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Gießener Weitung

^U$U) p I (Neueste Nachrichten) ^^^^^^ (Wiestever Tageblatt)

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fteslen i Srfchei«t 6 I P C ö t t t 0 ti : Stlf ttSBtÄ 85«

1895 tiMimcho und LamStage«. Redaktion : Selters.

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Iv: 1911 Reichen Wehl. 'Nastaa

Telep hon: 9Zr. 362.

Mittwoch, Den 30. Oktober 1912.

Telephon Nr. 362.

24. JaUrv

gesandt.

.^Jtr Balkan in neuer Gestaltung.

^HiSW der Entwicklung der Dinge ist natürlich für die Diplomaten der Großmächte höchst

^a/^'tyn geworden. Kein Mensch denkt im Ernst mehr ^jpumujg Erhaltung des vielgepriesenen Status q u c.

Sßagaon - jIt1gC jst nur, wie bei der allgemeinen Teilung W W Dtper türkischer Gebietsteile, die man Uifl abwdtba.il nod) für vermeidbar erachtet, die einzelnen Sieger seligen Anwärter abgefunden werden sollen. Die ^eonhardig könnte an sich ja ziemlich einfach erscheinen, [o= Ei die Kriegführenden sich selbst überließe uno « zu nehmen gestatten würde, was er durch das ^"" erworben hat und sicherlich auch nicht ohne â wieder herattsrücken wird. Diesem einfachsten liW stehen jedoch die Balkanwünsche O e st e r - schroff gegenüber, und in der Frage der E n t- iqung Oesterreichs liegt zurzeit der An-

\ der ganzen Krisis.

\ Fie ^Daily Mail" bringt aus Wien einen angeb- ms diplomatischer Quelle stammenden N e u r e - v Liang s p I a n für den Balkan. Danach sollie g Went um Albanien und ein Fürstentum M a-

>

Monien geschaffen werben, das Saloniki ei^bc- et 'Bulgarien würde einerseits bis ans Aegä- Mt^r und andererseits an der Küste des Schwar- Aetkes ausgedehnt werden. Serbien würde kèl unb den adriatischen Hafen San Giovanni Midlw einschließlich Prischtina und Uesküb erhalten. Ursterttu in Albanien unter einem schwedischen NM würde von Durazzo bis Uesküb, Valona mit jxv^ sich erstrecken und Elbasan als Hauptstadt er- ' tu. Pas Fürstentum Mazedonien unter einem ififyn Prinzen erhielte Monastir als Mittelpunkt und fMe? fick nördlich bis zu einem Punkte südlich von hl und Kastria ausdehnen. Die neue b u l g a- 'cöt Grenze ginge von der serbischen Grenze süd- 1 I iB Seros mit der ägäischen Küstenlinie von der bis Dedeagatsch unb von dort bis } btis Schwarze Meer, wahrscheinlich bis Basiliko. Die $ r'ieit blieben auf die Hauptstadt und die Nachbar- vielleicht einschließlich Adnanopel beschränkt. Von rred) c n l a n b soll in dem Plan nicht die Rede i (bomit wird es nicht zufrieden sein), es erhielte b I Ma; Montenegro würde mit dem größten i! Ix; Sandschak Novibazar und Skutari befriedigt.

Uom Balkankrieg.

Im Vordergrund des Interesses steht immer noch, h serbischen Einnahme des strategisch wichtigen m, die überraschend kam, die S ch l a ch 1 bei

Kirk-Kilisse, die den Türken eine volle Nieder­lage brachte. Es wird von einer regellosen Flucht tür­kischer Truppenteile gesprochen. In Adrianopel ist bereits ein türkischer Heeresteil eingeschlossen. Durch die vordringenden Bulgaren sind die türkischen Truppen in Adrianopel von aller Verbindung abgeschnitten. Die Bulgaren stehen nach zuverlässigen Meldungen bei Baba Eski und Bunar Hissar, sie sind auf dem Vormarsch ge­gen Lule Burgas, wo noch vor wenigen Tagen das türkische Hauptquartier sich befand. Der Weg nach Konstantinopel ist jetzt nur noch durch die Befestigungs­anlagen bei Tschataldja gedeckt, die sich, wenige Meilen von Konstantinopel entfernt, vom Schwarzen zum Mar-

der Westarmee sollen sich bei Demirkapu, nach noch un= bestätigten Nachrichten sogar in Seres konzentrieren.

mara-Meer Eftermee ? fei sehr

Trotz Ministerrat

ziehen. Steht da jetzt vielleicht die türkische Jedenfalls stehen die Dinge für d i e Tür­schl e ch t.

all den Mißerfolgen wurde im türkischen beschlossen, jede Intervention der

Vom bulgarischen Kampfplatz.

In Adrianopel nehmen die Dinge für die Türken ein immer ernsteres Aussehen an. Im Augenblick ist Adnanopel zwar noch nicht gefallen, aber die bulga­rische Belagerung macht so bedeutende Fortschritte, daß der Fall der Festung, nach zuverlässigen Mitteilungen, in kürzester Frist zu erwarten steht. Dann werden die Bulgaren zu dem Hauptschlage gegen die türkische Hauptmacht ausholen, für deren Niederkämpsung bereits jetzt von den Bulgaren eine groß angelegte Umgehungs- bcmcgung eingeleitet worden sein soll, so daß der bisher stets als vorzüglich unterrichtet erwiesene Kriegsbericht - erstatten des österreichischen Thronfolgerblattes, der Wie­nerReichspost" schon heute von einem bevorstehenden

Mächte zürückzuweisen. Aus Beschluß des qüi= nifterrats geht eine große Anzahl mohammeda­nischer Geistlicher zur Front. DerEntschluß der Türkei steht fest, bis zum letzten Blutstropfen zu tämpfen und keine Intervention der Mächte anzuneh­men. Man darf die Einnahme von Kirk-Kilisse nicht übertreiben, das türkische Heer erlitt diese Niederlage, weil es zu optimistisch war und nicht auf die Vor­schläge seiner besten Führer hörte.

Die Eroberung von Kirk-Kilisse und Kumanowo hat in Konstantinopel einen panikartigen Schrecken her­vorgerufen.

Die Albanesen versuchen mit allen möglichen Mitteln von ben Türkei loszukommen. Sie haben sol-

und unabweisbaren Sedan sprechen neu glaubt.

Sofia, 28. Eft. Bunar-Hissar, wohin Garnison von Kirk-Kilisse zurückgezogen hatte,

den Bulgaren genommen worden. Die Truppen marschieren nach Lüleh-Burgas.

Sofia, 28. Okt. Die Bulgaren Krcsnapatz im Strumatale.

Wien, 28. Eft. Der Berichterstatter post" meldet unter dem heutigen Datum:

zu tön-

sich die ist von

bulgarischen

besetzten den

derNeichs- Das k o n -

genbee Ultimatum Krieges müde und Wir wollen keinen seine Hilfe bitten.

der Türkei gestellt: Wir sind des der Unruhen in unserem Lande. Krieg und werden Oesterreich um

Konstantinopel, 28. Okt. Da jetzt erst die Limentruppen bester Qualität aus dem Innern Klein­asiens eintreffen, um in die Front aözugehen, wird hier den letzten Kämpfen keine irgendwie entscheidende Bedeutung beigemessen. Die ftemdländischen Militär -

zcnirische Vorgehen der Bulgaren gegen die türkische Ostarmee ist trotz des ungünstigen Wetters in ständigem Fortschreiten. Der Rückzug der Tür­ken nach Konstantinopel ist bereits a b = geschnitten. Die Bahnlinie Konstanünopel-Lüleh- Burgae ist bei Tscherkeskoj unterbrochen und die dortige Eisenlahnbrücke über den TscharluslUtz in die Luft ge­sprengt Die türkische Armee ist jetzt gezwungen, die Schlacht am Ergenesluß anzunehmen. Die Stärke der im Gebiet von Evki-Baba-Lüleh-Burgas be- sindlicken türkischen Streitkräfte wird aus 4 Armeekorps

attacbes sollen morgen endgültig abreisen.

Eine

halbamtliche Kommunique erklärt, noch den Telegram­men, d'ie dem Kriegsminister zugingen, begann die Ar­mee in voller Ordnung die Vorwärtsbeweg-

u n g Dem Vernehmen nach begibt

sich der Thronsol-

gor, der den Rang eines Marschalls bekleidet, auf den

Kriegsschauplatz.

K o n st a n t i n o p e l, 28. Eft.

Der Belagerungen

zustand ist angeordnet worden. Die türkischen Truppen

Botschaft an BlutarmeKBlasse.

Die aUgrmefwe Schwäche und das krankhaft- Aussehen bei jungen Mädchen im Alter der Reife, beruhen auf e>nem man elbaften Blu'zuftand, und wenn vernachlässigt. sind oft Jahre Don Unwohlsein und Unbehagen die Folge. ES ist baber von gröhter Wichtigkeit jungen Mädchen im Aller von 13 17 Jahren, ab und zu eine Flasche von Lectferrt« zu geben, welche das Blut bereichert, den Körper kräftigt und widerstandsfähig macht, ^rciferrin ist allerseits als das vorzüglichste Präparat aner< sannt zur Blutbildnng und Kräftigung.

Breis Mk. 3. die Flasche, überall erhältlich Kalenus" Chem. Industrie, G. m. b. H., Frankfurt am Main.

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165,

Das Glückskind.

Sloman non Irene von ö ellmUt fi.

M (Nachdruck verboten.)

UvMM als der junge Mann sich verabschiedete, ftt. er Röschen einen Zettel in die Hand, den sie, eifert von der Mutter, in der Tasche ihres Kleides t Als der Schritt des sich Entfernenden auf der Alt verklungen war, eilte das ahnungslose Mädchen I Zimmer, holte das knisternde Papier hervor, und lakr heftigem Herzklopfen die wenigen Worte: ^Mrft ich einmal Dir nur sagen, Ät Du unendlich lieb mir bist, Äc Dich, so lang mein Herz wird schlagen,

; Aüü meine Seele nicht vergißt." reraeK z, Jubelnd, im seligen, nie gekannten Gefühl ze ter lv»', <n:Beinen Zettel an die Lippen: ihn wieder in der Ta- inib * ' the :bergend, kehrte sie zur Mutter zurück, die ihr heute H. IMO vife Töchterchen aufmerksam beobachtete.

Löschen sonnte es kaum erwarten, bis der Geliebte .ge, W^vietrier kaur. Die Stunden dehrtten sich ihr zu einer klei- ,^H'^ aus. Horch, Schritte, er ist es, ren ideur: Hr Herz in stürmischem Sehnen entgegenschlägt. 5, Ä M er ihr heute wieder etwas zustecken wird?--

109 M Wie feine Augen blitzten hinter den funkelnden ^A^vMuMsern! Um den Murrd, den ein keck aufwärts « ,(iI^NRe Schnurrbart zie^, liegt ein Lächeln, so daß die flpP töMa schimmernden Zähne sichtbar werden. Einen scheint er zu vergessen, daß außer Röschen auch tVW Muttter sich im Ziurmer befindet. Ungestüm erfaßt '\ Ober -finge Doktor die Hände des heiß errötenden Mäd- ^â^s-ntS,urnö zieht sie hastig an seine Lippen, dann besinnt (ti imb wendet sich Frau Mathilde zu, die lächelnd W«u jungen Menschenkinder beobachtet hat.

£ glückliche Jugendzeit, mit deinem goldenen

M

iner, wie bist bu so schönt

je Mutter bedeâ bas Gesicht mit den Händen.

Mächtig quoll Die Erinnerung an ihre eigene Liebe em­por.

Einst war auch sie ein schönes, -sielbegehrtes Mäd­chen gewesen, verwöhnt, verhätschelt, auf Händen ge­tragen von ihren Angehörigen. Bald würde nun auch Röschen sie verlassen. Waldemar, der Bruder, weilte seit kurzem auf der Universität, und dann war sie allein und vergessen.

Ganz vertieft in traurigen Gedanken, konnte sie nicht sehen, wie Röschen abermals ein Briesblatt in Empfang nahm. Doch entging ihr der verständnis­innige Blick nicht, den die beiden miteinander tauschten.

Diesmal war es ein richtiger Brief, den der Doktor in die Hände des süß erschauernden Mädchens legte, er lautete:

^Geehrtes Fräulein!

Zürnen Sie mir nicht, daß ich diesen Weg ge­wählt, mich Ihnen verständlich zu machen. Nicht schreiben, nein, sagen möchte ich Ihnen, was das Herz bewegt, um dann die beglückende Antwort aus Ihren schönen Augen zu lesen, von Ihren Lippen zu hören. Sollte es Ihnen möglich sein, sich frei zu machen, so kommen Sie gegen 3 Uhr zur Kapelle. Schenken Sie mir nur eine einzige Viertelstunde.

In glücklicher Erwartung . ..Z -

Ihr ergebenster Dr. Hermann Pächtner."

Die alte Kapelle lag frei auf einer kleinen Anhöhe ganz nahe der Stadt und bot einen malerischen Anblick dar. Der Ort war von Spaziergängern viel besucht, weil man von da aus einen hübschen Ueberblick genoß. Deshalb hatte ein unternehmender Mann in der rich­tigen Voraussetzung, daß man beim Spazierengehen stets Hunger und Durst bekommt, links von der Kapelle

ein Restaurant modernsten Stils, mit großem, schattigem Garten errichtet, welches sich auch ganz gut rentierte.

Heute war es zwar ausnahmsweise still und einsam hier oben. Dr. Pächtner saß als einziger Gast in dem geräumigen Gartensaal und spähte aufmerksam den sanft emporsteigenden Weg hinab. Jetzt fuhr er wie elektrisiert von feinem Sitze auf, doch er hatte sich ge­täuscht, es war nicht die Erwartete. Ungeduldig zog er die Uhr, schon halb vier, seufzend trank er den Rest seines Glases aus, bezahlte den Kellner und verließ das Lokal.

Draußen empfing ihn ein schneidender Wind. Frö­stelnd zog der junge Mann den Kragen seines Rockes empor, und wandelte langsam rings um die verfallende Kapelle herum. Doch alles war totenstill und leer, keine Menschenseele ließ sich blicken. Welkes Laub, das bei jedem Schritte leise raschelte, bedeckte ringsum den Bo­den.

Der Aufenthalt im Freien war höchst ungemütlich. Oft sah der einsam Wandelnde nach der Uhri sie zeigte bereits halb fünf, als derselbe sich entschloß, zur Stadt zurückzuk ehren.

Eine finstere Falte lag auf der hohen Stirn, un­mutig hieb er mit seinem Stock die dürren Zweige von den Sträuchern.

Sollte ich mich getäuscht haben?" murmelte er halblaut,ich glaubte doch aus ihrem Erröten, aus ihrem éäcfjeln entnehmen zu dürfen, daß sie mir nicht abgeneigt ist. Oder ist sie eine kleine Kokette, die ihr Spiel mit mir zu treiben gedenkt und sich jetzt über mich lustig macht? Ja, ja, so wird es fein, denn wenn sie gewollt hatte, wäre sie sicher gekommen."

Seinem sehr leicht zu Mißtrauen geneigten Wesen entsprach diese Annahme vollkommen, er redete sich so sehr in seinen Unmut hinein, daß er einen kleinen Jun» gen, der dicht an ihn Herantrat, erst bemerkte, als bett sekbe ihn ausprach. (Fortsetzung folgt.).