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Gießener JeiLnng

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Tritts der Gießener P.rltrgsdruckcrci.

Nr. 01

Telephon: Nr. 362.

Mittwoch, den 31. Juli 1912

Telephon Nr.: 36*2.

24. Jahrg

Halfer Mutsudito von Japan t

Tokio, 29. Juli. Der Kaiser von I a - pc n ist heute morgen gestorben. Nie hat ein Monarch während seiner Rcgierungszcit auch nur an- nähernb ähnliche Wandlungen in seinem Lande erlebt, Pi? Mutsuhito, Japans erster moderner Herrscher, der 15 Jahre lang in einer Aera größter Erfolge über Ja- pi: regiert hat. Trotzdem trat Kaiser Mutsuhito getreu t 1 alten Tradition seines Hauses in der Oeffent'ichkeit persönlich kaum je hervor. Unstreitig gehört Mutsuhito

p den bedeutendsten Herrschern ta zwar nicht behaupten, daß

der Gegenwart. Man er allein die große Re^

Wins io 11 herbeigesühn hat, die I. i

balpaat Japan zur modernen Großmacht wandelte ;

hcn altertümlichen Feu-

heun in den Tagen der entscheidenden Kämpfe zählte Thitluhito erst 1517 Jahre. Seine treuesten Helfer Üub ihm mehrfach mit Gewalt von bei Seite gerissen worden; im Jahre 1878 siel sein Minister Okubo, einer her wichtigsten Mitarbeiter an Japans Erneuerung, der I Nache des alten Kriegeradels zum Opfer, und 1909 cr= sehrfj ein Koreaner den Fürsten Ito, den vertrautesten Ratgeber des Kaisers in der späteren Zeit. Aber der Kars blieb der also, die Lücken wurden ersetzt, und J Ku t |.u h i t o arbeitet weiter. Als der 15=

Ihrige 1867 den Thron bestieg, war der Kaiser von Japan wohl der ohnmächtigste Monarch der 2Mt. Ue­ber ein rechtloses Bürger- und Bauerntum herrschte die ritterliche Kriegerkaste der Samurai: Japan zerfiel in 27 1 (!) Kleinstaa 1 en, die von eigenen Für- pen, den sogenannten Daimios, regiert wurden. Die Äiuici endlich waren seit fast 700 Jahren nur dem Na- Ven nach die Herrscher des Landes; die wirklichen Re- E^nten waren ihre erblichen Minister, die Shogune. Da

Ausgaben der Zukunft vorzeichnete. In ihr fanden sich folgende Sätze:Es sollen die überlebten u. unvorteilhaften Sitten und Gebräuche abgeschafft und es soll dahin gestrebt werden, daß das Volk aus den richtigen Weg gelangt."Es sollen alle Kenntnisse aus allen Teilen der Weit von uns übernommen werden zur Stärkung und Festigung des Staates."Es sollen Versammlungen ins Leben gerufen werden, in denen alle Schichten dev Volkes nertreten sind. In ihnen soll über alle Staatsangelegenheiten diskutiert werden und die öffentliche Meinung zu Wort gelangen." Nach diesen Grundsätzen hat Mutsuhito in seiner neuen Aera der man in Japan den NamenMiji", das heißt Die glänzende (oder erleuchtete) Legierung" gegeben hat, gehandelt. Die Reform folgten mit großer Schnel­ligkeit. Die großartigen Erfolge, die Japan seither be­sonders in der auswärtigen Politik erzielt hat, sind all­bekannt.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Berlin. Der Deutsch-Amerikanische Lehrer­bund hält demnächst seine 14. Jahresversammlung hier­in Berlin ab. In einer Anzahl von 370 Personen sind dazu die Mitglieder übers Meer gekommen. Die Reise führte über Bremen und Hamburg nach Heidelberg, Nürnberg, München. Stuttgart und Frankfurt. Von Frankfurt geht am Mittwoch die Fahrt über Kassel, wo die Kaiserin die Gesellschaft aus Schloß Wrl - h e l m s h ö h c empfängt, Eisenach, Weimar, Erfurt, Jena, Leipzig, Dresden und Breslau nach dem Ziele Berlin.

Herzogs fassende

Weima r. Anläßlich der Geburt des Erbgroß

einer Züricher Bank wurden bereits 9 Millionen zurück­gezogen. Die Ursache ist die Absicht, gegen den Kai scrbesuch zu demonstrieren.

England.

* London, 30. Juli. Die von der Regierung eingelegte Kommission zur Prüfung der Ursache, die den Untergang derT i 1 a n i c herbeiführte, hat ihren Spruch dahin gefällt, daß die übermäßig schnelle Fahrt des Schiffes die Schuld an der Katastrophe trug. Durch diesen Spruch werden dieWhite Star Line" sowie ihr Direktor Ismay schwer belastet. Er er­klärt, daß die Ausrüstung des Schiffes mit ReNungs - booten und Notflößen nicht dem Tonnengehalt, sondern der Passagicrzahl zu Grunde gelegt werden müßte.

* London, 30. Juli. Heute morgen erfolgte die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit in den Docks.

Italien.

* R o m. Der Papst empfing den Auditor der römischen Rota Prälat Heiner in Privataudienz und versicherte ihm neuerdings, daß der apostolische Stuhl die ch r i st l i ch e n Gewerkschaften weiterhin, wie

bisher, ungestört Gleichzeitig erklärte in die katholischen

der gen

in ihrer Wirksamkeit bestehen lasse, der Papst, er setze alles Vertrauen

Arbeitervereine.

Portugal.

* Lissabon, 30. Juli. Bei der Versteigerung verpfändeten Geschmeide und Juwelen der im vori- Jahre verbannten Königin-Witwe Maria

P i a erzielte ein sünfreihiges Perlenhalsband 318 000 Francs.

- falben zufällig im gleichen Jahre, 1866 der Kaiser di Bib der Shogun; den Thron bestieg nun Mutsuhito, ^.E der Nachfolger des Shoguns wurde Tokugawa Yoshinobu. Diese Ereignisse gaben der Kaiserpartei

erließ der Großherzog von Sachsen eine Amnestie.

M ü n d) e n, 29s Juli. Heute vormittag

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:. 5.50 per V

Mut zum entschlossenen Handeln, und sie erhob ^â bewaffnet gegen die bisherige Ordnung der Dinge. JOM während des Kampfes mit den Rebellen, im Fe- Jituar 1858 verlas M utfuhi 1 o in dem zum Kai- ^Mchloffe von Kioto gehörigen Tempel eine feierliche k r o k l a m a t i o n, die im monumentalen Stil die

schloß eine Versammlung von über 70 Delegierten der Bayern-Vereine von Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und des Auslandes die Bildung eines Zen­tralausschusses der Bayernvereine. Der gewählte Vor­ort Berlin wurde beauftragt, die Vorbereitungen zur Vereinigung aller Bayern-Vereine der Welt zu beginnen.

Schweiz.

* Zürich, 30. Juli. Wie derZüricher Tages- anzeiger" meldet, fanden starke Depotrückzüge französi­schen Kapitals bei den Schweizer Banken statt. Bei

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Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

(Nachdruck verboten.)

Da waren sie mitten im Fahrwasser, das - hierhergetragen hatte.

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Zunächst reiste er nach Brüssel. Frau von Tarandal üre ihm auf seine flehentlichen Briefe nur unvollkom­men, zuletzt gar nicht mehr geantwortet. Sie lebte zu- lckgezogen von aller Welt, nachdem sie von Desiree ver- lffen worden war und der Tod ihres Bruders fest- 3'tcllt schien. Die Zerstreuungen der großen Stadt, rr derentwillen sie Luekwarden aufgegeben, hatten für

k allen Reiz verlorerr. Die Korrespondenz mit Wal-

Grellen^ Aar schmerzte sie nur, statt sie zu beruhigen. Durch , Hltße» evereux und Prevendaux war sie auf dem Laufenden halten worden, und das war alles so traurig, daß sie roftlos dahinsiechte.

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stillen

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Und dennoch war sie sehr glücklich, als Waldemar facâ Tages ganz unerwartet ins Zimmer trat.

Willkommen, herzlich willkommen," sagte sie mit Mem Lächeln.Wenn ich auch weiß, daß Ihre Ge- uuvart mir neue Sorgen und neue Aufregung bringen »ird, freue ich mich doch herzlich, Sie gesund wiederzu- khen."

Sie betrachtete ihn mit Wohlgefallen. Er hatte sich lit ihrer Trennung sehr verändert, war stärker und ge= rauntet geworden. Die Pflege im Vaterhause hatte Pur wohlgetan.

Waldemar fand Frau von Tarandal dagegen keines- >egs wohl erhalten. Die Dame hatte chre Körperfülle in«ebüßt, war älter und hinfälliger geworden, und das filmte Haar war leicht ergraut, die Augen schienen ge- von den vielen vergossenen Tränen.

Ja, schauen Sie mich nur an," bemerkte sie trau­rig.Ich habe es schwer büßen müssen, daß ich De­ttke von mir ließ." _ ^^^ ._______ .

Wie war das nur möglich?" fragte er in verzweif­lungsvoller Laune, den Vorwurf nieöerkämpfenb, der sich ihm gegen seinen Willen aufbrängte.

Sie kennen öen festen Willen meiner Nichte," sagte sie seufzend.Ich bin machtlos gegen ihn. Bis zuletzt hoffte ich auf das Schettern ihres Planes, auf die Furcht vor dem Ungewissen, und auch, daß sie Jean gleich auf­finden würde. Daß er Soldat geworden war, hatte ich mir nicht träumen lassen."

Was sagen Sie? Herr Bourlier nahm Dienste?"

Er wurde Offizier. Ich erfuhr das selbst erst vor wenigen Tagen von Prevendaux, der mir zugleich die Verlustliste der ersten Schlacht bei Orleans schickte. Mein armer Bruder figurierte auch darauf. Der Schmerz warf mich fast auf das Krankenbett. Deshalb ließ ich Sie auch ohne Antwort, Waldemar. Verzeihen Sie mir?"

Was ist da zu verzeihen? Ich kann mich ganz in Ihre Lage denken, gnädige Frau. Der Verlust ist ent­setzlich, für mich nicht weniger als für Sie. Vielleicht liegt ein Irrtum vor. Bitte, zeigen Sie mir die Ver lustliste."

Ich bedauere, daß ich das nicht mehr im Stande bin. Ich sandte sie an Olivier nach Bazeilles."

Olivier lebt?"

Das wissen Sie auch nicht? Ja, Olivier wurde gerettet und zog vor zehn Tagen wieder in das Haus seines Vaters ein."

Er lebt und Bourlier ist tot? Welch ein Geschick! Jetzt könnte ich mich vor meinem Ankläger rechtfertigen, doch alles ist zu spät. Weiter, was hätte das für einen Zweck, da auch Desiree schwerlich mehr unter den Leben­den weilt." ... _ .. ..>____

Türkei.

* Vorgestern trat das neue türkische Kabi­nett vor die Kammer mit einer Regierungserklärung. Der Großwesir verlaß das Programmatische der Re­gierungserklärung. Bezüglich des Krieges hob die

Erklärung arabischen werde die das Recht Grundlage

die seit 10 Monaten gebrachten Opfer der Truppen rühmend hervor. Die Regierung Verteidigung des Landes fortsetzen, bis eine und die Würde der Regierung entsprechende für den Frieden gesunden sei.

* Saloniki, 30. Juli. Eine Eisenbahnbrücke auf der Strecke Uesküb-Saloniki ist von unbekannten Tä­tern mittels Dynamit in die Luft gesprengt. Der Ver­kehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten.

Verzagen Sie nicht, Tyrolt," tröstete ihn die Dame. Gottes Wege sind oft wunderbar. Vielleicht lebt metv Kind dennoch irgendwo in der Verborgenheit, abge­schnitten von den Verbindungen mit Frankreich, mitten in dem besetzten Lande. Vielleicht ist sie uns näher, als wir denken. Wenn sie in Bazeilles wäre?!"

Bei Olivier? Und er hielt sie vor der Außenwelt verborgen? Zu welchem Zwecke?" fragte Tyrolt auf­fahrend.

Es ist ja nur eine Möglichkeit, die ich berührte, ebenso gut kann meine Nichte in Sibirien sein!"

Die Möglichkeit hat sehr viel für sich," rief Wal­demar, jäh an dem Gedanken festhaltend.Wenn De- sirene in ihre Heimat zurückkehrte, da sie den Vater nicht finden konnte, so kam sie natürlich nach Sedan und in das Haus ihres Verwandten. Olivier aber hielt sie fest aus Haß wegen unserer Verlobung, aus Eigennutz, damit sie ihm nicht sein Erbe schmälere. Er beraubte sie ihrer Freiheit, rcr verbietet ihr jede Korrespondenz,

damit sie von der Welt verschwinde, und sie schriebe mir nicht mehr, weil sie mich liebe."

Desiree liebte Sie stets mit gleicher

ich glaubte, nicht mehr

Zärtlichkeit

und wird Sie nie vergessen. Nein, ihr Schweigen hat einen anderen Grund: Abgeschnittenheit, Krankheit, Tod oder Einkerkerung. Und dieses Schicksal kann sie allerdings in Bazeilles ebenso gut treffen wie sonstwo in der Welt."

Ich werde selbst ihre Spur aufnehmen," sagte Ty- rolt mit festem Entschluß.Ich werde sie befreien, wenn sie noch lebt, wo ich sie immer finde. Tie Spuren leiten nach Sedan. Dort suche ich meine Braut zu­nächst."

Sie wollen zu Ihrem Todfeind?

(Fortsetzung folgt.)