Spönnen w $ in ^ y durch 4
^ Ne d ^.Men« werben,
Gießener Jeiinng
4
Bejugspreis 40 Pfg. monatlich
v erirljährltch 1,20 3Rf., vorau-zahlbar, frei inS HauS. «bseholt in unserer Expedition ober in den Zweig- eihflobeftetkn vierteljährlich 90 Pfg. — Erscheint Mittwochs und Sam-tagS. — Redaktion: SelterS- weg Kl. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Samstags liegt für die Stabtabomienten der
Illustrierte wochen-llnzeiger
gratis bei.
Expedition: Seit er; weg 83.
Anzeigenpreis 20 pfg.
bte 44 mm breite Inseratenzeile. — Die 90 mm breite Zette im Reklameteil 50 Pfy. — Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Uellerschreitung des Zahlung». zleles (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Aoitfur» in Wegfall. Plâyvorschristen obneBerbindlichleit.
Druck der Gießener Verlagsdruckerei.
Nr. 59
Telephon: Nr. 362.
Mittwoch, den 24. Juli 1912
Telephon Nr.: 362.
24. Jahrg
Politische Rundschau. Deutschland.
• In Emmendingen fand am Sonntag das Sommerfell der Nationalliberalen Partei Badens statt. Parteichef Abg. Rebmann hielt eine fünfviertelstündige Rede, in der er betonte, daß der Großblock auch für die Zukunft zu erhalten notwendig sei. Nachdem sich Vaden schon über 50 Jahre einer liberalen Regierung erfreue, sei es nicht gut denkbar, daß einmal eine klerikal-konservative Negierung kommen könne. Sollte dies über doch der Fall sein, so wäre es um den konfessionellen Frieden geschehen und dann würde die national liberale Partei in die schärfste Opposition gegen die Regierung treten.
---- * Der zweite reichsdeutsche Mittel- J q n b s t a g findet in der Zeit vom 14. bis 17. Sep- Mtmber dieses Jahres in Braunschweig statt. Die ^»Tagesordnung kündigt u. a. folgende Punkte an: Wün- des Kleinhandels (Bekämpfung des Konsumvereins 'ZÄ ta Warenhausgèsahr), Hausbesitzerftagcn, Regelung Vorfailbirid^ Sllbnnssionswesens in Reich und Einzelstarten. Auf v. beut Gebiete des Kreditwesens wird der reichsdeutsche snommen, in Mittelstandsverband neue Vorschläge machen. Er stellt ihr. Hotel: Ke^n die Spitze seines Programms die Forderung: „Geld zu einem angemessenen Preise für den Mittelstand! Der ÜMüü!W Angehörige des Mittelstandes, dessen Kreditwürdigkeit ststeht, soll zu dem gleichen Zinsfuß Geld erhalten nnen, wie der Großunternehmer!"
Schweiz.
• Ein General st reik ist in Zürich aus- sOP Krochen, den das Verhalten der Regierung dieses eidgenössischen Freistaates" aber empfindlich be- . Ul Mrächügte. Das sofortige Aufgebot des Militärs un- ktr Verabfolgung scharfer Patronen, das Verbot des , ètreikpostenstehens im ganzen Kanton, das Verbot von AhAll ^ersarnnilungen unter freiem Himmel, Verbot aller De- I 111111 Wonstrationszüge machen die verfassungsmäßig „unbe- vllvll Mânkte" Versammlungs- und Koalitionsfreiheit der Ve- »ohner Zürichs illusorisch. Da hinzu kommen die ^^»tzm^rhastung sozialdemokratischer Führer und die droh- , |pbe Ausweisung ausländischer Sozialdemokraten. Die ;te einigele „Bremer Bürgerztg." seufzt darüber. Angesichts • meser Schilderung drängt sich ganz von selbst der Ver- 6 Ulrich mit dem „reaktionären" Preußen auf. Wie scho Stnb und milde ist die preußische Praris gegenüber dem Vorgehen der republikanischen Regierung im „freiesten Lande Europas" !
England.
London, 23. Juli. Im Unlerhause hielt der arinemimster gestern die mit Spannung erwartete
Unter Feinden
Roman von Karl Matthias.
(Nachdruck verboten.)
So fand mich Madelon, zog mir den Rock aus, um «ch notdürftig zu verbinden, nahm mich dann auf ihre starken Arme und trug mich vom Hofe. Meinen Rock, kW tzhdrpe und Käppi ließ sie bei einem armen Teufel zu- sb30ßn M der aus dem Fenster gesprungen und bis zur Unkenntlichkeit zerschmettert war, da sie meine Spur zu , „ verwischen wünschte. Auf einem Karren schaffte sie mich ^lar‘ chenhändig über das Feld nach Badelincourt, hier trugen mich verschwiegene Männer zum Weinberg empor. habe von dieser Reise natürlich nichts gewußt, denn ., lag fast zwei Monate, ohne recht zur Besinnung zu __ kommen. Die umherftreifenden Patrouillen und die ,kteS Z^^.sâutzifchen Spione machten es nötig, daß ich mich ganz M 8u«W M verhielt. Jetzt aber, da Sie im Auftrage meines I. Stock. ^Taters wahrscheinlich unser Anwesen verkaufen wollen,
___H mßke ich mich melden."
5 »Der Verkauf wäre nicht zustande gekommen, be- u5MÄte ihn der Advokat. „Herr Bourlier weilt wahr- n sich M * änlich nicht mehr unter den Lebenden."
Was sagen Sie?"
„Leider muß ich Ihnen diese traurige Botichast verbringen. Mein Freund ist verschollen. In Bordeaux deponierte er Geld, dann verlieren sich seine Spuren. Ein Aufruf in den Zeitungen blieb ohne Erfolg." „Also wirklich kot," sprach Olivier ernst, doch ohne
..eine Spur von Schmerz. , , .„k-E .Nach allem menschlichen Ermessen, obwohl in dieser M«4t^Mt ein Irrtum nicht ausgeschlossen ist und man die ttë^O^1 Öffnung nicht verlieren soll. Denken Sie an nch sel- Ihre Leiche wurde im Fabrikhofe rekognosziert, öttooben, beerdigt und ruht auf dem Friedhöfe St. an iö ^Mj Marguerite,- es wurden für Ihre arme Seele ^oten- Mi "U^Geffen gelesen und Trauex um Sie angelegt.' Viele
Afgehoben, beerdigt und ruht auf dem Friedhöfe St.
Rede zu den Nachtragssorderungen für die Flotte. Er führte darin aus, daß das deutsche Flotten- gesetz die direkte Ursache der Nachtrags-Forderungen sei. Die deutsche Flotte sei in Zukunft viel schneller kriegsbereit wie bisher. Die allgemeine Wirkung des Gesetzes sei, daß die deutsche Flotte zu vier Fünfteln kriegsbereit sei, ein Beispiel, das sich bei keiner anderen modernen Kriegsmacht wiederfindet. — Der Nachtrag wurde bewilligt.
Rußland.
* Petersburg, 23. Juli. Der Kreuzer „Oskar 2." mit dem schwedischen Königspaare an Bord ist heute vormittag 11 Uhr 30 Min. in Pitkopaasi eingetroffen.
* Petersburg, 23. Juli. Die „Nowoje Wremja" bezeichnet die Herbeiführung der Zusammen - fünft des Zaren mit dem schwedischen K ö - nigspaare als einen großen Erfolg der russischen Diplomatie, welche Schweden von dem Einflüsse Deutschlands befreien solle. Auch die übrigen Blätter begrüßen die Monarchenzusammenkunft und geben der Hoffnung Ausdnlck, daß nunmehr alle Schwierigkeiten zwischen den beiden Ländern beseitigt würden.
Türkei.
* Die Ministerkrise in der Türkei ist g e l ö st. Die neuen Männer sind durchgehends dem jungtürkischen Komitee nicht freundlich gesinnt. Die Hauptposten des neuen Kabinetts sind wie folgt besetzt: Achmed Mukhtar Großwesir, Dschemal Eddins Schech ül Islam, Nazim Pascha Kriegsminister, Kiamil Pascha Minister des Aeußern, Ferid Pascha Minister des Innern. Mahmud Mukhtar, der Sohn des neuen Grohwesiers, ist Marineminister. Es ist das eine Liste hochangesehener Namen. Der neue Großwesir, Achmed Mukhtar Pascha, Vater des neuen Marineministers Mahmud Mukhtar, ist Präsident des Senats. Er hat sich schon im FeldzUge gegen Rußland 1877—1878 neben Osman Pascha einen Namen gemacht. Bis vor zwei Jahren hatte Achmed Mukhtar den politisch und repräsentativ bedeutsamen Posten des türkischen Oberkommissars in Aegypten inne, hieraus wurde er Präsident des Senats. Minister des Aeußern ist Kiamil Pascha. Seine Bedeutung ist so groß, daß das Kabinett als ein Kabinett Kiamil, genannt Mukhtar, bezeichnet werden kann. An Lebensjahren stehen er und Mukhtar ungefähr auf der gleichen Linie. Kiamil ist 86 Jahr alt. 1891 war er zum ersten Male Großwesir. Nach der Juli-Revolution 1908 ernannte Abdul Hamid Mitte August Kiamil Pascha zum Großwesir. Diese Berufung rief damals große Befriedigung hervor.
Tränen flossen Ihrem Andenken und demwch leben Sie."
„Gottlob," nickte Olivier. „Ich lebe nicht nur, sondern denke sogar wieder gesund zu werden und recht vergnügt dazu." , ,
„Hoffen wir es nach dieser schweren Zeit," sagte Devereux. „Sie werden die guten Tage gebrauchen können. Leider muß ich Ihnen heute noch eine Trauermär bringen. Ihre Schwester —" ,
„Desiree bat sich mit dem Prussien verheiratet?"
^«rin, davon ist mir nichts bekannt. Auch sie ist nach Bordeaux abgereist, wahrscheinlich um den Vater zu suchen und gleichfalls verschollen."
„Also auch tot," sagte Olivier bedauernd und zerdrückte etwas wie eine Träne in seinem linken Auge. „Schade um das hübsche Schwesterchen, aber immer noch besser, als daß sie den Prussien geheiratet hätte. Doch das ist ein Unsinn, ich habe ihn ja mit eigener Hand getötet."
„Wen nur?" fragt' Devereux.
„Den früheren Verlobten Desirees, der mir in der Fabrik als Offizier entgegentrat. Durch und durch habe ich ihn gestoßen; wie ein Stück Holz lag er zu meinen Füßen. Nein, der kommt nicht zurück, der heiratet meine Schwester nicht mehr."
Wilde Freude leuchtete in seinen grausamen Augen, seine Stimme knurrte und krächzte mehr als je und seine Hände krallten sich zusammen.
Der Advokat sah chn mit Grausen von der Seite an.
„Demgemäß haben Sie von jener Seite nichts mehr zu befürchten, leider auch nicht von Seiten Ihrer armen Schwester."
„Allerdings, allerdings," gab Olivier nach einigem Sinnen zurück. „Dann wäre ich also der Alleinerbe meines Vaters und unumschränkter Herr seines Grund-
der
Angriffe der sozialdemokratischen P reffe aus den Kohlenbergbau.
(Schluh.)
Im weiteren beschäftigt sich der Artikel mit dem von Gewerkschaft „König Ludwig" erzielten Gewinn. Der
Verfasser nennt es eine Täuschung der Oeffentlichkeit, dah die verteilte Ausbeute von 1200 aus den Kur dieselbe geblieben sei, während der Bruttoüberschuh von 2,90 Millionen in 1910 aus 3,49 Millionen in 1911 und der reine Betriebsgewinn in der gleichen Zeit von 1,59 Mill, auf 2,53 Mill. Mk. gestiegen sei. Das breite Publikum, dem ja die (angebliche) Notwendigkeit der Kohlen- und Koksverteuerung plausibel gemacht werden solle, erfahre nichts davon, daß nicht einmal die Hälfte des erzielten Reingewinns verteilt und der größere Teil für Neubauten, Grundschuldentilgung und Erhöhung eines Reservefonds auf 2,22 Mill, verwandt worden sei.
Hierzu ist zunächst zu bemerken, daß die große Masse der Zeitungsleser von der Verwendung der Ueberschüsse überhaupt nichts erfährt, da die weitaus meisten Zeitungen die Geschäftsberichte der industriellen Gesellschaften überhaupt nicht zum Abdruck bringen. Die in dem wirtschaftlichen Teil einzelner Handelsblätter veröffentlichten Auszüge werden nur von einem kleinen Kreis von Interessenten gelesen; in diesen Zeitungsberichten wird aber vor allen Dingen Wert darauf gelegt, über die Gewinnverteilung eingehende Angaben zu machen, da diese doch in erster Linie von Interesse sind. Ini übrigen ersieht man am besten aus den Aeußerungen der Werksverwaltungen selbst, wie töricht es ist, die Höhe der letztjährigen Zuweisung an den Reservefonds zu bemängeln. Die Verwaltung bemerkt: „König Ludwig hat in seinen Anlagen an Zubußen, Zuschüssen der Besitzer und Anleihen Kapitalwerte von über 50 Millionen Mark investiert. Für solche Werte unb zur Bewältigung eines Umschlages von 18 Millionen Mk. ist ein Betriebskapital und eine Reserve von 2% Mill. Mark noch bei weitem zu gering, und der Vorstand muß daraus bedacht sein, eine erheblich größere Reserve zu beschaffen. Die Ueberschüsse sind auch längst nicht ausreichend für das besondere Risiko, dem der Bergbau durch Unglückssälle und Störungen der verschiedensten Art ausgesetzt ist."
Wenn schließlich in dem Artikel ohne jede Beweis- führung von ungeheuren Preissteigerungen hn Jahre 1907 bte Rede ist, so dürfte es sich wohl erübrigen, an dieser Stelle die Berechtigung der damaligen Preiserhöhungen näher nachzuweisen, zumal selbst von Gegnern des Kohlen-Syndikats im allgemeinen anerkannt
„Sobald der Tod amtlich festgestellt ist, ganz gewiß." „Nun, so beschleunigen Sie gütigst die Todeserklärung, Herr Notar."
will es versuchen, denn ich glaube selbst an Bourliers Tod."
„Tas ist gut," sagte der liebevolle Sohn zynisch. „Ob Desiree lebt oder nicht, ist von keiner Bedeutung. Auch ohne ihren Totenschein verfüge ich frei, und zwar so, daß Sie, Herr Advokat, die Fabrik verkaufen, die Villa aber zu meinem Einzuge herrichten lassen. Es ist doch nach Deinem Wunsch, Madelon?" wandte er sich an die Frau, welche der ganzen Unterhandlung stumm gelauscht hatte.
„Ich bin dabei, wenn nur nicht Pumarquet —"
„Ah bah, Pumarquet ist tot, alles ist tot, nur wir leben," lachte Olivier. „Auch Deinen Mann werden wir in den Zeitungen aufbieten lassen, und da er sich natürlich nicht melden kann, ins Abgangsregister eintragen. Dann heiraten wir uns, Madelon, ich habe es Dir versprochen."
„Aber die Prussiens," mahnte Madelon.
„Ach, die bekümmern sich um uns nicht mehr, wenn wir auch in die Villa ziehen. Im Gegenteil, ich hab. die Absicht, ihnen von dort aus manch lustigen Streich zu spielen. Wollen Sie meine Dispositionen erfüllen?" wandte er sich an Devereux. „Wollen Sie das Landhaus Herrichten lassen? Ich kann mich ja nicht bewegen."
„Wie Sie wünschen," entgegnete der Notar geschmei dig. „Sie werden zufrieden sein, und auch Geld steht zu Ihrer Verfügung. Ich habe Vollmacht, es auf der Bank zu erheben und rch glaube es verantworten zu können, selbst wenn Herr Bourlier wieder erscheinen sollte."
(Fortsetzung folgt.)