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(Neueste Nachrichrrn)

fWtcßener Tageblatt)

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Druck der (Siebener Verlagsdruckcrci.

Nr 24

Telephon: Nr. 362.

Samstag, den 23. März 1912.

Telephon: 9tt. 862. 24 3Q l-kl^

’^ Vie hessische Vesolüungvorlage.

^^'^^^^ Die langerwartete Besoldungsvorlage ist am Don- mstag dem Landtage zugegangen. Sie wird keine ge- Melle Reform, sondern nur eine prozentualle Erhöhung der Gehälter bringen. Der „Tgl. Anz." erfährt, daß die geplante Aufbesserung der Gehälter 12 bis 13 Prozent Lei den unteren, 10 bis 11 Prozent bei den mittleren Md 6 bis 8 Prozent bei den oberen Beamten bis zu 7000 Mark betragen wird. Bei Gehältern über 7000 Mark soll die Erhöhung etwa 4 Prozent betragen. Die Erhöhung wird den Landesbeamten nach dem Gehalt, das sie zurzeit beziehen, berechnet, nicht wie der jetzige der Talschnch Wohnungsgeldzuschutz nach dem erreichbaren Höchstge­halt des Beamten.

Außer dieser Gehaltserhöhung ist beabsichtigt, das Wohnungsgeld nach dem Muster von Preußen und btm Reich aus bestimmte Sätze zu erhöhen, die etwa ^2* 75 Prozent des jetzigen Aufwandes für Wohnungs * J^ liest,, miete entsprechen sollen. Das Land soll in drei Servis- w»^ Wen eingeteilt werden, wobei die größeren Städte in . ” >it erste Klasse kommen. Für die erste Klasse gelten , , * Agende Sätze: Untere Beamte 330, mittlere Beamte «4. Legehoh» j.oo—500, höhere Beamte (bis zu 7000 Mk. Gehalt) â 800-1000 Mark. Bei mehr als 7000 Mk. Erhalt 1250 _______ Mark, Minister 1800 Mark. In der zweiten Klasse be- reef(W irâflt das Wohnungsgeld etwa 80 Prozent der ersten sonst, dünk Waffe, in der dritten Klasse 70 Prozent der zweiten ß. verktmsu jjtlajfc- Die Besoldungsvorlage soll einen integrierenden Möot mit' Zestandteil und eine von der Kammer wiederholt ver- tagte Besoldungsreform darstellen.

— — Eine demnächst den Kammern des Weiteren zu- MWèk ^sehende Vorlage soll die Härten, die sich im Laufe der

' Jeit in der Besoldungsordnung von 1898 gezeigt haben,

Beseitigen.

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Auch dem Kergarbetterstreik im Ruhrgebiet.

Der Streik im Ruhrgebiet ist jetzt zu Ende und die Arbeit geht in gewohnter Weise von statten. Wie Mit- geteilt wird, beträgt nach genauer Berechnung der Lohn- nusfall der Bergarbeiter in Bochum 6 7 50 000 Mark. CCs kommt auf jeden Streikenden ein Lohnverlust von MMark. Das aus Anlaß der Ausschreitungen wäh- Hleiib des Streiks in das Ruhrgebiet beorderte Militär iHi zurückgezogen und in die Garnisonen zurückbefördert. W in das Streikgebiet beorderten Gendarmen hingegen tweiben noch bis Mitte nächster Woche bleiben. — Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit werden die Streik- veergehen in Hamborn zur Aburteilung gebracht. Vorgestern standen bereits 8 Streikvergehen vor der

Strafkammer in Duisburg zur Verhandlung an. Da­von wurden nur 5 Fälle erledigt; zwei Fälle wurden vertagt und ein dritter an das Schwurgericht verwiesen. Ein Färbereigehilfe, der einen Polizeikommissar mit dem Fuß einer Grubenlampe »leicht verletzte, erhielt 4 Mo­nate Gefängnis. Wegen Beleidigung eines Polizeikom­missars erhielt ein Kesselheizer einen Monat Gefängnis. Ein Hauer erhielt wegen tätlichen Angrisis auf einen Gendarmeriewachtmeister sechs Monate Gefängnis. Ein Schlepper kam wegen Beleidigung eines Arbeitswilligen (Streikbrecher) und Körperverletzrmg mit einer Woche Gefängnis davon.

Die Angriffe der Dreibundführer auf die bürgerliche Presse.

Wie aus der in der Revierkonferenz der drei Berg­arbeiterverbände gesatzten Resolution hervorgeht, sind die Verbandsführer um Gründe für den Abbruch des Streiks, durch die sie die eigene Schuld an dem frivol heraufbeschworenen Ausstand im Ruhrrevier zu verdecken suchen, nicht verlegen. Vielfach eingetretene Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der Bergleute, rücksichtsloses Vorgehen der Polizeimannschasten und namentlich die systematische Irreführung der öffentlichen Meinung durch die bürgerliche Presse hätten es vermocht, den Streiken­den den Erfolg aus der Hand zuschlagen. Durch die für die Arbeiter ungünstig lautenden Streikziffern seien die Ausständigen immerfort irregeführt und nach und nach teilweise so auseinandergerissen worden, daß es nicht mehr möglich gewesen sei, den Kampf mit Erfolg weiterzuführen.

Die Behauptung, die in der bürgerlichen Presse veröffentlichten Zahlen über den Stand des Streiks seien nicht richtig, ist dieser Tage schon vom Zechenverband klipp und klar widerlegt worden. Außerordentlich be­merkenswert ist nun, was der Dortmunder General-An­zeiger hierzu noch zu sagen hat. Das Blatt schreibt im Anschluß an die Wiedergabe der Resolution des Drei­bundes, es habe sich mehrere Tage lang immer wieder vergeblich bemüht, die ihm von den Führern des Berg­arbeiterdreibundes versprochenen Streikzahlen vom sozial­demokratischen Vergarbeiterverband zu erhalten. Es wäre gewiß von großem allgemeinen Interesse gewesen, die von den beiden gegnerischen Parteien angegebenen Zah­len miteinander zu vergleichen, aber trotz aller Bemüh­ungen sei es ihm nicht gelungen, vom Dreibund das versprochene Zahlenmaterial zu erhalten.

Den sozialdemokratischen Verbandsführern wird diese Mitteilung, aus der hervorgeht, daß sie nicht ohne Absicht die von ihnen ermittelten Zahlen den Zeitungen

vorenlhalten haben, nicht gerade angenehm sein. Sie be­weist, daß der Verband selbst keine Streikzahlen vor­liegen hatte, ^die die ausständigen Bergleute zur Fort­setzung des Streiks hätten ermutigen können. Trotzdem hat aber die sozialdemokratische Presse die bürgerlichen Zeitungen unausgesetzt in der heftigsten Weise ange­griffen und sie der Irreführung der Bergarbeiter und der öffentlichen Meinung beschuldigt. Falsche Rachrich- teri über den Stand des Streiks hat, wie zweifellos fest- steht, die sozialdemokratische Presse verbreitet und da­mit den Bergarbeitern unermeßlichen Schaden zugefügt. Hätte sie, wenn sie den Angaben des Zechen-Verbandes keinen Glauben schenken wollte, die fast gleichlautenden Zahlen des Königlichen Oberbergamts veröffentlicht, so würde der Ausstand sicher schon weit früher sein Ende erreicht haben, da die Bergarbeiter dann die Nutzlosig­keit des Ausstandes erkannt haben würden. Daß die streikenden Bergarbeiter selbst zu der Ueberzeugung ge­kommen sind, daß sie von den Verbandsführern über den Stand des Streiks falsch unterrichtet worden sind, kam auch in den am Dienstag abgehaltenen Bergarbei- terversammlungen, in denen den Verbandsführern von vielen Seiten dieserhalb die heftigsten Vorwürfe gemacht wurden, zum Ausdruck. Wenn die Führer es dennoch wagen, der bürgerlichen Presse irreführende Berichter­stattung vorzuwerfen, so darf man das Urteil hierüber wohl der Oeffentlichkeit und namentlich auch den Berg­arbeitern selbst überlassen.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Berlin, 23. März. Die Mittelmeerreise des Kaisers ist gestern Freitag angetreten worden. In seiner Begleitung befinden sich das Prinzenpaar Au­gust Wilhelm und die Prinzessin Viktoria Luise. Von persönlichen Bekannten wird Fürst Egon zu Fürstenberg an der Reise teilnehmen.

s D a r m st a d t. Der Vortragende Rat in der Ab­teilung für öffentliche Gesundheitspflege des Ministerium des Innern, Geh. Obermedizinalrat Dr. Neidhart ist aus sein Nachsuchen mit Wirkung vom 16. April d. Js. an in den Ruhestand versetzt. Er erhielt vom Groß- Herzog das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.

Holland.

Prinz Heinrich der Niederlande traf gestern mittag mit großem Gefolge zur Besichtigung der Krupp­schen Fabrik in Essen ein. Er wurde am Hauptbahn- hof von Herrn Krupp von Bohlen und Halbach em-

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Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

(Nachdruck verboten.)

Der Zuruf ihres Anführers brachte die Franzosen zum Stillstand. Sie ballten sich in einem Knäuel zu- sammen: aber Schuß auf Schutz lichtete die belagerten Mihm, die Ueberlebenden flüchteten die Stiegen empor, Nnje für Stufe gegen die Nachdrängenden verteidigend.

Den Degen in der Linken, den Revolver tn der mafiosen Rechten, stürmte Tyrolt den Seinen voraus, ^ie erste Etage wurde geräumt, Körper auf Körper rolle über die blutgetränkten Stufen in die Tiefe. Un- aMfhâltsam tletterten die Sachsen ins zweite Stockwerk eiti|Dr, wo sie die Schützen von den Fenstern verjag- tr:i, die wie Schießscharten mit eisernen Läden geblen- bett waren. Die Geschosse vom jenseitigen Ufer hatten kÈu Schaden getan. Wenn nicht Kanonen mitspra- â blieb die Fabrik liebst ihrer Besatzung unversehrt. Dies erkannte Waldemar sehr wohl, um so nachdrück- liiher verfolgte er den Feind. Als er sich den Eintritt in die erste Etage erzwungen hatte, verfolgte er die Amkiireurs bis in die äußersten Winkel. Einer bog über die linke Galerie nach der verborgen gelegenen Bitiertammer. Tyrolt, der eine Gewalttat befürchtete, safte der eilig dahin huschenden Gestalt und befand sich Olivier gegenüber. , r ,

Beide Feinde erkannten fr’ sogleich.

„Ach, Monsieur, sind Sie >u uns öurückgekehrt , Mitte der Sohn des Hauses. „3/6 wünschte, mem Ba- t®, und Desiree könnten Ste in diesem Augenblick festen/'

„Schweigen Sie, Unseliger!" herrschte ihn Walde­sch bin Franzose, Herr, ein Offizier wie Sie- Aus Mit einer Sand voll Leute den sieggewohnten Deutschen Mr an. „Was in aller Welt konnte Sie veranlassen, ntgegenzuireteu?"

Patriotismus verteidige ich mein Vaterland, aus Trotz mein Eigentum gegen Euch Mörder, und Mordbrenner. Ich habe den Kürzerell gezogen, weil Sie der Spion waren, welcher die Schleichwege kannte und uns den Rücklveg abschnitt. Fahr zur Hölle, Verräter!" schrie er, plötzlich sich aus seiner gedeckten Lage aufrichtend, und stieß mit seinem Degen nach des Feilldes Brust. Aber dieser war auf seiner Hut. Mit einem kraftvollen Hieb parierte er derart, daß die feindliche Waffe klirrend zur Erde fiel

„Halten Sie sich still, Herr", sagte Waldemar, ohne die Ruhe zu verlieren, „weiln Sie meine Leute hören, sind Sie verloren, ich aber möchte Sie schonen, trotz aller Bosheit, denn das Blut der Bourlier soll nicht

auf mir lasten."

„Sie woll eil mich schonen?"

„Ich bin es Ihrem Vater schuldig. Ich werde Sie retten, denn Sie müssen einsehell, daß Ihre Positioir un­haltbar, Ihr Leben verwirkt ist, da man Sie als Be­fehlshaber der Fraliktirenrs angetroffen hat. Dennoch will ich Ihnen forthelfen, still, nur still!"

Olivier nickte dem Deutschen mit falschem Blicke zu, dann ließ er sich theeatralisch vor ihm auf den Boden nieder. Er berührte mit der linken Hand Herz und "jppen, als sich aber Tyrolt abwandte, die ossenstehende Tür 5U schließen, ergriff er mit der Rechten den Säbel, der am Boden lag, sprang auf und stieß seinem Gegner den Stahl rückwärts durch die Rippen, daß jener laut­los zur Erde fiel.

In diesem Augenblick erschien Neumann, von meh­reren Schützen begleitet, auf der Schwelle. Er hatte sei­nen Herrn in Verfolgung der Franktireurs über den Gang eilen sehen. Ein Blick sagte ihm, daß er zu spat erschienen sei. Unbändige Wut stieg in ihm auf. Mit dem Schrei eines Tobsüchtigen sprang er auf den Fran­zosen ein, der sich nicht verteidigen konnte, da sein De aen in der Wunde stecken geblieben war, packte ihn mit beiden Händen und schmetterte ihn gegen die holzge­

faßten Scheiben des hohen Bogenfensters. Mit mark­erschütterndem Schrei sauste Olivier in die Tiefe hinab und schlug dumpf auf den Hof nieder, wo er ohne Le­benszeichen liegen blieb.

Neumann wollte sich jammernd über den Körper seines Leutnants werfen, aber die Kameraden hinder­ten ihn daran.

„Erst den Degen heraus, vielleicht ist noch Hilse", sagte eine Schütze.

Der brave Bursche bezwang seinen Schmerz. Vor­sichtig entfernte er den Stahl. Die Wunde durchquerte den ganzen Körper. Das Blut quoll aus ihr in Strö­men, der Verwundete stöhnte und seine Lippen färbten sich mit rotem Schaum. Neumann riß die Uniform he­runter und verband seinen Herrn so gut es ging.

„Hole Wasser, Gottlieb", sagte er zu seinem Ka­meraden, „und Du, Brenner, paß auf, daß wir hier nicht gestört werden", befahl er dem andern. „Lauf, Gottlieb, schaff Master herbei!"

„Das wird wohl nicht mehr helfen", meinte der Schütze, „unser armer Leutnant muß in's Gras bei­ßen. Aber ich will nach Wasser suchen, vielleicht bekommt er doch noch Durst."

Der Mann entfernte sich. Brenner bezog seinen Posten auf dem Gange. Neumann legte das Haupt Waldemars auf seinen Schoß, damit das Blut nicht mehr auf seine Lippen steifen könne.

„Mein armer, armer Herr," seufzte er, „so nieder­trächtig zu Falle zu kommen; so ein gemeiner Hund, heimtückisch nach Franktireurart! Aber ich habe es ihm gegeben. Und doch, was hilft's?! Mein guter HerS wird dadurch nicht wieder gesund."

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