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Druck der Gießener Vcrlagsdrnckerci.
Wr. 60
Telephon: Nr. 362.
Samstag, Den 27. Juli 1912
Telephon Nr.: 862.
24. Jahrg
I Politische Rundschau.
Deutschland.
• Der Kaiser befindet sich immer noch in Bal- Holmon-Balestrand; er hörte daselbst am Mittwoch vor- mtrtao an Bord der „Hohenzollern" einen längeren Vor- Kag des Generalstabschess v. Moltke und gegen Abend eitlen neuen kriegsgeschichtlichen Vortrag des Generals D. Dickhuth über die Zeit nach der Schlacht bei Leipzig. Ter Monarch erfreut sich fortgesetzt des besten Wohl - stins.
• Die Vorarbeiten zum Reichstag sol- Itii laut „Voss. Ztg." so beschleunigt werden, daß der klat dem Hause sofort bei dessen Zusammentritt zugehen uni) trotz des frühen Ostertermins noch rechtzeitig er- lebigt werden kann.
* Staatssekretär K a e 1 k e soll sich einer Nachrichtenstelle zufolge mit der Absicht tragen, im Mai oder Zuni nächsten Jahres nach Verabschiedung der Post- jihteforbnung und des Postetats seinen Abschied zu «thuen und eine Weltreise anzutreten.
• Dresden, 26. Juli. Justizminister v. O 11 o, Vorsitzender des Staatsministeriums, ist heute mittag nach kurzem Leiden gestorben.
* H a m b u r g, 26. Juli. Die Vulkanwerke in Hamburg und Stettin erhielten vor etwa 8 Tagen von hr griechischen Marine einen Auftrag auf 8 H o ch - scetorpedoboote. Gestern ibeschloß der Mini- sltlrat in Athen, der gleichen deutschen Werft einen Auftrag aus einen Panzerkreuzer zu erteilen. An- lâ'glidi dieses im internationalen Wettbewerbes errunge- ncn Erfolges wurde die Werft durch eine k a i s e r - lidi e Kundgebung ausgezeichnet: „Vulkan sage id) herzlichsten und aufrichtigen Glückwunsch zu dem iiwblvcrbicnten schönen Erfolge, auf den die gesamte Deutsche Industrie mit Stolz und Freude blicken darf.
1. Rußland verpflichtet sich, die Mongolei gegen von anderen Staaten erhobenen Ansprüchen, die von der Mongolei als ungerechtfertigt bezeichnet werden, zu schützen; 2. Die Mongolei verpflichtet sich, Anleihen nur in Rußland auszunehmen; 3. Rußland erhält das Vorzugsrecht, die Ausbeute der mongolischen Bergwerke vorzunehmen; 4. Die Mongolei verpflichtet sich, keinem anderen Staate als Rußland Konzessionen für den Bau von Eisenbahnen zu gewähren; 5. Die Einmischung Chinas in die Selbständigkeit der Mongolei wird als unzulässig erklärt, und Rußland hat die Verpflichtung, die Mongolei gegen etwaige Ueberfälle von chinesischer Seite zu schützen. Ob die Meldung richtig ist?
Japan.
* Tokio, 25. Juli. Der Zustand des Kaisers wird im Palais als sehr ernst angesehen. Der Kaiser ist erschöpfter, seine Kräfte sind gesunken, das Allgemeinbefinden ist unbefriedigend.
Portugal.
■ * Erkönig Manuel von Portugal ist in=
in Kristiania eingetroffen. Es heißt, daß er [ eifennunß- DPabsichtige, eine Nordlandfahrt zu unternehmen.
zu unternehmen.
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Ruhland.
* Moskau, 26. Juli. Die „Rußkoje Slowo
ftroffentlicht die Nachricht, daß zwischen der russischen egierung und der Mongolei ein Vertrag abge - lassen worden ist, dessen Hauptpunkte folgende seien:
Sozialdemokratische „Ratgeber".
Man schreibt uns:
Wenn die Arbeiter glauben, daß ihnen von Behörden oder Arbeitgebern Unrecht geschehen sei, so wenden sie sich häufig an die sozialdemokratischen'Zeitungen oder die Angestellten der sozialdemokratischen Verbände, weil sie der Ansicht sind, bei diesen eine wirk - same Vertretung ihrer Interessen zu finden. Daß aber diese Ratgeber in Rechtsangelegenheiten äußerst mangelhafte Kenntnisse besitzen, hat schon mancher Arbeiter zu seinem Schaden erfahren müssen. Einen Beweis hierfür lieferte jüngst auch wieder die sozialdemokratische „Niederrheinische Arbeiter-Zeitung" in Duisburg in einem in Nr. 133 veröffentlichten Artikel, der den Zweck hatte, den Arbeitern die „nützliche Tätigkeit" des sozialdemokratischen Arbeitersekretariats zu zeigen. Es wurde milge- tcilt, daß einem auf Zeche „Deutscher Kaiser" in Hamborn beschäftigten Arbeiter, der bis 1906 auf der Zeche „Rheinpreußen" gearbeitet hatte, für rückständige Knappschaftsgefälle 8 Mark eingehalten worden seien. Der Arbeiter habe sich an das sozialdemokratische Arbeitersekre- tariat gewandt, das ihn mit dem Auftrage zur Zeche geschickt habe, sich die Nummer des Psändungsbeschlus- ses aushändigen zu lassen; gegen Quittung habe er dann die zu Unrecht gekürzten 8 Mk. zurückerhallen. Höhnisch fügt das Blatt hinzu: „Wenn die Zeche nach den Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches gehandelt hätte, wonach Beiträge, Eintrittsgelder und Ordnungsstrafen nach 2 Jahren verjähren, so wäre sie von
der Rückzahlung verschon: geblieben." Die Verwaltung des Knappschaftsvereins der Zeche „Rheinpreuhen" erklärt hierzu in einer Berichtigung, Nr. 163 vom 17. Juli, daß cs sich bei den: geforderten Betrage nicht um Knappschaftsbeiträge, sondern um die Anerkennungsgebühren für eine Rückversicherung des Mannes handle. Dieser war bis 30. Juni 1906 Mitglied der Pensions- lassc des Knappschaftsvereins Rheinpreuhen. 5 Monate später, am 6. Dezember 1906, nahm er aber erst die Arbeit auf einer Zeche im Bezirk des Allgemeinen Knappschaftsvereins in Bochum wieder auf. Obwohl nun die bis zum 30. Juni 1906 erworbene Mitglied - schaft durch die Unterbrechung der Bergarbeit erloschen war, hat der Knappschaftsverein Rheinpreußen doch im Interesse des Mannes seine nachträgliche Rückversicherung ausgesprochen, als der Knappschaftsverein in Bochum dies am 24. Februar 1911 beantragte. Selbstverständliche Voraussetzung war dabei jedoch, daß der Arbeiter für die Zeit der Arbeitsunterbrechung die satzungsmäßigen Anerkennungsgebühren zahlte. Die Einbehaltung des Betrages ist mithin einzig und allein im Interesse des Mannes erfolgt. Da nun aber der Arbeiter die Zahlung, die nur freiwillig erfolgen konnte, infolge des ihm von dem sozialdemokratischen Arbeiter - sekrelariate gegebenen Rats weigert, so geht ihm, wenn er sich nicht noch nachträglich eines Besseren besinnt, ein Dienstalter von 6% Jahren verloren. Für die Pensionsbezüge würde das einem Ausfall von etwa 12,50 Mark für den Monat entsprechen. Hätte sich der Arbeiter, wenn ihn: die Sachlage nicht verständlich war, an die Werksverwaltung oder die Verwaltung des Knappschaftsvereins mit der Bitte um Aufklärung gewandt, so würde ihm diese selbstredend sofort erteilt worden sein. Es zeigt sich hier wieder, wie leichtfertig die Arbeiter von ihren sozialdemokratischen „Freunden" beraten werden.
Aus SL’dt uttd Cand.
Gießen, 27. Juli 1912.
* Landwirtschaftskammer. In der gest- rigen Vorstandssitzung wurde auch betont, daß man dem Ausbau einesZuchtviehmarktes in Gießen nach wie vor sympathisch gegenüberstehe und sollen in der Sache die Wünsche der Kammer der Großh. Regierung unterbreitet werden. Die in U l r i ch st e i n ausgebrochene Maul- und Klauenseuche soll auf Einschleppung von einem preußischen Viehmarkt zurückzu- führen sein. Die Landwirtschaftskammer wird dieser - halb wiederholt bei Großh. Ministerium vorstellig
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
(Nachdruck verboten.)
H „Das wäre — des Teufels," wollte Olivier jagen,
lUMMW b'll Wer er verschluckte das Wort, das nicht kindlich geklun- i H« hätte. „Also abgemacht. In acht Tagen denke ich
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rnsportfähig zu sein, dann siedeln wir nach Bazeilles r. Wissen Sie, mit den Beinen geht es schon. Hätte nur den schiefen Knochen ein zweites Mal gebrochen, wäre vielleicht wieder gerade geworden, aber der ge- e mußte daran glauben und der rechte Arm. Ich n noch heute nicht die Feder haltem Madelon ist in Schreiber und mein Wärter. Machen Sie nur statten, den Pumarquet tot zu erklären, daß unsere
chzeit vor sich gehen kanm"
„Alles nach Ihrem Wunsch," nickte Devereux, indem fab.®ar«an(K sich mit einem bewundernden Blick auf Madelon er- i „Ich werde die Handwerker fenden, das Geld er-
und die Aufrufe erlassen. Die Vermögensforma-^ ' èrten erledigen wir wohl auf der Villa, denn ich nehme
, daß Sie sich nichts in Sedan sehen lassen wollen."
„Gewiß nicht. Ich mag daZ^ zerschossene' Neft nicht »r Augen haben, so lange die bajuvarische Besatzung krin liegt. Hier draußen merkt man die Einnahme W so. Sapristi, daß ich nichts dazu tun kann, die üâe aus dem Lande zu jagem"
„Nun, das wird auch ohne Ihr Zutun geschehen," Oe der alte Chauvinist. „Bei Orleans bereiten sich lwche Dinge vor. Die Armee von Paris wacht einen usfall. Bourbaki mit seinem Korps dringt von Süden vr und die Unseren zerquetschten die Prussiens wie einen Wurm, der zwischen Walzen gerät, zu Brei, zu
Ja, das muß gehen," lachte Olivier, die Hände
reibend. „Und was nach Deutschland will, schneiden wir ab und schlagen tot, was wir erreichen können."
„Rege Dich nicht auf," bat Madelone den Patienten, dessen Augen wie die eines Wahnsinnigen aufleuchteten. „Du darfst ja doch nicht dabei sein. Ich leide es nicht, und der Doktor Hats verboten."
„Und mein lahmes Bein," lachte der ehemalige Franktireur, in dem' sich wieder die Kriegslust regte. „Aber ich weiß schon, was ich tue, sobald das Geld flüssig wird."
Devereux verabschiedete sich und kehrte nach der Stadt zurück, wo er alle Aufträge mit Vorsicht und Verschwiegenheit ausführte. Galt es doch, die Behörden nicht auf eine larrdbekannte Persönlichkeit aufmerksam zu machen.
Der alte Laurence, der Hüter der Villa, war außer sich vor Freude, als die Handwerker kamen und er hörte, Herr Bourlier kehre wieder zurück. Daß dieser Bour- Uer der totgeglaubte Olivier war, stimmte sein Entzücken ein wenig herab. Aber immerhin fin^ das neue Jahr gut an, denn gerade am Silvestertage trug man ben^Exleutnant in das Haus seines Vaters.
Ein wenig kam der Alte von seiner guten Meinung zurück, als um Mitternacht die Gläser Madelons und Oliviers, der Vater und Schwester verloren hatte, im hellerleuchteten Salon fröhlich Hangern
„Es ist nicht in, wie es sein soll," meinte er kopfschüttelnd. „Bei Herzlosigkeft kommt bald das Unglück hinterdrein. Der junge Herr hätte in Vadelincourt bleiben sollem"
Er hatte Recht. Die beiden Schloßbewohner blieben nicht lange allein Bald stellten sich Gäste aller Art enr. Zuerst kamen dem Anscheine nach ehrsame Bürger, die sich aber nicht scheuten, einzelne Prussiens aus dem Hinterhalte zu überfallen und ihnen den Garaus zu machen, dann lichtstl nes Volk, das unter der Maske
der Franktireurs die Landstraße unsicher machte, und alle sanden Unterschlupf und Unterstützung bei dem ehemaligen Lancierleutnant, der sich so an die Spitze ber aufrührerischen Bewegung stellte, ohne selbst das Haus zu verlassen. Ter Umstand, daß in der Villa früher ein segensreiches Lazarett gewesen war, schützte Olivier vor Nachforschungen.
Als Tyrolts Briefwechsel mit Desiree plötzlich unterbrochen wurde, wandte sich dieser naturgemäß an Frau von Tarandal um Aufklärung. Aber es dauerte lange, ehe er den Grund erfahren konnte, und die Nachricht, daß sich das Mädchen auf einem Dampfer nach Bordeaux begeben habe und dort verschollen war, erfüllte ihn mit unaussprechlichem Kummer und wahlberechtigtem Schmerze. Dennoch ließ er sich durch die Trauernachricht nicht beugen. Noch hoffte er auf Briefe aus Südfrankreich, wohin sie sich allein gewandt haben konnte^ Briefe, welche ihm ihre glückliche Ankunft, das Auffin- den Bourliers und die erhoffte Versöhnung melden würden. Doch jede Nachricht blieb aus. Woche unk Woche verging in steter Besorgnis zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Trotzdem schritt Waldemars Gene-' sung vorwärts. Endlich hielt er die Tatenlosigkeit nicht mehr aus. Zur Kräftigung seiner Gesundheit erbat er sich einen einmonatlichen Urlaub, und dieser wurde ihm von dem Generalkommando bereitwilligst gewährt. Abermals nahm er Abschied von den Eltern, in deren Hause er die Heilung seiner Wunden abgewartet hatte. Von ihren Segenswünschen begleitet, zog er abermals in die Welt, wie einst zum Kampfe, denn er verheimlichte sich keineswegs, daß er bei der Nachsuche in Feiuè desland ernstlichen Gefahren entgegengehe.
(Fortsetzung folgte