Einzelbild herunterladen
 

kerrer Bettung

vezugLpreis 40 Pfg. monatlich

v ertetjährlich 1,20 Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Zweig- auSgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und LamStagS. Redaktion: Selters­weg 83. Kür Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag derGießener Zeitung" G. m. b. H.

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der Illustrierte wochen-ünzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Anzeigenpreis 20 pfg.

die 44 mm breite Ins erat enzeile. Die 90 mm breite Zelle im R e k l a m e t e i l SO Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Überschreitung des ZnhtungS- zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohueBerbindlichkest.

Druck der Gießener Vcrlagödruckcrei.

Nr. 7

1. Blatt

Mittwoch, Len 24. Januar 1912.

Telephon: Nr. 362. 24. Jahrg

Die Keichstags-Stichwahlen.

Der erste Stichwakltag.

Am Sonnabend hatte bekanntlich in 78 Stichwah- len die Entscheidung zu fallen. Von diesen befanden sich bisher im Besitze der Konservativen 14, der Reichspartei 7, der Reformpartei 2, der Wirtschaftlichen Vereinigung 7, des Zentrums 10, der Nationalliberalen 19, der Fortschrittlichen Volkspartei 12, der Sozialdemokratie 6, der Welfen 1. Es erl)id,en: die konservativen 9 Man­date, die,' Reichspartei 6, die Reformpartei 2, die Wirt­schaftliche Vereinigung 4, das Zentrum 7, die National- iiberalen 20, die Fortschrittliche Volkspartei 17, die So­zialdemokraten 8, die Welfen 2, der Deutsche Bauernbd. 1 und Wilde (Graf Posadowsky) 2 Mandate.

Es gewannen die Konservativen 3 und verloren 5, die Reichspartei verlor 1 und gewann 1, die Wirtsch. Vereinigung gewann 1 und verlor 2, .die Nationallibe­ralen gewannen 10 und verloren 6, die Fortschr. Volks­partei gewann 8 und verlor 1, das Zentrum gewann 2 und verlor 5, die Sozialdemokraten gewannen 8 und verloren 5, die Welfen gewannen 2, der Bauernbund gewann 1 Mandat.

Von bekannten Persönlichkeiten wurden ge- wählt bezw. wiedergewähtt: bei den Konservativen die Herren v. Böhlendorff, v. Carmer, Dr. Dietrich, Dr. Giese; bei der Reichspartei die Herren Dr. Arendt, v. Liebert; von der Wirtschaftlichen Vereinigung die Herren Behrens, Burckhardt; von der Reformpartei Herr Wer­ner; von den Nationalliberalen die Herrett Bartling, Bassermann, Beck, Dr. v. Lalker, Held, Dr. Jungk, Paasche; von der Fortschritt!. Volkspartei die Herren Kopsch, Dr. Pachnicke, Mueller-Meiningen, v Sch'tt^ Gaevernitz, Dr. Struve; von der Sozialdemokratie Herr Gradnauer; außerdem der keiner Partei zugehörige Graf Posadowsky.

Richt gewählt wurden u. a.: von den Kon­servativen die Herren Graf zu Dohna-Schlobitten, Dr. Roesicke, Dr. Wagner; von der Reichspartei Herr von Moltke; von der Wirtschaftlichen Vereinigung Herr Raab; von den Nationalliberalen die Herren Wachhorst de Wente, Dr. Heinze, Haußmann, von der demokra­tischen Vereinigung Herr von Gerlach.

(Die Resultate des zweiten Stichwahltages find auf Seite 2 dieses Blattes zu lesen.)

Großherzogtum^Heffen.

Das Ergebnis der Stichwahlen in Hessen hat der bürgerlichen Sache Verluste gebracht; nach Of­fenbach und Mainz sind jetzt auch Darmstadt und Er­bach-Bensheim von der Sozialdemokratie erobert, in bei­den Fällen nicht ohne Schuld der Fortschr. Volkspartei. Im Wahlkreise Darmstadt ist aber doch wenigstens ein großer Teil der fortschrittlichen Stimmen auf den natio- nalliberalen Kandidaten abgegeben worden. In Erbach- Bensheim scheinen die freisinnigen Stimmen fast restlos aus den Sozialdemokraten übergegangen zu sein. Glän­zend ist der Stichwahlsieg des F r h r n. v. Heyl, der es auf rund 10 000 Stimmen Vorsprung vor sei­nem sozialdemokratischen Gegner brachte. In Alzey- Bingen hat, wenn die amtliche Nachprüfung das Re­sultat nicht ändert, der fortschrittliche Pfarrer Korell mit 10 Stimmen über seinen nationalliberalen Mitbe­werber Dr. Becker gesiegt. Die Hilfstruppen, die der Fortschr. Volkspartei von der Sozialdemokratie zuge- führt wurden, waren zahlreicher als die Reserven, die für Dr. Becker noch aufgebracht werden konnten. In Alsfeld-Lauterbach scheidet der bisherige Abgeordnete Bindewald (Wirtsch. Vereinigung) aus, um einem Na- tionalliberalen, dem Landwirtschastslehrer Heck, Platz zu machen. In Friedberg-Büdingen gelang es dem einmütigen Eintreten der bürgerlichen Parteien für Dr. Strack (natl.) den Wahlkreis der Sozialdemokratie wie­der zu entreißen. In Gießen blieb der bisherige Abg. Dr. Werner (Wittsch. Vgg.).

Hessen wird im neuen Reichstag durch 1 Mit­glied der Wirtsch. Vgg., Dr. Werner, durch 2 National- liberale, Dr. Strack und Heck, 1 Fochchrittler, Korell, 1 bei keiner Fraktion, Frhrn. v. Heyl, und 4 Sozial­demokraten, Ulrich, Dr. David, Dr. Quessel und Hasen­zahl vertreten sein.

Gießen-Nidda; Wahlberechtigte 30 168, abge­gebene Stimmen 24 917, davon erhielten Dr. Wer­ner 13 032, Beckmann 11 885.

Friedberg - Büdingen: Wahlberechtigte 25 162, abgegebene Stimmen 22 346, davon erhielten Dr. Strack 11 706, Busold 10 640.

Alsfeld-Lauterbach - Schotten:,' Wahl­berechtigte 19 7 55. Bindewald erhielt 815 3, § cd 9394 Stimmen.

Darm st adt-Groß-Gerau: Wahlberechtigte 41 943, abgegebene Stimmen 38 364, davon erhielten Dr. Quessel 21 610, Dr. Osann 16 744.

Erbach-Bensheim: Wahlberechtigte 26 983, abgegebene Stimmen 20 965, davon erhielten Hasenzahl 11 874, Rippel 9091. J

Worms-iHeppenheim: Abgegebene Stim­men 27 269, davon erhielten Frhr. von Heyl 18 222 Engelmann 9047.

Bingen-Alzey: Wahlberechtigte 25 747, ab­gegebene Stimmen 24 010, davon erhielten Korell 12 010, Dr. Becker 12 000.

Kreis Gießen-Grünberg-Mdda.

(Hierzu die Tabelle im 2.^Vlatt.)

Das Ergebnis der Stichwahl im Wahlkreise G l e ß e n - E r ü n b e r g - N i d d a hat sich so ge­staltet, wie es anders kaum zu erwarten war. Die rund 4000 Stimmen, die der Sozialdemokrat zum alleraröß- ten Teil wohl von liberaler Seite in der Stichwahl mehr erhielt, hätten wohl ausgereicht, ihn durchzubrin­gen, wenn nicht ein anderer Teil der Liberalen, den mail wohl mit rund 2500 Stimmen in Anrechnung bringen ^kann, dem Gegenkandidaten zu Hilfe gekommen wäre. So konnte Dr. Werner mit rund 1200 Stimmen Ueberschuß gegen rund 1900 in der Hauptwahl, über Beckmann triumphieren und sein Mandat behaupten. In der Stichwahl 1911 hatte Dr. Werner nur rund 1000 Stimmen mehr gehabt. Der Zuwachs gegen die Stichwahl 1911 betrug bc^ Dr. Werner 450, bei Beck- mann dagegen nur 275 Stimmen. Für diesen wurden 3937 Stimmen mehr abgegeben als am 12. Januar, fckr« jenen 8245 Summen. 'Sie Gesamt jttmmenzahl überstieg um 214 die der Hauptwahl.

Mit dem Ergebnis der Hauptwahl sind bis jetzt gewählt:

12 Reichspartei, 41 Konservative,' 3 Reformpartei, 10 Wirtsch. Vereinigung, 3 bayrische Bauernbund, 91 Zentrum, 16 Polen, 41 Nationalliberale, 1 deutscher Bauernbund, 1 Däne, 34 fortschrittliche Volkspartei, 98 Sozialdemokraten, 5 Elsässer, 2 Littauer, 4 Welfen, 2 Wilde.

*

Es finden am Donnerstag noch 3 3 Stichwah - I e n statt. An diesen sind beteiligt die Konservativen in 10, die Reichspartei in 5, die Nationalliberalen in 8, die Fortschrittliche Volkspavle in 10, das Zentrum in 7, die Polen in 4, die Sozialdemokraten in 19, die Wilden in 1 Wahlkreis.

Hus Stadt und Cand.

Gi en, den 24. Januar 1912.

n Gießen. Die philosophische Fakultät der Uni­versität Gießen hat den Geh. Kommerzienrat Wilhelm Gail wegen seiner Verdienste um wissenschaftliche Un­ternehmungen und um die Schaffung wissenschaftlicher Sammlungen ehrenhalber zum Doktor der Philosophie ernannt.

n Gießen. Als Festvorstelluno zu Kaisers Ge­burtstag im Stadttheater wurde Paul HeysesCol­berg" gewählt.

n G i e ß e n. In ihrer letzten Sitzung faßte die nationalliberale Partei Hessens den einstimmi­gen Beschluß, bei der Regierung den nachstehenden An­trag einzubringen:Die Regierung wird ersucht, diesem Landtag eine Denkschrift über die Uebernahme der Volksschule auf den Staat in sachlicher und persönlicher Hinsicht vorzulegen, dabei Auskunft zu ge­ben, wie sich die historische Entwickelung in unserem Lande und in den übrigen Staaten Deutschlands voll­zogen hat, sowie welche finanziellen Wirkungen die Uebernahme dieser Kosten für den Staat und die Ge­meinde haben würde." Nach früheren Ermittelungen be­laufen sich die von den Gemeinden aufzubringenden gesamten Volksschullasten (einschließlich der Kosten für die Unterhaltung der Gebäude) in der Provinz Rhein­hessen auf 1 698 540 Mark, in Starkenburg auf 2 615 469 Mark, in Oberhessen auf 1 055 755 Mark, insgesamt auf 5 369 764 Mark. Dazu kommen noch die persön­lichen Lasten mit 4 397 7 98 Mark für das ganze Groß- herzogtum.

o S ch o t te(n. Bürgermeister Kromm erläßt einen Aufruf an die Bewohner Schottens und der Umgegend zur Unterstützung der L a n d s l e u 1 e an der W o lg a im russischen Gouvernement Saratow, welche durch Die Mißernte des Sommers in bittere Hungersnot und großes Elend geraten sind. Die Leute sind zur Zeit der Schrecken des siebenjährigen Krieges aus Schotten ausgewandert und haben sich auf Einladung der Kar-

2'. an der Wolga angesiedelt. Ihr Deutschtum haben sie sich bis heute bewahrt. Lehrer M Nromm in ^agodnaja-Poljana hol nch mit gewandt um ^* an d'c Bürgermeisterei Schottens

«I Schott e n Die Äanderhaushaltungsschule des \rci|C3 Schotten beginnt nm 1. Februar in Wetter- f e l d einen Uitterrichtskursus für Frauen und Mäd- bnran "Uch Personen aus Lauter und

5 9 f c ubuch a. M. Die Kolonie der Eigenheim- ^uug^ellschaft in Offenbach entwickelt sich derart günstig oatz o)on jetzt an eine Erweiterung gedacht werden muß' so soll mit dem Bau weiterer 30 Einfamilienhäuser in Der neuen Kolonie begonnen werden.

s O f f e n b a ch. Der frühere Oberbürgermeister 45rinr, der 24 Jahre lang, von 1882 bis 1907, an Der Spitze der städtischen Verwaltung stand, ist im Älter von nahezu 64 Jahren in der Nacht zum Wontag ge- [tmoen Er war noch bei der letzten Reichstagswahl als Kandidat der Liberalen ausgestellt, unterlag aber den Sozialdemokraten.

s Darmstadt. Der Vorstand des Hess. Landes- Lehrer-Vereins hat eine Eingabe an die Zweite Kam- nier der Landstände gerichtet mit dem Ersuchen, einen Beschluß herbeizuführen, durch den die Regierung ver- aiilaßt wird, die angekündigte Gehaltsvorlage für die Beamten und Lehrer der Kammer so zeitig zu unter = breiten, daß eine Gehaltsregelung bestimmt am 1. April 1912 in Kraft treten kann. Als Forderung der Lehrer­schaft wird auch in dieser Eingabe wiederum Gleichstel­lung mit den mittleren Finanzbeamten verlangt.

! B e n s h e i m a d. B. Die hier stattgehabten Holzversteigerungen erzielten nur Preise, die unter dem Tarif blieben und wurden daher nicht genehmigt.

! Main z. Der 35jährige Hausdiener Karl Heck, der schon 71 mal, darunter 49 mal wegen Bettelns, vorbestraft ist, wurde vom Schöffengericht zum 50. male wegen Bettelns verurteilt, und zwar zu einer Haft- strafe von 3 Wochen.

r Wetzlar. Aus Anlaß des Ordensfestes erhiel­ten hier Gymnasiallehrer Eloos den Kronenorden 4. Klasse; Lehrer Lochau-Gleiberg den Adler der Inhaber des Hohenzollernschen Hausordens; Förster Grammes in Erda das Kreuz zum Allgemeinen Ehrenzeichen und Gerichtskanzlist Jakob Brandstetter hier das Allgemeine Ehrenzeichen.

):( Frankfurt a. M. Das Frankfurter Komö­dienhaus stellte seine Vorstellungen ein. Direktor Fischer- Peschlow ist von Frankfurt angeblich mit Hinterlassung bedeutender Verpflichtungen abgereist.

):( Marburg. Die Stadtverordneten bewilligten zum Städtebund-TheaterMarburgGießen- Nauheim außer dem seitherigen Zuschuß von jährlich 1500 Mark noch weitere 1000 Mark.

s H ö ch st a. M. Aus Anordnung des Landrats - amtes sind in allen Orten des Kreises Schulsparkassen eingerichtet worden, die bereits sehr rege benutzt werden.

):( Wiesbaden. Die Stadtverwaltung hat die Errichtung eines Krematoriums beschlossen, das 40 000 Mark kosten soll.

):( Limburg. Im Auftrage des Landrats Büch- ting wurden zur Pflege der Heimatkunde verschiedene Serien von Ansichten aus dem Westerwalde angefertigt. Die Regierung in Wiesbaden will gleichfalls Mittel be­willigen zur Anschaffung dieser Karten für die Schulen zwecks Förderung des Unterrichts in der Heimatkunde.

):( Weilburg. Das im Oberlahnkreis gelegene Dorf Altenkirchen feiert im Laufe des Sommers sein 1000jähriges Bestehen.

):( Bad Homburg. Zum ersten Kurdirektor von Bad Homburg ist nunmehr Graf Eberhard Zep­pelin, der bisher die Stelle eines zweiten Kurdirektors inne batte, für die Dauer von 3 Jahren gewählt wor­den. Erster Kurdirektor Frhr. v. Maltzahn tritt am 1. April d. Is. von seinem Posten zurück.

):( Kassel. Zwei Handwerksburschen, die sich auf der Walze befanden, wurden in einem Graben, von Schnee bedeckt, erfroren ausgefunden, neben ihnen der Hund, den sie aus der letzten Herberge mitgenommen hatten.

):( Mannheim. Im Jahre 1908 erfolgte auf dem Friedhofe dahier ein Diebstahl zweier wertvoller Urnen, die den Eingang zu dem Kolumbarium der Fa­milie Giulini zierten; jede der Urnen hatte einen Wert von zirka 800 Mark. Jetzt, nach drei Jahren, ist es der Polizei gelungen, die Diebe dingfest zu machen. Als Täter wurden drei Personen namens Franz Funk, Karl Roßbach und Valentin Orth verhaftet. Als Hehler kommt der Atthändler Valentin Eckert in Betracht, der ebenfalls verhaftet wurde.