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Mittwochs und Samstags. Ncüatlion: Selters-

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^en-FelW

Nr. 29.

Telep hon: Nr. 362.

Mittwoch, den 9. April 1913.

Telephon 9tr. 36

25. Jahr».

nbütte

Hielte

11 Dualaspracht

Reichskanzler Kethmann Holweg's jüngste Kedc am Montag im Reichstag über die neue Wehrvorlage.

Der Reichskanzler trat mit dieser Rede Hand

in

Hand mit Oesterreich vor die Welt und hat die große Aufgabe glänzend gelöst, die deutsche Wehrvorlage zu

------Es ist doch etwas Schönes um die Kraft, die fried - fertig ist, weil sie nicht fürchtet, weil sie sich ihrer Stärke bewußt ist und treue Freunde ihr eigen nerint. Diese Straft ist der Dreibund, der dem Frieden Europas sreu-

, dig dient. Eine tapfere Entschlossenheit liegt in den Wor- Wen habe, len des Reichskanzlers, eine Entschlossenheit, die auch

meine sie Nachbarn verstehen werden, an die sie gerichtet sind.

tunbcn nhm »Einigkeit zwischen der s l a v üs.chl e N

V' Welt und den Franzosen." So kennzeichnete inhn^ Reichskanzler die Lage des deutschen Reiches und 'M ^ damit der Begründung der Wehrvorlage die kür- iftnnh/mitn? ^r und klarste Fassung. Einerseits mußte der Reichs- , s kanzler die steigende Gefährlichkeit des PanstavismUs im yooe Osten und des Chauvinismus im Westen deutlich dar- . legen; andererseits mußte er alles vermeiden, was als

einen Ruy« eine Herausforderung oder eine Kränkung der Nachbar- gen über 50V Legierungen gedeutet werden könnte. Die Zeit der Ra= efe liegen in binettsfriege ist vorbei; wenn es jetzt zu Kriegen kommt, sind es Volkskrieges Herr von Bethmann " uBollweg gab aber zu dieser Ansicht einen erläuternden 'ezugllche On- 3^^ der von hervorragender realpolitischer Bedeut- ( '"8 ist: der Volkskrieg wird nicht von der Mehrheit des

lewst vom g^ikes entfesselt, sondern von einer rührigen, rücksichts - Ni ' ostrr Minderheit.Die Macht der öffentlichen Meinung ( t iat Zügenommen und innerhalb der öffentlichen Mein- Mftöerteilung In$ der Druck derjenigen, die sich am lautesten gebär­den.

Zu der diplomatischen Aufgabe des Reichskanzlers , Warneè gehörte auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein '____ varmes Freundschaftswort nach England. In dieser - Aco- Ansicht hat er alle Erwartungen reichlich erfüllt, «>d Alime«' chne dabei der Würde oder den Interessen Deutschlands ? Empfehlung twas zu vergeben.

Der Aufruf des Reichskanzlers, uns stark zu ma- ! Äle 6" " )en zur Selbstbehauptung, wird im Volk Verständnis ____md Anklang finden. Im Reichstag hat schon der 3cnt L 4359. rumsführer Spahn die Zustimmung aller Eutgesinn- ' ---22 m zu dem Grundgedanken der großen Mion ausge- prochen. Die sorgsame Prüfung der E i n z e l h e i - e n wird die Opferwilligkett der Nation nicht beein - 53068 rächtigen, sondern erst recht sichern und erhalten, Denn nur die notwendige Verständigung Unter den po- S ittven Parteien zustande kommt.

Unsere künftige Cuttflotte.

Nach der neuen Militärvorlage ist eine durchgreif­ende Reform des M i l i t ä r v e r k e h r s w e s e n s geplant. Das Ganze untersteht einem Generalinspekteur im Range eines kommandierenden Generals, dem die Inspektionen der Eisenbahntruppen, der Feldtelegraphie, des Lust- und Kraftfahrwesens, des Festungsverkehrs - wesens und die Versuchsabteilung des Militärwesens

unterstellt

Die Bayerns) pen und

sind.

Luftflotte d e r Armee (ausschließlich soll in je eine Inspektion der Luftschiffertrup- der Fliegertruppen gegliedert werden, die beide

ihren Sitz in Berlin haben. Fünf Lustschifferb ataillone sollen errichtet werden:

Nr. 1: 1. und 2. Kompagnie, Luftschifferlehr-An- stalt, VespannuNgsabteilung in Berlin;

Nr. 2: Stab, 1. Kompagnie und Werst in Ber­lin, 2. Kompagnie in Hannover, 3. (sächs.) Kompagnie in Dresden;

Nr. 3: Stab und 1. Kompagnie in Köln, 2. Kom­pagnie in Düsseldorf, 3. Kompagnie in D a r m st a d t;

Nr. 4: Stab und 1. Kompagnie in Mannheim,

2. Kompagnie in Metz, 3. Kompagnie in Labr, (Württemberg.) Kompagnie in Friedrichshafen;

Nr. 5: 1. Kompagnie in Königsberg, Stab und 2. Kompagnie in Graudenz, 3. Kompagnie in Schnei­demühl.

Die Fliegertruppen werden in folgende vier Ba­taillone gegliedert:

Nr. 1: 1. und 2. Kompagnie in Döberitz, 3. (sächs.) Kompagnie in Zeithain, Artillenefbiegerstation in Iüterbogk.

Nr. 2: Stab und 1. Kompaignie in Posen, 2. Kompagnie in Graudenz, 3. Kompagnie in Königsberg;

Nr. 3: Stab und 1. Kompagnie in Köln, 2. Kompagnie in Hannover, 3. Kompagnie in D a r rn - st a d 1:

Nr. 4: Stab und 1. Kompagnie in Straßburg, 2. Kompagnie in Metz, 3. Kompagnie in Freiburg i. V.

Die Mittel für diese Neuformationen werden im Ertraordinarium unter der Bezeichnung:Beschaffungen für Zwecke des Militärverkehrswesens ... 34 647 000 Mark" angefordevt. Daneben ist auch ein erheblicher Ausbau der Luftskotte der Marine geplant.

Politische Rundschau

Die Cumberlands beim Kaiser.

Herzog Ernst August und Herzogin Thyra von Cumberland sowie Prinzessin Olga, Herzogin zu Braun­

schweig und Lüneburg, treffen am heutigen Mittwoch, mittags 1 Uhr, im Sonderzuge aus dem Hauptbahn - Hof zu Frankfurt a. M. ein, um am Donnerstag von Frankfurt aus sich zum Besuche des Kaiserpaares nach Homburg v. d. H. zu begeben.

Aus Offenbach a. M. wird gemeldet, der Herzog von Cumberland treffe sicherem Vernehmen nach mit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen, dem Schwager des Kaisers, am Donnerstag Mittag auf Schloß R u m p e n h e i m bei Offenbach ein, um der Landgräfin Philipp von Hessen, der Besitzerin des Schlosses, einen Besuch abzustatten. Die Vorbereitungen zürn Empfang seien bereits getroffen. Es verlaute wei­ter, daß die erste Begegnung des Herzogs von Cum­berland mit dem Kaiser auf diesem neutralen Boden stattfinden werde. In diesem Falle würde dann der Kaiser zusammen mit dem Herzog von Cumberland nach Homburg fahren.

In Homburg ist das Gerücht verbreitet, daß gelegentlich des Besuchs des Herzogs von Cumberland Prinzessin Olga sich mit dem Prinzen Adalbert von Preußen verloben werde.

* Amtlich wird jetzt bekanntgegeben: Das Henogs- paar von Cumberland wird am 10. April in Hom­burg v d. H. eintreffen und bis zum 12. April als Gäste des Kaiserpaares dort bleiben.

nach

Deutschland.

* Prinz Heinrich von Preußen ist von Kiel England abgereist.

* Wenn die Meldung zutrifft, daß Verhandlun-

gen über eine Vermehrung unseres Kolonial­besitzes in Westafrika schweben, so kann es sich da­bei nur um Abtretung portugiesischen Gebietes im Nord­westen des Kongo st aates an Deutsch-Neukamerun handeln. Portugal befindet sich bekanntlich in großer Geldbedrängnis und wird vielleicht gegen eine entsprech­ende finanzielle Entschädigung zur Veräußerung afrika­nischen Kolonialbesitzes an Deutschland bereit sein.

7 Simon Kostper, der alte Widersacher der deutschen Herrschaft in Südwestafrika, isi, wie das Gouvernement meldet, am 31. Januar im 70 Le­bensjahre gestorben. Nachdem man ihn aus dem deutschen Gebiet verdrängt hatte, lebte er in der Gegend von Kalahari unter englischem Schutze.

Rußland.

* Petersburg. Der Botschafter Delcassee ist am Dienstag ganz unerwartet nach Paris gereist.

Die Nachbarn vom Heideland

Roman von Ludwig Blümcke.

(Nachdruck verboten.)

Was das für ihn selber bedeutete und in welche Verlegenheit es ihn bringen mußte, das wußte der Eich- Hofer ganz genau, auch Hans wußte es. Aber Vater und Sohn waren vollkommen eines Sinnes darin, daß man so und nicht anders handeln müßte.

Nachher begann Hinrichsen wieder zu phantasieren, und Doktor Schröder schüttelte bedenklich seinen grauen Kopf.Wenn er nur nicht ganz und gar den Verstand verliert!" meinte er mit einem tiefen Seufzer zu Frau Ohlsen, die den Kranken wie eine Mutter pflegte.--

Hans spannte noch an diesem Abend die beiden Füchse vor den Wagen und fuhr nach Flensburg zu einem bekannten Makler. Er erhielt das Geld, immer­hin noch verhältnismäßig genug für die ganze heurige Ernte und für einige Tausend noch nicht gestochenen Torf.

Da fand sich ein Maurermeister zum Neubau des Moorhofs, und Lorenzen konnte die Zinsen pünktlich abzahlen.---

Hermine war am dritten Pfingsttage, wo die Fest­lichkeit im Wirtshause fortgesetzt wurde, recht verstimmt, weil Hans sich nicht sehen ließ. Daß er wegen des Un­salls seines Vaters nicht gerade in heiterster Stimmung sein würde, fand sie erklärlich. Aber sie wäre doch die erste, bei der er Trost suchen müßte, sie, seine Braut. Ach, daß er wie drei Knechte vis in die Nacht hinein auf dem Moorhof schaffte, heute am dritten Festtag, der doch, weil es Pfingsten, hierzulande gefeiert zu werden pflegte, das wußte sie nicht.

Gegen Abend machte sie sich denn auf eine Stunde los, um selber nach dem Eichhof zu spazieren und ihrem Schatz die Leviten zu lesen. Sie traf ihn nicht im Hause. Nur der Kranke und Stine Lorenzen, die Frau Ohlsen

in der Pflege desselben abgelöst, waren dort. Als jene ihr die Türe öffnete und mit erstauntem Gesicht nach ihrem Begehr fragte, da warf sie den Kopf in den Nacken und entgegnete, während ihre Blicke geringschätzend über Stine hinwegglitten:

Ich wünsche den jungen Herrn zu sprechen. Sagen Sie dem, daß ich hier bin!"

Stine war es gewöhnt, von dieser stolzen Schönheit verächtlich behandelt zu werden, wie eine Dienstmagd, und sie hatte sich sonst nie weiter darum gekümmert, aber jetzt regte sich so etwas in ihr wie das Bewußtsein völliger Gleichberechtigung.

Sie antwortete darum sehr kühl:Wenn Sie Hans Hinrichsen meinen, dann sind Sie umsonst gekommen, der ist auf unserm Hof und hilft beim Torf."

Herminens Gesicht sah in diesem Augenblick nichts weniger als anmutig aus. Sie wußte recht wohl, daß ihr Bräutigam dieses Mädchen da gerettet, daß er ihret­wegen sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, und mit ihren scharfen Augen sah sie eine gefährliche Neben­buhlerin in dem schlichtenKind vom Torfkönig", wie sie dasselbe wohl verächtlich zu nennen pflegte.

Sie scheinen nicht zu wissen, daß ich die Braut des jungen Herrn Hinrichsen bin," fuhr sie fort.

Da wurde Stine bleich und konnte nichts erwidern. Hermine stieß sie unsanft beiseite und drängte sich ins Zimmer. Die Kammer, in welcher der Kranke lag, stieß an dasselbe. Sie wollte auch dort eindringen. Aber da vertrat Stine ihr den Weg und sie sagte in gebieterischem Ton:Hier kommt kein Fremder her­ein. Der Arzt hat es strengstens verboten. Ich ganz allein darf in die Kammer. Gehen Sie zurück, Hin­richsen könnte wach werden. Der Schlaf tut ihm wohl!"

Herminens Gesicht färbte sich dunkelrot vor Zorn, und ihre Augen schossen Blitze. Aber sie sah, daß sie sich fügen müßte.Unverschämte Person! Ich werde dafür sorgen, daß Du hier aus oem Hause verschwin-

best!" keuchte sie, warf den Kops noch tiefer in der Nacken und ging auf dem nächsten Wege dem Moorho zu.

Stine saß am Krankenbett und schluchzte zum Herz zerbrechen.Nein, nein, die nicht, die nicht! Ich wil ihm ja nichts anders sein als eine Freundin, eine treu Schwester. Ich wünsche ihm dus höchste Glück au Erden. Möge er ein gutes Weib finden, das beste au Erden ist nicht zu gut für ihn. Aber die nicht, das wär« sein Unglück!"

Das war es, was sie erfüllte. Nun wurde sie öurä einen Wehlaut, den der kranke Riese ausstieß, an ihr Pflicht ermahnt, und darüber vergaß sie für einig Minuten diese neue schwere Sorge. Sie tauchte der Verband in kaltes Wasser und träufelte Hinrichsen von der schmerzlindernden Medizin über die trockener Lippen.

War das der stolze Ulan mit den funkelnden Epau letten und dem wallenden Haarbusch auf der kleidsamer Tschapka? O welch eine Veränderung! In Hemds ärmeln stand er da im Torfmoor, von oben bis unter beschmutzt, sogar das Gesicht mit der schwarzen Moor­masse besudelt. Er schien nichts zu hören und zu sehen so vertieft war er in feine Arbeit. Ewald arbeitete ; weiter unten und hatte Hermine offenbar auch gar nich j kommen sehen.

Hans, bist Du das wirklich?" kam es verzweifel! über ihre Lippen. Da fuhr er auf, erkannte sie, schämte sich und wischte verlegen mit dem Arm über fein Gesicht.

Du mußt schon entschuldigen aber"

Ja, ja, Du bist ein galanter Bräuttgam! So ge­fällst Du nur, ha, ha, ha!" Beißender Hohn lag da­rin, und Hans wurde noch verlegener.

(Fortsetzung folgt.)