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Druck der Gießener VerlagSdruckerei.

Nr. 16.

Telephon: Nr. 362.

Samstag, den 24. Februar 1912.

Telephon: Nr. 362.

24. Jahrg.

iWscber Landtag.

s D a r m st a d 1, 22. Febr. Die 3. Sitzung des 35. Landtages wurde heute vormittag % 11 Uhr durch den Präsidenten Köhler eröffnet und zunächst die Abge­ordneten Busold, Eisnert und Hartmann (Soz.) und der Zentrumsabgeordnete Soherr vereidigt. Aus der Tagesordnung stehen die von verschiedenen Abgeordne­ten eingereichten Anfragen. Minister von Hombergk ant­wortet zunächst aus die Anfrage Dr. Osann und Gen. betr. die Untersuchungskosten bei der Maul- u. Z lau­en s e u ch e, daß die Entscheidung nach den sestgelegten Normen erfolge und die Rosten von der Staatskasse über­nommen würden. Ein ministerieller Nachtrag könne nicht stattsinden. Die Besprechung wird vertagt. Minister von Hombergk antwortet hieraus aus die Anfrage der Abg. Brauer und Gen. betr. die Polizeiverordnung über die Maul- und Klauenseuche, daß die Regierung an der strengen Durchführung der Verordnung festhalten müsse. Zur Anfrage der Abg. Dr. Winkler und Gen. betr. die Bekämpfung des Heu- und S a u e r w u r m e s er­widert Minister v. Hombergk, daß die Vorschriften durch­geführt werden müssen und daß ausgesprochene Strafen erlassen werden können. Die Besprechung wird eben­falls vertagt. Zur Anfrage des Abg. Korell-Königstäd- ten betr. die Ausführungsbestimmungen zum Reb - l a u s g e s e tz führt Minister von Hombergk aus, 'datz die Regierung keine Aenderungen herbeiführen könne, ebensowenig könne man verschiedene Gemarkungen zu einem Bezirke zusammenlegen. Auch diese Besprechung wird vertagt. Aus die Anfrage der Abg. Dr. Osann und Genossen betr. elektrische Ueberlandzen- traten erwidert Minister v. Hombergk, daß die Re-^ gierung bestrebt sei, das Vorrecht der rheinischen Schuk- kert-Gesellschast nach Möglichkeit einzuschränken und baß man dafür sorgen solle, daß die kleinen Firmen sich zahlreich an der Installation beteiligen, zudem die Re­gierung das Gedeihen des Mittelstandes des elektrischen Betriebes zu heben bestrebt sei. In O b e r h e s s e n werden die Installationen vorherrschend von den Haus- installateuren bewältigt werden können, in Starkenburg wird die Regierung keinerlei Vorrechte der großen Fir­men zulassen. Es wurde gewünscht, daß die Pro­vinzen sich ebenso gesichert hätten, wie Oberhessen, das s e l b st ä n d i g eine Ueberlandzentrale einrichtete und damit das Großkapital ausschloß.

s D a r m st a d t, 23. Febr. Die Zweite Rammer nahm Freitag vormittag die Adresse an den Großherzog auf die bei Eröffnung des Landtages gehaltene Thron­rede an. Sodann trat die Rammer in die Beratung des Finanz-Etats ein. Finanzminister Braun er­klärte, daß bei aller Vorsicht im Urteil über die Finanz­lage man von dem Ausblick auf eine erheblichere Besse­rung reden könne. So lange die Beamten-Besoldungs- erhöhung und die Schuldentilgung noch nicht gelöst sein, dürfe ein optimistisches Urteil über die Finanzlage noch nicht gefällt werden. Bei der Eisenbahngemeinschast sei das Ergebnis noch günstiger gewesen, als bei Zustellung des Budget-Voranschlages. Der Anteil Hessens an dem Betriebsüberschuß für 1911 beträgt 16 7 00 000 Mk., da 1 800 000 Mark mehr als im Voranschlag vorgesehen seien. Auch die Einnahmen aus den Steuern hätten sich

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wieder gebessert. Die Reineinnahme aus den Eisenbahn­überschüssen beträgt 4 133 660 Mark. Rein finanziell betrachtet müsse durchaus anerkannt werden, daß die 1908=09 einseitig angestrebte Reform der Reichsfinanzen in erwünschter Weise erreicht sei. Ob man dabei überall die richtigen Wege gegangen sei, oder ob nicht die Vor­schläge der verbündeten Regierungen vorzuziehen gewe­sen wären, darüber möge man sich, wenn man es noch für nützlich halte, im Reichstag unterhalten. Auch den Bundesstaaten sei mit dieser Finanzreform ein großer Dienst erwiesen. Der Minister des Innern von Hombergk erklärte aus eine Rede des Abg. Osann, daß päpstliche Motu proprio vom 9. November könne nach Artikel 5 des Gesetzes vom 23. April 1875 im Großherzogtum keine rechtliche Geltung in Anspruch nehmen.

Am Stadt und Land.

Gießen, den 24. Februar 1912.

n Gießen. Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Usinger ist aus dem Urlaub zurückgekehrt und hat die Dienstgeschäste wieder ausgenommen.

n Gießen. Die Erhebung der Reichsbankneben­stelle Gießen zu einer selbständigen R e i ch s bank­st e l l e ist vom Reichskanzler genehmigt worden. Mit der Erbauung eines monumentalen Gebäudes für die Reichsbank soll sofort begonnen werden.

n G i e h e n. Vor einigen Tagen wurden aus einer hiesigen Fellhandlung 21 Fuchsfelle und 15 Edelmar­derfelle im Werte von über 1000 Mark gestohlen.

n Gießen. Von den vier Tauben, die vor einigen Tagen auf dem Bahnhof aus einer Postsendung entflogen, sind zwei eingefangen worden. Nach An^ gäbe des Besitzers der Tierchen müssen sich die beiden noch fehlenden Tauben, die ein rötliches Gefieder besitzen, noch in der Nähe des Bahnhofes aufhalten, da sie nicht weit fliegen. Auf die Ablieferung der wertvollen Tiere ist eine Belohnung ausgesetzt worden.

o Nieder-Ohmen. Wie man hört, wird am 1. April d. Is. die Gendarmeriestation von Rupperten­rod nach hier verlegt. Herr Bürgermeister Neeb habe sich ' erboten, im Bedarfsfälle dazu ein Haus zu erbauen.

o Ober-Breidenbach. Der seltene Fall, daß ein Ehepaar gemeinschaftlich zur letzten Ruhe getragen wird, ist dahier zu verzeichnen. Das Ehepaar Schwarz, das in den siebziger Jahren stand, starb so kurz auf­einander der Mann am Freitag und die Frau am Samstag sodaß man es in einem Grabe beisetzte.

o Schotten. Eine Zigarrenfabrik dahier hat die Fabrikation vorläufig fast ganz eingestellt, da sich in­folge ungenügender Absätze die Vorräte sehr stark an­gehäuft haben.

oReichelsheim i. d. W. Hier hat sich ein neuer Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs gebil­det, dem sofort 17 Mitglieder beigetreten sind.

o Friedberg, 21. Febr. Der gestrige Pferde- markt war seitens der Landbevölkerung wie feit lan­gen Jahren nicht besucht. Es wurden viele Pferde ge­kauft und getauscht und dieses Mal konnten die Händ­ler vergnügt von dannen ziehen.

o Büdingen. Die deutschen Gebirgs- und Wam dervereine werden ihren diesjährigen 25. Deutschen Wandertag vom 30. August bis 2. September in Bü­dingen abhalten.

o Hirzenhain. Hier geriet beim Rangieren der Bahnassistent Nagel unter die Räder; ein Bein wurde ihm ganz und das andere fast ganz abgequetscht. Der Verunglückte wurde im Auto nach Gießen zur Rlinif gebracht.

o Offenbach a. M. Infolge Selbstentzündung von Kohlengasen in dem Staubkohlentrichter entstand in der Offenbacher Zement-Fabrik ein E r o ß s e u e r, das erheblichen Schaden anrichtete. Infolge der reichlichen

Asthma.

Alle mit diesem lästigen Zustande Behafteten können mit größter Zuversicht ihre Zuflucht zu Astmol-Astma-Pnlver nehmen. Bringt sofortige Linderung-Seine schlaflosen Nächte «ehr.

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Wassermengen, mit denen das Feuer bekämpft wurde, wurden zirka 30 000 Fässer Zement vernichtet und ein Schaden von zirka 150200 000 Mk. angerichtet, der allerdings durch Versicherung gedeckt ist. Der Betrieb wird mit Ausnahme der Zementmüllerei, die aber in einigen Tagen betriebsfähig sein wird, in vollem Um­fange aufrecht erhalten.

s Darmstadt. Der Landesausschuß der N a * tionalliberalen Partei in Hessen wird am 3. März hier zusammentreten.

sind unvergleichlich für Kinder- und Krankennahrung, weil sie nach wissenschaftlich bewähr­ten Grundsätzen aus sorgfältig gewählten Rohstoffen ner-

. . < gestellt werden.

Vergebung.

Für die Großh. medizinischen und Frauenkliniken in Gießen soll für das Rechnungsjahr 1912 für einzelne Bedürfnisse auf längere Zeit auf dem Wege des öffentlichen Angebots vergeben werden:

a) Die Lieferung von:

1. Backwaren, 2. Zwieback, 3. Fleischwaren, 4. Spe­zereiwaren und Verbrauchsgegenständen, 5. Kaffee, 6. Butter und Eier, 7. Milch, 8. Bier, 9. Schreibmateria­lien, 10. Maschinenöl und Putzwolle, 11. Bürstenwaren, 12. Scheuertücher, 13. Seife und Soda, 14. Eis, 15. Porzellan- und Glaswaren;

b) Die Lieferung von zirka 50 Raummeter Tan­nenscheitholz;

c) Das Reinigen des Küchenherdes und der Oefen, die Abgabe der Knochen, leeren Flaschen und Lumpen, Gespül und leeren Oelsässern;

d) Transport der Wäsche.

Die Bedingungen können auf dem Verwaltungs bureau, Klinikstraße 32, an den Wochentagen nachmit­tags von 34 Uhr eingesehen werden.

Schriftliche Angebote sind bis zum Eröffnungstermin Freitag, den 8. Mär? 1912, vormittags 11 Uhr ebenso hiervon getrennt die Proben der unter a. 2, 4, 5, 8, 9, 10, 11, 12, 13 und 15 bezeichneten Gegenstände aus der Verwaltung einzureichen.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen, den 22. Februar 1912.

Großh. Verwaltungsdirekiion der medizinischen- und Frauenkliniken.

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