entweder in die Heimat entlassen oder der neuen albanischen Regierung zur Verfügung stellen.
E e 1 t i n j e. Die Entlassung der Truppen vollzieht sich in aller Ruhe.
Montenegro transportiert die Skutaribeute nach Cettnje.
K o n st a n t i n o p e l. Nach hier eingetroffenen Meldungen haben die Serben mehrere hochangesehene albanische Notablen, darunter Riza Bey aus Djakowa aus gewiesen.
Wien. Die zur Ergänzung der Truppenbestände an der südöstlichen Grenze der Monarchie eingezogenen
den soll, die in allen Ausbildung- und versuchstcchni scheu Angelegenheiten unmittelbar dem Staatssekretär des Reichsmarineamtes, in allen anderen Angelegenheiten dem Inspekteur der Küstenartillerie und des Minenwe - sens, weiterhin dem Ches der Marinestalion der Nord - see unterstellt sein werden. Der Zeitpunkt zur Bildung wurde auf den 1. Juli 1913 festgesetzt. Die Mann - schäften tragen zu der Dienstbekleidung und den Gradabzeichen ihre bisherigen Marineteile, Mützenbänder mit der für das seemännische Personal in Gold, für das technische in Aluminium gewirkten Aufschrift „Marine-Lust- schiffabteilung" und „Marinesiiegerabteilung".
Vom neuen Albanien.
limQnDfRnln Nach dem Londoner „Daily Telegraph" enthält UIH 0|)d\D8lg der von Oesterreich und Italien befürwortete Plan zur enges. Bildung eines neuen albanischenSlaa-
tsch, Französisch, Englis I e 5 folgende wesentliche Punkte :
elswissenschaften. 1. Albanien wird einen autonomen Staat entwe-
taSUm^^ â der Herrschaft oder Oberhoheit der Türkei bil- ing für den Kaufmanns- DM-
2. Montenegro wird der nördliche, Griechenland der kostenlos nachgewiesea [übltd)C Nachbar sein.
Id erforderlich. 3. Die Küste Albaniens wird neutralisiert werden
hend erbeten.
Direktor Bunge
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(die Botschafter sind sogar dafür, daß die Mächte die Neutralität von ganz Albanien garantieren).
4. Serbien wird einen Ausweg nach der Adria durch eine zu bauende Eisenbahn erhalten.
5. Diese Eisenbahn wird einer, von den Groß - nächten eingesetzten Verwaltung unterstellt.
6. Die Eisenbahn wird durch ein internationales ßenbarmerietorps geschützt werden.
Italien ist für die Wahl eines Fürsten in Albanien, der keiner der drei in Albanien vertretenen Religionen angehött.
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Reserve-Offiziere und Mannschaften werden in Wochen entlassen.
Sku 1 ari, 9. Mai. Vorgestern brach in Bazar in Skutari aus noch nicht festgestellten chen ein Brand aus, der infolge des starken
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dem Ursa- Win-
des eine große Ausdehnung anzunehmen begann. Dank des Eingreifens der Militärbehörden wurde das Feuer jedoch eingedämmt. Der aus Holz erbaute Bazar wäre eine Beute der Flammen geworden, wenn nicht die Soldaten in großer Zahl zu Hilfe geeilt wären.
Politische Rundschau
Deutschland.
Der Kaiser traf Freitag vormittag
Frankreich.
* Paris, 9. Mai. Die Armee-Kommission der Kammer hat heute, nachdem sie die einzelnen Bestimmungen des Regierungsentwurfs durchberaten hatte, nunmehr das gesamte Gesetz über die Wiedereinführung der 3jährigen Dienstzeit mit 17 gegen 4 Stimmen angenommen.
* Nach den großen Herbstmanövern in Frankreich werden wichtige Truppenverschiebungen nach dem Osten und Nvrdosten, also nach der deutschen Grenze zu, erfolgen. So wird das Parises Militär-Gouvernement nicht weniger als 2 Infanterie-Regimenter, das 120. und 128., das 26. Jägerbataillon und eine Abteilung des 43. Feldartillerieregiments abgeben, die nach Otten an der deutsch-französischen Grenze gebracht werden sollen. Die französische Truppenkonzentration an der Ostgrenze akzentuiert sich also immer mehr und mehr. Sie soll das nach französischer Auffassung von Deutschland durch die Aufstellung des 21. Armeekorps in Saarbrük-
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gestörte Gleichgewicht wieder Herstellen.
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Mie^uden kommend auf der Fürstenstation Wildpark bei Potsdam ein und begab sich ins Neue Palais.
* Einer Wiener Meldung der „Deutschen Tgztg." zufolge wird Kaiser Wilhelm 2. in der ersten Hälfte des Monats August dem Kaiser Franz Joseph in Ischl einen eintägigen Besuch abstatten. Für diesen Besuch ist vorläufig die Zeit zwischen dem 12. und 14. Autzust in Aussicht genommen. Hierauf begibt sich Kaiser Wilhelm zum Gegenbesuch des Herzogs von
Lumberland nach Gmunden, wo er auch an den dem Herzog gegebenen Jagden teilnimmt.
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* Das Marin everordnungsblatt veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, nach der aus dem Lust - sahrpersonal der Marine eine Marineluslschiff- a b t e i l u n g mit dem vorläufigen Standort in Johannisthal und eine Marineflieger-Abteilung mit dem Standort in Putzig gebildet wer-
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England.
* Die Bewegung für Schaffung eines ausgedehn- englifchen Fliegerkorps zieht weitere
Kreise. Letzter Tage veranstaltete der Lordmayor. von Liverpool mit Unterstützung der hervorragendsten Bürger der Stadt eine große Versammlung, an der 3000 Personen teilnahmen. Eine Tagesordnung, die das dringende Bedürfnis nach einer wirksamen Luftwehr au s sprach , wâd e einstimmig angenommen und die Gründung eines Liverpooler Fliegerkorps beschlossen.
China.
* Peking, 9. Mai. Die Verireier der Banken der Fünfmächtegruppe besuchten den Finanz minister und teilten ihm die definitive Annahme des A n= leihet 0'nlraktes mit. Die erste Rate wird morgen ausbezahlt.
Die Nachbarn vom Heideland
Roman von Ludwig Blümcke.
(Nachdruck verboten.)
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So gingen sie denn beide, und des Freundes Wort U war Balsam in Lorenzens zerschlagenes, todwundes k Herz.
J Ewald, Hans mrd Stine kamen ihnen entgegen, und Großmutter an Frau Ohlsens Arm humpelte htn- 8 'terdrein. Auf allen Gesichtern die eine bange Frage: I »Was hat Thorö gesagt:" — Jetzt wußten sie es.-- 1 So um die Vesperzeit kam tatsächlich ein Knecht mit ; einem Wagen voll Ackergerät den Mühlweg daher, um I auf dem Moorhaf aufzuräumen. Hinrichsen ging ihm g entgegen, fuhr ihn derb an und schickte ihn nach Hause. * Er würde selber sogleich in der Mühle sein und mit 1 dem Herrn ein Wort deutsch reden, fügte er hinzu, sich )i auch sofort aufmachenö. Aber das Herrenhaus schien
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gänzlich ausgestorben, alle drei Türen waren verschlossen. Kein Rütteln mrd Pochen nützte.
„Ha, das nutzt dir nichts, du schlauer Fuchs! Mußt doch mal aus deinem Bau heraus!" murmelte der Eichhofer, ärgerlich zurückwandernd.
Er vermutete ganz richtig, daß Thorö aus Furcht vor ihm sich eingeschlossen hatte.
Wie er wieder auf den Moorhof kam und Sttne, die allein da war — die anders waren ins Dorf —, er
zählte, daß der Müller sich versteckt hätte, da beschwor sie ihn, doch ja nicht zu versuchen, mit Gewalt etwas zu
Zlf/M erreichen. Dadurch würde er rein gar nichts durchsetzen, sondern das Unglück noch größer machen, sich womöglich z Dei^ eine Klage wegen Beleidigung oder Erpressung zuzte- '''^vvneirad'' Herr. Sie wollte selber einmal ihr Heil versuchen, wollte
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durch Bitten des harten Mannes Herz erweichen, ihm alles genau schildern, wie es lag, ihm sagen, wie sie alle SV der Scholle hingen.
tchsen brummte etwas von nutzloser Mühe und
dummem Zeug vor sich hin, gab nach, denn er besaß vor Stines Klugheit allen Respekt.
Man hatte alle guten Freunde in Arendrup aufgesucht, von denen vielleicht Hilfe zu erwarten war. Aber keiner half. Frau Mathiesen, die Hans geradezu angefleht, hundert Taler herauszugeben, er wollte Bürge sein, schwor hoch und heilig, vor dem 1. Februar nichts beschaffen zu können, wenn sie nicht mit den Gerichten in Konflikt geraten wollte. Das waren nun alles Lügen und dumme Ausreden. Die Wirtin konnte Lorenzens nicht leiden und mochte i^rem besten Kunden, dem hochverehrten Herrn Thorö doch nicht entgegenar- betten. Der gute Lehrer Holm hätte gern aucs gegeben, was er auf der Stelle besaß. Doch das waren, da er alles, was er bei seinem überaus dürftigen Gehalt erspart, als Hypothek an eines armen Freundes Hof angelegt, keine zehn Taler.--
Am nächsten Vormittag hatte Thorö Stine gnädig Audienz gewährt, nachdem er zuvor an Hinrichsen geschrieben, daß er ihn wegen seines Betragens verklagen würde.
Ewald stand hinter einem Wachholderbusch auf der Heide und erwartete die Rückkehr seiner Schwester mit laut pochendem Herzen. Er hatte mit Gewalt statt ihrer zur Mühle gehen wollen. Doch ihren Bitrön gab er schließlich nach.
Nun kommt sie mit beflügelten Schritten den Moorweg herauf. Sie ahnt nicht, daß Ewald ganz in der Nähe, darum fährt sie erschreckt zusammen, wie er jetzt hervortritt. Dunkelrot glüht ihr Gesicht, und Entrüstung, beleidigter Stolz, Empörung sind nur zu deutlich darauf zu lesen.
„Was hat er Dir getan, hat er Dich beleidigt?" fragt Ewald mit durchdringendem Blick.
Sie mochte dem Bruder nicht ins Auge sehen. Ihr Körver bebte, ihre Hände suchten nach einem Lâ —
„Er ist ein Scheusal, er ist kein Mensch," vermag sir nur hervorzustoßen.
„Sprich deutlich, was hat er Dir getan, Sttne? Er hat Dich beleidigt."
Da richtete sie sich stolz auf, warf den schönen Kopf hintenüber, wie es Hermine zu tun pflegte, und erwiderte:
„ES verleimt sich nicht der Mühe, ein Wort darüber zu verlieren. Wer einen so niedrigen Charakter hat, der kann mich nicht beleidigen."
„So hast Du also nichts ausgerichtet?"
„Nein, der Preis, um den er uns vielleicht eine Galgenfrist gewährt hätte war unbezahlbar für mich, denn es galt meine Ehre. — Nun frage nicht weiter. Ins Gesicht habe ich es ihm gesagt, daß er ein Lump ist und darauf könnte er nnd) verklagen. Dann bekam er Furcht und wollte den Schein erwecken, als wäre alles nur Scherz gewesen. Was so ein Großstadtaffe wohl von uns Bauersleuten denkt?"
Ewald sah ganz bleich aus, sogar aus den Lippen schien alles Blut gewichen. Stine tat es leid, daß sie gleich alles so frei herausgesagt. Wäre ihre Erregung nicht gar so groß gewesen, so würde sie Ewald ganz ge-. wiß den Sachverhalt in etwas milderer Weise öarge- stellt haben. Was sie ihm da jetzt noch sagte, schien ep garnicht zu hören, so schritt er neben ihr her.
„Ich muß noch einmal zu Holms gehen," sagte er,, plötzlich stehen bleibend. „Ich versprach es Ihnen gestern. Er will mit mir beraten, was wir jetzt anfangen sollen."
Dieses Vorhaben konnte Stine nur billigen. Sie wußte ja, welchen Einfluß die Lehrerfcunilie auf, ihren Bruder ausübte und wie verständig Holms Rat- i schlüge zu sein pflegten. - _
(Fortsetzung folgt.).