Erpedition: Zelters weg 8Z.
Mittwoch, den 8. Oktober 1913
25. Iahrg
Nr. 81
Telephon Nr. 362.
Telephon: Nr. 36*2.
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von Mecklenburg, durch die Regierung destg-
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Man kann damit rechnen, daß der Reichstag November seine Arbeiten wieder aufneh-
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Jadwiga litt selbst darunter. Sie war viel zu ge- mbc und offen, als baß sie nicht c.:_____;
Wh Baron unrecht. Und doch brach bei jeder Ge- Menhett ihre Gereiztheit durch, und je mehr sie da-
Anzeigenpreis 15 pfg.
die 44 mm breite Pelitzeile für AuSwärtS 20 Pfg Tic 90 mm breite Reklame-Zeile 50 Pfennig Erirabeilagen werden nach Gewicht und Größe, berechnet. Rabatt kommt bei Überschreitung des Zahlung-- zieleS i:to Tages, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschttsien ohneBerbindlickken. Druck der Gießener Vcrlagsdrnckcrci. Albin Klein
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Nach dem Sturm.
% Erzählmia von Emil Kra«L
(Nachdruck verboten.)
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Gießener
Bekanntmachunsi.
Von dem zur Deckung der Geländeerwerbskosten für den Bahnbau' Grünberg-Londorf durch den Kreis Gießen im Jahre 1895 ausgenommenen Kapital von 80 00 0 Mark sind per 1. März 1914 zur Rückzahlung ausgelost die Obligationen Lit. A Nr. 30 über 1000 Mark und Lit. D Nr. 20 und 116 über je 100 Mock.
Gießen, den 29. September 1913.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
r I. V.: Welcker.
Politische Rundschau.
Deutschland.
• Der Kaiser hat sich am Montag zu mehr - tägigem Jagdaufenthalt nach Hubertusstock begebeni
• Herzogin Viktoria Luise zu Braunschweig und Lüneburg hat am Sonntag zum erstenmale nach ihrer Erkrankung mit ihrer Mutter, der Kaiserin, vom Neuen Palais aus einen Spazierritt unternommen. Der Gesundheitszustand der Herzogin ist so gut, daß sie be= adsichtigt, an den Herbstparfocejagden teilzunehmen.
• Der Bundesrat beschäftigt sich gegenwärtig mit der Frage des heimlichen Warenhandels durch Beamte. Anlaß dazu hat eine E i n= gäbe aus den Kreisen des Zigarrenhandels gegeben. Die Reichs regierung hat wiederholt durch amtliche Ecklärungen keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie entschlossen ist, den heimlichen Warenhandel von Beamten mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu un- lerd nicken.
* Der Reichskanzler soll am Samstag vor seiner Abreise nach München dem Kaiser in der braun - schmeigischen Angelegenheit Vortrag gehalten haben.
Herr v. Bethmann hatte die Audienz drahtlich nachge- sucht. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß dieser Vortrag mit dem Besuch des Reichskanzlers beim bayrischen Ministerpräsidenten Frhrn. v. Hertling in Verbindung zu bringen sei, und daß ein neuer Schritt zur Entwirrung der schwierigen Welfensituation unternommen werden wird/
In braunschweigischen Kreisen ist man der Meinung, daß der Prinzregent Herzog Albrecht von Mecklenburg die Regentschaft mit Ablauf dieses Monats niederlegen wird. Von anderer Sette wird angenommen, daß. der Termin der Uebergabe der Regierung an den Prinz Ernst August von Braun - schweig-Lüneburg sich um einige Wochen verzögern dürfte, daß aber keineswegs das Jahr 1913 zu Ende gehen werde, ohne daß der kaiserliche Schwiegersohn den Herzogsthron in Braunschweig b e st i e g e n habe.
* Zum Statthalter von Elsaß-Lothringen ist nach der „N. Pr.-Korr,." bereits der Regent von Braunschweig, Herzog Johann Al-
die die Bezüge der Verstorbenen für die auf den Ster- bemonat folgenden 3 Monate zusammenfahl. Für die Beihilfen sind 4 Millionen in den Etat eingestellt worden, welche Summe bis zum Schluß des laufenden Rechnungsjahres ausreichen dürfte. Der nächste Etat wird die Summe von rund acht Millionen für die Erhöhung der Beihilfen enthalten. Im Jahre 1912 wurden im ganzen 29 Millionen füc Kriegsteilnehmer, die keine besonderen Verdienste aufzuweisen hatten, autzge - geben. Ihnen wurde diese Summe aus Dankbarkeit gewährt.
* Die Straßburger sozialdemokratische Freie Presse hatte eine sensationsmäßig ausgemachte, aus einem Züricher Blatt entnommene Nachricht gebracht, wonach ein Mitglied des Kaiserhauses während seiner Studienzeit in Straßburg Schuldverbindlichkeilen in der Höhe von einer halben Million Mark eingegangen sei und zur Herbeischaffung von Geldern zu ihrer Deckung Verbindung mit gewerbsmäßigen Geldvermittlern gesucht habe. Diese Nachricht entbehrt, wie die amtliche Straßburger Korrespondenz, hierzu ermächtigt, heute erklärt, jeder tatsächlichen Grund - läge und beruht von Anfang bis zu Ende auf Erfindung.
men wird. Da die Session nicht geschlossen worden ist, sondern nur Vertäuung eingetreten war, so nimmt der Reichstag seine Arbeiten ohne weitere Förmlichkeiten wieder auf.
* Zur vermehrten Sicherung der O st g r e n z e des Deutschen Reiches fordert der Etat neue Mittel für 2 Luftschiff st ationen für die Heeresverwaltung in den östlichen Provinzen.
* Der Entwurf von Ausführungsbestimmungen über die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer, der jetzt den Bundesratsausschüssen überwiesen ist, trifft im Einzelnen eine Regelung über die Bedingungen, unter denen die Auszahlung der Bei- [)ilfen erfolgen soll. Von besonderer Wichtigkeit ist die Bestimmung, daß die Zahlung an die W i tW e n der Beihilfenempfänger im voraus in einer Summe erfolgt,
Frankreich.
* Der Präsident der französischen Republik, Poin- caree, hat sich nach Spanien begeben, um die wieder - holten Besuche des Königs Alfons zu erwidern. Bei der Ankunft auf spanischem Boden in Jrung erhielt Poincaree ein Begrüßungstelegramm des Königs Alfons.
Oesterreich.
* Nach einer Blättermeldung aus L e 1 i n j e habe König Nikolaus in einer Unterredung mit dem österreichischen Gesandten von der Notwendigkeit enger _ Beziehungen zu Oesterreich-Ungar,n und sogar von einer etwaigen Anstellung österreichischer Offiziere und Beamten für die Dautzr von 3 Jahren gesprochen.
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mber nachgrübelte, welches wohl der Grund ihrer Abneigung gegen den Baron sei, desto tiefer arbeitete sie sich in dieses Gefühl hinein. Sie konnte keinen Grund dafür ftnden, denn sie schloß vor der letzten Erkenntnis He Augen.
Schon während der Schweizer-Reise hatte sie sich in Gedanken oft mit Baron Kappel beschäftigt. Erst war das ein sorgfältiges Prüfen, ein Vergleichen mit anderen Männern. Als sie sich aber dessen bewußt ward, daß dieser kühle, stolze Mann ihr Interesse in besonderem Grade irr Anspruch nahm, kämpfte sie dagegen an mit aller Macht. Aber sie konnte nicht loskommen von dem Gefühl, daß der Baron auf sie einen sehr starken Eindruck gemacht hatte. Sein Bild drängte sich ihr auf im Wachen und Träumen, sein Urteil schien ihr immer das richtige zu fehl. Daß er ihr gegenüber bei aller Korrekthett so kühl blieb, daß er so überlegen ruhig ihre unklaren Urteile richtig stellte, daß er sich so ganz und gar keine Mühe gab, ihre Gunst zu gewinnen, das verletzte ihren Stolz, verwundete ihr Herz. Und von dieser Zett an provozierte sie den Varon bei jeder Gelegenheit,- wenn er ihre Freundschaft nicht wollte, gut, dann Eje sie ihm als Feindin gegenübertreten.
_ Wr es war merkwürdig, sie empfand ganz und gar Befriedigung darüber, Manchmal drängte sich der Gedanke auf, daß sie nur deswegen so versttmmt und verletzt sei, weil sie sich nicht eingestehen wollte, haß sie dem Baron trotz allem gut sei. Wenn Kappel
sie manchmal bei Tisch unvermutet ansah, bann leuchtete es aus in seinem Blick, dann lag etwas Weiches darin, bann hätte sie aufjubeln mögen vor Glück und Seligkett. Warum war er nicht immer so? Wollte er sie etwa zwingen, daß sie ihm entgegen kam? Nein, bas tat sie nicht! Ihre Liebe — bas stierte sie — war etwas Hohes, Großes, daß derjenige, dem sie zufallen sollte, sich diesen Preis schwer erringen mußte. Sie schenkte sie nicht weg, sie mußte verdient werden.
Aber das waren nur Gedanken, Regungen, gegen die sie kämpfte mit aller Macht. Und je lauter f-olÄe Gedanken sprachen, desto kühler behandelte sie den Bare , und es war nur zu bewundern, daß Kappel das all . so gelassen hinnahm. Jadwiga wunderte sich selbst öf - rüber. Auch der Baron dachte manchrngl darüber nac , aber mit der ihm eigenen Willenskraft zwang er jede: bitteren Gedanken nieder. Er war fest überzeugt, da auch für ihn das Glück kommen, und daß jene es ihn bringen würde, die ihm jetzt als Feinoin gegenüberstand! —
Eines Tages sagte der Graf zu seinen Töchtern und Fräulein Linrowski: „Baron Kappel hat mich eingeladen, Euch die Fabrik zu zeigen. 3d) habe heute in Kochanow zu tun; wenn es Euch Vergnügen macht, so könnt Ihr mich begleiten." Slawa und das Fräulein waren mit Freuden bereit, Jadwiga aber schien keine rechte Lust zu haben. Doch schließlich siegte ihre Neugierde,- sie hätte gar zu gern gesehen, wie es in der vielgepriesenen Fabrik aussah. So fuhren sie alle hin.
Beim Baron trafen sie Dr. Sojka, der eben herausgekommen war. Graf Warminski sagte: „Wenn Sie nach der Fabrik gehen, dann bleibe ich hier und sehe mir in aller Ruhe die betreffenden Schriftstücke durch, die ich zu unterzeichnen habe." Das geschah denn auch. Der Baron begab sich mit den Damen in die Fabrik und Dr. Sojka schloß sich ihnen an. Kappel zeigte iü-
»en das Interessanteste und erklärte es ihnen sowett, all eS für Laien Zweck hat. Dr. Sojka war sehr ottftnert» sam. Hier und da blieb er auch ein Weilchen zurück und besah sich Transmissionen und Wellen, Laufriemev und Maschinentelle, sagte aber nichts. Erst als sie bot großen Maschinenraum verlassen hatten, wandte er sich an den Baron und sagte: ^Nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Baron, daß ich mir eine Bemerkung erlaube: ich glaube die Sicherheitsvorrichtungen reichen nicht aus." Das klang fest und überzeugt.
Auf dem Gesicht des Barons war für einen Augenblick der Unmut ausgeprägt, den die Worte des jungen Mannes in ihm hervorgerufen hatten. Ein stolzer, abweisender Zug war in sein Antlitz gekommen, und seine Augen sandten scharfe, kalte Blicke auf den Arzt. Jadwiga beobachtete das, und ihr war der Baron in diesem Augenblick unsympathisch, fast fürchtete sie sich vor ihm.
Nach kurzem, peinlichen Schweigen sagte der Baron: „Sie können recht haben, Doktor, aber wir haben getan, was in unseren Kräften stand. Tas können Sie mir glauben, und Sie können versichert sein, daß mir Leib und Leben ebenso nahe gehen wie Ihnen."
Er hatte das mit leicht vibrierender Stimme gesagt. Er war verletzt, das lag auf der Hand, das empfand auch Dr. Sojka. Um einzulenken sagte er: „Herr Baron, ich wollte ja absolut nicht krittsieren, glauben Sie mir das, ich wollte nur aussprechen, wovon ich überzeugt war, daß es Ihnen vielleicht entgangen sein könnte. Bei einem so großen Unternehmen können nicht alle Kleinigkeiten erwogen und in möglichster Vollkommenheit sofort ausgeführt werden."
Indem kam der Graf, und der Zwischenfall war erledigt. Der V . it selbst war bemüht, ihn vergessen zu machen, uenn er behandelte den Arzt, als ob nichts vorgefallen wäre, vielleicht noch wärmer als vorbin.