oerceijährtich 1,2<> Mt., vvrausznhlbar, frei ins Haus. Abfieholt in »mierer Expedition oder in den Zweig- miéflÄbcnesl^n vierteljährlich 90 Pfg. — Erscheint Mittwochs unü TamStagS. — Redaktion: Leliers- roep KJ. .— Aür Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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W* 50
Telep hon: Nr. 362.
Samstag, Den 22. Juni 1912.
Telephon Nr.: 862.
24 Iahru.
Gin neuer Dreibundvertrag.
Zn R o m wird der bevorstehenden Zusammenkunst ^l|Uüier Wilhelms mit dem Zaren in den sinländischen ^^)evässern folgende Bedeutung beigemessen:
4« 1. Die Neuorientierung oder Neugruppierung der
âd europäischen Mächte ist nicht mehr zu umgehen,
2, -je Salfanfrage wird mit dieser Neugruppierung
D. mit b
■ -« ihre entsprechende Lösung finden, i'M 3. der Abschluß des Friedens ist nur noch
El. MllLc
eine
Frage weniger Wochen.
Demgegenüber wird aber behauptet, daß, solange ^5bcr Kriegs dauert, Zwischenfälle oft geringfügiger Natur gesährlichen Elementen der Störung und Trübung bisherigen bezw. neubesiegelten Verhältnisses wer- Fiöte,,.ietH tonnen. Es soll ein funkelnagelneuer Bund mit Istras item Gesichtspunkten und neuen Ausgaben geschaffen , gerade ©eMben, ein Bund, der Irrungen und Wirrungen nicht julây, wie sie die letzten Lebensjahre des alten Bundes de?™ eiteiiillien und ihren Höhepunkt in der Groteske von 2o Stic llgrciras erreichten.
ks
gleitiiQp------------------------ ---
L Gin liberaler Sieg.
Ä Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis der am hTacba.b Diei stag im Wahlkreise Hagenow-Grevesmühlen vorge- Postpait norinienen Reichstagsersatzwahl wurden ab- iresMc ^g^ für Sivkovich (liberal) 6962, für Pauli (kons.) f1^«'^, jür Kober (Soz.) 4267 Stimmen. Es fehlen die __Jk| Zitate aus 5 kleinen Orten. Es findet somit Stich- PnfflTdll zwischen dem liberalen und konservativen Kandi- )otdi statt. Bei der letzten Wahl erhielt Pauli (kons.)
*d. 4.50 L
lv^, Sivkovich (liberal) 6140, Kober (Soz.) 6151 Stürmten. In der Stichwahl siegte dann Pauli mit ___)86^ Stimmen über Kober, der 8755 Stimmen erhielt. ■neOie Konservativen verlieren also gut 300 Stimmen, die ^rânigen gewinnen 800 und die Sozialdemokraten JrHmn fast 2000 Stimmen. Dieser s o z i a l d e m o- ^l «tische Stimmenrückgang ist so auffällig, ß konservative Behauptungen von einer Abkomman - MLng sozialdemokratischer Wähler zugunsten des srei- mzen Kandidaten nicht ganz unwahrscheinlich klingen.
wäre das seitens der Sozialdemokratie ein bemer - sWertes Zeichen politischen Verständnisses, denn im 11? einer Stichwahl zwischen dem konservativen und m. Sozialdemokraten wäre der Sieg des ersteren sicher sen, wie denn auch der konservative Kandidat bei allgemeinen Wahl im Januar gewählt wurde. Da= 1« war der sozialdemokratische Kandidat, wie die s!»nc^,VaMprüfungskommission des Reichstages seststellle, zu «Hl in die Stichwahl gekommen; deshalb würde die ___iail Paulis für ungültig erklärt. Dieses Mal wird " s bin Konservativen wohl kaum gelingen, das Man- chtr gegen die Liberalen zu behaupten.
emrel
-uüiw^^H — Reich •reisliste Hartmann Eisenach.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Der Kaiser hörte gestern vormittag den Vortrag des Staatssekretärs v. T i r p i tz. Er besichtigte dann in Begleitung des Reichskanzlers und der Herren । des Gefolges die Kaiserliche Werft in Kiel. Später ' machte der Kaiser wiederum in Begleitung des Reichs- i kanzlers und der Herren des Gefolges auf einer Anzahl : ausländischer Jachten Besuch. Um 12 Uhr 45 Minu- i ten kehrte der Kaiser an Bord der „Hohenzollern" zurück, wo er militärische Meldungen entgegennahm. — An- > stelle des Vizeadmirals Schröder wurde Kontreadmiral I Jacobson zum Kommandanten von Helgoland und der ' Kommandant der Jacht „Hohenzollern" Kapitän zur I See Karpf, unter Belassung in dieser Stellung zum Flügel-Adjutanten des Kaisers ernannt.
* Berlin, 21. Juni. Reichskanzler von Bethmann Hollweg wird nach der Entrevue des Kaisers mit dem Zaren in den Finischen Schären, an der der Kanzler teilnehmen wird, sich nach Gastein begeben, um dort eine längere Kur zu absolvieren. In diplomatischen Kreisen wird es nicht für unmöglich gehalten, daß der Reichskanzler auf der Reise nach oder von Gastein dem österreichischen Minister des Aeutzeren, Grasen Berchtold, seinen Gegenbesuch abstatten wird. Hierauf wird der Reichskanzler einen längeren Urlaub auf seinem Gute Hohenfinow bei Berlin antreten.
* Trier, 21. Juni. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl in Trier für den zurückgetretenen Abgeordneten Rören wurde Freiherr v. Steinäcker (Z.) mit 399 gegen 3 liberale Stimmen gewählt.
* Berlin, 21. Junk. Nachdem sämtliche Rtächte Deutschlands Vorschlag der Beschickung der internationalen Konferenz anläßlich der „T i 1 a n i c - K a - t a st r o p h e" zugestanden haben, hat Deutschland offizielle Einladungen an die fremden Staatsregierungen ! beschlossen.
* Erhebungen über die Ursache des Geburtenrückganges in Preuhen werden demnächst auf Veranlassung des Ministeriums des Innern in den größeren Städten beginnen. Vor allem wird hier oie Frage geprüft werden müssen, ob der namentlich in den Großstädten beobachtete Geburtenrückgang durch hygienische i oder soziale Momente oder durch die Verhältnisse in den j einzelnen Erwerbszweigen verursacht worden iü.
Oesterreich.
* Die ungarische Regierung legte dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf vor, nach dem Abgeordnete, die Dom Präsidenten ausgewiesen worden l™ und' trotzdem wieder im Sitzungssaal erscheinen und der neuerlichen Aufforderung, sich zu entsernen nicht folgen,
des Mandats verlustig erklärt werden und die Wählbarkeit für die laufende Legislaturperiode verlieren.
* Wien, 21. Juni. Kaiser Franz Josef bat dem Ministerium mitgeteilt, daß er seine für den 26. Juni festgesetzte Abreise nach Ischl auf einige Tage verschiebe, da er die Annahme der W e h r g e s e tz v o r l a g e ab- warten will.
* Wien, 21. Juni. Der Regent von Persien ist heute früh hier eingetroffen.
* Prag. Der Statthalter von Böhmen, Fürst v. Thun uno Hohenstein, hat dem böhmischen Landes- ausschuß mitgeteilt, daß er der im Wahlkreise Jung - bunzlau in den Landtag gewählten Frau Vik-Ku- n e 1 i cf i) die Ausstellung des Wahlzertifikats verweigern müsse, da den Frauen das passive Wahlrecht"nicht zustehe.
Luxemburg.
* Die Großherzogin Marie Adelheid leistete den Eid auf die Verfassung. Dann verlas sie eine Thron - rede, in der sie versprach, den Luxemburgern eine gute, gerechte, mildtätige und nachsichtige Fürstin zu sein, die ihr Augenmerk besonders auf die soziale Fürsorge richten wolle.
Frankreich.
* Frankreich wird hinfort über 670 Bataillone verfügen, gegen 651, die dem deutschen Reiche nach der neuen Militärvorlage zur Verfügung stehen. Dieses Zahlenübergewicht bedeutet indessen keine tatsächliche Ue= berlegenheit.
* Paris, 21. Juni. In allen Hasenorten ist der Streik der Seeleute ausgebrochen. In Marseille ruht die Hafenarbeit so gut wie ganz.
* Paris. Mehrere radikale Deputierte beschlossen, zum Budgetgesetz einen Zusatzantrag einzubringen, wonach behufs Bekämpfung der Bevölkerungsabnahme jedes Familienoberhaupt, das mehr als drei Kinder unter 13 Jahren zu versorgen hat, für jedes weitere Kind eine monatliche Unterstützung von sechs Francs erhalten soll.
England.
* Am 8. Juli findet auf der Höhe von Spithead eine englische F l o 11 e n p a r a d e und eine Besichtigung der Kriegsschiffe durch die Mitglieder des Parlamentes statt. Am solgenden Tage beginnen dann die großen Schifssmanöoer, an denen sich wohl die slänsle Flolte, die jemals vereint war, beteiligen wird. Die Linie ’ der Schisse wird ungesähr 48 Kilometer lang [ein. Unter anderem werden 18 Dreadnoughts daran
Schupp/ skroph;^ e bi
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
(Nachdruck verboten.)
--^ v »Der Spionin!" rief der Kommissar, mit ärgerlicher L har'i Nime aufstehend. „Ein eklatanter Fall gemeiner Spio- ' vergeh Bag», wie dieser Brief bezeugt. Er deutete auf ein ie,ver5ti tzchneiben, welches auf seinem Tische lag. „Uebrigens eu.rl- Habich eigentlich mit dieser Angelegenheit nur inso- ^^^^ schaffen, als ich dem Polizeichef zeigen wollte, TL tvß ^gleichen Gesindel massenhaft in Bordeaux weilt,
1151 Nw jener cuiuuuvi, ^^iv*iuyv »vui.v vmv o«-
.Demnach ließen Sie die Dame verhaften, Herr Ge- bub^Reralkommiffar?"
,M< .Ich nicht, der Polizeihäuptling. Ich ließ das Ge- ^^Dö«f nur zu mir kommen, weil ich ihm selbst auf den ^^8ahm fühlen will."
slsE ânn wird der Dame Gerechtigkeit werden, die so ,- jl-MsÄuldig verdächtigt wurde, daß ich mit Freuden jede
1 luj.BtWdM übernehme."
qctM „Tun Sie das nicht, Herr Graf," sagte der Beamte tattfd) lächelnd. ^Die Dame, welche sehr hübsch sein ~ sie einen so vornehmen und heldenmütigen ist stark kompromiMert." _
^^^^^^^■-^ ^— sr-^Z â^7^ eine Korrespondenz mit einem deutschen
Oste« ausgefangen, die deutlich dafür spricht, daß sie, vn pi spionieren, hergekommen ist. Wollen Sie oen
, <0— O LS « «S v. * »‘■““vrÄSa“'1»
' »Mur zu lesen, sagte er diskret, „n meiner jehr verbutben, wollten Sie ow ^«»>> *"
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Gegenwart anhören. Ich bin überzeugt, daß sie Hann nur die Wahrheit sprechen wird."
„Es freut mich, einem so tapferen Mann, wie Sre, Herr Major, gefällig sein zu können. H^^^ besahl er dem Wachthabenden, „führen Sie öre Delinquentin vor'"
Beide Herren setzten sich wieder, der Generalkommissar mit wichtiger Miene hinter seinen aktenbedeck- tcn Diplomatcntisch, dÄlincourt einigermaßen verbor- gen in eine Fensternische.
(5'iniae Minuten später trat Desiree ein.
Her/von Soumis betrachtete die schlanke, aristokratische Gestalt nicht ohne Interesse. Er war ein feiner Kenner weiblicher Schönheit. Desiree's schönes Auge, welches sich flehend auf ihn dichtete, verfehlte ferne Wi^ kuna nicht. Er deutete auf einen Stuhl, daß sie sich setzen möge, und winkte dem Huissier, abzutreten.
„Sie heißen Desiree Bourlrer? Haben Sie Pa- "^°Sier ein belgischer Patz und meinen Heimatschetn." Sie "legte beides vor den Generalkommiflar auf den 2lft%jnm kranrösischen Konsul visitiert,' sagte von SoqmA 'ganzâschän! IN wegen Auftrag reisten Sie üierber^"'^" ~ r^"
kam in eigener Angelegenheit, um rnewen Vate^szusuchen, der ^»^ »
lW nerWoO n M ^ Kündigungen nach ihm einzu- M. N deinen Rchschlägen wollte ich meinen Ba- ter ^D^'e« Stellungen, Rüstungen, Bewegungen “^^ch^o^ Herr Generalkommissar. Ich
unternehmen?"
>m omerelle der Prussiens und in Verbindung mit dem Leutnant Waldemar Tyrolt in Reichenbach.« Desiree's Dtnnd e«tfuhr ein Schrei. Das war also der Kern des Verdachtes!
„Sie wissen 7" fragte sie tonlos.
„Bekennen Sie sich schuldig, gestern an den Mann einen Brief geschrieben »u haben?«
"Ist es Nieser?« fragte der Kommissar, ihr ein geöffnetes Schreiben hinhaltend
„Allerdings, aber wie kam der Brief in Ihre Hand. „(..ß Haß Stubenmädchen las die Adresse aus "dem Schreiben und benachrichtigte die Dtrectrice des Pensionats, die als eifrige Patriotin bekannt ist. Diese nahm den Brief an sich und liierte ihn der Po- lizei aus, die Polizei gab ihn mir, ich öffnete und las ihn, voilal Ich lieh Sie verhaften wegen Landesverrat und Spionage. Nun wird Ihnen der Verkauf der An- aelegenheft wohl klar geworden sein, schlotz er mit blitzenden Augen und drohender Handbewegung.
„So hat man mich also bcstohlenl" rief das Mädchen mutig, „und das Briefgeheimnis verletzt?"
Gewiß, die Adresse allein ist schon Landesverrat. An den Leutnant Tyrolt, offenbar ein Offizier, der ge- gen Frankreich gefochten hat, ein Feind des Baterlan- ^^^"Aber mit welchem Rechte öffnet man den Brief?« fragte Desiree, die die Gefahr nicht begrtn, in der sie sch^Mit welchem Rechte?« donnerte Herr von Soumis. „Mit dem Rechte der Suftia. Verrat zu verhindern und zu bestrafen."
lFortsetzung folgt)