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«Gießener Tageblatt)
be mg^prris 25 pfo vierteljährlich 75 Pfg., Vorauswahl Abgeholt in unserer Expedition ausgnLefreÜen vierteljährlich 60 Mittwochs und Samstags. —
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weg 83.
wr, frei ins Haus, ober in den Zweig- Pfg. — Erscheint Redaktion: SeUero-
Expedition
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Druck der Gießener Vcrlaqodrnckcrei, Albin Allein.
Nr. 28
1. Blatt
Samstag, den 5. April 1913
25. Jahrg
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Auslande einet RM!
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Am 4. Aprii mittags landete das Zeppelin - Luftschiff „Z. 4“ in Frankreich bei Luneville. 6 deutsche Offiziere in Uniform befanden sich an Bord.
Was für Augen mögen die Bürger von Luneville gemacht haben, als sich plötzlich aus den Wolken zu ihnen hernieder ein gewaltiges Ungetüm lenkte, dem kurz darauf deutsche Offiziere in Uniform entstiegen. Bisher hatten sie nur „Frankreichs Vögel", wie sie ihre Flieger nennen, bestaunen können, und nun kam plötzlich einmal ein deutscher, ein großer, gewaltiger Vogel gezogen und „setzte sich nieder auf ihren Fuß". Die Offiziere erklärten, sie hätten im Großherzogtum Baden landen wollen, seien aber infolge starken Ostwindes abgetrieben worden. „Z. 4" war um 6 Uhr morgens in Friedrichshafen aufgestiegen, um Höhenfahrten zu unternehmen und in Baden-Oos zu landen. Die gesamte Besatzung verbrachte die Nacht in der Gondel. Einem Blatt zufolge wurde im Laufe der von der Polizei an Bord des „Zeppelin" vorgenommenen Untersuchung ein photographischer Apparat und mehrere Platten gefunden und beschlagnahmt.
„Z. 4", das von einem Angestellten der Zeppelin- Gesellschaft, Hauptmann a. D. G l u n d, geführt wurde, befanden sich drei Offiziere in Uniform: Hauptmann George, Oberleutnant Jakobi und Oberleutnant Brand-
eis, bekannte deutsche Militär-Luftschiffer, und drei Me-
sammachen,^ chaniker. Der Exerzierplatz wurde in weitem Umfange “inenBedaruP ^rch mehrere Infanterie-Bataillone abgesperrt. Ferner
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kann, wofür Sf
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'ilüums- larke!
wurde durch rasch gedruckte Anschlagzettel die Tatsache zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Zwangs - ianbung durch Versagen des Motors erfolgen mußte. Die Stimmung in Luneville, die anfangs recht gereizt war, ist wieder ruhig. Als der Irrtum der Ballon- Besatzung bekannt war, war es aber schon viel zu spät, um die deutsche Grenze zu erreichen. Wenn sie u m- gekehrt wären, wäre der Fall ernst geworden, und such von
man hätte notgedrungen an einen Spionagever - geglaubt. Ihr Niedergehen aus dem Uebungsplatz Luneville war sehr vernünftig.
Der Kaiser ließ sich durch den diensttuenden
fall hat Zösischen
Der im ersten Augenblick sehr peinliche Zwischen -
damit dank der praktischen Courloisie der fran- Regierung eine überaus rasche und glatte Ev-
ledigung gefunden. «Es ist wohl am Platze, der fran
zösischen
Regierung für ihre Handlungsweise aufrichsig-
sten Dank zu sagen.
----------- .««MIMI UM in FHMRgjaKU'.!IJJ.
Uom bslkânkrirg.
* Das Oberkommando über die internationale Flottendemonstration in der Adria wird nach einer Mel-
dung der Wiener „Reichspost" der englische miral führen.
Deutsche, österreichische, italienische, englische
Ad-
und
französische Schiffe nehmen nun an der Flotten- demonstration teil. Die Schiffe erhielten tele- graphisch den Auftrag, sich an die montenegrinische Küste zu begeben, um dort mit der effektiven Blockade zu beginnen, deren Einzelheiten die verschiedenen Schiffskommandanten regeln sollen. Es sind zwölf große Eim
heiten, davon in schiffe, keilförmig fMille umgeben.
Die offizielle n i t i o n s- und
erster Reihe sechs österreichische Kriegs= aufgestellt und von einer Torpedo -
Bestätigung der russischen M u= G e s ch ü 'tz s e n d u n g an Montene-
gro (es ist ein russisches Schiff mit 11 Millionen Patronen, 40 000 Militärmänteln und 7 großen Geschützen nach Montenegro abgegangen) hat in maßgebenden österreichischen Kreisen sehr verstimmt. Die Ausrede der russischen Regierung, die Waffengeschenke seien bereits 1911 (!) zugesichert, wird als kindisch unbeholfen gekennzeichnet.
* In e ner Wählerversammlung äußerte sich der Bürgermeister Dr. Weißkirchnei! über die auswärtige Politik wie folgt: Entweder oder! Entweder wir ha-
Raum für die 5 Pfennig- Marke
Flüaeladfutanten besonders nach den Namen der an der Fahrt teilnehmenden Offiziere erkundigen.
Der Zwischenfall ist inzwischen erledigt. Das Luftschiff „Z. 4" ist bereits in Metz eingetroffen. „3- 4“ ist gestern Freitag mittag kurz vor 1 Uhr in Luneville zur Rückfahrt nach Deutschland aufgestieaen, und passierte um 3 Uhr bei V i c die Grenze und landete um 4% Uhr in Frescati bei Metz.
ben ein Interesse an einem selbständigen Albanien, dann muß man es verwirklichen, oder wir haben kein Interesse, dann lassen wir es fallen. Aber dieses Her- umgeschubse dulden wir nicht länger!
Aus C e 1 i n j e ist die Nachricht eingetroffen, daß am Mittwoch am Tarabosch ein großer Kampf stattge- funden hat, bei dem die Montenegriner große Verluste erlitten haben sollen.
Belgrad. Telegramme besagen, daß die Serben und Montenegriner nunmehr auch das letzte Fort auf dem Berge Tarabosch erobert haben, und daß somit der Fall der Festung Skutari nahe be-
vorstehe. Der Generalstabschef nischen Armee wurde bei dem bosch getötet.
* Wie die „Südslavische
der zweiten montenegri- Sturme auf den Tara-
Korr." meldet, hatten die
Montenegriner und Serben um S k u 1 a r i 2000 Tote und ebensoviele Verwundete.
Belgrad. Die Blä'tler fordern oie serbische Kaufmannschaft auf, aus Oesterreich-Ungarn und Italien stammende Waren zu boykottieren.
PoüWe Rundschau.
Deutschland.
* Der Kaiser hörte gestern vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts, Generalabjutanten Frhrn. v. Lyncker. Am späteren Vormittag begab sich der Kaiser im Automobii nach Hohemark zu einem Besuch der Königin der Niederlande und einem Gegenbesuch ;bei dem Prinzgemahl Heinrich der Niederlande. Zur Frühstückstafel beim Kaiserpaare waren geladen: der Großherzog und die Großherzogin von Hessen und
Im Genuß liegt der Wert!
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Größte deutsche Cigarettenfabrik.
Die Nachbarn vom Heideland
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F *0)
Roman von Ludwig Blüwcke.
(Nachdruck verboten.)
Als man das schlichte Wohnhaus mit dem tief her- dvreichenden Strohdach betreten, da hatte Frau Ohlsen, Hinrichsens redliche Haushälterin, den Tisch gedeckt und alles für die neuen Hausgenossen wohl zubereitet. Dießelbe Sauberkeit und Behaglichkeit bei aller Einfachheit herrschte hier in der kleinen Stube mit den blankgeputzten und gescheuerten Sachen, wie sie Lorenzens gewöhnt waren von ihrem zerstörten Heim. —
Ein Obdach hatten sie, und das war ein großer Trost ßn allem Unglück.
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Mühen und Sorgen.
Das Feuer aus daß die Festlichkeit ihr Ende erreichte, waren hinaus geeilt, ber. Seine Gattin
dem Moorhofe hatte zur Folge, in Mathiesens Gastwirtschaft jäh Alle, bis auf einige Betrunkene, um zu helfen, auch Mathiesen fek- aber weinte bittere Tränen über
Sen Ausfall, den dieses Ereignis für sie bedeutete. Was hätte bis zum Morgen noch alles verzehrt werden können von den vielen Gästen! — Sie war so sehr fürs Geldverdiener:, trotz aller Wohlhabenheit. Um jeden Heller, der ihr verloren ging, konnte sie Tränen vergießen. Und während sie weinte, lachte und scherzte Hermine in fidelster Laune. Als die Mutter ihr vor- hielt, daß es unrecht und dumm von ihr gewesen wäre, Den Soldaten so zu bevorzugen, daß sie Thorö den ersten Tanz auf keinen Fall hätte abschlagen dürfen, da sagte sie es frei heraus, daß Hans Hinrichsen ihr Verlobter
Das gab eine sehr erregte Szene. Am liebsten Hätte Frau Mathiesen in ihrer Wur das Mädel geohrfeigt.
Doch Hermine stampfte mit dem Fuße auf und zeigte sich einmal wieder ganz als das verzogene, von allen verhätschelte Kind, das von frühester Jugend an gewöhnt war, seinen Willen durchzusetzru.
„Ich lasse mir in dieser Sache keine Vorschriften machen!" rief sie mit blitzenden Angen und zuckenden Lippen aus. „Und gebt Ihr nicht nach, so laufe ich Euch aus dem Hause. Der Hans nimmt mich auch ohne Mitgift. Ich finde bis zur Hochzeit überall mein Brot. Ihr wißt doch, wie gern der Flensburger Hotelbesitzer mich genommen hätte?"
Frau Mathiesen sah ein, daß sie andere Saiten anschlagen müßte. Sie kannte ihrer Tochter unbeugsamen Sinn zu Genüge. Der Gedanke allein, Hermine könnte fortgehen, stimmte sie um. Wußte sie ja doch nur zu genau, welche Anziehungskraft ihre schöne Tochter besaß und daß die dieselbe unersetzlich. Vielleicht, so tröstete sie sich nach einigem Ueberlegen, wäre diese Liebschaft auch wieder nur eine Laune. Trüge Hans erst nicht mehr die kleidsame Ulanka, sondern wieder den schlichten, groben Bauernkittel, dann würde die Liebe sich wohl abkühlen.
Die kluge Wirtin würgte also ihren Grimm herunter und machte gute Miene zum bösen Smel.
„Nun, wenn er es ernstlich meint, meinetwegen," fuhr sie fort, sich die Tränen mit der Schürze aus dem roten Gesicht wischend. „Der Hans ist ja ein solider, ordentlicher Mensch und sehr fleißig. Achtbare Leute waren die Hinrichsens schon immer."--
„Mutter, er meint es ehrlich! Er hat mir sein Wort gegeben!" jubelte Hermine nun, mit einem Schlage wieder voll froher Laune und die Zärtlichkeit in Person. Sie streichelte und küßte ihre Mutter und war jetzt ihrer Sache ganz sicher. Der Vater wurde nachgeben müssen. Ter gab immer nach, wohl oder übel.
Als er gegen Morgen mm der Brandstelle zurück- kehrte, war er starr betrunken, so buü sich für heute nicht
mit ihm über die Sache reden ließ. — Am nächsten Tage brachte seine Frau ihn mit der ihr eigenen List und Verschlagenheit zu der Ueberzeugung, daß Hans Hinrichsen eine gute Partie für Hermine wäre.--
Nach kurzer Rast begann für die vom Moorhof und Hans Heinrichsen das schwere Werk. Mit verdoppelten Kräften galt es jetzt arbeiten die halben Nächte mußten zur Hilfe genommen werden. Es war ein Glück, daß Hans ohne weiteres ein Urlaub von vier Wochen bewilligt wurde. In dieserZeit bewies er, was er zu leisten vermochte, daß in ihm dieselbe unverwüstliche Kraft wie in seinem Vater steckte. Der Schutt wurde fortgeschafft von der Brandstätte und mit dem Neubau konnte begonnen werden. Aber da haperte es schon, wie Vater Lorenzen vorausgesehen. Die Bauunternehmer der Gegend hatten alle bre? recht faule Ausreden und ließen nur zu sichtbar durchblicken, daß sie nicht umsonst arbeiten möchten. Was die Versicherung bezahlte, war in der Tat nicht der Rede wert. Es reichte säum zur Beschaffung neuer Pferde und ein paar erbärmlicher Kühe. Woher aber das Geld zum Bau nehmen und momit oas gestohlene für die Zinsen ersetzen?'
Des Moorbauertl gute freunde hatten nichts ab-
zugebeu, >.nd bei Hy
Mann
hekeugläubiger war ein harter
du glaubte, schon Gnade genug an seinem
Schutöne-' geüb: zu haben, indem er ihm den Zins öfter ein Biertolj akp gegen Wucherzinsen gestundet.--- Das erste, was Hinrichsen anordnete, als er endlich einmal wieder, nachdem er tagelang im Fieber und ohne Besinnung gelegen, bei klarem Verstand war, lautete: „Der Roggen auf dem Bracheschlag und unser ganzer Torr wird m diesem Jahre nach Flensburg vorweg verkauft, selbst wenn der Händler nur einen Spottpreis dafür bicün .oute. Das Geld bekommt Lorenzen geliehen, damit er sich über ök erste Not hinwegheLfen kann." (Fortsetzung folgt.)