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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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Telephon: Nr. 362.
Dienstag, den 24. Dezember 1912.
Telephon Nr. 362. 24. ^llh^g.
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Weihnachten!
Weihnachten! du Fest der Freude, Kehre fröhlich bei uns ein; Deine frohe Botschaft heute Dring' in alle Herzen ein.
„Christ, der Retter — er ist da, Lobsinget ihm: Halleluja!"
üM lken
Weihnachten, o bring' uns Frieden In dem großen Wellenraum. Latz' die Völker all' hinieden Freuen sich am Weihnachtsbaum.
„Und in Liebe, Eintracht wohnen
Bis zu den entfernsten Zonen."
Weihnachten! du Tag der Hoffnung Und der Wünsche ohne Zahl;
Allen Kranken bring' Genesung, Lind're jede Not und Qual.
„In des Aermsten Kämmerlein
Zieh' auch heute Freude ein!"
Weihnachtsklänge — Weihnachtslieder, Wie erstrahlt der Eltern Blick.
Nur Erinnerung ist es wieder, Die im Herzen kehrt zurück.
„Mutterglück — der Enkel Freude, Rufen wach sie wieder heute."
Weihnachten! o bring' uns Frieden, Schlinge fester stets das Band.
Latz' die Völker all' hinieden Reichen sich die Bruderhand!
„Dann wird es allhier auf Erden
Wieder „Frohe Weihnacht" werden."
L o u i s R o l o f f.
und diese Verhandlungen in allen prinzipiellen Punk- kii zu einer Einigkeit führten, sind sie in richtiger Einschätzung der Bedeutung der Tatsache, daß die so glücklich bestehende Einigkeit auch in Zu- k u n f t erhalten wird, übereingekommen, daß keine der drei Regierungen an den von ihnen gutge- heitzcnen Regeln eine Aenderung vornehme, ohne vorder die beiden anderen zeitig genug davon zu unterrichten, so datz ein Meinungsaustausch über die Angelegenheit stattfinden kann.
Die nordischen Staaten werden in einem europäischen Kriege eine ähnliche wichtige Rolle spielen, wie die kleinen Staaten im Westen des europäischen Festlandes, Belgien und Holland. Auch von ihnen ging kürzlich die Nachricht durch die Blätter, datz sie sich enger aneinander anschlietzen und die Aufhebung ihrer Neutralität beantragen wollten. Dänemark wird von England bedroht, Schweden fürchtet den russischen Bä- ren noch mehr als Norwegen; untereinander verbündet und in Interessensolidarität mit Deutschland und seinen Verbündeten vermögen die nordischen Staaten, sofern sie Land- und Seestreitkräste auf eine angemessene Höhe brinqcTi, allen englischen und russischen Gelüsten zu tmt= zen. Das scheint der Sinn des in Stockholm geschlossenen Vertrages zu sein.
stäuben in der Frage Adrianopels nachgebe n, das würde bei uns in Bulgarien eine Revo- lmion geben. Wenn die türkischen Delegierten ihrerseits daraus eine Conditio sine qua non machen wollen, so werden wir die Verhandlungen abbrechen.
Was die Inseln im Aegäischen Meere anbelan^xt, verlautet, datz wahrscheinlich Italien der Londoner Konferenz folgende Lösung vorschlagen wird: Kreta soll einfach von Griechenland annektiert werden, Im- brec, Tenedos, Lemnos und Samothracien, die vor den Dardanellen gelegen find, können nur derjenigen Macht gehören, die die Dardanellen beherrscht, d. h. sie müssen der Türkei gelassen werden. Alle an d e r e n Inseln des Aegäischen Meeres und auch -diejenigen, die gegenwärtig von den Italienern besetzt sind, würden unter ein autonomes Regime mit einem lokalen Fürsten gestellt werden unter der Souveränität des Sultans. Es wird selbstverständlich sein, datz aus keiner der Inseln es irgend einer Macht erlaubt werden würde, eine m i l i 1 ä r i s ch e V a s i s zu errichten.
Der Londoner Sonderberichterstatter des „Matin" meldet, in den Kreisen der Balkanvertreter sei man der Ansicht, datz die Frage der Abgrenzung Alba- niens eine viel ernstere Lage herbeiführen könnte, wie die Frage von Adrianopel.
5? €in nordischer Dreibund.
z âs der Hauptstadt Schwedens kommt eine hoch- 1$ ittlv Wârutsame Meldung, deren Tragweite vorläufig noch "M nicht abgesehen werden kann. Die Meldung lautet:
(M für 0«! ° 3-d-r N^
3 t o d I) o l m, 23. Dezember.
^ «^ 1 ^cr schw^edische Minister des Aeutzern, der hMnßlB^ Fische und der norwegische Gesandte unter» ltthograM^ 1 stiielen am 21. Dezember folgende Deklaration: SÄ Nachdem die dänische, die norwegische und die ' ^wedische Negierung zu dem Zwecke Verharrdlungen gleiteten, einheitliche, mit den im Haag unterzeich- j ‘Weit vertragsmäßigen Bestimmungen übereinstim- Amde Neutralitälsmahregeln festzusetzen
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Uon der Friedenskonferenz.
London, 23. Dez. Wie das Neutersche Bureau erfährt, umfassen die Forderungen der Verbündeten folgende Punkte:
l. Abtretüng des gesamten Gebietes westlich der Linie, die von dem Punkte östlich R o- ö o ft o am Marmarameer bis zur Bai von M a - latra im Schwarzen Meer si-ch erstreckt mit Aus- scküuh der Halbinsel Galipoli;
2. Ab tret ng der Inseln des ägäischen Meers;
3. Verzicht der Türkei auf alle Rechte auf die Insel Kreta.
Die Albanien betreffende Frage will man der Entscheidung der Mächte überlassen.
Die Forderungen der Verbündeten machten einen peinlichen Eindruck auf die türkischen Delegierten, gleichwohl aber hofft man zu einer befriedigenden Lösung zu kommen. In der heutigen Sitzung zogen die Türken enbgültig ihre Einwendungen gegen die griechischer'. Delegierten zurück.
London, 22. Dez. Ein bulgarischer Delegierter erklärte heute: „Wir können unter keinen Um-
Uom Balkan.
K o n st a n t i n o p e I, 23. Dez. „Ikdam" meldet, daß 40 000 Kurden, die sich als Freiwillige gemeldet haben, nach der Tschataldscha-Linie abgegangen sind. Die Blätter fordern nachdrücklichst, datz die Feindseligkeiten wieder ausgenommen werden, denn an der Tschcttaldscha-Linie stände jetzt eine s o gewaltige T r u p p e n m a ch 1, datz die Bulgaren beim ersten Zusammenstoß eine endgültige Niederlage erleiden würden.
Sofia, 23. Dez. Die Abgeordneten verfolgen mit Interesse die Friedensverhandlungen in der Hoffnung, daß der abzuschließende Vertrag Bulgarien g e - r e ch t e Genugtuung verschaffen werde, und wenn zur Erreichung dieses Resultats die Wiederauf- nähme der Feindseligkeiten unausweichlich erscheinen, so wird die nationale Vertretung die Fort- setzurrg des Krieges vorbereiten.
Saloniki, 23. Dez. Das 13. bulgarische Regiment erhielt den Befehl, nach Serres abzugehen. Attt dem Abmarsch wurde bereits begonnen. Wie es heißt, wird auch der Rest der bulgarischen.Trttppen Salo n i k i bald verlassen.
Hauffs
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Das Glückskind.
Romau von Irene von Hellmuth.
<Nachbruck verboten.)
fordern. ■
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MW.
Stein Mensch weiß, wie es da drinnen aussieht, und Wem gar die alte Holzbrücke so wacklig geworden ist, *«t sich vollends niemand mehr hinüber, aus Furcht, « Wasser zu fallen, denn dieser verwünschte See gibt Airs seiner Opfer mehr heraus."--
Atemlos lauschte Röschen dieser Ersählung ^s Arsters. Sie saßen dabei aus einer alten, moosbe- Msenen Stetnbank, um die dichtes Haselgebüsch stand, »genüver lag das Schlößchen traumverloren utta stm. Ws regte und bewegte sich tat weiten Umkreis nur 6t Blätter der Erlen flüsterten leise, als wüßten sie »4 mehr zu erzählen von der schönen Adeline und chim Gemahl. . __„,^,^.„
. Sinnend blickte Röschen hinauf zu dem Türmchen, «En kleine Fenster in der Sonne funkelten.
, »Wie lange mag das wohl schon her sein, Onkel/ hält sie endlich, wie aus liefern Sinnen heraus.
»Genau kann ich es nicht sagen, Kind, aber so a hu iw Jahre werden's wohl sein." „.„_,.„
. .Ach, und so lange hat niemand in dem reizenden Wdßchc» gewohnt?"
* lWeiß°man denn nicht, wem es eigentlich gehört?"
.Den Namen kenne ich nicht, aber es sollen Der Atldte von dem ehemaligen Besitzer lebmt. Dieselben Peri einer Seitenlinie des uralten Geschlechts »nge yten. Die Hauptlinie soll ausgestorben sein. W Ween Eigentümer aber besitzen ungezahlte Re ch 5»<t und mögen wohl das einsame, ue^all Klößchen vergessen haben. Anders ist die Sache * ^erklären sagte einmal der Amtmann, mit dem ick wen sprach." . .
-Ich gäbe was drum, wenn ich einmal in dem au
Haus nach Herzenslust herumstreifen könnte,^ begann Waldemar, der bisher schweigend dagesessen hatte. ^Wenn sich die Sache wirklich so verhält, wie Du sagst, Onkel, so müßte ja drinnen alles noch liegen und stehen, wie die schöne Adeline es verlassen hat!"
„So ist es auch, falls nicht diebische Dienstbotenhände sich die Sachen angeeignet und gründlich aufgeräumt haben."
Der Abend war inzwischen angebrochen, eine milde weiche Luft wehte durch den Wald. Am blauen Himmel zogen Stern um Stern auf.
Leise, leise kam ein sanfter Wind geflogen und strich kosend durch die Blätter,- spielend schlugen leichte Wellen an das Ufer des kleinen Sees drüben, so daß die ungezählten Seerosen, die ihre zarten Blütenköpf- chen auf der Oberfläche des Wägers wiegten, in leise schaukelnde Bewegung gerieten. Hier und da klang noch vereinzelt das Lied eines Vögelchens, sonst herrschte tiefe, traumhafte Stille.
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Schon mehr als ein Jahr wellte Rost in dem traulichen Forsthauss. Zum zweitenmal zog jetzt der Früh- ^^mmer^nnigei, immer fester schlossen stch die alten Förstersleute an ihr „liebes Kind" an, das des Hauses Sonnenschein geworden war.
^ Ich kann mir gar nickt denken," sagte der Förster öfters zu seiner Frau, „wie wir vorher ohne unser Mädel gelebt haben, und was wir täten, wenn sie fort« a^Frau Therese nickte lächelnd: „JO, die denkt gar nicht daran, täglich wiederholt sie, daß es ihr niemals ein- fallen würde, nach der Stabt zurückzukèhren, ober uns zu verlaßen ^ ^^ bjg etnmai 6et Rechte kommt uni
uns "das Mädel entführt."----------------
^O, und wo sollte der wohl Herkommen?"
„Das weiß ich vorläufig selbst nicht."
„Na also, darüber mache Dir keine Sorgen."
Der Alte trat ans Fenster und beobachtete Röschen, die eben die Hühner fütterte. Das Mädchen bot in dem Hellen, leichten Sommerkleide einen herzerfreuenden Anblick. Von allen Seiten kam das gackernde Hühnervolk gelaufen und pickte eifrig die Körner auf.
In diesem Augenblick trat Kathi, die Magd, aus dem Hause, und rief, lachend nach der Straße deutend: ^ya, was kommt denn da für einer daher, der ist auch nicht aus unserer Gegend!"
Röschen schaute nach der angegebenen Richtung und erblickte einen Mann, der auf das Forsthaus zuschritt. Er mochte etwa 40 Jahre alt sein, das Gesicht war dunkel gebräunt, auf dem gelblichen Haar saß ein großmâch- ttger FUzhut mit breitem Rand. Die Kleidung war nicht eben elegant, doch modisch, über der Achsel hing an einem Stock eine anscheinend schwere Reisetasche.
„Sie entschuldigen," begann der Fremde, näher- kommenü, „hier herum muß doch ein Schlößchen liegen, ists noch wett bis dahin? Ich bin in die Irre gelaufen, sollte schon längst dort sein."
„Sie meinen doch nicht das Erlengründer Seeschlößchen?" fiel die Magd verwundert ein.
„Ja, dasselbe."
„Um aller Heiligen willen, was wollen Sie denn dort machen?"
Der Fremde kraute sich hinter dem Ohr. „3a, das Schlößchen wird in Zukunft wieder bewohnt sein, es sind schon Arbeiter bestellt, die es wieder in Stand setzen sollen und ich muß die Aufsicht über dieselben Mhren."
In mürrischem, unfreundlichem Ton wurde diese Auskunft eT^rt, während Kathi in namenloser Verwunderung uiC Hände zusammenschlug»
(Sortletiunn total.) > ^