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Druck der Wicftcncr VerlaoSdruckerei, Albin Klein
Telep hon: Nr. 362.
Samstag, den 6. September 1913.
Telephon Nr. M2. 25. ^ll^TH*
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Das revidierte Urteil.
Fünfzehn und drei Viertel Jahre Zuchthaus und Zwölseinhalb Jahre Gefängnis zu 8% Jahren Gefäng- ms — das ist der Vergleich der Strafen, die das Er- |irter Kriegsgericht am 27. Juni und das Kasseler Ober- inegsgeckchl vorgestern gefällt haben. Die Berufungs - iiütanz hat also glatt 20 Jahre gestrichen, ganz ab^e- leben davon, daß sie den schweren und entehrenden Eya- rafter der Strafen genommen hat. Bei dem ersten Verfahren hatten erhalten:
Hagemeier 5 Jahre 3 Monate Zuchthaus (jetzt
2 Jahre 1 Monat Gefängnis);
6 c c 5 Jahre 3 Monate Zuchthaus (jetzt 2 Jahre 1 Monat Gefängnis);
Lchirmer 5 Jahre 2 Monate Zuchthaus (jetzt 2 Jahre 1 Monat Gefängnis);
Georges 5 Jahre 6 Monate Gefängnis (jetzt 1 Jahr 9 Monate Gefängnis);
R o l b c 5 Jahre 3 Monate Gefängnis (jetzt 4 Monate Gefängnis);
Kopte 7 Monate Gefängnis (Strafe angetreten); LLnghelm 1 Jahr Gefängnis (Strafe angetreten).
Der Urteilsunterschied ist ein ganz bedeutender, das zeigt sich namentlich bei Kolbe, der in kurzer Zeit seiner Familie wiedergegeben sein wird, während er nach dem ersten Urteil ihr bis zum Jahre 1918 entzogen gewesen wö re.
Das Erfurter Urteil hatte im Juni großes Auf - sehen erregt, auch bei den Packeien, die entschieden für eine stramme Disziplin im Heere eintreten und das Verholten der betrunkenen und widerspenstigen Reservisten und Landwehrleute keineswegs billigten und strenge Strafen sehr wohl am Platze fanden. Aber das Urteil war von einer Härte, die dem Rechtsempfinden im Kollo widersprach und sicher auch dem menschlichen der Dichter. Die Schuld lag an unserem veralteten Militär- slrofgesetzbuche, dessen Paragraphen 100, 106, 107 und 110 von milderen Umständen nichts wußten.
Das vorgestrige Urteil wird in der Bevölkerung mit großer Befriedigung ausgenommen werden, wenn auch bei dieser Gelegenheit mehrere Blätter von neuem aus eine rasche Erledigung der Reform des Militärstrasge- setzbuches dringen. Misitärgesetze müssen härter sein als alle anderen, denn nur eiserne Zucht vermag das Heer so fest zusammenzuhalten, daß es dem Willen eines Einzigen zu jeder Zeit und in jeder Lage gehorcht. Trotz alle dem soll das neue Militärstrafgesetzbuch von humanem Geiste beseelt sein, aber human soll nicht gleich
bedeutend sein mit sentimental.
)beckrie§sgencht
des elften Armeekorps hat das Urteil des Erfurter Gerichts in humaner Weife zwar gemildert, aber immerhin noch Strenge walten lassen, sodaß es sowohl mensch - lichem, als auch militärischem Rechtsempfinden ent - spricht.
Uom Balkan.
Petersburg, 4. Sept. Montenegro beansprucht die Stadt Prizrend, auf die Serbien nicht verzichten will. Der Streit soll nunmehr durch ein Schiedsgericht ausgetragen werden. Schiedsrichter sollen die Könige von Griechenland und Rumänien werden.
Konstantinopel, 4. September. Die Frie - densverhandlungen beginnen heute Samstag. Wie in maßgebenden türkischen Kreisen versichert wird, wird die Pforte auf ihren Forderungen bestehen, andernfalls die Verhandlungen abgebrochen werden.
Die provisorische Regierung Albaniens hat die Absicht, Albanien in 7 Verwaltungsbezirke zu teilen. Die Bezirke sollen nach modernen Grundsätzen verwaltet werden. Die Wahl der künftigen Hauptstadt werde dem Fürsten überlassen. Es sei für die Albanier maßgebend, daß Albanien so rasch wie möglich europäisiere. Deshalb fordere es einen Fürsten mit einem Hut, aber nicht mit einem Fez. Ein europäischer Prinz werde in Wien und Rom Vertrauen genießen. Der nationale Gedanke werde in Albanien jeden Tag stäcker.
Konstantinopel. Sawow erkläcke in einer Unterredung, Bulgarien belasse der Türkei Adria
n cp e l selbst als Festung, wenn es dafür andere Punkte derselben Gegend erhielte; aber es beanspruche Kirkkilisse, das in der tückischen Note vom 19. Juli nicht erwähnt sei.
Politische Rundschau.
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Jta lien, Oesterreich-Ungarn, Spanien, Schweden, Norwe gen, Dänemark, Belgien und die Niederlande p r o 1 e- st i e r e n nach einer Meldung aus Washington gegen die Klausel des neuen amerikanischen Z o l l- t a r i} s, die eine oprojentige Herabsetzung des Zoll satzes solcher Waren gewährt, die aus amerikanischen Schiffen eingeführt werden, und weisen die Mächte darauf hin, daß die Bestimmung die bestehenden Verträge verletze.
* Der Herzog der Abruzzen ist am Freitag mittag auf der Station Wildpark bei Potsdam cim getroffen. Er begab sich in Begleitung des italienischen Botschafters Bollati mit der königlichen Equipage nach dem Neuen Palais. Der Herzog kehrte nach dem Früh- stück nach Berlin zurück.
* Zu der am 18. Oktober stattfindenden, von dem deutschen Patriotenbund veranstalteten feierlichen E i n- w e i h u n g' des Völkerschlacht-Denkmals bei Leipzig hat der König von Sachsen Einladungen an den deutschen Kaiser, die sämtlichen Bundesfürsten und freien Städte, sowie an den Kaiser von Oesterreich, den Kaiser von Rußland und den König von Schweden gelangen lassen, die sämtlich in zusagendem Sinne geant- wartet haben. Der deutsche Kaiser, die deutschen Bundesfürsten und die Vertreter der freien Städte haben ihr persönliches Erscheinen mit einziger Ausnahme des Herzogs von Sachsen-Meiningen, der sich infolge seines hohen Alters durch den Erbprinzen vertreten läßt, zugesagt, während der Kaiser von Oesterreich durch den Erzherzog Thronfolger Frz. Ferdinand, der Kaiser von Rußland durch den Großfürsten Kyrill und der König von Schweden durch den Kronprinzen sich oertreten lassen werden. Zu dieser Feier werden auch Abordnungen
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Jede echte Osram-Lampe mx^ die Inschrift „Osram“ tragen. — Überall erhältlich. Auergesellschaft, Berlin 0.17
Nach Dem Sturm.
Erzählung von Emil Frank.
(Nachdruck verboten.)
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Graf Warminski prüfte aufmerksam das Schriftstück. Das war ein ganz horrender Preis, dachte er, Md er gab den Vertrag seinem Schwager, der ihn gleichfalls mit aller Sorgfalt durchging. Dann meinte tr: „Nun, wir können ja hören, was Baron Kappel will, der Kauf ist entschieden zu Deinem Vorteil War- Mnski!"
Hierauf wandte er sich an Sojka: „Das war wirklich gut, daß Sie die Bäume nicht verkauften, Sojka; dafür muß Ihnen der Graf-noch besonders danken. Sie haben ganz richtig kalkuliert: Wir können das Holz selbst ganz gut verwenden und brauchen nicht den ganzen Wald abzuholzen."
Es folgten noch eine ganze Reihe BeratungS- MNktc, und am Schluffe wurde für den folgenden Tag «ine Besichtigungsfahrt festgesetzt, an der auch der Ver- Mlter teilnehmen sollte.
Als Jan Sojka in sein behagliches Häuschen kam, «wartete ihn eine Ueberraschung. Natürlich hatten seine lieben Comtessen dieselbe in Szene gesetzt. Erst hatten sie beschlossen, den alten lieben Jan am Portal zu erwarten. Da ihnen aber das zu lange dauerte, , Daren sie — trab-trab — durch den Park gelaufen ' Md hatten mtt Marianne, der alten Haushälterin, von
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Hrer Reise geplaudert. Nun war die alte Marianne reugierig und hätte gar zu gern erfahren, was die Linder in der großen Tasche verbargen. Doch ihre Neugierde wurde nicht befriedigt. Da schlug die Glocke zwölf Uhr, sie wußte ans Mittagbrot denken und ließ -ie Mädchen allein in Sojkas Arbettszimmer. Darauf Men diese nur gelauert, und mtt einem Male war ihre Ruhe dahin, rasch packten sie aus ihrer Tasche Äe verborgenen Schätze aus und stellten sie auf Soj-
tas Arbeitstisch. Es waren allerliebste kleine Geschenke, für Die sie das Geld vom Vater abgeschmeichelt hatten. Als er erfuhr, wofür sie es anlegen wollten, kargte er nicht.
Die Ueberraschung gelang vollkommen. Jan war ganz gerührt und dankte herzlich. Dann besah er die Geschenke der Reihe nach: da war ein Rauchservice, ein Schreibzeug, alles in Bronze, da eine Brieftasche in Juchten, eine Zigarrentafche und — eine ganze Masse Blumenzwiebeln. Jan Sojka war nämlich ein großer Blumenfreund, das wußten die Mädchen natürlich, darum hatten sie ihm auch die Zwiebeln von Lilium arratum mitgebracht.
Jadwiga und Slawa hatten mindestens eine ebenso große Freude wie der Verwalter.
Schließlich fragte Slawa: „Weißt Du auch, von wem die Brieftasche ist?" Sie wartete es aber gar nicht ab, sondern sagte: „Na, das errätst Du doch nicht, die ist von Fräulein Benkern".
Das war der erste Besuch der kleinen Komtessen bei Jan Sojka.--
In den nächsten Tagen waren die Herren nur selten sichtbar, und Jan Sojka hatte strammen Dienst. Der Graf ließ ihn an allen Beratungen teilnehmen, er wünschte seine Teilnahme an allen Besichtigungsrei- sen, und er lud ihn auch ein, bei der Besprechung mit dem Baron Kappel anwesend zu sein. Natürlich war auch Fürst Bogdan zugegen.
Der Baron war eine imponierende Erscheinung; fast meinte man, einer der alten germanischen Recken sei erstanden. Das war kein Mann, der sich auf dem schlüpfrigen Parkett des Salons heimisch fühlte: nach Schmeicheln und Heucheln sah er nicht aus, und fein Blick war frei und offen. Offen war auch seine Sprache. Er führte aus, wie es in seinem eigenen Interesse liege, zum Grafen offen von feinen Planen zu sprechen. ' Er beabsichttge den Bau einer Zellulosefabrik. Seine?»
Wahl sei auf Krzemien gefallen, denn hier gäbe es billigen Boden, billige Arbeitskräfte, viel Wasser und Holz. Wenn der Graf sich mit ihm verbinden wolle, könne ihm das nur angenehm sein, die Art und Weise der Beteiligung könne auch später geregelt werden.
Bei diesem ersten Besuche wurden überhaupt keine bindenden Abmachungen getroffen. Der Baron hatten selbst vorgeschlagen, eine vierzehntägige Frist als Be-' denkzett anzusetzen.
Graf WarminZki zog indessen über den Baron Erkundigungen ein, die ihn völlig befriedigten, und Fürst Bogdan empfahl warm eine Beteiligung. So wurde dann bei der nächsten Zusammenkunft alles formell erledigt, und mazr schied im besten Einvernehmen. Unten am Portal traf der Baron mit einem Mädchen zusammen, das ihn mit unverhohlener Neugier musterte. Es war Jadwiga, die aus eigene Faust einen Spaziergang in den Park gemacht hatte, der einen gar präch- ttgen Schmuck angelegt hatte.
An allen Aesten und Zweigen hing schimmernder Rauhreif, und ein solches Naturbild mußte Jadwiga aus der Nähe sehen. Ein feines Rot lag auf ihrem feinen, schmalen Gesicht, das gar seltsam von dem düsteren Trauerkleid abstach. Aus ihren Augen leuchtete bei aller kindlichen Naivität etwas Selbstbewußtes, Starkes, Gesundes.
„Wenn nicht verderbliche Einflüße sich geltend machen, dann kann aus diesem Kind ein Charakter werden,^ sagte der Barow
Aber bald hatte er diese Begegnung vergessen, denn sein Kopf war augefüllt mtt Plänen für die 8» tunst —.—„—
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