Metzener Zeitung
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Str. 52.
Telephon: Nr. 362.
Samstag, den 29. Juni 1912.
Telephon Nr.: 362.
24. Jahrg.
Mreuzer „Schwaben" vernichtet.
Die „Franks. Nachr." berichten darüber:
«v^ Irüctt* Pf'U ne Nicj> riKhü
Düsseldorf, 28. Junt. I
^ettrn .Sâwaben" stieg heute früh um 6,05 Uhr in $ r a n k- juit a. M., mit 6 Passagieren an Bord
Der Zeppelinkreuzer
* In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Antrag des Königreichs Sachsen wegen Prägung von Denkmünzen aus Anlaß der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig die Zustimmung erteilt. Zugestimmt wurde ferner u. a. den Bestimmungen für die Vornahme einer Viehzählung am 2. Dezember 1912, dem Entwurf einer Ver- ordnung betreffend die Inkraftsetzung der Vorschriften der Reichsversicherungsordnung, dem Entwurf der Aus- führiingsbeftimmungen für die Angestelltenversicherung und der Vorlage betreffend die Uebergangsbestimmun- gen für die Unfallversicherung nach der Reichsversicherungsordnung. — Der Bundesrat war nach dem § 33 des Weingesetzes ermächtigt, im Großherzog tum Luxemburg gewonnene Erzeugnisse des Weinbaues den deutschen gleichzustellen, wenn dort ein dem deutschen Gesetze entsprechendes erlassen würde. Da dies geschehen ist, hat der Bundesrat nunmehr die erwähnte Gleichstellung beschlossen.
* Der König von Preußen hat den Grafen von Ingelheim zum Erzkämmerer des Herzogtums Nassau ernannt.
* Die zweite Verhaftung in der Berliner Spionageangelegenheit des russischen Hauptmanns, Rot stevitsch ist insofern von besonderem Interesse, als sie den russischen Oberleutnant a. D. Nikolski betrifft, der bei der rheinischen Metallwarenfabrik (Ehrhardt) angestellt ist. Nikolski hatte Kostevitsch zu einer Besichtigung der Fabrik eingeladen.
* Die Erweiterung des Kriegshasens H e 1= goland soll nicht den Zwecken der kaiserlichen Marine dienen, sie ist vielmehr als Hasenplatz für die deutschen Handelsschiffe bestimmt.
* Der neue bayerische Geheimerlaß, der sich gegen den Guttempler-Orden richtet, weil dieser auf interkonfessionellem Boden steht und vor dem Eintritt in diesen Orden warnt, trotz des guten Zwecks, der Förderung der Enthaltsamkeit, ist bereits im Abgeordnetenhaus zu München besprochen worden, sodaß an seiner Echtheit nicht mehr zu zweifeln ist.
* Die Verha n d l u n g gegen die preußischen Abgeordneten Leinert und Borchardt wegen der bekannten peinlichen Vorgänge im Abgeordneten - Hause findet am 8. Juli vor der Strafkammer 1 des Landgericht 1 in Berlin statt. Als Zeuge ist von ter Staatsanwaltschaft Abg. Schifferer (natl.) geladen.
wieder als ungefährlich verwundet entlassen werden.
Das Luftschiff war mit 650 000 Mark bei Lloyd in London versichert, so daß der Schaden, den die Delag erleidet, in materieller Hinsicht gering ist. — Das Unglück spielte sich in kaum einer halben Minute ab. Die Passagierkabine und die Motore sind gleichfalls zerstört, das Metall geschmolzen.
Düsseldorf, 28. Juni. Morgen tritt eine Kommission unter dem Grasen Zeppelin zusammen, die die Ursachen der Katastrophe seststellen wird.
-----, ..... - ^]}^^^.. ^vj, zu seiner lahrt^nach Düsseldorf auf, nicht ahnend, daß es seine !hte Fahrt sein sollte. Es war eine glänzende kekor^d fahrt, die die „Schwaben" diesmal zurück- !gtc. In knapp 3% Stunden hatte sie ihr Ziel er- i stchl und es bot einen.eigenartigen Anblick, als die !
Charlotte", der bis heute in Düsseldorf stationierte Par- DalbaHon, ebenfalls ausgestiegen war und jetzt beide pftschifse über der Stadt kreuzten. Zur Ankunft der Lckwaben" und zur Unterstützung bei den Landungs- Leitcu waren 50 Soldaten des 1. Bataillons des Fü- ieiNegimenls zum Landungsplatz abkommandiert worden. Trotz der großen Anzahl der Hilfsmannschaf- N war es^ wegen des heftigen Bodenwindes doch erst flfe eine Stunde nach der Ankunft möglich, das Schiff, ! ^ üe schon so oft, nur vor der Halle zu verankern. Das !
\. >Htc ihm zum Verderben werden. Das Schiff wurde i ; I -
oii den starken Böen auf der Golzheimer Heide I Abfahrt von Danzig erfolgt am Dienstag abend
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bin- und Hergeschüttelt. Da plötzlich, kurz nach 1 11 .tJjj jUfafeté eine heftige Seitenböe den Riesenleib des , Vtw^L'Mlzers, drückte ihn zu Boden und knickte ihn tn ton Remini vorderen Teile. Die Gaszellen entleerten sich binnen. Nid durch die Reibung an den Halleseilen bildeten sich ^ rAul^eu, die das Gas in Brand setzten, eine rie- ,è: ig e S 1 i ch s l a m m e schoß hervor und im Nu stand ist« b W ganze Luftschiff in Hellen Flammen. Da, auf ein- ?b-§!M ein weithin hörbarer Knall und die glühende ^^feuerschlange stürzte mit lautem Krach in sich zusam-
GM«*, nunmehr nur noch einen wüsten Trümmerhaufen Während der Katastrophe hatten die Halle- Mannschaften so viel Geistesgegenwart, sofort vom Luft-
,4.50 Bi Kaltholi! , Ostpr.
fff zurückzuspringen, sich umzuwenden und davon zu
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Politische Rundschau.
Deutschland.
* Berlin, 28. Juni. Der Kaiser trifft voraussichtlich morgen zu einem kurzen Besuch bei der Kaiserin im Neuen Palais bei Potsdam ein. An dem
Programm für die bevorstehende schen Schären wird dadurch, wie nichts geändert.
* Der Kaiser begibt sich
Fahrt nach den F ni- amtlich mitgeteilt wird,
morgen Sonntag von
Riol an Bord der „Hohenzollern" nach Danzig. Die
oder
Mittwoch früh, und zwar wird die „Hohenzollern" mit
dem Kaiser an Bord direkt nach den finischen Schären abdampfen, wo auch die Zusammenkunft mit dem Zaren stattfindet. Nach der Rückkehr aus den Schären begibt sich der Kaiser auf kurze Zeit nach Berlin zurück, um dann am 7. Juli von Swinemünde aus die Nordlandreise anzutreten. Voraussichtlich werden die beiden Kaiser in Baltischport an Land gehen und das Leib - reginient Wiborg besichtigen.
* Berlin, 28. Juni. Anscheinend als Revan-r che für die Festnahme des Kapitäns Kostewitsch hat die russische Regierung jetzt einen deutschen Offizier, den Leutnant Dahm vom Niedersächsischen Feld-Art.- Regiment Nr. 46 in Wolfenbüttel verhaftet in dem Augenblick, als er aus der Rückreise aus Nutzland, wo
tzm. Trotzdem wurden 3 4 Soldaten verletzt
pings nicht schwer, sie erlitten zum größten Teil j er sich studienhalber aushielt, in Alerandrowo die Grenze
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imdwunden am Hinterkopse. Auch einige Zuschauer, In im Augenblick der Katastrophe zu nahe an dem befanden, wurden leicht verbrannt. Ein Unter- ki<r, der sich beim Ausbruch der Erplosion in der Utzgiergondel befand, rettete sich durch einen kühnen hing zur Erde. Leicht verletzt wurde im Gesicht auch k Führer des Luftschiffes, Ingenieur D ö r r, der wie K) ein Wunder dem Tode entgangen ist. Die Ver- ddeten wurden auf bem Platze sogleich verbunden I in dem Wagen der Feuerwehr-Sanitäts-Kolonne Re in Privatautomobilen nach den Krankenhäusern k die Soldaten nach den Lazaretten geschafft, doch mi<n alle Verletzten mit Ausnahme von zwei bald
wieder überschreiten wollte. — Leutnant Dahm hat seinem Regiment sofort in einem Telegramm Mitteilung von seiner Festnahme gemacht. Vom Regiment aus sind sofort bei den zuständigen Stellen die notwendigen Schritte unternommen worden, um eine Freilassung des Verhafteten herbeizuführen. Wie das Regimentsbureau bestätigt, ist Leutnant Dahm nicht auf Kommando in Rußland gewesen, sondern hat einen dreimonatlichen Urlaub genossen, den er dazu benutzen wollte, seine russischen Sprachkenntnisse durch einen Aufenthalt in Rußland zu verbessern. - Das Auswärtige Amt hat sofort die erforderlichen Schritte unternommen, um die Freilassung Dahms zu erreichen.
Ruhland.
* Petersburg. 28. Juni. Der Gerichtshof von Odessa verurteilte den Deutschen Haase wegen Militärspionage zu drei Jahren Gefängnis.
wv.
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
(Nachdruck verboten.)
) W <Mj miß Fräulein Bourlier begleiten und sie sicher ', u • htribtn bringens erbot sich d'Alincourt großmütig. ■ l'tö stehe mit meinem Ehrenwort für (teer
, f «je wollten das? Nun denn, so wrll ich auch die L tzte« Bedenken fallen lassen. Gehen Sie, mein Fräu. « ° m, Sie sind frei. Viel Glück zu Ihrer verzweifelten 8 LötBition Indes — ich habe die Ehre, mich Ihnen S^ ettokbien, Herr Oberstleutnant d'Alincourt. Ich ererbe mir erlauben, Ihnen Ihr Patent nach Orleans
rStt@raf nickte dem Kommissar zu und bot Desiree Arm. Mit kurzen Worten des Dankes schieden sie dcm Militär- und Zivilgcwaltigen und verließen lüitoefotTiten das Stadthaus.
U« I '^,, her Borhalle blieb das Mädchen stehen und Ql i,.?.« dankbar zu dem schönen stolzen Prämie empor. N Ich habe Jt ncn viel abzubitten, Herr Graß" be- k (*n je mit zitternder Stimme. „Sie werden mich ver- • , iuLnnd dennoch erbarmen Sie sich meiner in der
W^ „Abbitten? Etwa, daß Sie mir Ihre HLrzengeschühte * 1 Oerrieten, schöne Desiree?" sprach er lächelnd, ,,-r.as »l^ M^aeu/wäre indiskret gewesen. Erraten habe ich in â igelst Daß Ihr Verlobter ein Deutscher ist, schadet !"^ iM Seilten Samen 6ar nichts. Cb Feind, ob Freund, 'k ianEr ein Ehrenmann sein, da Sie ihn l'-ben und ^WaLe um so mehr die Pflicht, einem, wenn auch feind- uti/14 Ln Kameraden, feine Braut zu erhalten.
„Ji Arje edel Sie sind," sprach das Mädchen leise. „Ich ti^Wee oerabc, baß dieser Umstand Sie mir entfrem, ^2Mrd°e Ich hatte sogar die Absicht, m«h h-.m ch ^^r Alinen in Sicherheit zu bringen, denn ich surfte
1 MM hören, daß Sie mich lieben."
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„Jch liebe Sie h»6i** noch immer, Fmulein Vourkter, und Sie w«dsn M SaS <lvohi eeWIen lassen müssen, obwohl ich t* geerbte et»es Eh»enmar«Bes zu respeMeren weiß. ME Glück, daß m4ch eine ge- wisie Eifersucht so sch«« «Mb so stküy «f b* Beine brachte. So leicht wäre mir tat aWdern Fâ Sh« Befreiung nicht geworben.*
„Einen besseren Bürge« komMe ich wohl Müht finden. Was haben Sie alles M «kürti EntlaituM gefügt ?"
„Daß Blaue vom Himmel NaNer W« Ah erlogen^ scherzte d'Alincourt oNk bte gestatten Gewissensbisse. „Der Herr Gen«aao«»Mm muß denken, daß ich mit Ihrem Vater «nb Herrn Ttcoü mehrere Scheffel Salz gegessen hâ ZMbeHer, tch« fchmeres Geschütz ging es einmal nicht. M«t wollen Mr Lchre» Koffer aus dem Klatschneste Mt»«oe hol«. Sie finden in einem Hotel Unterkunft. Ich be*, öS fürchten sich jetzt Mcht mehr vor mir?"
„Nein, Herr Graf. Ich vertraue Ihnen unbedewk- lich."
Sie verließen das Stadthaus. Es fand sich auch ein Wagen, der sie nach dem Hotel Bourbon brachte.
„Eigentlich ist es doch schade, daß Sie mich nicht lieben können," sagte unterwegs der Graf mit einem schweren Seufzer. „Ich hatte Sie fest in mein Herz geschlossen und träumte von Hochzeit und noch schöneren Dingen. Tas ist nun alles vorbei. Sie werden einen Prus- sien nehmen. Tas mag Ihren patriotischen Papa arg in den Harnisch bringen."
Desiree beichtete nun dem Freunde ihre ganze leid- volle Vergangenheit. Er hörte aufmerksam zu und sagte nur zuweilen: „Schade, schade!"
Desiree fand endlich Gelegenheit, zu Malvezin zu geben Man wußte aber gar nichts von dem Geschäftsfreund, der dort fein Geld niedergelegt hatte und nicht mehr zum Vorschein gekommen war.
Zwei Tage M^r wt ein MUttärrug «Ach Oileaai äbN Jede andere LissMah«verki«dung «ach "bey st» .benHatts^ufgehövt. , Nicht einmal VevßMe«oagen tut* den den Reis«! de» -w »erfAMNO,- Ne OMOme we die Man»schast«r wu*Hx Mit WM- mb TmnMorAW- ae« statt Verdeck voNUb »«-«m» Bei der taltw sch«M- mrslâv Witterung ma» W ew schwere Mittete. Ter Kree tzi-de Tich N aW. 3* WeseMchaft Mm OHta^r^ «Mist -weHMH-M« ftwtt »Nk N, fü«N w eMr JEde des »wM l»*eaN te Graf MlMMe ste wO wich t« ** WMt WN aber er tum* Nw* So« «eratze« MW Ne gtteriw* Worte, bèe tt«Ä*N Flüche «Kirnt eseÄchmmMg wie bk beschMMsend« lüWHte Q8ö*i 0M d«Mkve« OWW«», die t^ rw
letze«
tat tot HM bat ste mitte« ht de« •trapawj^i W stHre« Mcht entbehren konnte. rrvtzbM« «tzR« N J® überaus elend. Fmmer mehr fah ste ein, daß W Widerstandskraft erschöpft hatte. Mit textet klammerte ste sich nur noch an die Hoffnung, den wiederzusehen. Wenn diese fehlschlug —.
„Wie wäre es möglich" sagte sie halblaut zu sich, „er muß leben und sich versöhnen lassen. Was ich getan, kann nicht vergeblich gewesen sein."
In tiefem Weh schlug sie ihre Händchen vor die Augen und schluchzte leise vor sich hin.
„Grübeln Sie nicht, Fräulein Desiree," bat der Graf, der sie wohl beobachtet hatte, „weinest Sie nicht. Es nützt nichts und nimmt Ihnen die Kraft, so tapfer zu sein wie bisher. Nehmen Sie lieber ein Schlückchen von diesem vortrefflichen Lafitte. Auch Sie ziehen in den Kampf, kleine Desiree, stärken Sie sich."
Tesiree schüttelte den Kopf. Ter Graf sah sick von der Seite an. El- war mit ihrem Kräfteverfall sehr unzufrieden.
(FoUletzuu-r folgte