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Kietzener JeiLttttg

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Verlag derGießener Zottwng" G. m. b. H.

Nr. 26

Telep Hon: Nr. 362.

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Reichstag.

Gegen Ende der Donnerslagsitzung entspann sich roth eine lange, heftige Debatte um die Ostmarkenzu- logc. Sie wurde eröffnet von dem Natiwnallvberalen Lchl e e, der in feiner Jungfernrede behauptet, daß diese Zulage polttffche Bedeutung habe. Gras W e st a rp (Ions.) trat der Behauptung entgegen, daß die Ostmar- krnzulage korrumpierend wirke; er machte dann daraus msmettsam, daß sie durch das Etatsnotgesetz den Be- emten für drei Monate bereits bewilligt worden wäre. Aachdenr der Pole S e y d a für die Ablehnung der Zu- lagen eingetreten war, erklärte der Abg. Spahn (Z.) unter allgemeiner Spannung, daß das Zentrum in Konsequenz seiner früheren Haltung auch diesmal die Zulagen ablehrren werde. Der Abg. Ledebour er- Dörte, daß seine Partei bereit sei, in der dritten Lesung die Zulage wieder herzustellen, falls sie allen Beamten zuteil werden wird. Staatssekretär Krartke appel­lierte an das Herz der Abgeordneten. Wir stehen zwei Tage vor dem 1. April, die Leute müssen Miete zahlen. Ich appelliere nochmals an Ihr Herz. (Schallendes Ge­lächter der Soz.) Sie werden mich nicht überschreien. Wenn es gilt, für die Beamten einzutreten, ist meine Stimme groß genug, um die Ihre zu übertönen. (An­dauerndes Gelächter der Soz.) Stellen Sie doch wenig­stens den Anttag, daß die Ostmattenzulage künftig weg- sÄlen soll. 'fHört, hört!) So brennend ist die Sache doch nicht, daß Sie zwei Tage vor dem 1. April 6000 Beamte in Unrutje und Verlegenheit bringen müffen. sGelöchter der Soz.) Damit schloß die Aussprache. In ramentlicher Abstimmung wurde die Osttnattenzülage nit 183 Stimmen der Sozialdemokraten, der Polen und tts Zentrrmrs gestnchen. (Anhaltende Mewegung.) Dann wurden noch einige Wahlprüfungen erledigt und ftließlich trennte man sich nach neunstündigem Streit, m in die Osterferien zu gehen. Nächste Sitzung am 1116. April.

Politische Rundschau

Deutschland.

Korfu, 29. März. Der Kaiser hörte heute

Mag die Vorttage der drei Kabinettchefs.

vor-

Ein Vorschlag zur Erbschaftssteuer.

5ti der Budgetberatung der Hamburger Bürgerschaft beantragte am Mittwoch ein Vürgerschastsmitglied, den -amburgischen Vundesrcüsbevollmächttgien zu beauf - nogcn, darauf hinzAwirken, daß der finanzielle Effekt > el Reichserbschastssteuer durch Einführung einer eânzel-

staatlichen Erbanfallsteuer erreicht werde, von der ein W^^ Bestimmter Prozentsatz an das Reich abgefühtt wird.

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Unter Feinden.

Mm von Karl Matthias. % (Nachdruck verboten.)

Schlägen

iHtet Anst«? _M Valve Maßregel, rote alles in Liefern Kriege", ._, , IN WWe Bmrrlter.Ich habe keine Hoffnung mehr."

gltiz Lich beklage Sie von ganzem Herzen, Wertgeschätz- ^^M Ar. Freilich find in Bazaille.s harte Kämpfe gewesen. ^^^ Watetal Lebrun, der Kommandeur der Marine-Divi»

roll*" durch dir*# »fr

I 6. ,

M, ist der Uebermacht des Feindes erst nach langem Wvrrstande gewichen und hat sich auf Balan zurückge- m wo jetzt noch der Kampf tobt. Die verwundeten Mmtnesoldaten erzählen, es wäre dort schrecklich Mge- Hertzen. Tausende der Pimffiens wurden niedergemacht,' Lt« immer neue Tausende tauchten auf, unverttlgbar «te die Köpfe der Hydra." .Das ist die Handvoll Preußen, mm der man an- IW dieses Krieges faselte."

Ä Milliarde ist es," meinte Prevendaur wich- A.eine Zahl wie Lie Sterne am Himmel, wie die «erschrecken in Arabien. Gleich diesen Schwärmen find M in unser Land gekommen. Wimpffen hat übrigens _ vEs einen Vorstoß nach Süden versucht, um Lie <^> Mutzers wie er sagte, in die Maas zu werfen unL sich Mt der Aruree von Metz zu verbinden. Aber es war Mn unmöglich, durch Liese lebendige Mauer von Men- Mulewern zu bringen. Der ganze Weg bis nach Metz wohe ein einziges großes Grab geworden. .Schrecklich, entsetzlich!" stöhnte Bourlier,und Min Cohn mitten in dieser modernden Menschensutt. daß er meinem Willen gefolgt wäre!" .Ich meine, als umfichtsvoller Sollktt wirb .. früher den Rückzug angetreten haben, als ttHer Truppen sich auf Balan zurückzogen. Das doch der einfache Verstand. Mtt dreißig Leuten weniger konnte er die Pruffiens doch nicht aus- .... Er wird sich hr die Stadt geflüchtet haben.

.Möglich. Aber m MM er? Warum kommt er

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

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6 r p c ö i t i o n : Zeltersweg 85.

Samstag, Den 30. März 1912

, Damit werde einer Bekämpfung der Reichserbschafts - steuer mit der Begründung, daß diese in die Finanz- hohett der Einzelstaaten eingreise, der Boden entzogen.

Der preußisch-süddeutsche Lotterie- vertrag wurde vom Finanzausschuß des bayerischen Abgeordnetenhauses abgelehnt. Von mehreren Seiten wurde die Anregung geäußert, Bayern sollte es mit der Einführung einer eigenen Staatslotterie ver­suchen.

Dresden. Die letzte Reise des Königs v. Sach­sen nach Wien hing, wie nun sicher ist, mit der Frage der Entmündigung der Frau Toselli zusammen. Der Kaiser Joli seine Zustimmung erteilt haben.

Oesterreich.

W i e n, 29. März. Im österreichischen Abgeordne- tenhause kam es gestern wieder einmal zu einer wüsten Schlägerei, hervorgerufen durch die Ruthenen. Der so­zialistische Abgeordnete Ellenbogen nannte den deutsch- nationalen Abgeordneten Lipka einen ehrlosen Schurken und gemeinen Gauner, worauf sich die Deutschnationa- len auf den Abgeordneten Ellenbogen stürzten. Es kam zu einer großen Prügelei. Der Präsident schloß die Sitzung während des andauernden Tumultes, der sich auch dann noch eine Weile fortsetzte.

England.

Aus Londoner Hoskreisen wird gemeldet, der Prinz von Wales werde nach seinem Pariser Auf­enthalt auf mehrere Monate zur weiteren Ausbildung nach "Deutschland gehen.

London. Der Gesetzentwurf bett. das Frauen­stimmrecht ist mit 222 gegen 208 Stimmen abge­lehnt worden. Das Ergebnis der Abstimmung rief allgemeine Ueberraschung hervor und wurde von den Gegnern des Frauenstimmrechts mit ungeheurem Jubel begrüßt. Premierminister Asquith und der Kolonial * ministes* stimmten gegen das Gesetz, Finanzminister Lloyd 'George und der Minister des Aeußeren Grey stimmten dafür.

Aus aller Ulelt

y Darmstadt. Die Großherzoglichen Herr­schaften werden sich mit den Pr'mzen-Söhnen nach dem Osterfeste-zu mehrwöchigem Besuch der Russischen Maje­stäten nach Livadia begeben.

B e rDi n, 29. März. Die Deutsche Reichspost hat 'Die Barfrankierung vonBrieffchas 1 en den Wünschen der Handelswelt entsprechend beschlossen.

H a n mo v e r, 29. März. Zur Förderung des deutschen Flugwesens haben die städtischen Kollegien

nicht hierher, da er Loch weiß, daß man seinetwegen in Sorge ist*

Gedulden Sie sich nur. Vielleicht bringe ich unfern jungen Heloen selbst zur Stelle. Ich will zuerst in sei­ner Aunggekellenwohnung nachfragen laufen Er liebt es die Seinen ^ überraschen. Denken Sie an den Ber- lobungstag, an welchem Herr Tyrolt*

^Leden Sie mir nicht von dem Feinde Frankreichs! Geben Sic mir Nachricht von meinem Sohn!"

Bourlier blieb in trübem Sinnen zurück. Zu der Angst um das Schicksal seines Sohnes hatte Prevendaux auch den Groll gegen Tyrolt in seinem Herzen geweckt.

Ein leiser Kuß auf Bourlier's Scheitel, ein Hauch, der wie ein Frühlingsöuft über ihn hinwehte, weckte ihn aus seinem Sinnen. Fragend erhob er sein gesenk- tes Haupt und sah seine Tochter vor sich.

Du bist es, Desiree," sprach er müde,fuchst Du Deinen einsamen Vater auf? Das ist nicht vorsichtig. Die gewölbten Hinterzimmer sind sicherer für Dich, während der Aufenthalt in der Nähe des Vorgartens durchaus nicht gefahrlos ist."

chbarschaft

Dann solltest Du auch nicht Hierbleiben, Papa," entgegnete sie, seine Wangen stretchelnL,^aber ich fürchte mich n^cht. Bisher ist in oer Nachbarschaft noch kein Unglück geschehen. Der Feind wird nicht so grau­sam sein, in Lie von Menschen überfüllte Stadt ziellos Geschosse zu werfen."

Er ist so grausam, Kind, vielleicht wird er noch schlimmer hausen. O, wie unglücklich bin ich, daß ich nicht darauf drang, Dich nach Belgien zu senden."

Nein, Papa, ich sollte Dich allein lassen, Dich, der Du so unglücklich bist! Ich wäre in Brüssel vor Angst um Dich gestorberU"

Und jetzt stirbst Du vielleicht durch die Waffen der Barbaren, oie unser Land zu einem Massengrabe machen."

Das ist nicht ihre Schuld, Papa. Sie ergrissen die

Knzeigenpreis 20 Psg.

die 44 mm breite Ins erat cnzeile. Die 00 mm breite Zeile im Reklauicteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ucberschrcüung deS Zahlung^' zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei KorckurS in Wegsall. Platzvorschttsten ohne Perbindlichleit.

Druck der Gießener Verlag^druckerei.

Telephon: dlr. 362. 24. ^AHs^

heute einstimmig die Summe von 21 000 Matt bewil- ligt.

Magdeburg, 29. März. Die hiesige Handels­kammer fordert in einem Ausruf die Kausmannschast zu Beiträgen für ein Flugzeug auf, das dem 4. Arniee - korps zur Verfügung gestellt werden soll. Die gestern aufgelegte Liste hat bereits 15 000 Mark ergeben. Wei­tere namhafte Beiträge sind in Aussicht gestellt.

München, 29. März. Der Inhaber der Hainzl- mayerischen Dampsbäckerei, der Kaufmann Ludwig Dem- harsner, ist wegen Wuchers verhaftet worden. Seine Freilassung und die angebotene Kaution von 50 000 Mark sind von allen Instanzen abgewiesen worden. Demharfner wird beschuldigt, seinen Opfern, die sich zum größten Teil aus wohlhabenden und angesehenen Per­sonen zusammensetzen, bis zu 250 Prozent Zinsen abge­nommen und ihnen meist Möbel, Automobile, Bilder und dergleichen in Zahlung gegeben zu haben.

Osterode. Hauptmann Reetsch vom 18. Infan­terieregiment ist von dem seiner Kompagnie angehören­den Soldaten Emersleben meuchlings erschossen worden. Hauptmann Reetsch, eine richtige Soldaten - natur, war streng, aber gerecht. Er stand im 42. Le­bensjahre und war unverheiratet. Der Mörder, Mus­ketier Emersleben, der sich nach der Tat selbst erschoß, war der Sohn eines Seilers in Bernburg; sein Bruder ist Reserveoffizier. Er diente im ersten Jahr, war ein guter Soldat und unbestraft. Den tödlichen Schuß feuerte Emersleben durch ein geschlossenes Fenster auf den Hauptmann ab, der aus dem Kasernenhof stand. Ueber die Gründe der Tat des Musketiers Emersleben ist man völlig im unklaren. Man nimmt an, daß er geistesgestört war. Der Hauptmann erfreute sich allge­meinen Ansehens, und E. hatte keinen Grund, gegen den Hauptmann irgendwelche Rachegedanken zu hegen. Der Hauptmann hatte E. sogar in seinem Tagebuche zur Beförderung zum Gefreiten vorgemerkt.

London, 29. März. Obwohl noch kein defini­tiver Beschluß der Grubenbesitzer und der Bergleute vor- liegt, nimmt man an, daß der Streik seinem Ende entgegengeht. Bis jetzt haben die Ge­werkschaften 1 034 000 Pfund Streikgelder verausgabt. In den Kassen befinden sich augenblicklich noch 952 000 Mund.

Hus Stadt und Land.

Gießen, den 30. März 1012.

Morgen haben wir Palmsonntag. Die Feier des Palmsonntags ist ein entschieden christliches Fest. An diesem Sonntage finden weit und breit die Konfirmationen statt. Der Freudentag derKon-

Waffen, weU wir sie dazu zwangen. Hätte Frankreich sie nicht herausgefordert, so lebten sie heute ü bin alS unsere Nachbarn."

^Du sprichst, als ob Du ein Sachwalter tu un­dankbaren wärst, Ser uns verließ, um sich in Sie feind- liehen Reihen zu stellen."

Auch Waldemar handelte gezwungen, aber er han­delte als ein Mann von Ehre. Ich kann ihm nicht zür­nen und bete für ihn, als ob bei Sen Unsern stände."

Du betest für ihn? Aber für Sen Bruder betest Du nicht, Ser sich in größere Gefahr begab. Mir bleibt nur Sas Eine, zu beten, daß Olivier gerettet werde."

Bourlier nickte, trübe vor sich hinstarrend.

Wo ist die Tante?" fragte er.

Sie stieg nach der Mansarde hinauf, um ein wenig Umschau zu halten."

Wenn die Frau doch in ihrem Zimmer bleiben möchte," sagte der Vater ärgerlich.Nataly ist von einer Nervosttät, die mich selber nervös macht. Warum reiste sie nur nicht nach Brüssel zurück?"

Du weißt es, Papa, weil sie sich von mir in mei­nem Unglück nicht trennen wollte."

Du bliebst, weil ich nicht mitkam, unS sie blieb, weil Du nicht kamst. Eins wollt, das andere trösten, und schließlich sitzen wir alle in der alle. Herrgott!" rief er aufspringend,wenn ich nicht bUb Nachricht wegen Bazailles erhalte, werde ich noch wahnsinnig!"

Frau von Taranöal kam zitternd die Treppe her­ab. Sie war außer Atem und ließ sich in einen Fauteuil fallen.

Im Kloster der Dominikaner brennt es, in der Rue neuve gleichfalls. Vom Turm der St. Agathe­kapelle hat eine Kugel das halbe Dach fortgerissen,- im Nebenhause legen sie nasse Matratzen aufs Dach. Wenn das so fortgeht, sterbe ich noch vor Furcht."

Das fehlte mir noch," brummte Bourlier,auch noch der Jammer zu meinem Leid."

(Fortsetzung folgt.)