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Bezugspreis 25 Pfg. monatlich
vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig» ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg. — Erscheint Mittwochs und Samstags. — Redaktion: SelterS» weg 83. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der „ Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Expedition: Selterswrg 85.
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Nr. 12
Telep hon: Nr. 362.
Samstag, den 8. Februar 1913.
Telephon Nr. 362.
25. Jahrg
Fremdenlegion.
Am 6. Februar ist in München ein deutscher Schutzverband gegen die Fremdenlegion gegründet worden. Der neue Verband will einen allgemeinen Feldzug gegen die Fremdenlegion organisieren, damit Frankreich in Zukunft seine Kolonien nicht mehr mit deutschen Söldnern erobert. Der Dienst in der Fremdenlegion hat sich fast immer als eine weit furchtbarere Strafe erwiesen, als es die für Vergehen oder Ver - brechen sein könnte, welche Deutsche zur Flucht in das Ausland und zum Eintritt in diese französische Truppe bewegen. Was auch jemand in seiner Heimat gesündigt haben mag, er tut in jedem Falle besser, im Vater - lande die Schuld zu büßen, als sich dem Verhängnis preiszügeben, das ihm in der Fremdenlegion droht.
Mehr als genug hat Deutschland für diese Söld- nertruppe geblutet, die 1870 an der Loire gegen uns geführt worden ist und jetzt helfen soll, Marokko unter französische Herrschaft zu bringen. Man könnte beinahe versucht sein, die Legion eine deutscheTruppe zu nennen: denn die meisten Legionäre sind von jeher Deutsche gewesen. Die Behauptung, daß das deutsche Volk 1870 durch die Fremdenlegion, das Kanonenfutter für die französischen Kolonien, mehr Deutsche verloren hat als im damaligen Kriege, erscheint kaum zu kühn, wenn man bedenkt, wie unheimlich, wie unverhältnismäßig groß die Verluste in diesen Landsknechtsregimentern sind. Nach zuverlässiger französischer Berechnung gab es zuw Beispiel in den Jahren 1896-97 in der Legion neben nur 1805 Franzosen nicht weniger als 5146 Deutsche; außerdem 1712 Belgier, 975 Schweizer, 353 Oesterreicher, 81 Spanier, 56 Engländer und 46 Türken. Die reichliche Hälfte der Deutschen stammte aüs Elsah-Lolh- ringen. Dreiviertel davon gehen auf dem Schlachtfelde und an Kraßheiten. unter denen die Geistesgestörtheit eine der ersten Stellen einnimmt, zugrunde. Um die Fortdauer einer solchen Truppe zu ermöglichen, unterhält Frankreich 1500 Werber, die das elende Handwerk, Menfchenware so billig als möglich anzulocken, in schmählichster Weise betreiben. Weiln Äese Werber nichts mehr zu tun hätten, so wäre Frankreich der größte Dienst erwiesen: denn ein Schandfleck an ihm wäre getilgt, der allem Völkerrecht Hohn spricht.
Uom Balkan-Krieg.
Konstantinopel, 7. Febr. Das Bombardement Adrianopels dauert fort. Die Zahl der getöteten und verwundeten Zivilisten ist anscheinend graß. 75 Personen kamen in den Flammen der brennenden Häuser um.
Sofia, 6. Febr. Die Gesandten einiger Mächte schritten heute bei dem Ministerpräsidenten Geschow wegen des Verlangens der Konsuln in Adriano- p e l ein, daß eine neutraleZonefestgestellt werde, oder daß ihnen und den fremden Kolonien die Ermächtigung gegeben werde, die Stadt zu verlassen. Der Ministerpräsident antwortete, daß es keinen Präzedenzfall dafür gebe, daß Konsuln oder anderen Personen gestattet wurde, einen belagerten Platz zu verlassen, und daß auch ernste Gründe das bulgarische Generalquartier verhindern, den Konsuln und fremden Kolonien den Auszug oder die Errichtung einer neutralen Zone zu gestatten. Denn niemand könne dafür bürgen, daß nicht versehentlich Granaten in diese Zone sielen, was für das Militär große Schwierigkeiten zur Folge haben würde.
Sofia, 7. Febr. Das Blatt „Mir" meldet, daß der Kommandant von S k u 1 a r i, Essad Pascha, getötet wurde, und daß sein Nachfolger seit gestern mit den Belagerern über die Ueber^abe Skütaris verhandle. Die Uebergabe sei stündlich zu erwarten.
Konstantinopel, 5. Febr. Bulgarische Truppenabteilungen steckten die Onschaften Izzeddinkjöi, sowie einige andere in ihrer Gewalt befindliche Dörfer an der Tschataldschalinie in Brand und zogen sodann von der Tschataldschalinie wieder ab. Die Bulgaren haben sich auf die Linie von Tscherkesöj zurückgezogen.
Sofia, 6. Febr. Die türkische Armee vor Gallipoli ist gestern von bulgarischen Truppen südlich vom Fluß Kawak geschlagen worden und hat sich auf Vulair zurückgezogen.
K o n st a n t i n o p e l, 7.' Febr. Kalikraüa, Vacht- fcheköi und Tschataldscha, sowie die Höhen gegenüber dem rechten türkischen Flügel wurden heute von den Türken besetzt. — Man glaubt, daß der Rückzug der Bulgaren bei Vachtscheköi den Zweck hat,, der durch die geplante Landung türkischer Truppen bei Rodosto vor-
gesehenen Flankenumgehung zu entgehen. Die Landung, die angeblich von Enver Bey vorbereitet werden soll, würde durch die aus den Dardanellen herangezogenen Linienschiffe „Mussndije" und „Assar-i-Tewsik" gedeckt werden.
Bukare sb, p. Febr. In der gestrigen Sitzung der Rammer stellte der Konservative Mielescu an den Minister des Aeuheren die Anfrage, ob die Behauptung der Blätter, daß Rumänien auf seine Ansprüche auf Silistria verzichtete, den Tatsachen entspräche. Der Ministerpräsident erwiderte: Wir haben auf Silistria nicht verzichtet. Er glaube an die Möglichkeit eines künftigen Bundes zwischen Rumänien, Bulgarien und der Türkei. — Auf Anweisung von Bukarest hin besuchte der rumänische Gesandte Ghika den .bulgarischen Ministerpräsidenten Ceschow, um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu erwirken, die durch die Abreise Danews aus London unterbrochen worden ist. Der Friedensschluß mit der Türkei soll nicht abgewartet werden.
Politische Rundschau.
* Der Kaiser traf vorgestern nachmittag von Königsberg kommend um 4 Uhr im Sonderzug in der Uniform der Königsjäger auf dem Posener Bahnhof ein und fuhr im Automobil sofort zum Schloß, das er eingehend bestätigte. Dann erfolgte die Weiterreise nach Berlin, wo er abends 10.13 Uhr eintraf. — Das Kronprinzenpaar ist von Königsberg nach Danzig zurückgekehrt.
* Dem Reichstag ist eine Denkschrift über die Entwickelung der Schutzgebiete Afrikas und der Süd fee 191142 zugegangen. Darin heißt es u. a.: Das Berichtsjahr (April 1911 bis April 1912) war für alle Schutzgebiete eine Zeit friedlicher Entwik- kelung. Auf friedlichem Wege wurde unser Kolonialbesitz durch die Erwerbung eines Teiles der Nachbarkolo- nie Französisch-Kongo unter Abtretung eines Grenz - streifens von Kamerun wesentlich ausgedehnt.
* Berlin, 6. Febr. In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde über verschiedene Vorlagen über die Festsetzung des jährlichen Durchschnittsertrages an ZUwachssteMrn für enlfchä'digungsberechtigte Ge-
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Das Glückskind.
% ^ „Ja, weine nur, betrübtes Herzl Wein aus dein stilles Sehnen.
j - (Nachdruck verboten.)'
sè- strich liebkosens über das lockige, seidenweiche jâr des Mädchens, das weinend die Hände um den 'HalS des biederen Alten geschlungen hatte, und in den Tränen Erleichterung fand für das gequälte Herz.
^Ach, Onkel," fuhr Röschen nach kurzer Pause fort, ^as war doch etwas ganz anderes damals. Siehst Du, ^so eine erste Liebe, die ist wie eine Kinderkrankhett, — Sie sitzt nicht tief und schmerzt nicht viel, — aber jeder erlebt es und überwindet es leicht. Aber das, was wir jetzt am Herzen nagt, ich werde es nie lernen, mich darüber hinwegzusetzen: deshalb laß Mch weinen Weg, 1 den ich als den besten für mich erwählte, ruhig und unbesorgt weiter gehen. Wie lange wird es dauern, dann sehen wir uns dort wieder, wo es nach unserer Hoffnung keine Trennung und kein Leid mehr gibt. — Da tröste Dich, mein lieber Onkel. Sieh', ich bin schon ganz ruhig, so werde ich bleiben, — meine Pflicht getreu erfüllen, dann wird sich mit der Zeit ein Schein von Zufriedenheit auf den kleinen Rest meines Lebens breiten."
Um den grauen Bart des guten Försters zuckte es gewaltig, wie von tiefem, verhaltenem Weh. Doch wollte er nicht zeigen, wie schmerzlich betroffen er wurde bei dem Gedanken an das bevorstehende Scheiden von dem geliebten Kinde. Endlich aber war es um seine Fassung geschehen. Große Tränen liefen ihm über das sorgenvolle Gesicht in den Bart. Heimlich fuhr er sich über die umflorten Augen, .der Röschen hatte es doch bemerkt.
„Du brauchst Dich der Tränen nicht zu schämen, mein guter Alter," sagte sie mit einem Versuch zu lächeln. Dann fuhr sie mit aevrochen klingender Stimme fort:
Gott, der da sendet Not und Schmerz,. ä A < Oab gütig uns auch Tränen!" *
Sie hielten sich umschlungen. -
Dann riß Rosi sich los und eilte in den Wald, wo sie leben Baum und jeden Strauch kannte, fetzte sich noch einmal, zum letztenmale, auf die alte, liebe Steinbank und blickte zum Schlößchen hinüber, traumverloren, welt-
entrückt.
Wie war doch alles, alles anders gekommen, als sie so oft gedacht, wenn sie hier geseffen in süßem Nichtstun. Sie hatte gewähnt, einst dort drüben schalten und walten zu dürfen, als glückselige, vergötterte Frau, Glück empfangend und Glück spendend.
Nun war alles, alles aus.
Röschen fröstelte. Es war schon recht kühl, herbstlich und feucht im Walde. Oede und Deriaffen lag das Schlößchen drüben, öde erschien die ganze Welt.
*
Abschieönehmenö stand das weinende Mädchen heute vor der Försterin, welche die Nachricht von dem Scheiden ebenfalls sehr überrascht hatte.
Frau Therese schlich seit dem Morgen mit rotgeweinten Augen umher. Ihr Gatte ließ sich schon gar nicht wehr blicken. Er war schon in aller Frühe mit Flinte und Jagdtasche hinausgewandert in den herbstlichen Wald, um dort Beruhigung für seinen herben Schmerz zu suchen, hatte aber versprochen, rechtzeitig mit dem Fuhrwerk zu kommen, um seinen Liebling selbst zur Bahn zu fahren.
Der überglückliche Bräutigam war schon gestern abend wtt dem Freunde abgereist, um ungesäumt die Vorbereitungen zur Hochzett zu treffen.
Er hatte sich gar nicht zu fassen vermocht bei der Nachricht, daß Röschen einwilligte, seine Frau zu wer-
âen; beim zu seiner Ehre muß es gefaat sein, er lteLW das holde Mädchen iDirUho von ganzem Herze« «ch^ war aufrichtig bemüht, es glücklich zu wachem
Freilich sah die junge Braut biß jetzt gar nicht SÜW nach aus, aber das würde schon noch kommen, tröstetVi er sich. In seiner übergroßen FVeude hatte Winter f^ gar Frau Therese auf beide Wangen geküßt, bei sein«« Braut mutzte er es dabei bewenden lasten, die kalter^ kleinen Hände inbrünstig an die Lippen zu ziehen.
Gleichzeittg mit ihm und dem Vormund abzureif« lehnte Röschen mit unerschütterlicher Energie ab, W mußte er wohl oder übel dem kleinen Trotzkopf demj Willen tun.
Im ForsthauS war es indeß gar still geworden^ nachdem die beiden Frewwe es verkästen und Rosi ihre Habseligketten in ehren großen Koffer packte, der ihr später nachgeschickt werden sollte.
Das Esten blieb unberührt, niemand hatte Lust dazu. Wie einsam würde es erst werden, wenn nun Röschen ebenfalls abgereist fein würde, nachdem sie so lange des Hauses Sonnenschein gewesen war. ;
Langsam fuhr das kleine Wägelchen, SaS ver Fists»! ster lenkte, auf der holprigen Chaussee nach der Staittm dahin. Nur hin und wieder erklang eist Seufzer aM beklommener Brust. Sonst überall Schweigen! Dis Natur rüstete sich zum Winterschlaf. Die Bäume stow» den schon fast kahl, versttummt war der mmttere Gesantz' der Vögel. Dann sprühte ein feiner Regen hernieder und hüllte die ganze Gegend wie in einen dichten Nebelschleier ein. Von den Bergen, die sich zu beiden Geste» des Weges türmten, konnte man keine Spur sehen. -
Röschen saß fröstelnd und hüllte sich fester in warme Tuch, das Frau Therese ihr fürsorglich M» DM- SMtliern geschlagen. ■ , /
(Fortsetzung folat.)