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Btjugsprtb 35 Pfg. monatlich
Viertel,Lhrllch 75 P^G., vorauAzahLLar, frei in6 HauS. Cb geholt tu unserer Expedition oder in den Zweig« auSgabefteüe« viertel jährlich 60 Pjg. — Erscheint MittVoch» und EnästagS. — Redaktion: Selterd« weg 88. — Kâr Lusbewahrnng oder Rücksendwtg nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,,Gießener Zeilnnq" W. eu b. ^
Expedition : Selters weg 85.
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Nr. 90
Lelcp Hou: Nr. 302.
Samstag, den 8. November 1913.
Telephon Nr. 862.
25. Jabrg.
> (in Briefmarken Ihra beifügen,- Man wo kosten,— Senden 5p ICE, Dept. 410 No. 30, 1, N. (England).
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Zum Cbronwecbld in Bayern.
Die Kanrmer der; Abgeordneten beschäftigte sich kennerstag nachrmttag mit dem Antrag der Regierung: anjplcrlenucn, das; am 4. November 1913 die verfas- svr gsmäjpgeu Voraussetzungen für die Beendigung der '-ie^entschast bestanden haben. Der Antrag der Slaat5= VKierung wurde mit allen bürgerlichen Stimmen ange- lloMnnen.
Die seierlichen Veranstaltungen aus Anlaß der Ufon besteig trug sind durchaus schlichter Natur, wie es
btni Wesen des Königs Ludwig entspricht und ent- I btt ren jedes Prunkes. Die Eideslei st ung heute ‘ am Samstag wird in ganz einfacher Form vor sich | gelten, ebenso die Huldigungsfeier am Mitt- lvoch nächster Woche. An diesem Tage wird in allen Kurilen Bayerns für den neuen König gebetet werden. Dci Monarch wird bem Hochamt in der Frauenkirche m München beiwohnen, zu welchem er in feierlicher Ktffahrl erscheinen wird. Der Amnestieerlah König Ludwigs erläßt alle noch nicht vollstreckten Strafen, die vor bürgerlichen oder militärischen Gerichten Bayerns ausgesprochen wurden wegen Beleidigung des Königs Diko oder des jetzigen Königs, wegen Vergehens in Sey Kg a irf staatsbürgerliche Rechte und das Prekgesetz, mc 1,011 Beamlenbeleidigung, Ungebühr vor Gericht, fo= wie ive^cii Forstfrevels, wenn sie nicht mehr, als ein Monat Gefängnis oder 100 Mark Geldstrafe betragen.
König Ludwig hat dem Kaiser die Beendigung der Kc entschaft in einem Telegramm angezeigt. Das Tele- I graimm hat folgenden Wortlaut: I
„Euerer Majestät gestatte ich mir zur geneigten ; Kenntnis zu bringen, daß ich die Regentschaft gemäß 1 den Bestimmungen der Verfassung für beendigt erklärt und den Thron meiner Väter als nächster Agnat bestiegen habe. Die unerschütterliche Bundestreue, die ich von meinem Vorgänger in der Regierung Bayerns als heiliges Vermächtnis übernommen und selbst sorgfältig gepflegt habe, wird in mir auch fernerhin einen überzeugten Hüter finden. Euere Majestät, den erhabenen Schirmherrn des deutschen Reiches, bitte ich, die mir und meinem Hause bisher stets erwiesene freundschaftliche Gesinnung auch in Zukunft erl-alten zu wollen."
Vom Kaiser Wilhelm lief folgende Antwort ein :
„Mit herzlichem Dank für Deine Mitteilung über die Beendigung der Regentschaft spreche ich Dir zu Deinem Regierungsantritt als König in treuer Freundschaft tf n b Anhänglichkeit Meine aufrichtigsten und aus tiefstem Herzen kommende Glück- unb Segenswünsche aus. Mit Mir nehmen die Kaiserin, Mein Hau's und Mein Volk an diesem bedeutungsvollen Ereignis freudigsten Anteil. Möge Dein Wirken in dem Dir von Gott übertragenen hohen Berufe Dir selbst reiche Befriedigung gewähren und Deinem schönen Lande sowie Unserem gemeinsamen grohen Vaterlande Glück und Segen bringen. Möge der heutige Tag für das Bayernland der Markstein werden für eine Zeit ungetrübten Glückes und segensreicher friedlicher Entwickelung."
Auch von den übrigen Bundessürsten, den Bürgermeistern der freien Städte, dem Kaiser von Oesterreich und den anderen europäischen Souveränen, sowie aus den bayerischen Städten und dem ganzen bayerischen Lande sind zahlreiche Glückwünsche zur Thronbesteigung eingegangen.
Politische Rundschau
Deutschland.
* Der Kaiser hat dem Bischof Kor um von Trier den Roten Adler-Orden 2. Klasse mit dem Stern verliefen.
* Der Kronprinz wird das Protektorat über ; die im August nächsten Jahres in Dar-es-Salanr statt- sindende Deutsch-Ostafrikanischc Landes-AuSstelluNg übernehmen. In kolonialen Kreisen nimmt man aus bie- sem Grunde an, daß der Kronprinz die Ausstellung persönlich eröffnen und im Anschluß daran einen Teil unseres afrikanischen Kolonialbesitzes besuchen wird.
* Nach Blällermeldungen soll der Verband der unteren Post- und Telegraphenbeamten eine Eingabe an den Reichstag vorbereiten, in der aus die Rotwen- digkeit der Gleichstellung der Landbriefträger mit den Briefträgern und Postschaffnern hingewiesen werden soll.
* Ueber die Frage der Arbeitslosenversicherung steht nach der „Tägl. Rundschau^ alsbald I nach dem Zusammentritt des Reichstages eine große I Debatte zu erwarten. Die Reichsregierung wolle sich
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Frankfurt a M Chemisches Reinigen und Färben von Damen-, Herren- und Kindergarderobe, Vorhängen, Decken. Teppichen, Portièren Fellen, Spitzen, Federn, Reihern, Kindermützen, Handschuhen etc. Zirka 1000 Angestellte.
Nsch dem Sturm.
Erzählung von Emil ^rauk.
Echlutz) (Nachdruck verboten.)
Da hörte sie aus der Rampe Ziläppern von Pferde- bnkm. Sicher waren es Jadwiga und ihr Vater, die uUy Kochlwow zu rückteh neu. Sie eilte in den Korri- dvr. Die Treppe hinauf stürmte — Wladimir. Da ^H ein Jubel buvw ihre Seele, und sie stand vor ihm Äii ürafilcnDcn Augen und ausgeüreiteten Armen: XnabimtrJ* Da zog er sie an sich und küßte sie, und üt meinte und lachte dabei und hielt ihn fest. O, war fcS ein Glück!
Wladimir erzählte dann: ^Wir erfuhren gestern tberio, daß es in .^rzemieu wüste hergehe. Allerhand '^rstchte kamen uns zu. Da bekam ich Angst um ärm, um Dich. Ich wollte sofort Herkommen, aber tl war unmöglich, ich sah nicht Weg und Steg. Heute Ji Morgengrauen zögerte ich uicht mehr. Und nun ihr ich froh daß ich Dich wiederhabe, das war der »reines Lebens". Er süßte sie. So UriHeft waren sw m ihr Glück, daß sie das Kommen l: anderen nicht wahrnahrnen. Erst als die Tür sich ; ip cle inh.en sie auseinander. Der Gras sah ein wenig t . />"U aus, und Jadwiga und Baron Kappel sahen :f.ji lächelnd am als n^Kn sie kompetente Beurteiler 4:1 Sachlage. Wlgdnuir Lusenski aber faßte sich rasch. Es faßte Sid nm an der -^and, trat einige Schritte vor mb sagte: ^Herr Graft die Stunde wie auch die Um- füii De sind n: gewöhn!tch. Aller nach dem, was Sie irch-en sahen, wäre Schweigen Feigheit, und so bitte ich â um die Hand Ihrer Tochter Slawa!" u, Der Gras lachte. Es war ein frohes herzliches Streit. „Weiß der Hiir A“ sagte er, „der Verlobungs- jüzfMs scheint heute in der Luft zu Liegen. Erst ber- Mcit sich Jadwiga und Kappel mib jetzt Ihr. Na, Niucen Segen habt Ihr. Also eine Doppelverlobung! 8cm! Eigentlich müßte jetzt Sekt auf den Tisch. Aber Ke Stunde ist für Sekt etwas ungewöhnlich, ich glaube, mit trinken erst Kaffees
Das geschah denn auch. Es war alles vorbereitet, tarn war das Frühstück rasch aufgetragen. Baron LüpopÄ war sehr schweigsam, und auch Jadwiga hatte kein; BeöürfuiS zu sprechen. Hie und da sah sie besorgt .tot Geliebten an. Gr sah so krank aus. Doch nein, bamk nicht, aber milde, und dann — 0 Etikette, zürne 'M, — lernte er sich ein wenig ^rrück und schlief.
b?raf W: ii^-. ;i;c: : cc.n. Xe; arme
Ziert hat m i: 310c. beachte n:m; r- ar geschtasen."
Es war eine eigetttümliche D^i-'ouug! ÄLtürlich blieben die Herren in Krzemieic. Graf Warminsti kommandierte: „Alles geht zur Ruhe, alles weitere wird sich finden!"
Nachmittags beim Essen waren alle froh und heiter. Jetzt kam auch der Sekt auf den Tisch. Warminski erhob sich und sagt^: „Liebe Kinder! Heute hab ich trotz Schreck und Not eine große Freude erleb!. Mein treuer Freund, mir dem ich jahrelang Schulter an Schulter ge.ämpü habe, und meines u ^sten Slachbar Sohn haben die Herzen meiner Töchter im Sturme erobert. Das Glück lacht mich an aus Euren Augen, hell schimmert die Zukunft. Im Dorf aber mag es heute manchen geben, der voll Angst und Sorge der Zukunft entgegeusiehi. dem das Wasser alles nahm, was er sein eigen nannte. Freilich, wir können nicht alle Not dort unten lindern. Aber was will ich tun, um dem Schicksal meinen Dank zu beweisen für die Freude, die mir heute iu meinem Hause erblüht ist. Ich bestimme fünfzigtausend Kronen für die vom Wasser Geschädigten, und wir wollen gleich binsahrcu und ihnen das mit- tciicn. So, Hilft nun laßt uns anstoßetl: auf Euer und auf mein Glück auf unser aller Zukunft!"
Hell t fangen die Gläser aneinander. Die Worte des Grafen hatten jeden Schatten verscheucht, der über ihrer Stimmung schwebte. —
Die Kunde von dem frohen Ereignis auf dem Schloß offenste sich fort von Mund zu Mund. Einige lachten bitter. „Ja, während wir hier zu Grunde gehen, feiern die Reichen frohe Feste!" Aber bald schwiegen diese stimmen« Der Graf verkündigte selbst den Krze- mkitcin, was er für sie tun wolle. Ta wandelte sich tiifcb die drückende, trübe Stimmung in. Jubel und Wvnue, und brausend hallte der Ruf wieder: „Hoch lebe der gnädige Herr Graf und sein ganzes Haus!"
Was soll ich noch viel erzählen?
Von Dr. Sojka?
Tie Verletzung erwies sich als ungefährlich, und er hatte auch wahrlich keine Zeit, krank zu sein. Die Flut hatte sich verlaufen, die Aufregung legte sich. Aber es gab viel Kranke, und die nahmen des jungen Arztes ganze Kraft in Anspruch. Er selbst sah leidend aus und das war auch kein Wunder. Er gönnte sich keine Zeit zur Ruhe, und dabei verfolgte ihn auch noch ein
lästiger, störender Gedanke. Wie large n- verließ Maria das Schloß, und er blieb aNciu ina je - ner Sehnsucht. O, wenn er es ihr doch sagen konnte, was ihn quälte; wenn er doch zu ihr von seiner Liebe sprechen könnte! Aber sie ließ sich nicht blicken, sie war erkältet, so hörte er, und er hatte keine Zeit, sie zu besuchen, die sein Glück war. Zum erstenmale empfand er es, daß Ue strenge Erfüllung der Berusspflicht cip Opfer sein kann, ein ichweres, großes Opser. Fast täglich fragte er seine Mutter, ob noch nichts festgesetzt sei, wann Maria Kr^emien verlasse. Frau Sojka lächelte bei diesen hastigen Fragen und beschivühiigle ihn. Vorläufig blieb Maria noch hier, und alles andere würde sich finden.
So sprach Frau Sojku.
Eines Tages tYaf der Arzt Maria bei seinen Eltern. Eben war er von einem benachbarten Gute heim- gekehrt, und er fühlte sich müde und matt. Als er aber Maria erblickte, leuchtete es hell aus seinen Augen, und er sprach es aus, wie sehr er sich freue, sie endlich wieder zu sehen. Doch bald verwandelte sich seine Freude in Schrecken,' denn Maria kam, um Abschied zu nehmen. Sie war ja jetzt überflüssig und wollte in das Institut zurückkehren, in dem sie früher gewirkt hatte. Frau Soirc verließ für einen Augenblick das Zimmer. Da konnte der Arzt sich nicht enthalten, er mußte ihr sagen, wie weh es ihm tat, daß sie ging. Und dann sprach er von Liebe, und er wurde beredt uyö sie lauschte erglühend nur seine Worte und war froh und glücklich. Da zog er sie an sich und küßte sie, und bann rief er Vater und Mutter, um ihnen sein Glück zu verkünden. ---
Und auch dem Grafen war noch ein spätes Glück beschieden. Nach der Verlobung der .Kinder schrieb er an Else und fragte an, ob er jetzt kommen dürfe. Sie sagte nicht nein. Im folgenden Sommer wurde sie sein Weib. So war auch für sie nach Irren und Enttäuschungen, nach Fehl und Sühne, ein ruhiger, heiterer Lebensabend angebrochen. Graf Warminski beschränkte sich auf die Verwaltung von Krzewien. Seine Töchter schenkten ihm einen Kranz prächtiger Eöel- kinöer, sie sind sein Glück und sein Stolz. Für sie arbeitet er, ihnen soll erspart bleiben, was seine und setuer Linder Jugend trübte: Der Sturm und Kampf — Das war das .Glück, das nach dem Sturm erbMte»
Ende.