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Druck der Gießener VcrlagSdrnckcrei.

Nr. 17.

Telephon: Nr. 362.

MUtwoch, Den 28. Februar 1912.

Telephon: 9tr. 362. 24. Jahr».

-wt Stadl und Und.

Gießen, den 28. Februar 1912.

n Gießen. Zur Begründung einer Bezirksgruppe Gießen des Bundes Jung-Deutschland fand kürzlich im Sitzungssaal der Stadtverordneten eine Be­sprechung statt, zu der eine größere Anzahl Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, des Regiments, der Geistlichkeit, der Schulen, der gewerblichen Verbände und der Turnerschaft erschienen war. Pros. Dr. Mitter­maier, der von der am 31. Januar in Darmstadt ab­gehaltenen Gründungsversammlung des hessischen Lan­desverbandes mit der Gründung der Bezirksgruppe Gie­ßen, die sich mit dem Kreis Gießen decken soll, betraut worden war, bezeichnete als Aufgabe der Ortsgruppe die Zusammenfassung und Kräftigung aller Vereinigun­gen, die sich auf diesem Gebiete betätigen, Anregung zur Gründung solcher Vereinigungen, wo sie noch fehlen, Abhaltung von Vorträgen und Ausbildungskursen für Turnen, Spiele usw. Es wurde ein Ausschuß gebildet, der die weiteren Vorbereitungen betreiben soll.

n E i e ß e n. In der philosophischen Fakultät habi­litierte sich am letzten Samstag 24. Februar, Lehr- amtsassessor Dr. Albert P e p p l e r mit einer öffentl. Probevorlesung über die Temperaturverhältnisse der freien Atmosphäre nach aerologischen Forschungen.

n Gießen. Zum Nachfolger von Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann in der juristischen Fakultät wurde der a. o. Professor hierselbst Dr. jur. Hans Albrecht Fi­scher als Ordinarius berufen. Fischer ist 1874 zu Schön­berg im Fürstentum Ratzeburg geboren. Am 14. Dezbr. 1903 wurde Fischer a. o. Professor in Rostock als Nach- folger von Pros. Binder und siedelte am 1. Oktober 1909 nach Gießen als etatsmäßiger a. o. Professor und Nach­folger von Prof. Dr. P. Kretschmar über. Fischers spezielles Forschungsgebiet ist die zivilrechtliche Scha­denersatzschuld. Aus diesem Gebiet sind bisher ver­öffentlicht zwei größere Monographien:Der Schaden nach dem V. G. B." (1903) undDie Rechtswidrigkeit mit besonderer Berücksichtigung des Privatrechts". (1911.)

n Gießen. Prof. Dr. med. Erich Opitz, Mit­glied der Akademie für praktische Medizin und Direktor der Frauenklinik in Düsseldorf, hat einen Ruf an die hiesige Universität als Nachfolger von Professor von Franquee erhalten.

n Gießen. Der Rangierer Nagel, der im Bahn­hof zu Hirzenhain verunglückte, ist seinen Verletzungen erlegen.

n Gießen. Das Kalkwerk und die Dampfziegelei A. Gabriel jun. sind durch eine Gesellschaft erworben worden, die sich unter der Firma Kalkwerk und Dampf­ziegelei Abendstern, G. m. b. H., in Gießen gebildet hat. o Gießen. Der Voranschlag des Wasserwerks In­heiden, der in Einnahme und Ausgabe mit 858 500 M. abschließt, sieht einen Reingewinn vvn 201 678 Mark vor, von dem 48 000 Mk. zur Deckung ordentlicher Aus­gaben der Provinz, 50 000 Mk. zu den Betriebskosten des ElektrizitätswerksWölfersheimund der Rest von 103 678 Mk. als außerordentliche Rücklage oder zur verstärkten Tilgung verwendet werden soll. Von Frankfurt sind für Wasserlieserung 798 750 Mk. in Ein­nahme gesetzt. Für das Elektrizitätswerk Wölfers - heim bewilligte der Provinziallandtag einen Nachkredit von 1 100 000 Mk. zu Erweiterungsbauten. Das Geld soll durch eine 4prozentige Provinzialanleihe beschafft werden.

o Hungen. Unsere Stadtverwaltung hat 105 000 Mark zur Erbauung einer sechsklassigen Volksschule mit Schuldienerwohnung und Wohnung für einen Schul­verwalter bewilligt. Im Erdgeschoß des Hauses ist eine Badeanstalt vorgesehen, die der gesamten Bevölkerung in unserer Gemeinde zur Benützung überlassen werden soll.

o Lollar. Brauereibesitzer Göbel in Niedershau­sen verkaufte sein hiesiges Haus (Gasthaus zur Linde) nebst Wirtschaft für 54 000 Mark an den seitherigen Pächter Heinrich Hoffmann.

o Alsfeld. Der Förster des Forsthauses Benge­rode das mitten in dem großen Walde zwischen Gre­benau und Schlitz liegt, wurde in der Nacht gegen drei Uhr von 12 gut bewaffneten Zigeunern unter Drohun­gen zum Oeffnen des Hauses gezwungen. Der Förster mußte ein Reh zubereiten, das die Zigeuner mitgebracht

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hatten, an dem Mahle mit teilnehmen und seinen un­gebetenen Gästen den Fußpfad nach Rimbach zeigen. Nach einer längeren Strecke Weges entließen die Zi­geuner ihren Gastgeber und Führer mit vielem Danke unversehrt, so wird derOffb. Ztg." berichtet.

o Lauterbach. Der Gendarmeriekommandeur Oberst Schmitt aus Darmstadt hat hier Quartier genommen, um die Leitung der gegen die Mörder des Försters Romanus, die Zigeuner Gebrüder Ebender und Reichardt, unternommenen Aktion zu übernehmen.

41 Fuß- und 6 berittene Gendarmen sind aus dem Eroßherzogtum zusammengezogen worden, außerdem sind alle Erenzorte mit 4 und mehr Beamten besetzt. Trotzdem wagt sich kein Mensch mehr in die Wälder. Die Frau des Ebender, sowie mehrere andere Weiber sind bereits verhaftet. Auf die Ergreifung der Mörder hat der Regierungspräsident in Kassel 1000 Mark aus­gesetzt. Zur Verfolgung der Zigeuner hat sich auch ein freiwilliges Försterkorps gebildet. End­lich haben sich kleinere Abteilungen von Kriegervereinen und Feuerwehrleuten bewaffnet. Aus diese Weise soll der ganze Kreis Fulda und ein Teil des Kreises Schlüch­tern durchstreift werden. Drei Zigeuner überfielen in der Nacht zum 26. Februar eine Fabrikanlage bei Hünfeld und räumten den ganzen Geflügelhof aus. Einige Zi­geuner sind bereits gefangen, doch gelang es bisher nicht, die Haupttäter, die Gebrüder Ebender, festzuneh- men. Vom Marburger Jägerbataillon sind 40 Mann unter dem Kommando eines Oberleutnant nach Fulda zum gleichen Zweck kommandiert.

o Friedberg. In diesem Jahre sind aus dem Friedberger Lehrer-Seminar 50 Seminaristen entlassen worden.

o Offenbach. Die Stadtverordneten haben der Umwandlung des Elektrizitätswerkes in eine Ueberland- zentrale zugestimmt.

):( Wiesbaden. Johann Jakob Söhnlein, der Gründer und frühere langjährige Chef der Rheingold Söhnlein & Co., Rheingauer Schaumweinkellerei A.-G., ist im 85. Lebensjahre gestorben.

):( Krofdorf. Die 70jährige Jubelfeier des Ge­sangvereinsGermania" ist nun endgültig auf den 28. und 29. Juli ds. Js. festgesetzt. Außerdem wird der Feier der erste Bundeswettstreit des D ü n s b e r g- Sängerbundes, welcher im vorigen Jahre ge­gründet, angegliedert. Von den 6 Vereinen des Bun­des fallen 5 auf den Hinlerlandbezirk. Die Einladun- gen an Gastvereine ergehen in den ersten Tagen.

):( Krofdorf. Am 25. August v. Js. wurde bei dem Metzger und Gastwirt H. Fr. eine Probe seines Preßkopfes entnommen und in dem Nahrungsmittelun­tersuchungsamt Bonn untersucht. Hier stellte es sich her­aus, daß die Probe über 7 Prozent Mehl enthielt. Die Eheleute Fr. wurden angezeigt und erhielten je15Mk., und der Metzgergeselle Sch. 10 Mk. Geldstrafe.

):( Ehringshausen. Herr Apothekenbesitzer Schnelle hierselbst ist auf eine weitere sechsjährige Amts- dauer zum Beigeordneten der Bürgermeisterei Aßlar ernannt worden.

):( Frankfurt. Der Abschluß derAdler- werke" vorm. Heinrich Kleyer A.-G. 1910-11 weist einen Reingewinn auf von 3 522 068 Mark (gegen 2 841 162 Mk. im Vorjahre). Der Aufsichtsrat hat be­schlossen, die Verteilung einer Dividende von 30 Proz. wie im Vorjahre auf die alten Aktien und von 15 Pro­zent auf die jungen vorzuschlagen.

):( Wiesbaden. Die Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime hat in ihrer letzten Ple­narsitzung die Errichtung von zwei weiteren Heimen beschlossen, davon eins an der O st s e e und eins im Taunus.

Gute Gesundheit und neues Leben für Geschwächte.

Gute Gesundheit ist das Geburtsrecht eines Jeden- Würden wir leben wie eS die Natur verlangt, so würden wir uns immer guter Gesundheit erfreuen und ein hohes Alter erreichen. Aber die Anforderungen an unsere gebens4 tast die Anspannung unserer Aerven, die Geschaftssorgev, die schlechte Luft, die man in großen Städten einatmet, unter­minieren unsere Gesundheit und reduzieren uns zu physischer und geistiger Schwäche, Alutarmut, Depression, Schlaflosigkeit, Schwäche, Aeroen^errbttung sind die Folgen. Ein zeitiger Gebrauch von Leciferrin wird die Kräfte wieder heben, die zerrütteten Nerven auffrischen und neue Lebenslust und Energie werden eintreten. Leciferin Ist unumgänglich notwendig bei unserer jetzigen Lebens­weise und wird allenthalben gepriesen und verordnet.

Preis W. 3., in Apotheken zu haben, sicher von: UniversitätS-Apotheke unb Hirsch - Apotheke in Gießen.

):( Worms. Die Angehörigen eines seit Jahren verstorbenen hiesigen Kaufmanns erhielten einen Wert­brief aus Amerika mit annähernd 5000 Dollar Inhalt von einem Deutschen aus Amerika, der vor über zwan­zig Jahren Kommis im Geschäfte des Kaufmanns ge­wesen und ihm die Summe von 800 Mark unterschla­gen habe.

):( Kassel. Die deutsch-soziale Partei hat gegen die Wahl des Abg. Hüttmann beim Reichstage Protest eingelegt mit der Begründung, daß der Jnn- ungsausschuß in Kassel, dem 2500 Handwerksmeister angehören, seine Mitglieder verpflichtet hat, für den na- tionalliberalen Kandidaten einzutreten. Dies Vorgehen sei ein ungesetzliches und habe bewirkt, daß schließlich der Sozialdemokrat gewählt sei.

):( Kreuznach. Dieser Tage wurde hier in der Rudolfhöhle in der Nähe des Kurparks ein Queck­silberbergwerk entdeckt. Kreuznach wird der erste und einzige Ort Deutschlands sein, in dem das Radium als Substanz gewonnen werden kann.

s Darm st ad t. Landgerichtsdirektor Wilhelm Zimmermann ist im Alter von 61 Jahren gestor­ben. Er war als Sohn des Hofgerichtsdirektors Fried­rich Zimmermann in Gießen geboren, studierte in Gie­ßen, nahm am Krieg 1870-71 teil und legte 1872 die erste, 1874 die zweite Prüfung ab.

Sozialpolitisches.

In Anbetracht der bald eintretenden Kohlen- Preiserhöhung ist die Veröffentlichung nachfol- gender Zeilen wobl von Interesse:

In der sozialdemokratischen Arbeiterpresse ist wieder­holt behauptet worden, die Entwickelung der Bergarbei­terlöhne habe mit der Besserung der wirtschaftlichen Ver­hältnisse in der Kohlenindustrie nicht gleichen Schritt ge­halten. Die Kohlenzechen erzielten glänzende Betriebs - ergebnisse, während den Arbeitern eine entsprechende Aufbesserung der Löhne vorenthalten werde. Demgegen- über wird in einer aus bergbaulichen Kreisen stammen­den Zuschrift daraus hingewiesen, daß der Ertrag der meisten reinen Kohlenzechen im letzten Jahre eine Ein­buße erlitten hat, während die Löhne erhöht worden sind. Von insgesamt 33 dieser Gesellschaften bezw. Ge­werkschaften wurde im Jahre 1911 ein Gesamtüberschuß von 75 784 Millionen Mark gegenüber 75 758 Millio­nen im vorhergehenden Jahre erzielt. 8 Werke gatten ungefähr die gleichen Ueberschüsse wie im Jahre 1910 auszuweisen, 11 Werke konnten den Ueberschuß um mehr als 5 Prozent erhöhen, während 1 4 Werke einen Rückgang desVetriebsgewinnesummehr als 5 Prozent zu verzeichnen haben. Dagegen sind vom 1. Quartal 1910 bis zum 4. Quartal 1911 die Ge­samtdurchschnittslöhne von Mk. 4,48 auf 4,75 oder um 27 Pfg. und die Hauerlöhne von 5,29 auf 5,63 oder um 34 Pfg. für die Schicht gestiegen. Der Jahresdurch­schnittslohn aller Bergarbeiter hat eine Erhöhung von Mk. 4,54 im Jahre 1910 auf 4,69 in 1911 erfahren.

laben sich seit 40 Jahren als Cindernahrung so vortrefflich gewährt, weil die Fabrikation nach wissenschaftlich bewähr­

ten Grundsätzen erfolgt.

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