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Druck der tSicftencr Berlngcbrurfcrci.

k. 101

Telephon: 9k. 362.

Mittwoch, den 18. Dezember 1912.

T elephon 9k. t^2.

24. Jahrg

Studeatenstreik in Halle.

: ?ö5 Unterrichtsministerium hat sofort über den Wer Medizinerpreik von der Universität Halle ein* lenkn schriftlichen Bericht über die Angelegenheit ein= ^rt. Das Ministerium trifft keine Schuld, denn ^ohre 1896 erging eine Ministerialverfügung, die falle Universitäten gleichmäßig vorschrieb, daß nur inigen Studenten der Medizin zu den klinischen und tikiinischen Vorlesungen tzorgelassen werden dürfen, Zeugnis über das Physikum oder D.diesem gleichkommende Prüfung vorweisen können, ft gilt selbstverständlich auch für die Ausländer, m liegt die Sache so, daß Oesterreich und die Schweiz Wells Vorprüfungen von der Art des Physikums Ha- 1 bk unsererseits als vollgültig ohne weiteres ange- I» werden können. Anders ist es bei den rusfi. bei; Studenten, und diese kommen bei dem ganzen lei: um das Physikum vor allem in Frage. Das 8ii|;erium hat nun aus Anlaß des Falles in Halle allen Universitäten neuerdings die strengen lsch r i f 1 e n der erwähnten Ministerialverordnung jtonerung gebracht und für die Zukunft deren wört-

Beobachtung verlangt. Gleichzeitig wurde auch Iiro Universitäten erneut im allgemeinen eine gleich . ittfiigc Behandlung der ausländischen unb der ein - ranken Studentenschaft vorgeschrieben. Es ist bereits ewdit worden, durch höhere Gebühren für ausländi- M otubenten seitens der Unterrichtsverwattung eine ewiiic Ncmedür zu schaffen, doch hat das bisher wenig MH gehabt.

Halle a. S., 17. Dez. Der Streik dauert Ml und wird vermutlich erst sein Ende finden, wenn w Gesamtheit der deutschen medizinischen Fakul- ^im mit dem Kultusministerium unterhandelt hat.

Gießen, 17. Dez. Die hiesigen Kliniker be- |ib||cn, mit Rücksicht auf die Vorgänge in Halle a. S. v« heute ab den Besuch der medizinischen Vorles- huwn vorläufig e i n z u st e l l e n.

Perlin, 17. Dez. Die Ansicht der Hallenser vtÄdntenschast, daß die deutschen Universitäten in erster ^ für die deutschen Hörer und Studenten da stnd, tül auch hier die Sympathien der Studenlenschast zu

Borgehen der Hallenser geweckt.

an .gesctzt werden, weil die Türken neue Instruktionen ihrer Regierung einholen wollen.

Die Dreibundmächte werden auf der Botschcl'.er - reunicu gegen die wirtschaftliche Benützung der albani­schen Häfen durch Serbien mit völkerrechtlichen Sicher­ungen keinen Widerspruch erheben, dagegen ist die Dis­kussion territorialer Erwerbungen Serbiens an der Adria für den Dreibund unannehmbar.

* London, 17. Dez. Die Botschistcr- Konferenz wurde gegen 3.30 Uhr im Ausworü­gen Amt eröffnet. Der russische Botschafter Graf von Benckendorff erschien zuerst, der deutsche Botschafter Fürst Lickmowsky, der französische Botschafter Cambon, der italienische Botschafter Imperiali und der österreich-un- ga;i[d)e Botschafter Graf Mensdorfs folgten.

Die F r i e d e n s st i m m u n g in Petersburg ist eine zuversichtliche Stimmung. Als ein günstiges Zei­chen wird es angesehen, daß der deutsche Botschafter in diesen Tagen [einen 14tägigen Urlaub antreten wird. Auch ber^ russische Kriegsminister wird Petersburg in einigen Tagen verlassen, um an der Grundsteinlegung für ein in Leipzig zu errichtendes Denkmal für bie in den Befreiungskriegen gefallenen russischen Soldaten teilznnchmen.

England.

: London, 17. Dez. Das Militärluftschiff V e t a ist bei Farnborough Hill verunglückt, nachdem durch Gefrieren des Brennstoffes in der Maschine eine

Störung scheu die trieben.

eingetrelen war. Das Luftschiff wurde zwi- Bäume des Parkes der Kaiserin Eugenie ge

seh!

Politische Rundschau

Deutschland.

Der deutsche Kreuzer G o e b e n hat den

Be­

erhalten, sich der österreichischen Flotte in Pola an­

Mi

Serbien.

e n, 17. Dez. Unterrichtete Kreise bestätigen,

Don der Friede skonferenz.

Pic Londoner Friedensverhandlungen haben be- eine Unterbrechung erfahren. Die Sitzung vom fctoag wurde schon nach einer Stunde ausgehoben, wtil die türkischen Delegierten es ablehn 1 en, M- mit den Griechen zu verhandeln. Die Zusam- Wnfte der Unterhändler mußten für einige Tage

zuschiieheu, wo er für den Fall eines österreichisch-ser­bischen Krieges bleiben soll.

Oesterreich.

.Wie n. Das Herrenhaus nahm debattelos in zweiter und dritter Lesung das Rekrutenkontingent an, ferner das Gesetz betreffend Unterhattungsbetträge für Angehörige von Mobilisierten, das Pferdegestellungsge- setz, die Gesetze betr. Kranken- und Unfallversicherung der Seeleute, betr. Einführung des Zahlenlottos und Einführung. ber Klassenlotterie.

::: Budapest, 17. Dez. In dem Prozeß gegen den Abg. Kovacs, der seinerzeit in einer Sitzung auf den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Tisza geschossen hat, verneinten die Geschworenen die Schuld - frage, worauf der Gerichtshof den Angeklagten s r e r- sprach. Kovacs wurde nach siebenmonatlicher Unter­suchungshaft freigelassen.

Belgien.

* In den Niederlanden besteht eine starke Stim­mung für ein holländisch-belgischesBünd- n i s^ Zweifellos stehen hinter diesen Plänen Anregun­gen aus Paris und London; das neue Bündnis würde also die Geschäfte der Trible-Entente mit zu besorgen haben.

Iovaucwitsch werde dem Grasen Berchtold besondere Vorschläge der serbischen Regierung unterbreiten.

Vom Balkan.

Konstantinopel, 17. Dez. Heute morgen fand bei der Insel Gadaro ein neuer Kamps zwischen

der

türkischen und der griechischen Flotte statt.

Beriiscbes.

L Darmstadt, 17. Dez. An dem heutigen par- lameniarischen Abend beim Staatsminister Ewald nehmen außer dem Grohherzog mit Gefolge die Minister, Ministerialräte und die Mehrzahl der Mib gliebtr beider Kammern, zusammen etwa 95 Personen, teil. Reden wurden nicht gehalten.

s Darmstadt, 17. Dez. In der heutigen Sitz­ung der ersten Kammer gab Fürst Isenburg-Biriteln als Referent des Finanzausschusses zu dem Konflikt zwischen den beiden Kammern und dem Staatsministe- rium eine längere Erklärung ab, in der er seinem Be­dauern Ausdruck gab, daß die Regierung den Beschlüs­sen beider Kammern zu der Gehaltssrage der Kammer- beamten keine Beachtung schenke. Er erklärte weiter, daß die erste Kammer ebenso wie die zweite Kammer auf ihren früher gefaßten Beschlüssen so lange beharren werde, bis die Differenzen definitiv geregelt seien.

Das Glückskind.

Roman von Irene von Hellmuth.

(Nachdruck verboten.)

Durch das ganze Haus wehte ein Hauch wohltuen- »!N Friedens. Röschen suhlte sofort, das waren andc- w. bessere Menschen, als die, welche sie heute verlassen, »'n lebte alles in herzlichem, innigen Einvernehrnen, I' 'in dem kleinen Kreise herrschte die Liebe und ver- c alles mit ihrem stillen Zauber. Aber das Herz u'S Mädchens war noch zu verbittert von dem Lew, 6«matt ihr angetan: es verschloß sich den Embrücken, iE es hier empfing, und die es so süß umichmcichelten.

. Bleich und still saß Röschen an dem Tisch, den man *kw Ehren so reich geschmückt hatte und rührte kaum iE duftenden Speisen an. Und doch, al» fte sich endlich «Ifta in dem Stübchen befand, das die ^orsterin ihr i iraulich eingerichtet hatte, da bereute sie den * , hierher gegangen zu fern, ^mevwegv, v^scntssil, etwas wie Befriedigung zog durch die junge Itcde.

., Aschen öffnete das Fenster und betrachtete in Ge- Nett versunken eine Weile den sternenbcsaten H !< Die kalte, eisige Lust zwang sie indessen ba^

Wen zu schließen. Danir streckte sie die mrwen Wider behaglich in die schnee>g-we,ßen Kißen und Wks, von Müdigkeit überwältigt, sofort em.

Dmnten aber im Wohnzimmer saß die Förflmn, ^--falteten Hände im Schoße.Ist das abereinstt ;Ablasses Mädchen! Was mag nur den Jugendfroy

von ihr verscheucht haben? Ich ^âube, si h Meeres imrchgemacht. Junge Mädchen in ihrem Alt M doch sonst anders, ganz anders/ meinte sie

. .Laß nur gut sein, Alte/ tröstete der Gatt«, .wmn keilt Leib erfaßten bat. baö macht sie am besten

Rußland.

* In Londoner diplomatischen Kreisen ist das Ge­rücht verbreitet, daß die Zarin, die schon seit der Erkrankung -bes. Thronfolgers kränkelt, in der letzten Zeit so s cb w'e r erkrankt sei, daß ihr Zustand sehr ernfi ist.

sich allein durch, wird schon vorübergehen, paß mal auf."

Aber es schien doch, als ob diese Behauptung des Försters sich niemals erfüllen sollte. So viel Mühe die guten Alten sich auch geben mochten, es gelang ihnen nicht, ihrem schweigsamen Gast an irgend etwas rich­tiges Interesse abzugewinnen.

Eine Erleichterung nur war Röschen geworden __ sie konnte wieder weinen, die Tränen flossen zum Leidwesen der weichherzigen Frau Therese so reichlich, daß ihr fast bange wurde dabei.

Und alles liebevolle Zureden, doch den Kummer sich von der Seele zu sprechen, half nichts, ja je mehr man dem Mädchen Trost zuzusprechen suchte, desto schlimmer wurde es. Ter Förster sann alle möglichen und unmöglichen Geschichten âus, die er dann in seiner derbkomischen Weise zum Besten gab, aber nicht eine Sour jugendlichen Frohsinns erschien auf d«n lieblichen schmalen Gesicht des Mädchens, das im übrigen den auten Förstersleuten dankbar zugetan war. Auf die Vorschläge Berndorfers, eine Schlittenfahrt durch den ^ald, oder einen tüchtigen Marsch zum Futterplatz der Rehe zu machen, hatte Röschen nur ein ablehnendes Kopft'chütteln.

pa& nur gut sein, Theres, die ist noch zu jung, um immer so fortleben zu können," pflegte der Förster zu

Dem Kinde ist sicher etwas Unangenehmes es hat die erste Bitterkeit der Welt erfahren, braucht eben Zeit bis die traurigen Gedanken ver­schlagen sind, dann wird sich alles wenden.

Und recht behielt er, der gute Alte.

Aber viele Wochen mußten darüber hingehen, ehe «ösckens kleiner Mund das Lächeln wieder lernte.

Der Winter schwand, und als der mächtige Zau­berer FEling siegreich Einzug hielt in die werten LMde, mit Bütmentzuft^und Bogelsang, ^Mit Solde-

mcr sicht und mit

s Darmstadt, 17. Dez. In der Zweiten Kam- sieß Finanzminister v. Braun heute die Ueber - über die für 1913 veranschlagten Staatseinnahmen Ausgaben vorlegen nebst Vergleich dieser Zahlen denen des Vorjahres. Im Anschluß hieran be­

merkte der Finanzminister folgendes: Die schon in den Denkschriften zu den Hauptvoranschlägen 1911 und 1912

nein, lachenden Sonnenschein, als brau hat in Feld und Wald ein neues Leben begann, da war auch der Bany gebrochen, den das Leid um Röschens Herz gelegt.

Vergnügt drehte der Förster seinen mächtigen, grauen Schnauzbart, und schmunzelnd lauschte er dem Gesang, der hie und da aus dem Mädchenstübchen tönte.

Hörst Tu's Frau" fragte er,hab's ich's nicht im­mer gesagt, nur Geduld, das muß wieder anders werden!"

Na, ja, Du hast immer recht," neckte die Försterin. Försterin.

Fg immer," bestätigte er.Draußen singt und klingt ja der ganze Wald, wie sollte da so ein junges

Ding nicht mit einstimmen." Potz Tausend noch einmal!

eben eintretenden Mädchen entgegen,

rief er lebhaft dem

war das aber

schön gesungen, siehst Tu, so sreut's mich, Röschen, so ist's recht."

Die Angeredete flog ungestüm der Försterin an die Brust.Ich war bisher ein dummes, trotziges St intf; das Eure Güte nur schlecht belohnte; aber es soll anders werden, habt nur noch ein wenig Geduld mit mir und behaltet mich lieb," sagte sie unter erneutem Schluchzen.

Gerührt strich Frau Therese über den braunlockigen Scheitel. Sie hatte das Mädchen schon längst in ihr Herz geschlossen und erwiderte, es innig füllend:Aber jetzt wirb nicht mehr geweint, Rosi, sieh' wir haben Dich lieb wie ein eigenes Kind, willst Du uns nicht endlich anvèrtrauen, was Dich so sehr bedrückt?"

Röschen nickte. , ,

Na, Gott sei Dank," meinte der Förster trocken, nun wird doch endlich Deine Neugier befriedigt, Alte; Las ist ein Glück. O, Ihr Weiber, alle seid Ihr neugierig wie die Spatzen." -

(Fortsetzung folgt.) 1