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Expedition: Seltersweg 83

Mittwoch, den 20. Mär;, 1912

Nr. 23

Telephon: Nr. 362.

Telep hon: Nr. 362.

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nähme der Arbeit, da der Streik nutzlos sei. Konferenz fasste eine Resolution, worin es heißt, es nicht mehr möglich sei, den Kamps mit Erfolg ter zu führen. Die Konferenz beschloß deshalb,

Die daß wei­den

88 854 102 Mk.,

69 37 5 449 Mk., 68 847 963 Mk.

die 30 Gesellschaften demnach 1911 gegen 1907 von rund 20 Mill.

auszuheben und fordert alle Kameraden Beschlusse zu folgen.

Artikel vor:

Die den sozialdemokratischen und jchen Bergarbeiter-Verbänden politisch

besitzt, n liegt»

Bejugsprets 40 pfa. monatlich

Eisenbahnen seien auf 78 Wochen mi 1 Koh­len versehen.

* In Deutsch-Südwestafrika ist am 3. März die Bahnlinie Windhuk Keelmanshoop in ihrer

Häus-Ge- ier. rr koch' neinde. e.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Berlin. In der Budgetkommission des ordnetenhauses erklärte Minister v. Breitenbach,

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen-Ünzeiger gratis bei.

Ker KerrlurdetterjirelK im Myrgediet beendet!

Bochum, 19. März. Die Revierkonferenz des Dreibundes der Bergarbeiter beschloß die Wiederauf -

i Ausnahme von 4 Zechen, die 1911 unter wesentlich ver-

I änderten und verbesserten Betriebs- bezw. Abbauverhält- .

I nissen arbeiteten als 1907, alle Zechen erheblich gerin- ; gere Ueberschüsse aufzuweisen hatten. Die Betriebsge­

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v erreljährlich 1,20 Mk., vornus^nhltar, frei ins Haus. Abacholt in unserer Expedition oder in den Zweiq- au^nabesrelLen vierteljährlich 90 Pfg Erscheint Mittwochs und Samötags. Redaktion Selters- weg 83. Für Aufbewahrung ober Rück^ndmrg n icht verlangter Manuskripte wird nrchi garantier:.

Verlag derGießener Zeitung" G. m. b. H.

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Druck der Gießener VerlagSdruckcrei.

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Zeitungen verbreiten fortgesetzt über die Lohnverhältniffe der Bergarbeiter und die Betriebsergebniffe der Kohlen­zechen durchaus unzutreffende Nachrichten. In einem Ar­tikelBergarbeiterlöhne und Vetriebsüberfchüffe" wur­den bereits vor einiger Zeit die von 10 Gesellschaften des Nuhrkohlenbezirks in den drei ersten Vierteljahren von 1907 und 1911 erzielten Vetriebsüberfchüffe in Ver­gleich gestellt. Es ergab sich, daß alle Werke in dem angegebenen Zeitraum von 1911 wesentlich geringere Netriebsgewinne, ein Teil nicht einmal die Hälfte des Ueberschusses von 1907 zu verzeichnen hatten. In einem Artikel, der in fast allen sozialdemokratischen Blätierrr erschienen ist, wurde dazu bemerkt, der Verfasser habe nur die Ueberschüsse der reinen Zechen in Vergleich ge­zogen; er werde sich hüten, auch die Ergebnkffk )er ge­mischten Werke zur Berechnung heranzuziehen. Eine ähnliche Auffassung teilt anscheinend auch dieFrank­furter Zeitung". Sie veröffentlicht in Nr. 63 vom 3. März eine Zuschrift aus dem Ruhrkolsiengebiet über bk Lohnbewegung der Bergarbeiter, in der es nach einem Hinweis auf die im 4. Vierteljahr 1911 verdienten Berg- arbeiterlöhne u. a. heißt:

Es kann von den Bergwerksunternehmern nicht bestritten werden, daß sie mehr zahlen können. Wenn auch einzelne reine Kohlenzechen noch nicht die Höhe des Gewinns vom Jahre 1907 erreicht haben, lo liegt dies daran, daß sie ungemein schwer unter der hohen Syndikatsumlage zu leiden haben." , Man kann es nur bedauern, daß ein großes Han­delsblatt, das sich über die Gewinnergebnisse der Zechen ton 1907 und 1911 jedenfalls leicht hätte unterrichten können, derartigen Mitteilungen, die mit den tatsächlichen Verhältnissen durchaus in Widerspruch stehen, Raum gibt. Es liegen jetzt die Abschlüsse fast sämtlicher reinen Zechen des Ruhttohlenreviers für das ganze Jahr 1911 eor. In einer Aufstellung, die uns zur Verfügung ge­stellt wird, sind die Betriebsüberschüsse von 30 Gesell- shasten enthalten. Es geht daraus hervor, daß mit

von Karl Matthias.

(Nachdruck oervoten.)

Stoen standen Nkrkos gegenüber, welche über alle iSesriffe schlecht schossen. Mit Hurrab gewann das Ba- Mtitllon Me Landstraße und trieb die Feinde vor sich her, lM tönen BazeilleS im Rücken lag. Das Dorf war von Wen Bayern und preußischen Jägern erstürmt worden. Mitten Straßen sah es entsetzlich aus. Die Türen wa- M eingeschlagen. Die Fensterflügel aus ihren Angeln Eiffeu und zertrümmert Haufenweise lagen die Lei- auf den Boroschwellen. Viele Häuser standen in Flammen, ein herzbrechender Anblick für Tyrott, wel- 85 jeden Winkel in dem einst so blühenden Orte ge-

»Kurt hatte. ^^^'e

t Der BefehlVorwärts" ertönte. FenfettS der Maas Hatte sich der Feind verschanzt und bet Balan neue Bat- 3äät cmaefahreu. Schritt für Schritt verteidigte er den 49(6 zur Festung. Mitten in der Schußlinie lag die Mia Bourlier noch unverletzt, denn das wütende Rin- M« der Menschen war ihr bisher fern geblieben. Noch

«mgten die Rübenfelder in saftigem Grün, die Wein- Lvge im Rebenschmuck,- die Stoppeln der Werzenschlage, Hom fleißigen Pflug gewendet, hauchten den jungfrau- Mn Erdgeruch aus, nicht wie hinter den Bataillone;: Mluigestank und Verwesung« Q , .

Aber Ne Gegend war öde und menschenlos,- kein des Wesen ließ sich blicken. Das Vieh war fort« _ trieben, das einst auf den Wiesen geweidet,- die Win- .Mhüuser standen leer,- kein Rauch quoll aus ihren k; die Wassermühle der Maas war ohne Rad, das zerschlagen, das Mehl fortgeschleppt. Alles hatte in die Festung oder in den Wald geflüchtet.

Mit beklommenem Herzen schritt Waldemar vor- . Swon winkten ihm von fern die Fenster des es, wo er das größte Glück und den größten

(Neueste Nachrichten >

((Siegener Tagcü!att>

winne betrugen:

1907 :

1910 :

1911 :

Insgesamt hatten einen Minderüberschutz

Mark zu verzeichnen. 6 Werke, und zwar Alte Haase, Eintracht Tiefbau, Johann Deimelsberg, ver. Trappe, Blankenburg und Gottessegen. Hatten sogar bei weitem nicht die Hälfte des Ueberschusses von 1907 auszuweisen.

Die Aufstellung der Betriebsergebnisse zeigt ferner, daß in 1911 auch im Vergleich zum Geschäftsjahr 1910 der Ertrag der meisten reinen Kohlenzechen zurückgegan­gen ist. Von den 30 Gesellschaften hatten 16 eine Ver­minderung des Betriebsgewinnes zu verzeichnen, bei 9 Werken war der Ueberschup nur unwesentlich höher als in 1910 (nicht mehr als 5 Proz,), während nur acht Werke den Gewinn um mehr als 5 Prozent erhöhen konnten. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Arbeiters ist dagegen nach der amtlichen Lohnsiatistik von 1382 Mk. in' 1910 auf 1446 Mk. in 1911 oder um 64 Mk., das Iahresverdienst eines Hauers (50,3 Proz. aller Bergarbeiter) von 1589 auf 1666 Mk. oder um 7 7 Mk. gestiegen. In den letzten beiden Jahren hat das Einkommen eines Arbeiters eine Erhöhung um 96 Mk., eines Hauers um 110 Mk. erfahren. Einem Rückgang der Betriebsgewinne der 30 Gesellschaften steht also eine nicht unbeträchtliche Lohnerhöhung gegenüber.

Die Bemerkung der sozialdemokratischen Presse, man habe sich gehütet, die Ergebnisse der Hüttenzechen zu erwähnen, entbehrt überhaupt jeder Logik. Das Vorrecht der Hüttenzechen, die nach dem Syndikatsvertrag für ihren Selbstverbrauch von den Kosten der Syndikatsum­lage befreit sind, hat doch auch 1907 bestanden, mithin in beiden Jahren auf das Geschäftsergebnis eingewirkt. Wenn nun auch seit 1907 der umlagefreie Selbstver - brauch der Hüttenwerke gestiegen ist, so wäre es na­türlich unsinnig, zu behaupten, daß die Verminderung des Ertrages der reinen Zechen um 20 Millionen Mk. auf diese Steigerung des Selbstverbrauchs zurückzufüh­ren sein könnte.

^^Schmers seines iSSevS MIk» La tam ver Befehl, recht- abzuichwenkerr.

Das Bataillon marschierte «der einen Sturzacker, dicht neben der Bourlier'scheu Purkmauer die Anhöhe hinauf. Tyrolr atmete auf, als er den Garten leer sah, kein Gebell von Hunden uu- kein verdächtiges Ge­räusch hörte. Pumarauet hatte offenbar die Wahrheit gesprochen. Die Villa stand unbewohnt,- die Teuren be­fanden sich außerhalb der Gefahr. Da Schüsse! Bon rückwärts kam der Schall. Dort lag die Fabrik. Soll­ten die Franzosen die weitläufigen Gebäude als Schanz­werk benutzen, sollte am Ende gar Olivier?

Hauptmann Bergetström kommandierte Halt.

Wir dürfen nicht weiter, bevor wir nicht jene Ruhe­störer zum Schweigen gebracht haben," sagte er zu Ty- rolt.Man schießt von jenseits der Maas, das ist wohl eine Fabrik drüben?"

Meine Fabrik," antwortete der Angesprochene tonlos.

Hm! Soldaten sind das nicht," fuhr der Offizier fort.Sie würden sich nicht nutzlos der Gefahr aus­setzen oder gründlicher zu Werke gehen. Also Frankti­reurs, ein paar Verrückte, die über die Klinge springen wollen. Herr Leutnant, sehen Sie mit Ihrem Zug über das Wasser zu kommen und schaffen Sie Ruhe. Ich werde jenseits dieser Mauer heranzukommen suchen."

Tyrolt salutierte und ging an seine Sendung. Ein Blick überzeugte ihn, daß die Brücke abgebrochen sei. So wandte er sich stromaufwärts und befahl seinen Leuten, ihm paarweise zu folgen. Oberhalb der Fabrik befand sich eine Insel, welche, dicht bewaldet, die Maas in zwei Arme teilte. Zu Friedeuszetten lagen hier zwei schmale Stege, auf denen man zum jenseitigen Ufer gelangen konnte. Waren sie noch vorhanden, so ver­mochte das Detachement das ltnke Ufer trockenen Fußes zu erreichen, im schlimmsten Falle hieß es durch­schwimmen , , .......

Tyrolt fand seine Erwartungen teilweise bestätigt.

597 Kilometer betragenden vollen Länge dem Verkehr übergeben worden.

England.

!! Wegen des Kohlenstreiks sind die Besuche des englischen Königs an den auswärtigen Höfen, die für den Frühling in Aussicht genommen waren, für 1912 endgültig ausgegeben worden, da die Pflich­ten, die der König und die Königin in England zu er­füllen haben, sie daran hindern, im Sommer oder im Herbst ins Ausland zu gehen. Wenn auch der Aus­stand bald beendet werden sollte, werden Rot und Un­ruhen noch einige Zeit andauern.

Das Provmjim-Wafferwr'rlr der Inheiden

ist soweit vollendet und wird am 30. März lf. Is. offi­ziell in Betrieb genommen. In dem ausgebreiteten Wie­sengrunde des Riedbaches zwischen Inheiden, Treis - Horloff und Steinheim, am westlichen Abhange des Vo­gelsberges, liegt dieses Werk großer Technik und Zeug­nis deutscher zäher Arbeit und Wissens, zu welchem man vor 6 Jahren die Vorarbeiten ausnahm. Mit größ­ter Vorsicht wurden damals die Bohrungen unternom­men, deren Ergebnisse in wochenlangen Beobachtungen geprüft sind, ob das Terrain für lange Jahrzehnte die Erbauung eines solch gewaltigen Wasserwerkes günstig genug ist. Es kam bei diesen Beobachtungen nicht allein darauf an, daß hinreichend Wasser gewonnen wird, son­dern, daß auch das Wasser gut ist.. Nun, die R e u - bau! Verwaltung der Provinz Oberhes­se n mit ihrem Leiter, Herrn Oberingenie u r M ü l l e r, verdient große Anerkennung und Dank, daß sie alles gründlich geprüft hat. Jetzt fließt noch sehr viel Wasser im Quellgebiet unbenutzt fort, obgleich das Werk schon in der Lage ist pro 24 Stunden rund 28 000 Kubikmeter Wasser an die Großabnehmerin, der Stadt Frankfurt, -abzustoßen. Bei den 6080 Meter tiefen Bohrungen nach dem Q u e l l w a s s e r ist man bis auf Basalt gegangen und dementsprechend tief sind auch die 6 Brunnen gebaut worden, sodaß nur Quellwaffec dem Werk zugeführt wird. Dieses ausgezeichnete Weful« tat wird noch wertvoller mit der Tatsache, daß das Ii> heidener Wasserwerk auch gutes, gesundes Wasser liefert. Im allgemeinen werden pro Kubikdezimeter zirka 400 Keime im Wasser gesunden, hier im sogenannten Jnheidener Wasser hat man nur zirka 120 sestgestellt. Es ist das die Folge der tiefen Brunnenanlagen und weil das sogenannte Tagwasser durch die dort für Quellwasserleitungen günstigen oberen Bodenschichten nicht hindurch, nicht nach unten sickern kann.

Das von der Provinz angekauste Quellengebiet umfaßt rund 130 Morgen, wozu von den angrenzenden Gras Walderdorff'schen Besitzungen noch zirka 50 Mor­gen gepachtet sind. Inmitten dieses großen Gebietes liegt das Maschinen- und Pumpwerk. Einfach und stark, aber doch solid-geschmackvoll zeigt sich der Bau, wenn man

Ein Steg war noch benutzbar, der andere von -e» Wellen sorlgerlsscn. Als die Sektion auf die Insel ge­langt war, wurde der fehlende Steg durch den vorhande­nen ersetzt, und nun schlichen die Schützen, durch die Uferweiden und bas Schilf dem Feinde verborgen, noch der Hintermauer der Fabrik. Lautlos sammelte Wal­demar seine Leute und drang, mit jedem Weg wohl be­kannt, über den Lagerhof in das Gebäude ein. Die Ver­teidiger, durch das Feuer der Sachsen jenseits der Maas ' abgelenkt, hatten sie nicht kommen sehen. Der Leut- nant ließ die Türen einschlagen, die Fenster zertrüm­mern und seine Leute zu gleicher Zeit einsteigen, dann besetzte er die Treppen, welche zum ersten Stockwerk wo sich die Schersäle befanden, in breiten Stufen Hin- aufführten. So hatte er die Belagerten in der Hand. Trotzdem der Bau aus Stein und Eisen bestand, war Material genug vorhanden, sie auszuräuchern, sobald sie die Uebergabe verweigerten und das Gewehrfeuer nicht einftellten.

Im Hause befanden sich nur wenige Soldaten. ES waren dies Versprengte vom 96. Linienregiment, die übrigen Verteidiger rekrutierten sich aus Arbeitern und Bauern, die mit Chasiepots bewaffnet waren, also Franktireurs, und die durften nach dem Kriegsgebrauch nicht geschont werden.

Als die Türen und Fenster des unteren Saales dem plötzlichen Angriff der Deutschen wichen, floh ein Teil der Ueberraschten die Treppen hinauf,- einige aber, hauptsächlich die französischen Soldaten, streckten par­donflehend die Waffen. Da mahnte sie eine schrille Stimme, die Prussiens vom Erdboden zu vertilgen.

Tyrolt schauderte beim Klange dieser Stimme. Er kannte dieselbe nur ou genau, sie gehörte seinem Fein­de, feinem Peiniger, Olivier Bourlier. So stand er ihm also gegenüber. Der Wahnsinnige hatte wirklich gewagt, die Verteidigung seiner Fabrik zu inszenieren, sich selbst und seine Arbeiter in den gewissen Tod zu stürzerr.

(Fortsetzung fqlgM