ietzener Jettung
(Renette Nachrichten) ((Aic^cncr Tageblatt)
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Druck der Gießener ‘ikrlao^brurfcrci.
Nr. 68
Telcp hon: Nr. 362.
Samstag, den 24. August 1912.
Telephon dir.: 362.
24. Jahrg
Politische Rundschau.
Deutschland.
• Der Kaiser besuchte am Donnerstag vor- nitiap von Cronberg aus das Offiziergenesungsheim ^Gallenstein". Freitag vormittag hörte der Kaiser in ^ Melmshöhe den Vortrag des Zivilkabinetts.
* Kassel, 23. Aug. Der Kaiser leidet an Mr leichten Erkältung. Der für heute befohlenen The- dtrwrfteHung hat er nicht beigewohnt.
i:( Kassel. Die Kaiserin, die Prinzessin Viktore Luise, in Gesellschaft der beiden jungen Prinzen Was und Mar von Waldeck und Pyrmont, haben sistorisch denkwürdige Bergfeste Spangenberg, in der sich jetzt eine Forstschule befindet, besucht. Die Vevöl- km.rq brachte der Landesmutter Blumensträuße und i jubelnde Ovationen dar.
Oesterreich.
• Wien, 23. Aug. Der Minister des Aeußeren Graf Berchtold ist in Begleitung seiner Gemahlin und des Legationsrates Graf Hoyos einer Einladung des Königspaares von Rumänien folgend, nach L i - n a i a abgereist.
• Von unterrichteter Seite erfährt man, daß die Mißstimmung auf dem Balkan gegen die Vorjchläge des Grafen Berchtold auf Preistreibereien zurückzuführen sind, die ihren Ausgangspunkt in Paris ha-
Ruhland.
* Die russische Regierung sowohl in Konstantinopel wie in zur Ruhe ermahnt, indessen sind
hat zwar neuerdings Cetinje sehr ernstlich die Feindselig-
leiten an der türkisch-montenegrinischen Grenze noch nicht eingestellt. Die Meldungen, daß eine vollständige Einigung zwischen der Türkei und Montenegro dank der russischen Vermittelung erzielt sei, sind unzutreffend.
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7 Pakete AL L«)
Schweiz.
I * Der schweizerische Bundes -/P r ü - ler VewènS der demnächst den Deutschen Kaiser empfan-
demschwarzenKoph.ytn soll, ist von einem Gichtanfall befallen worden und tofte^ ’^ das Bett hüten. Die Gicht äußert sich durch An- ,HideIImig der linken Hand. Forrer wurde schon oft --------------Son Gicht, die sich immer sehr plötzlich einstellte, Heim
tënjekalk zz nieder, wobei das Uebel im Fuß auftrat.
ân. , • In der Schweiz erregt es Aufsehen, daß in
Fritzlar, Locarno auf Schweizer Boden der italienische
R o i! [ u I Marazzi und ein italienischer Offizier unter ____________leit dortigen Italienern Rekruten-Aushebungen vor- inpRrnneliwM nf nicn< als ob der Kanton Tessin bereits zu Italien
nzog, gehörte. Gegen diese Verletzung der Schweizer Staats-
âüÄ!?'^ léivcränität wird der Bundesrat wohl vorstellig wer-
nve"regelt'den^ b festere Naht. ÄAh«u < Iroßfiria L^scodro!
den. eien scher
schen
Daß in Italien einige Blätter sich diesen Hetzer
angeschlossen Einfluß sich
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haben, zeigt, datz auch hier französi- die Wege zu ebnen wußte.
England.
n, 23. Aug. Ein Attachee der deut-
Botschaft legte heute nachmittag im Auftrage des
Deutschen St a i f'C r 5 einen prächtigen Kranz am Sarge des Generals Booth nieder, der in der Kongreßhalle der Heilsarmee in Clapton aufgebahrt ist.
* London, 23. Aug. König Georg hat dem Kaiser von Japan anläßlich seiner Thronbesteigung den Hosenbandorden verliehen.
* Trotz des formellen Protestes, den England gegen die Panamakanalbill eingelegt hat, wird der Präsident Taft die Bill unterzeichnen und wird England, ebenso wie die Durchbrechung des Clayton- Bulwer-Vertrages von 1850 durch die Amerikaner, auch die Verletzung des Hay-Pauncesote^Vertrages, die in der Panamakanalbill liegt, stillschweigend hinnehmen, weil England Amerika gegenüber sich stets vorsichtig zurückzieht. Deutschland hat zur Zeit keine Veranlassung, zu der Panamakanalbill Stellung zu nehmen, da der Lmy-Pauncesote-Vertrag lediglich zwischen Amerika und England abgeschlossen war.
Japan.
* Tokio, 23. Aug. Der Landtag trat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Der Kaiser wohnte der Sitzung nicht bei. Der Ministerpräsident verlas ein kaiserliches Reskript, in dem es heißt: „Ich habe den Thron meiner kaiserlichen Ahnen bestiegen. Ich gedenke den Wegen meines verewigten Vaters zu folgen, gehorsam den Vorschriften der Vorfahren." Hierauf wurde von der Kammer ein Kredit von 1 500 000 Pen für die Beerdigungsseierlichkeiten ausgeworfen. Die Ausgaben für die" Beerdigungsfeierlichkeilen belaufen sich auf mehr als zwei Millionen, wovon ein Teil vom Kaiserhaus bezahlt wird. ____
Marokko
Deutsche Interessen in Marokko.
Wenn auch deutscherseits jede Einmischung in die französisch-spanischen Marokkoverhandlungen vermieden worden, war, so hat, wie unser Berliner Vertreter erfährt, die deutsche Regierung auf Grund des deutsch- französischen Marokko-Abkommens vom 4. Rov-ember 1911 Protest eingelegt gegen die Errichtung einer Zollgrenze zwischen Französisch- und Spanisch-Marokko. Die den Franzosen aus diesem Protest erwachsenden Schwierigkeiten dürften einen neuen Beweis für die Sorgfalt erbringen, mit der die deutschen Interessen bei Abfassung obigen Abkommens gewahrt worden sind.
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^)/'e Hausfrauen sind froh, dass sie beider sommerlichen Jfrlze aus J\norr- Suppen - 'Würfel fnühf/os “ und * schneit die Jtimten Suppen herstellen können.
Jein,
4>âr Feinden.
Roman von Karl Matthias. (Nachdruck ve
Tel. ®
„Nein, Herr Bourlier", antwortete WaUemur „oas alles habe ich längst verziehen, denn Sie handelten im
-Ä Groll, den ich freilich nicht verschuldet hatte. Auch nicht lOÖOv^'1 Anerkennung und Dank ist es, was ich von Ihnen hei- ^\^^’ sche, ich verlange mehr. Ich will Ihre Liebe und Ihr
77 MM Kerstinen wieder haben, das Sie mir einst schenkten. PL Können Sie es mir länger vornthalten?"
„Ja. Herr Tyrolt, das kann ich", entgegnete der Alte schroff, indem er sich aufrichtete. „Sie sind der Feind
Sftervegr^.
__ meiner Nation. Sehen Sie den Rock an, den Sie tragen, iu 11 -as Kreuz, das auf Ihrer Brust hängt. Es sind Zeichen, ^fl^W -aß zwischen uns beiden ein Abgrund klafft, der nie und -urchaus nicht ltberbrückt werden kann. Ich achte Sie als Ehrenmann, ich hasse Sie als den Unterjocher meiner
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Nation. Wir können beide nie mehr zusammenkommen. Sollten Sie sich jemals Illusionen über meine Gesin- nrmg gemacht haben, so bedaure ich Sie."
Waldemar trat stumm zurück. Er war zu stolz, ein
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I weiteres Wort auszusprechen. Diesem unvernünftigen Huß gegenüber war er machtlos.
Desiree aber wandte sich voll Entrüstung gegen ih- nen Vater. Heftig trocknete sie ihre Tränenspuren, welche - ruch von dem Entzückert des Wiedersehens übrig geblie- bev Maren und faßte Waldemars Hand nur noch fester.
„Du sprichst nicht edel, Papa," sagte sie in tief vor- Mrrfsvollem Tone. „Du verschanzest Deine Undankbar- k»eit hinter politischem Zwist, erstickst die guten Regungen Deines Herzens durch chauvinistische Spiegelfechtereien. Das kann Deine wahre Natur nicht sein, und ich erkenne meinen edlen Vater nicht mehr. Vergiß micht, was ich meinem Verlobten verdanke. Ohne ihn
stände ich nicht hier. Er befreite mich aus der Not und führte mich zu Dir, denn alle meine Briefe blieben unbeantwortet, ich war für Euch verschollen, gestorben. Und diese Rede soll Dein Dank sein für so viel treue Liebe? Für seine Aufopferung bietest Du ihm solchen Lohn? Nein, Papa, das darfst Tu nicht. Du wärest ja schlechter als Olivier,- der versuchte, nur Waldemars Körper zu töten. Du aber tötest seine Seele, daß er darob verzweifeln muß, weil Liebe und Dankbarkeit in der Welt verloren gegangen."
Bourlier senkte sein Haupt. Die Worte seiner Tochter, welche er soeben noch liebselig in öeÄArmen gehalten, und die sich nun empört von ihm abwandte, trafen chn tief.
„Nun wohl," sagte er nach einer langen Pause, während er das Gesicht mit den Händen bedeckt gehalten hatte, „ich sehe ein, daß ich Unr^^^obe, aber bei Gott im Himmel, ich kann nicht anbÄ^ Niemand vermag aus sich herauszugehen. In diesem Meere von Blut ist das Gute in mir erstickt worden. Ich sinne nur auf Wiedervergeltung, auf Rache für mein armes, zertretenes Vaterland. Vielleicht ändert die Zeit meine Gedanken, jetzt kann ich nicht anders. Ich vermag Deinen einstigen Verlobten nicht in die Arme zu schließen, mich nicht mit ihm zu versöhnen. Ich kann nicht zu ihm sagen: Waldemar, alles ist vergessen, seien Sie wieder mein Sohn, nehmen Sie meine Tochter hin, ich gebe Euch meinen Segen." Nein, ich segne Sie nicht, den Femd Frankreichs, der dieses Ordenszeichen mit dem Blute meiner Brüder erkauft hat. — ®em ich Ihnen nicht fluche, so geschieht das der Verdienste wegen, die Sie sich um uns erworben haben — aber ich scheide mich von Ihnen, und wenn meine Tochter mich liebt, so muß sie ein Gleiches tun."
„Nein, Papa, das fordere nicht!" rief Desiree mit
leute Freund oder Feind nennen. Die Liebe kennt keine Landesgrenzen, keine Politik und keinen Völkerhaß.- „Nun denn, so folge ihm, ich kann Dich nicht zurückhalten, bin ich doch nur ein elender Gefangener, diesem Herrn auf Ja und Nein untergeben. Sein Wille gilt hier und nicht der meinige. Geh und laß mich denken, ich hätte Dich nicht wiedergeseheti. denn folgest Du diesem Manne gegen meinen Willen, '.o bist Du tot für mich."
„Halt, Herr Bourtier!" rief Waldemar vortreten-, „gehen Sie nicht weiter! Sprechen Sie nicht Worte, die Sie reuen müssen, wenn Sie darüber nachdenken,- treiben Sie Ihr Kind nicht mit Gewalt von sich, nachdem Sie dasselbe kaum wiedergefunden haben. Als wir l-rerherfuhren. wurde ich mit Ihrer Tochter darüber einig, wie wir es halten würden, falls Sie sich wirklich jedem innigeren Gefühle verschließen sollten. Niemals kam mir der Gedanke, meine Braut ihrer Pflicht als Tochter abwenb' zu machen. Ich habe sie wahrlich nicht aus fernem Lande geholt, um sie wieder vom Herzen desjenigen zu reißen, den zu suchen sie ausgezogen war. Desiree soll bei Ihnen bleiben, hier und überall. Ter Fall von Paris steht bevor, ihm folgt der Frieden und die Entlastung der Kriegsgefangenen. Dann mögen Sie mit meiner Braut in die Heimat ziehen. Wir sin- jung, wir können warten, bis ein Höherer Ihr Herz gelenkt hat. Wenn Sie keinen Groll mehr hegen werden, wenn der goldene Friede auch bei Ihnen einkehrt, dann werden Sie anders " er unsere treue Liebe öen- ! ken, in der Sie jetzt nu .rtrauensbruch und Empö- ! rung sehen, dann werden Sie vielleicht aus eigener ! Initiative unsere Hände ineinander fügen —"
„Das wird nie - ' ' -' mein Herr, nie!"
liebevoller Begeisterung. „Ich bleibe dem Manne treu, . den ich von Herzen liebe, gleichviel, ob chn meine Lands- 1
(d-viiie^ung folgt i