Einzelbild herunterladen
 

bliche

'Wttgo

'^ entgegen

Gießener

^â.RerlinK^

Vezugtprek 25 pfg. monatlich

»tertrljährltch 75 Pfg., vorau-zahlbar, frei inS HauS. Abgehrlt in onfem Expedition oder in den Zweig« aus gäbest ellen otertelführltch 60 Pfg. — Erscheint Mittwochs und SMuStagS. — Redaktion: SelterS- weg 88. — Für Aufbewahrung aber Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,,«iehe»er Zeitung" (9. m. b. H

Expedition: Selters weg 83.

flnjetgeitprets 15 pfg.

dte 44 mm breite Petitzeile für AuSwärtS 90 Pfg Tte 90 mm breite Rekln me-Zeile â0 Piening Eri rabeilagen werden nach Gewilb: und Gröhl, berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlung». Zieles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegia-Ü. Platzvorschriften ohneBerbindlick'ei.

Druck der Mießencr Vcrlagsdrnckcrci, Albin Klein

^Usoo,1

Nr. 88

1. Blatt

amstag, den 1. November 1913

Telephon 9it. 362.

ES

Braunschweig

den wird. Weitere Erklärungen von Seiner Königl.

und beste,

Schlacken1.

W.

rn!

* Wie die „Tägliche Rundschau" hört, wird das ^lcnl, in dem der Herzog die Uebernahme der ltg i e r u n g s g e w a l 1 in Braunschweig verkünden zild, am 11. November erscheinen. Erst nach Beröf- Wichuirg des Patents gilt der Herzog Ernst August Is Landesherr von Braunschweig und Bundesfürst.

’ In der vor einigen Tagen ftgttgefunbenen braun- Weigischen Landesversammlung (dies ist die offizielle Mcichnuttg des brann/schweigi^chen Landtags) teilte pat^minijter Har 1 wieg in seiner Rede mit, daß dem Prinzen Ernst August folgende Erklärung gelegt habe:

„Die Regierung des Herzogtums hat dem Reiche Md Preutzen gegenüber stets die loyalste Hal­tung beobachtet. Die hohen Verbündeten dürfen sest überzeugt fein, daß in dieser Haltung auch in | Zukunft niemals eine Aenderung eintreten, die Regierung des Herzogtums vielmehr ständig im r6inne der Förderung des Friedens und der Sicher- Heil des Deutschen Reiches geführt werden wird." I Diese Erklärung hat, wie der Minister hinzufügte, i< v o l l e Billigung des künftigen Herzogs gefunden. I Minister Hartwieg berichtete der Landes-Versamm- fug weiter, daß das Ministerium sich von der Loyali- i der Gesinnungen des Prinzen Ernst August über- âl fjabe. Er sagte darüber:

„Wir haben in Rathenow gestern Gelegenheit ge­habt, Seiner Kgl. Hoheit dem Prinzen Ernst August .über eine ganze Reihe von Angelegenheiten Vortt,ag zu halten. Wir haben von Seiner Kgl. Hoheit die Ueberzeugung gewonnen, daß eine a b f o I u t e 3 u^ verlässigkeit besteht, daß jedes Wort, was d er gesagt, von ihm getreulich gehalten wer-

r6M.W* >« HUB" BE .cigutmLerM« Fächle^ Ws fifire 2891 * 3*

Nach dem Sturm.

Erzählung von Emil Frank.

(Nachdruck verboten.)

Der folgende Tag war Sonntag. Da schleppte sich Ile in die Kirche, was nur die Glieder riihrcn konnte. Mrcisenü klang der alte Bittgesang durch das kleine ^un?* i&lciu und bei dein Worte: Ratnj nasl — Rette ‘" •' . fr 1E— meinte inan das Zittern und Beben der angst-

todtes«

Ilten Gemeinde zu vernehmen.

Und dann kam ein Nachmittag voll Schrecken, ^ntn= ,bie in ihrer furchtbaren Tragik sich endlios dehnten, oi: hörte man ein eintöniges, gurgelndes Geräusch: ü Wasser! Langsam, Zoll um Zoll breitete es sich Jetzt drängt und schiebt sich die Flut nach dem ndâmM hin. Wir) er halten? Hilf Himmel, daß tut, sonst ist die Arbeit des gestrigen Tages nutzlos, niti das Wasser schlägt rilhig und gleichmäßig an den DiLM Gierig, unaufhaltsam brökelt es hier — dort 'â Stückchen los. Doch der Damm ist fest. Er ist ein tta* Bollwerk. Doch auch das Wasser ist stark. Es ttiltunb spült, es bröckelt und bröckelt los, hier.und da, Kant aber sicher. Furchtbares Schausmel. Macht- 088 sehen die Menschen zu. Eisige Ruhe ut auf allen Mtern ausgeprägt, die höchste Stufe der furchtbaren Cßi Oi, die alle Herzen umschnürt. Der Aberrd kommt. Kter Schrecken. Wohin nun? Da kommandiert Ba- eft Koppel: „Alles nach der Fabrik." Von Schloß hinten rasseln die Leiterwagen. Jeder rettet, wa» ^Mteii kann. Sie schleppen heraus, was ihnen in die hhbc kommt, wertlos und wertvoll. Der Baron ist un- /A/MÄöbich. Er besieht hier, und ubefiehlt dort, lobt, * Were, rabenschwarze Nacht. Unheimliches Heu- und Toben des Sturmes, der plötzlich erwacht ist.

ij gleiches Gurgeln des Wassers. Will denn der Reiten gar nicht enden? Nun ist der Eisenbahn-

Hoheit zu erwarten, ist nicht tunlich."

Die Landesversammlung nahm diese mit lebhaftem Beisall aus, lieh daraus eine treten und nahm dann die schon gemeldete, Präsidenten vorgeschlagene Erklärung an.

Braunschweig, 31. DIL Gestern

Mitteilung Pause ein- von ihrem

abend sand

im Landschaftsgebäude zu Ehren des Herzog-Regenlen- paares eine Abschiedsseier mit Festmahl statt.

Die neuen lUarineiutttchine.

Wie wir erfahren, kommt in den ersten Tagen des November die für den neuen Marineluftkreuzer „L. 3" bestimmte Mannschaft der Marinelustschifferaltteilung un­ter, dem Kommando des Kapitänleutnants Beelitz nach Frankfurt a. M., um an Bord des hier stationierten Zeppelinluftschiffes „Viktoria Luise" ausgebildet zu wer­den. Der Abteilungsstab der Marineluftschifferabteilung mit Korvettenkapitän Strasser und die künftige „L. 4“= Besatzung, Kommandant Kapitänleutnant Fritz, wer­den zu der gleichen Zeit in Dresden auf der „Sachsen" eingefa^ren. Am 1. Dezember geht auch die Frankfur­ter Mannschaft zur „Sachsen" über, die dann als Ma­ri neluftschiff in Hamburg stationiert wird. Die Marine- verwaltung kauft die „Sachsen" jedoch nicht, sondern chartert das Luftschiff von der Delag, bis der in Fried­richshafen in Bau befindliche neue Marineluftkrecher „L. 3" fertig ist.

„L. 4“ wird voraussichtlich ein Lenkballon nach dem System Schütte-Lanz sein.

Die bei der Katastrophe des „L. 1" und „L. 2" übrig gebliebenen Offiziere und Maate gehören jetzt zâ „L. 3"-Mannschast.

Eine Stationierung der Luftschiffabteilung in Io^- hannislhal wird in Zukunft nicht mehr beabsichtigt £te auf Urlaub befindlichen Maate und Mannschaften sind sofort zMückberusen worden. AM 1. April 1914 wer-

' , Marktplatz 18

Frankfurt a. M.

bamm durchbrochen. Unaufhaltsam nehmen die tücki­schen, beutegierigen Wellen ihren Weg durch die Bresche, die sie mit furchtbarer Gewalt geschaffen. Und über ihnen hängen die Eisenbahngleise in der Luft. —

In Krzemien ist ein Rennen und Hasten. Die Alten, Kranken und Kinder hat man auf Leiterwagen nach Kochanow gebracht. Die Gesunden aber wollen nicht fort. Es gibt ja so vieles noch zu retten. Sie hängen an ihrer ärmlichen Habe, wer will ihnen das verdenkeru Aber schon hat sich das Wasser bis ans Dörfchen geschoben. Die Keller sind unter Wasser, dann füllen sich Flur und Wohnrüume. Da — ein gewal­tiges Krachen, ein erschütternder Schrei -- eines der kleinen Häuser ist verschwunden, vom Wasser begraben. Alles weicht zurück. Baron Kappel drängt die von Angst verwirrten Menschen zurück, Auch Dr. Sojka bat sich eingesunden. Niemand kann rossen, ob nicht Hilfe nottut. Graf Warminski ist im Schlosse geblieben. In dieser Nacht denkt kein Mensch an Schlaf. Jadwiga eilt in fieberhafter Erregung auf und ab. Ihr Herz zieht sich zusammen in Weh und Angst. Um ihn! Stur um ihn! Sie wußte seit jenem Septemberfest, daß sie ihn liebte. Wie sehr sie ihn liebte, das fühlte sie erst heute, wo sie ihn in Gefahr weiß. Sie alle: der Vater, Dr. Sojka, der Kutscher, der im Dorf eine verheiratete Tochter hat, haben ihr erzählt von seinem Heldenmut. Und wenn auch tm ersten Augenblick ihr Herz aufjubelt vor Stolz, bald kam die Angst, namenlose Angst, ver­zehrende Angst. Wenn sie doch ein Recht hätte, an seiner Seite zu stehen, nichts sollte ihr zu schwer sein.

Immer noch wanderte sie auf und ab. Slawa hatte sich in einen Sessel geworfen und schlummerte. Der Vater stand nebenan am Fenster. Da klapperten Schrit­te draußen. Hasttg wurde die Tür aufgerissen, der alte Kutscher stürmte ins Zimmer: „Gnädiger Herr Graf, Herr Graf!" rief er, „ein Unglück, ein Unglück!" Er keuchte. Jadwiga war vor ihn gesprungen. Mtt

den die neuen drehbaren LuftschWallen in Nordholz bei Kuihaven bezogen. Der Kontrakt für die Iohan- nisthaler Halle wird am 31. März 1914 ablaufen. In Johannisthal wird das Scheiden der Marineluftschiff - abteilUng nicht gerne gesehen.

dem

Politische Rundschau

Deutschland.

' Der Kaiser, der lange Zeit nid)t mehr mit Prinzen Ernst August zusammengettoff^n war,

stattete dem Prinzen am 29. Oktober in Rathenow einen Besuch ab.

* Der Kaiser hat angeordnet, daß sämtliche M i l i t ä r l u s 1 s ch i s f e in Zukunft die Reichs- kriegsslagge zu führen haben.

* Der Gesetzgebungsau'sschuh der hessischen Zweiten Kammer beschäftigte sich Freitag mit dem Antrag Schmitt und Genossen über das Ordensge­setz. Der Antrag wurde eingehend besprochen und mit kleinen Abänderungen erledigt. Die Abstimmung soll erst in der nächsten Sitzung erfolgen. Im landstädtisch. Ausschutz wurde der Antrag Dr. Winkler über die schär­fere Handhabung der Geschäftsordnung in der Zweiten Kammer abgelehnt.

* Der Gesetzentwurf bett. die MuftyebtfHgbel Regentschaft in Bayern wurde von der Kam­mer der Abgeordneten mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Demokraten angenommen. Dann trat das Haus in die 2. Lesung ein, in der niemand das Wort ergriff. In der namentlichen Abstimmung wurde die Vorlage, bett. Proklamation des Prinzregen- ten Ludwig zuM König, mit 122 gegen 27 Stim­men angenommen.

* Eine reichsgesetzliche Arbeitslo - sen-Versiche r-u n g fordert eine angekündigte In­terpellation, die gleich zu Beginn der, neuen Reichslags­session von der sozialdemokratischen Fraktion eingebracht werden wird. Der vorjährige Sessionsabschnitt wurde,

Ert£ etoisete Mmslalleii

Chemisches Reinigen und Färben von Damen-, Herren- und Kindergarderobe, Vorhängen, Decken. Teppichen, Portieren Fellen, Spitzen, Federn, Reihern, Kindermützen. Hand­schuhen etc. Zirka 1000 Angestellte.

vorgebeugtem Körper, die Augen voll Angst, so steht

sie vor ihm. Dann. „Der Herr Baran — gellt Jadwiga.

„Das weiß ich nicht!" sagte der Kutscher, stand neben einem einstürzenden Hause und einem Balken getroffen worden."

tit tot!

,aber er ist von

Da rief Jadwiga: „Ein Pferd, zwei Pferde, rasch, satteln! Papa, Tu mußt mit. Zu ihm!"

Sie lief dem Kutscher nach und auch Graf Warmins- ki eilte fort, denn auch ihn hatte die Schreckensbotschaft erschüttert. Er sattelte selbst sein Pferd. Der Kutscher zäumte Jadwigas Roß auf und berichtete noch, sie hätten den Baron sofort nach Kochanow gebracht.

„Vorwärts, vorwärts!" drängte Jadwiga. Der Kutscher half ihr in den Sattel und sie sprengte hinaus in die rabenschwarze Nacht. Der Sturm., warf sich ihr entgegen, sie achtete nicht aus ihn, nicht aus den Regen. „Nur vorwärts!" keuchte sie. Ihr Haar löste sich und flatterte wie eine Mähne um sie her und dicht neben ihr galoppierte der Vater. Er rief ihr etwas zu, aber der Sturm verschlang alles.

Schon kommt Kochanow näher. Lichter schimmern durch die Nacht. Alle Fenster der Fabrik sind erleuch­tet. Vorwärts. Da endlich sind sie an Kappels Wohn­haus. Ter Graf springt aus dem Sattel, um seiner Tochter zu helfen. Sie ist längst vom Pferde und hastet ins Haus. Instinktiv reißt sie eine Tür los. Wie er­starrt — erstarrt vor freudigem Schreck — bleibt sie stehen, denn vor ihr ist der Baron und schüttelt sich wie ein Pudel. Er hat ihr den Rücken zugekehrt. Hasttg wendet er sich um. Da sieht er sie! Sie hat nicht Zett, ihn länger zu betrachten, er lebt, das ist genug und nun löst sich die gewaltige Spannung der letzten halbenStun- de, sie wankt, alles kreist um sie, mit ihr. Doch sie zwingt die Schwäche nieder. Mit einem Jubellaut fliegt sie auf den Baron zu. „Edgar, Edgars ruft sie unter und Weinen. Und er hält sie fest, so zärtlich fest. (F. M