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H I ^k (Neueste Nachrichten) ^u«(««ickcncr Tageblatt)

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Druck bot Gießener V^rlaesd ucker- i.

Telephon: Nr. 362.

Lamskag, den 25. Mai 1912.

Telephon Wr.: ^2.

24. Iavre

Pfingsten.

'Run schmücket mit Maien die Tür und das Haus, Willi pflücket den Flieder zum duftenden Strauß !

' Run eilt in die Wälder, die Gärten und Au'n, Dtn Frühling in feiner Vollendung zu fchau'n!

erfüllt die Hoffnung der sehnenden Brust, '>nn alles ist Schönheit und alles ist Lust;

»Es jauchzt in den Zweigen, es prangt in der Flur, öffnet die Sinne dem Geist der Natur ;

Dit Bögel, sie singen's von jeglichem Baum:

Zhr Herzen, ihr Seelen, der Hoffnung gebt Raum! Die Blüten, die Dolden, sie duften's euch zu: Erzogt nicht, auf Stürme folgt Frieden und Ruh !

«s siegte der Lenz nach erbittertem Streit, Am glänzt hold die Erde im Brautgeschmeid', Sie vermählt sich dem Frühling zur festlichen Slund'. Die Sonn' ist der Priester, sie segnet den Bund !

Dnmi freut euch ihr Menschen, im wechselnden Spiel Des Lebens winkt euch das köstlichste Ziel!

Nock Sorgen und Stürmen erblüht euch der Mai, Sie Tage der Rosen, sie kommen herbei !

dem Ruf: Es gibt kein Gesetz, es lebe die Revolution! Aus den Straßen befanden sich ungefähr 50 000 Arbei­ter und 10 000 Soldaten und Polizisten. Am Mittag wurde versügt, daß nötigenfalls die ganze Garnison zur Wiederherstellung der Ordnung ausrücken soll. Zum I Ministerrat, der 12% Uhr begann, wurde auch der

Oberstadlhauptmann zugezogen. 140 Personen wurden verhaftet. Die Zahl der Verwundeten wird sehr ver­schieden angegeben; sie schwankt zwischen 70 und 200. Die Polizei gibt 4 Todesfälle und 81 schwere Verletz­ungen zu. Die Krawalle dauern fort, jedoch mehr in den entlegenen Stadtteilen. Das Gaswerk machte die größten Anstrengungen, um wenigstens einen Teil der ausgerissenen Gaslampen wieder uuszustellen, damit Pest nicht ohne Beleuchtung bleibt. Es heißt, daß von 5 Uhr ab der Belagerungszustand über Pest verhängt werden wird. Die Demonstra­tionen dauerten den ganzen Tag in großem Umfange fort. Die Stadt gewinnt das Aussehen eines Feldla­gers. da zahlreiche Abteilungen Militär an verschiedenen Punkten ausgestellt sind. Im Abgeordnetenhaus for­derten die oppositionellen Redner mit Rücksicht auf die Demonstrationen die Aushebung der Sitzung. Der Prä­sident Tisza erklärte, man müsse weiter arbeiten, das

liwsenunruben in Ocsterr.-Ungarn

' In den Straßen von Budapest tobten ror- fhn blutige Strahen kämpfe, bei denen es riet Anzahl Tote und viele Verwundete gege­bn }qL Den Anlaß der Unruhen bildet der von der i- ^v^ organisierte Massenstreik, der aus An-

O Berlin s mL^ der Wahlrechtsreform begonnen war. Die Polizei °" T^^^ die Zahl der K u n d g e b e r auf 5 00 00.

Parlament dürfe sich nicht wie ein Weib gebärden.

* B u d a p e st, 24. Mai. Um wurden Flugblätter verteilt, in denen mokratische Parteileitung

hysterisches alles

10 Uhr abends die s o z i a l d e - ankündigt, daß

der Streik mit dem gestrigen Tage sein Ende gefunden habe.

' erste Zusammenstoß erfolgte vormittags. Dabei ga= Än . 1 n _u Arbeiter etwa 70 Schüsse ab. Die Polizei erwiderte k l/UngWIK jener. Am Freiheitsplatz fanden mehrere Attacken id ^cken. itt: Tie Menge floh und zertrümmerte die Fenster - iben, Anlagen und die Straßenlaternen. Aus meh- ren Linien wurde die Einstellung des Straßenbahn - ---------- erzwungen. Auf den Straßen standen über beschädigte Wagen. In der Waiznergasse bemäch- ( itc ! sich die Menge der Wasserleitung und richtete Was- p|ti :ü'en auf vorübergehende Geistliche. An der Ecke ' und Fischmannsaasse wurden aus umge-

Lastwagen eine Barrikade errichtet. Alle Ge- UstMN totoW haben ihre Läden geschlossen. Unzählige Fenster- * -.peil eil finb zertrümmert. In mehreren Stadtteilen fan- per Pfund .rr Hmliche Straßenkämpse statt. Stellenweise war l^slü^Isi.Wlc s Menge stärker als das Militär. Gegen Mittag nah- eine gefährliche Wendung. Es , âl^^^' ^ die Führer die Herrschaft über die Massen

HnW SlCW'rfcten hatten. Arbeiter durchzogen d^ c^t^ mit 2 10 Stück 68 Pfg ^^ .

Politische Rundschau

Deutschland.

* Kaiser Wilhelm traf vorgestern früh 8% Uhr im Sonderzug in Hamburg ein und begab sich sogleich nach der Vulkanwerft, um dort an dem Sta- p c 11 a u f des größten Dampfer der Welt, desI m - perat 0 r s", teilzunehmen. Der Kaiser fuhr mit dem Bürgermeister Burchard im offenen Staatsautomobil vom Bahnhof nach den Landungsbrücken, auf dem ganzen Wege von einem zahlreichen Publikum freudig begrüßt. An der Landungsbrücke im Hafen hatten sich Herzog Albrecht von Württemberg und der Chef der Hochseeftotte Admiral von Holtzendorff eingefunden. Dann wurde der Staatsdampfer bestiegen und begleitet von einem nach Hamburg beorderten Torpedoboote, wurde die Fahrt zur Vulkanwerft zum Stapellaus des Imperator" angetreten. DerImperator" ist um 9.45 , Uhr glücklich von Stapel gelaufen; nachdem Bürgermei- | ster Burchard die Taufrede gehalten, taufte der Kaiser

mpfikbll

Unter »Waiden.

Roman von Karl Mattbtas.

(Nachdruck verboten.)

6 g Ahr. Elritb

^kaiMllc": Hm bürste Laurence Den Wagen aus dem Schup-

MffldtüW 1L ^^ it :Men und zur Fahrt nach Sedan zurechtmachen. '------------- l6 chm gelmlgen war, eht Rotz aufzutreweu, wur-

tt ©in die Schlüssel des Herrenhauses übergeben, und kutschierte die Damen nach der Stadt.

frier besorgte ihnen Herr Prevendaux die nötigen , Ä m W ^Wn unc über die Grenze zu kommen, und den fol- '.^ten-Stammemw ^erMg Tag jpgren die Damen auf dem Wege nach ast M ...

Xer die Bahnverbindungen sowohl nach Süden wie

AlsfeldiV^^ach »Norden unterbrochen waren, fuhren sie nach Lib- ^^^^^Ranumt mit einem Wagen. Ohne Fährnisse gelangten 1® bie Lüttich-Luxemburger Fahrstrecke. Als die

>8tstIM MW nie Ponte die französische Grenze hinter sich hatte, um- 9 Pfd. Hef. ^Tme-t sie Desiree mit einemGelobt sei Gott!" und °Sfei N^. Mm einen Eid, nicht mehr in ihr Vaterland zurück- Pr üe ufetren, bis dort und in ihrem Herzen der Friede ein-

XVL

I Nachdem Gambetta tn dem Korbe eines Lustballons fjkÜÄlich aus dem belagerten Paris entkommen und in gelandet war, übernahm er das Kriegsministe- Uhnmimb die Verteidigung des Landes. L^ieg bis aufs I Refflt, hieß die Parole, welche er ausgegeben hatte, und itneh geschickten Manifesten beugte fiel) ganz Frankreich. - Vc ree c Armee des Kaiserreichs war gefangen der getötec. Um den Boden des gedemütigten ^rank- ^g^ von der Invasion zu befreien, galt es, neue Sil^?kreMüfte zu schaffen. Da bis zur Stunde die Emrich- ,mi;M Loskaufs und die Stellvertretung m Frank- eich' 'gegolten hatte, war an Menschenmaterial durch- »

neuen Truppen mit den vorhandenen Waffen und Mon- turen aus, wo diese nicht ausreichten, traten Privat- werkstätten in die Bresche. Es Herrschte ein fieberhafter Eifer unter den Lieferanten, bedeutete doch die Aus­rüstung der neuen Bataillone, Eskadrons und Batte­rien die Befreiung des Handels von der alles hindern­den Invasion. , -

So mangelte es den neuen Korps an nichts als an OffizierKr, man nahm sie, wo man sie land.

In Gesellschaft eines Kompaniechefs der alten kai­serlichen Arnlee erschien auf dem Werbebureau zu Tours ein Mann von stattlicher Figur mit seltsam ste­chenden Augen. Seine Haltung war nicht militärisch, aber sein Gang fest und sein Nacken ungebeugt. Er mochte in der Mitte der vierziger Jahre stehen. Das Haupthaar, welches kurz geschoren war, war ergraut; der Bart schien wie mit Asche bestreut,' nur die buschigen Augenbrauen zeigten tiefes Schwarz. Dieser Mann trat scheu in das Bureau ein, in welchem die Offiziere der neuen Armee placiert wurden, und schob sich hinter den jüngeren Kompaniechef.

Monsieur de Soumis," redete letzterer den Kriegskommissar von Gambettas und der Republik Gnaden an, welcher eben die Matrikel eines blutjungen Kadetten prüfte, der zum Fähnrich ernannt war,er­lauben Sie einem aUen Kameraden, Ihnen die Hand zu drücken."

Der Kommissar blickte erstaunt auf. Er lies; den Fähnrich zurücktreten und streckte dem Sprecher die Rechte entgegen. . . .

^remllou, alter Freuno, ist es denn möglich," ries er mit Wärme.Gehörten Sie nicht zum 101. Regi­ment, das mit Sack und Pack in die Kriegsgefangen­schaft wanderte? Ich glaubte Sie tot oder eingesperrt in Preußen."

Leider war ich auf dem Wege dahin" entgegnete der Kapitän mit theatralischem Pathos,^t dem ge-

das Schiff mit den Worten: Ich taufe dichImperator". Der Kaiser reiste am Nachmittag nach Wildpark zurück.

* München. Der Prinzregent von Bayern hat den Stadtpfarrer von St. Elisabeth in Nürnberg, Dekan Hauck, zum Erzbischof von Bamberg ernannt.

! * Zur Deckung der W e h r v o r l a g e n hat der

Kompromißantrag Bassermann-Erzberger b^anntlich die Vorlage einer Besitzsteuer gefordert, worunter ^ Ver­mögens- oder Nachlaßsteuer verstanden werden soll, während die Freisinnigen direkt die erweiterte Erban­fallsteuer forderten. Da beide Anträge vom Reichs- ! tag angenommen wurden, so besteht ein offener 1 Widerspruch, denn der erste läßt der Regierung die Wahl I zwischen den verschiedenen Besitzsteuern, der zweite be- I schränkt sic auf die Erbanfallsteuer. Die Worte vom Re- I gierungstisch liehen die Frage offen, zu welchen Besitz- i steuern man greifen wird. Und um diese Frage wird ! NUN in der nächsten Zeit sich wesentlich der Streit drehen. ; s Darmstadt. Der Finanzausschuh der ; Zweiten hessischen Kammer setzte vorgestern seine ge- : meinsame Beratung mit der Regierung über die B e - ! amten- und Lehrerbesoldungsreform ! fort. Es wurde wiederum eingehend über die Aus - bringung der Deckungsmittel, Urkundenstempel, Beteilig­ung der Gemeinden an den Lehreimehrausgaben ver­handelt, wobei allseitig das Bestreben zu einer baldigen endgültigen Verständigung zu Tage trat. Da jedoch seitens der Regierung noch verschiedene nähere/ Aufschlüsse der ganzen Situation vorgelegt werden sollen, konnte irgend eine bestimmte Entscheidung über die einzelnen Positionen noch nicht getroffen werden. Die in weiten Kreisen gehegte Hoffnung, daß der Ausschuß noch vor dem Pfingstfest mit bestimmten Beschlüssen hinsichtlich der Gehaltsaufbesserung an die Oeffentlichkeit treten würde, hat sich also nicht erfüllt. Der Ausschuß wird seine Beratungen am Dienstag, den 4. Juni, fortsetzen.

* Berlin, 24. Mai. Als Nachfolger des Bot­schafters in Konstantinopel, Frhrn. Marschall v. Bieber­stein, ist der Gesandte in Athen, Frhr. v. Wangen­heim, in Aussicht genommen.

* Hannover, 23. Mai. In hiesigen politi­schen Kreisen ist es allgemein mit Genugtuung ausge­nommen worden, dah der Kaiser nach Erhalt der Todesnachricht durch das Herzogspaar von Cumberland sofort seine beiden Söhne, die Prinzen Eitel Friedrich und August Wilhelm, als seine Vertreter an der Trau­erfeier in Rakel bestimmte und ferner Befehl gab, dah die Rathenower Husaren, sowie eine Abordnung des Neuruppiner Infanterie-Regiments die Ehrenwache stellen und den Trauerzug eskortierten.

* Straßburg i. E., 21. Mai. Wie es heißt, will die Zweite reichsländische Kammer in besonderem

yR^ """"""Ml samten Regiment, soweit es nicht in den Schlachten de­zimiert, wanderte ich von Sedan nach der Grenze. 80 000 Mann, in Staffeln von 3000, wurden wir nach Deutschland abgeschoben. Mir war es leider nicht ver­gönnt, in der Mitte meiner Truppe ui herben; aper es gelang mir, durchzugehen."

Wie war das möglich?"

Ungeheuer einfach. Die guten Deutschen nahmen uns Offizieren das Ehrenwort ab, keinen Fluchtver­such zu machen. Wer das Wort verweigerte, wurde be­wacht wie der gemeine Mann,' wer es gab, erhielt die Freiheit, sich in den Quartieren zu bewegen, wie er wollte. Ich verpfändete mein Wort und versteckte mich in Colombe, als der Transport weitermarschierte. Dann vertauschte ich meine Uniform mit einem Zivilanzug und entkam glücklich durch die Cote d'or nach Nevers." Und Ihr Ehrenwort?" fragte Herr von Soumis ganz erschrocken.

Ich gab es den Prussiens, das verpflichtet zu nichts. Die Hauptsache ist, daß ich hier bin und bereit, in den Dienst des Naterlandes wieder einzutreten."

Sie haben Recht," entschied der Kommissar,'den Verwüstern Frankreichs gegenüber fällt jeder Skrupel fort. Sie wünschen jedenfalls eine neue Kapttänstelle?" Eine Obristenstelle gebührt mir, lieber Freund!" rief Trepillon, sich in die Brust werfend.Ich habe sie verdient durch meine Bravour vor dem Feinde, durch meinen strategisch geistvollen Seitenzug, als ich den Prussiens entmischte."

Nun wohl," sagte de Soumis, verschmitzt lächelnd. Ihr Eifer ist anerkennenswert,' ich hoffe, General b' Aurettes schätzt Sie hoch genug, um meine Disposition, welche Ihnen das 204. Regiment anvertraut, nicht zu mißbilligen."

Er wird entzückt sein, einen Offizier wie TrepU- Ion in seiner Arme zu wissen."

. . s (Fortsetzung folgt.) ;