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Nr. 55

Telephon: Nr. 362.

Mittwoch, den 9. Juli 1913.

Telephon Nr. 362.

25. Jahrg

er

Konuslager 6eben

Vom neuen Balkankrieg.

Wie in den kritischen Tagen der ersten Epoche des Mankrieges, so häufen sich jetzt wieder die Meldun- <n über blutige Gefechte und Siege auf beiden Seiten. Äcilso häufen sich aber die Gerüchte von Verständig- ngs* und Vermittelungs-Versuchen.

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elbst.

Die Auffassung in Berlin ist aber opü- Misch. Wenn bei der Pforte tatsächlich eine kriegerische Ztrbmung vorhanden gewesen sein sollte, so dürste sie ui Grund von Vorstellungen, die bei Gelegenheit des -hinten Empfanges der Botschafter Deutschlands und ftplanbs beim Sultan gemacht worden sind, jeden 3ebcn eingebüßt haben.

. , . W i e n, 8. Juli. Gestern erschien der französische

^Industrie Master Demaine beim Grafen Berchthold und UN- , ibrcitetc ihm den Vorschlag der sranzösifchen Regier-

>en eg, die Großmächte mögen bezüglich der Streitigkeiten Kirchenplatz 111 Balkan ihre Nichteinmischung erklären. Graf Berch- h\b erwiderte, daß Oesterreich es ablehne, eine solche jMätimg abzugeben. Oesterreich werde sich nicht ein- pii, solange es die Interessen der Monarchie nicht orberten.

Wie ans diplomatischen Kreisen mitgeteilt wird, üijle Donnerstag oder Freitag die rumänische Mobili- <11 ng vollendet sein.

6ine bisher noch unbestätigte Meldung der Straß- lirger Post will von einem rumänisch-bülga- rscheu Geheimabkommen wissen, das der H)ctt Situation auf dem Balkan ein anderes Gesicht ich würde. Nach diesem Abkommen tritt Bulgarien Wi Rumänien das gewünschte Gebiet ab gegen die Ver- ZjWiing, daß ihm Rumänien mit einem Heer vvn "cMOOO Mann in dem damals schon von Bulgarien Jltifwr^rfn^ Kriege gegen die beiden bisherigen

Mütttiir rta£tr^l!^clci1 3nt Beite stehe. Dadurch erklärt es sich, ' â Bulgarien durch die rumänische Mobilmachung fci= b» M> WW ^era^cgs beunruhigt wird, sondern seine Niederlassung ^M^M^^k^tazedonien weiter verfolgt. Demgegenüber wird aus ------ oPantinopel berichtet, daß zwischen der Pforte und F« liirkifchen Gesandten in Bukarest auch ein wichtiger

^Ilm^>>Änstwechsel stattgefunden habe. Der rumänische Ee-

. u troctSchuppcnUeOnble hatte mit dem Großwesir eine Besprechung, _ in Bartflechte, skroph.MI CT den Standpunkt Rumäniens darlegte. Vielfach nffsnC rilßkcniL)t man infolgedessen an bevorstehende Abmachun- â ^tèW zwischen Rumänien und der Türkei. Das Morgen- böse desTanin", das gleich wie in den letzten Tagen

sind oft sehr h**^ mtlitänfd)cn Kreisen inspiriert zu sein scheint, sagt, Wer bisker^ würde es nicht dazu raten, den Mcttsth

anzutreten. Die Türkei habe das^Rechi, feino-58*!!* DO« ® J/ den K«

eich. sjJJ^««® Hraf Stanislaus, 5er Großvater der beiden Kom- in ^ ^ftn, hatte sich noch viel seltener als seine Vorfahren rzemien blicken lassen. In seiner Jugend war er l französische Kriegsdienste getreten, und auch in spä- Etn Jahren, als er den Offiziersrock an den Nagel ge- bpt hatte, lebte er fast ausschließlich in Paris. Das ipict war seine größte Leidenschaft. Nur zur Zett der flößen Jagden kam er nach Krzemien. Dann hallte das [tt Schloß wider von Frohsinn und Becherklang, und t jcit Wäldern erscholl das Horido der Jäger.

die Feindseligkeiten wieder aufzunehmen und werde es erforderlichen Falles auch tun, aber vor allem müsse sie den Präliminarvertrag durchführen und Bulgarien auffordern, die Küste des Marmarameeres zu räumen.

Ferner wird gemeldet, der Generalissimus Izzet Pascha sei nach längerer Unterredung mit dem Groß- wesir nach Tschcttaldscha abgereist.

Bei Ko 1 schana hat ein furchtbarer Kampf statt- gesunden. Die Serben, die von den gesamten monte - negrinischen Truppen unterstützt wurden, griffen die 7. Division der Bulgaren an, die von der neuen regulä­ren mazedonischen Legion unterstützt wurden. Die Bul­garen« warfen den Feind zurück. Durch die Besetzung des Passes Sweti-Nikola südlich von Belogratschik ist nunmehr der Zugang nach Nisch für die Bulgaren of­fen. Durch die Besetzung des anderen Passes Sweti- Nikola bei Köprülü ist der Schlüssel nach Uesküb in die Hände der Bulgaren gekommen. Den Griechen ist der Rückzug nach Emidje-Wardar abgeschnitten.

Wien, 7. Juli. Bei Kotschana fand abermals ein furchtbarer Kampf statt. Die Bulgaren warfen den Feind unter für sie katastrophalen Verlusten zurück. Durch die Besetzung des Passes von Sweti Nicola ist nun ­mehr der Zugang nach Nisch für die Vulgaren offen. Ebenso ist der Schlüssel nach Uesküb gewonnen.

Wien, 7. Juli. Hier traf eine neue Sensaüons - Nachricht von einem gewaltigen Sieg der bulgari­schen Armee ein, eine Bestätigung war bisher nicht zu erhalten.

'Sofia, 6. Juli. Die bulgarische Armee er­hielt den Befehl, die Grenze zu überschreiten, daher griff sie gestern den Sveti Nikola-Paß an, wobei sie 6 Ka­nonen eroberte.

Den beiden bulgarischen Armeen, die eine bei Egri-Palanka, die andere bei Kotschana operierend, gelang die Vereinigung bei dem Dorfe Stracin zwischen Egri-Palanka und Kumanowo. Die serbische Morawa- Division scheint endgültig verloren.

Belgrad, 7. Juli. Der bulgarische Ge­sandte Toschew verließ heute mittag mit Familie und dem Personal der Gesandtschaft Belgrad zu Schiff, um sich nach Semlin zu begeben, von wo er nach Sofia weiterreist.

Der bulgarische Gesandte Koluschew unter - richtete die montenegrinische Regierung schriftlich, daß er der Anordnung seiner Regierung gemäß E e t i n j e verlasse und die Geschäfte der bulgarischen Gesandt­schaft der russischen Gesandtschaft übergebe. Der Ge­

sandte reiste gestern früh mit dem Personal der Ge­sandtschaft ab.

Kaum, daß die TimokEivisron vernichtet ist, wird aus Sofia gemeldet, daß die zwischen Egri Palaicka, Kratowa und Kumanowo operierende Mora-Diviston durch einen genialen Angriff des Generals Toschew um­zingelt und dezimiert wurde. Die bulgarische Armee beherrscht gegenwärtig die Linie Nigrita-Lagadina-Ei- watli und Amattöi.

Belgrad. Die Bulgaren sind nach der 3= tägigen verlustreichen Schlacht bei Kriwolak endgültig geschlagen und zersprengt worden.

Belgrad, 6. Juli. Nach offiziellen Reibungen ist Kriwolak von den Serben zurückerobert worden.

Athen, 7. Juli. Nach der Schlacht bei Kilkitsch warf die Division des äußersten rechten Flügels der Griechen die Bulgaren nach neuem lebhaftem Kampfe zurück; diese zogen sich über Struma zurück. Die Grie­chen erbeuteten 12 Kanonen und viele Waffen. Die Verluste der Vulgaren sind sehr groß. Der Gesanttver - lust der Griechen seit dem Beginn des Krieges beläuft sich auf 10 000 Tote und Verwundete.

Athen, 6. Juli. Die griechischen Truppen besetzten gestern Abend D o i r a n e. 150 bulgarische Soldaten wurden in dem bulgarischen Athoskloster Zo- graphos eingeschlossen und gefangen genommen.

Athen, 6. IM. Bei dem Vorgehen nordwestlich von Kilkitsch besetzten die Griechen die Höhen von Pani und lähmten durch heftiges Artillerieseuer die Wider - standskraft des 15 000 Mann starken Feindes, der sich in Unordnung zurückzog. Der Heeresteil der Lahana einnahm, machte 1200 Gefangene.

General Iwanow sieht sich infolge der bedeutenden numerischen Ueberlegenheit der Griechen genötigt, langsam gegen Norden zurückzuweichen. Er ist durch den Abmarsch seiner rechten Flankenarmee nach Norden in seiner Offensivkrast derart geschwächt, daß er sich vor­läufig wird defensiv verhalten müssen.

*

V u! kürest, 7. Juli. Vis zum zweiten Mobil- machungstage haben sich anstatt der vorgesehenen 400 000 Mann 610 000 Mann gemeldet.

Der rumänische Generalissimus Prinz Ferdinand hat den ersten Tagesbefehl an die operierende Armee erlassen, in welchem er die Uebernahme des Haupt-Kom­mandos mitteilt und an die Armee appelliert, daß sie ihre Pflicht tue. Die Mobilisierungstransporte haben gestern begonnen.

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Nach dem Sturm.

Erzählung von Emil Frarrk.

(Nachdruck verboten.)

So ging es Jahr für Jahr.

Der Graf brauchte in Paris Unsummen, und die Hc in Krzemien verschlangen gleichfalls viel Geld, grobes auf Hypothek wurde ausgenommen, und es als sei der Zeitpunkt nicht fern, wo Krzemien ls überschuldet unter den Haunner kam.

Da tauchte Graf Warminski plötzlich wieder in Krze- : auf. Niemand hatte sein Kommen vermutet, nichts -r instand gesetzt worden. Man erzählte allerdings den Extravaganzen des Grafen, der nach einem Seit voll Lust und Herrlichkeit sich plötzlich in die Ein- ^trmfeSt vergrub und selbst für seine besten Freunde nicht «sprechen roar; denn diese hatten es selbstverständlich tW unterlassen, dem Grafen einen Besuch abzustatten, ®cr ihre Versuche waren mißglückt.Seine Gnaden crid nicht zu sprechen," hatte der Diener mit schlauem Bügeln den Besuchern gesagt, die arg enttäuscht und L werrichteter Sache sie hatten auch nicht das geringste L Lber den Grund dieser Seltsamkett des Grasen erfahren - Krze mien verlassen mutzten. Doch dadurch wurde W Nei gier erst recht rege. Die leidige Finanzlage f tote unmöglich diese Sinnesän' -rung bewirkt hân, I s« âl konnten sie als sicher annehmen. Also war es

etwas anderes. Sie rieten hin uno her, verfielen natür­lich auch auf Liebesgeschichten, aber Gewißheit hatte keiner. Lange Zeit war Graf Stanislaus der Gegen­stand des lebhaftesten Interesses aller seiner adeligen Nachbarn. Schon begann dieses Interesse wegen Man­gels an Nahrung abzuslauen, man fing an, sich daran zu gewöhnen, daß Graf Warminski die Nolle des Ein­siedlers spielte, da geschah etwas, was alle Gemüter be­wegte, was die Neugier aufs neue erweckte: Graf War­minski führte ein junges Weib heim. Das wäre ja nun an und für sich nichts Außergewöhnliches gewesen, aber die Beglettumstände waren doch seltsam, höchst selt­sam.

Die Diener erzählten nach und nach alles, und so wurde es bekannt.

An einem Abend war vor dem Schlöffe ein großer Reisewagen angelangt. Den ganzen Tag hatte der Graf auf der Lauer gelegen. Wie er das Knarren der Räder hörte, stürzte er aus dem Schloß und hob aus dem Reisewagen eine seltsam vermummte weibliche Ge­stalt,- zwei Herren folgten. Dann fuhr der Reisewagen wieder fort. Am nächsten Abend sahen die Diener den Pfarrer von Krzemien,- er ging gradenwegs in die Schloßkapelle, deren Türe bei seinem Eintritt verschlos­sen wurde.

Das war alles, was die Diener von der stattgefun- denen Vermählung wußten,- denn daß es sich um eine solche handelte, lag auf der Hand. Aber kein Mensch bekam die neue Herrin von Krzemien zu sehen, und all­mählich gab man sich in den Gedanken, auf die Lösung dieses Geheimniffes verzichten zu müssen.

Doch auch diesmal blieb Graf Warminski inkonse- guent. Es mochte wohl ein halbes Jahr feit jener selt­samen Eheschließung vergangen sein, da befahl Graf Warminski seinen Wagen und fuhr mit feiner Frau nach Slaventin, der nächsten Stadt, wo im Hotel zum Anker ein kleines Fest verattttaltet wurde, zu dem er

auch eüigctaöen worden war. Alle Welt blickte erstaunt auf, als Graf Warminski mit seiner Frau so unver-^ mutet eintrat, doch er schien die erstaunten Blicke, MS, Tuscheln und Flüstern nicht zu bemerken. Mit der Ge-! wanötheit des vollendeten Weltmannes stellte er seine. Gemahlin vor und nahm dann an der Seite einiger- Freunde aus vergangener Zeit Platz. Die Gräfin schient etwas schüchtern zu sein, sie sprach ausschließlich fran-^ zösisch, allerdings mit fremdem Akzent. Sie war sehr' schön, das mußte ihr der Neid lassen,- goldgelbe Flechten umrahmten ihr feines, zartes Gesicht, und aus zwei blauen, blanken Augen strahtte etwas Kindliches. Nur hier und da huschte ein Schatten um ihren kirschroten: Mund, und einige feine Linien in ihrem Antlitz ver­rieten, daß das junge, holde Kind von Leid berührt wor­den war.

Alles das oer Nimbus des Grafen, die heim-' liche Vermählung mit der gänzlich unbekannten Dame, die strahlende, durch Leid gemilderte Schönheit dieser Frau, machte das Paar interessant und begehrenswert, undm an freute sich schon, in intimeren Verkehr mit Krzemien treten zu dürfen und den Schleier des Geheimniffes lüften zu können. Und in der Tat lud Graf Warminski seine nächsten Nachbarn, die Lu- senski und Gasch, nach Krzemien ein. Mtt diesen Fa­milien wurde auch in der folgenden Zeit freundschast-' Lich verkehrt, und beide Familien priesen die junges Gräfin, rühmten ihre Liebenswürdigkeit, ihre Grazie und Schönhett, ihre Bescheidenheit und Herzensgüte.

Nach zwei Jahren glücklicher Ehe schenkte die Grä­fin ihrem Gatten ein Söhnlein, aber sie bezahlte das Geschenk mit dem Leben. Auf die Kunde von dem Tod der Gräfin kam sofort Barvn Lusenski, um Trost zu spenden. Er fand Stanislaus im Park vor dem Schloß. Sein fahles Gesicht mit den erloschenen Blicken sprach, von tiefer Trauer, aber um die zusammengekniffenes, Lippen zuckte es wie grausamer Hohn. _(F. M