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weg 83.

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v ertrljährlich 1L0 Mk., vorauszahlbar, frei inS HauS. Lbgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. lmSgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und SamStagS. Redaktion: Setters-

retzener Pcilnng

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die 44 mm breite I n f erat enteile.

Die

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Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 75

Telep hon: Nr. 362.

Expedition: Seitersweg 83

90 mm breite Zelle im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Uebettchreitung deS Zahlung». ziele» (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei KmtkurS in Wegfall. Platzvorschriften ohncBerbindllchteit.

Druck der Gießener Verlagodruckerei.

Mittwoch, den 18. September 1912.

Telephon Nr.: 86L 24. Iabra.

itr und

WM,

Dtier Skandal im Ungar. Parlament.

Das ungarische Parlament ist vorgestern nach einer M von drei Monaten wieder zur Arbeit zusammen- ^eten und gleich ist es wieder zu st ü r m i s ch e n Ho bau freuen gekommen. Man wird sich noch der Mtqen Kämpfe während der letzten Tagung des un= ;èn>chen Abgeordnetenhauses erinnern. Man erinnert |4 wohl der damaligen Skandalszenen, die sogar zu ibn; Revolver-Attentat gegen den Grafen Tisza sühr- Itfl. Der Attentäter, der Abg. Iulius Kovatsch, besin- M sch noch in H^st. Er war der einzige, der vorgestern « der Eröffnungssitzung nicht teilnehmen konnte. Die Opposition fordert geschlossen, den Ministerpräsidenten Mac? und den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, hn Grasen Tisza, als Opfer und sie verkündete laut |nr Willen, den Kampf mit allen Mitteln bis zum leersten zu führen.

Um 10 Uhr erschien Lukacs im Abgeordnetenhause. b 10% Uhr begab sich Präsident Tisza auf die Prä- (üenlciieftrabc. Die Opposition setzte sofort mit einem tMnspettakel ein. Es wurde gerufen: Bezahlter schuft, Schurke und ähnliches, gepfiffen, mit Trom- grtkn geblasen, geschrien und mit Pultdeckeln geschla- len. Tisza versuchte, sich Gehör zu verschaffen, doch ge-

des Oberinspektors Pawlik, der die skandalmachenden Mitglieder der Oppositionellen aussorderte, den Saal zu verlassen. Da mit Gutmütigkeit nichts zu erzielen war, begann um % 6 Uhr die z w a n g s w e s s e Ent­fernung der Abgeordneten aus dem Saal. Jeder Einzelne mutzte von den Polizisten aus dem Saale ge­tragen werden. Bald darauf erschien auch der Stadt- Hauptmann, um den Verfügungen des Grafen Tisza Geltung zu verschaffen. Um % 7 Uhr trafen weitere 2 Inspektoren und zahlreiche Schutzmannschaften ein. Graf Tisza forberte darauf sämtliche Mitglieder der oppo­sitionellen Pattei auf, den Saal zu verlassen. Es kam zu einem wahnsinnigen Handgemenge. Die in den ersten Reihen stehenden Abgeordneten stellten sich mit Gewalt zur Wehr und schlugen auf die Wachleute los, die ihrerseits auf die Abgeordneten einschlugen. Es spielten sich unbeschreibliche wüste Szenen ab. Gras Iu­lius Andrassy flüchtete auf den Ministertisch. Graf Ap- ponyi wurde aufgefordett, freiwillig den Saal zu ver­lassen. Er gab jedoch keine Antwort. Die Oppositio­nellen bereiteten ihm lebhafte Ovationen. Rufe wurden laut. Rühren Sie ihn nicht an! Es ist eine Schande,

I über die an dem Manöver teilnehmenden Seestreit - kräftc. Bei Beginn der Parade wurde zwischen Wan­gerooge und Helgoland der LuftkrluzerHansa" ge­sichtet. Auf die Parade folgten die Uebungen der Hoch­seeflotte nach einem besonderen Programm. Gestern be-

gönnen

zufolge Grafen ordens

die Manöver der Hochseesiotte.

Berlin, 17. Sept. DemReichs-Anzeiger" ist dem deutschen Botschafter in Pe.ersburg, v. Pouttales, das Grohkreuz des Roten Adler- mit Eichenlaub verliehen worden.

Berlin, 17. Sept. Die Ratifikationsurkun-

dah den den

trugen t hing ihm dies nicht. Einige Abgeordnete der Linken ---fingen ein Schmählied auf d ie Deutschen.

IVM*!1)!! 11.45 Uhr erhob sich Graf Tisza und verlieh un- \^W^ [hirmifdjen Beifallsrufen der Rechten und Pfui-und

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(Amöhrusen der Linken den Saal. Vizepräsident ^roethi) übernahm nunmehr das Präsidium. Er ^sltzt ununterbrochen die Glocke in Bewegung, um sich 0tör zu verschaffen, was ihm aber niemals gelang, ^tfc alle Mittel, die Ruhe wieder herzustellen, vergeb- .M blieben, ordnete Graf Tisza die Ausweisung ^dtt skandalmachenden Abgeordneten an. Um 5 Uhr er- 'n<|mev im Sitzungssaals 5 Polizisten unter Führung

Des Wilderers Rache.

Erzählung aus dem bayrischen Hochland von Otto Landsmann.

(Nachdruck verboten.)

sicht

dieser Mann, vor dem ganz Europa und Amerika Hui zieht, hier von Polizisten hinausgeführt wer- soll.

In Negierungskreisen verlautet, daß man die Ab­hat, die Sitzung bis Mitternacht fortzusetzen. Auf

jeden Fall sollen aber die Deleganonswahlen noch be­endet werden.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der Kaiser begab sich vorgestern vormittag in Wilhelmshaven an Bord derDeutschland", die um 9 Uhr zur Flottenparade in See ging. Mittags begann in der Helgoländer Bucht die große Parade

den zum deutsch-französtschen Abkommen vom 2. Februar 1912, betreffend die Staatsangehörig­keit der Personen, die in den zwischen Deutschland uno Frankreich ausgelauschten Gebieten von A e q u a - torialafrika wohnen, sind heute hier ausgetauscht worden.

* Die deutsche Rationalflugspend* hat, wie aus bester Quelle berichtet wird, die Höhe von Mk. 6 150 000 erreicht. Damit ist die französische Flug- spcnde, die eine Höhe von 2 136 708 Mk. erreicht hat, um das Dreifache übertroffen worden.

* Preutzisch-Stargard, 17. Sept. Bei der heutigen Landtags-Ersatzwahl im Wahlkreis Berent- Dirschau-Preuhisch-Slargard wurde an Stelle des ver­storbenen Abgeordneten Hobrecht der Kandidat der Deutschen, Rechtsanwalt Menze l-Dirschau Matlib.), mit 334 Stimmen gewählt. Der Kandidat der Po­len Probst Wroblewski erhielt 208 Stimmen.

* Chemnitz, 17. Sept. In dem Vorort Schö­nau, der von der Stadt etwa eine halbe Stunde ent­fern: ist, trat gestern vormittag der sozialdemo­kratische Parteitag zu seinen diesjährigen Ver­handlungen zusammen. Der grotze Saal im Winter - galten war fast gefüllt, als gegen 9% Uhr der Vor­sitzende des Patteivorstandes, Rechtsanwalt Haase, den Parteitag für eröffnet erklärte. August Bebel er­schien erst später und wurde stürmisch begrüht. Der Saal war mit den Büsten von Liebknecht, Singer und Lassalle geschmückt.

* Gegen die Fleischteuerung hat nun­mehr auch die Stadt Berlin Mahnahmen getroffen. Schon in der ersten Stadlverordnetensitzung, der der neue

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Förster Lebrecht war langst außer Sichtwette, als R seine Frau uv Renata immer noch nachblickten, mtc waren sie b. ers besorgt um ihn, beim wie er ite, galt sein Sl.^zug diesen Morgen demrotw rr*, dem pfiffigsten und verwegensten Wilderer ser- Reviers. Keiner kannte so gut wie er jeden Weg «r Berge, jeden Schlupfwinkel hinter Felsen oder im regsamen Tannendickicht. Keiner verstand so wie »die Rehe und Hirsche zubladen", das heißt in der ; $(icTfpradje, durch die Nachahmung des Geschreis der ' »ihr icten oder Hirschkühe die männlichen giere herbei- M'den. Seine Kugel fehlte nie, seine Hand kannte keir Ztttern, er war ein unübertrefflicher Jäger, der rie das Schulterblatt des WUdes fehtte, dem seit Jah- «i Mn angestossener Hirsch entgangen war.

Vergebens bot Lebrecht alles auf, um des Wilderers ^lbhaft zu werden, dessen Schlauhetten er fannte. Ohne Fürcht ging er in den Bergwald, blieb oft Nächte lang tarln, aber immer umsonst, der Rote hatte stets Wnw taroit bekommen und war dann doppelt auf seiner Hut. iWe war der Förster später als je ins Revier gekom- M, aber das Glück war ihm näher und günstiger, jxlé u hpfste. Er war eben aus dem Hochwald herausge-

^^^ n Wien und stand an einem Abhang, der sich in sanfter best® ^qO $1r,. V . . 1 nu>Aw fAt^t/tT »« ct'rvTf ötTos tiorsnr hrt fTAt

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»Dachung in einen schmalen Talkessel verlor, da trat Mt spähender Blick aus eine männliche Gestalt, ote «Den am Talrand lauernd hinter einem Jichtengebusch »md,Kein Zweifel, er ist's! Wart', Kerl, Du sollst W Diese/Gedanke fuhr wie ein Blitz durch seine Seele. Är^lchtig, öamtt nicht etwa ein Knistern zertretener

Neue

Zweige seine Gegenwart verrate, schlich er sich von Ge­büsch zu Gebüsch dem Talgrunde zu und blieb in einer Entfernung von etwa dreißig Schritten wartend stehen. Er lehnte sich hinter eine mächtige Kiefer. Vor den Blicken seines Gegners war er sicher. Aber noch war er nicht am Ziel. Der Wilddieb mußte auf frischer Tat ertappt werden. Es galt also geduldig abzupassen, bis der Wilderer sein Gewehr abfeuerte. Eine halbe Stunde mochte er in solch lauernder Stellung zugebracht haben, als es im Walde leise knackte und zwischen den den Wald einsäumenden Sträuchern ein Rehbock sich zeigte. Nach allen Setten sorgfältig äugend, trat er auf die kleine Waldwiese und zog äsend dem Jungholz näher. Leidenschaftliches Feuer loderte aus den Augen des Wilddiebes, auf seinen Wangen zeigte sich eine inten­sive Röte. Mit schnellem Griff riß er, als der Rehbock sich ihm in Schußwette genähert hatte, das Gewehr an die Wange, ein Schuß hallte durch Berg und Tal, und im Feuer brach der Bock zusammen. Der Rote denn dieser war es stürzte sich voll Freude auf seine Beute. Ein solches Exemplar war ihm schon lange nicht mehr in den Schuß gelaufen. Er nahm einen Strick aus der Tasche, band dem Bock die Füße zusammen und wollte ihn eben mit nicht geringer Anstrengung über seine Schulter werfen, als der Förster vor ihm stand, als wäre er aus der Erde herausgewachsen, ihn am Ruck­sack ergriff und sagte:Wart', Bursche, hab ich Dich mal gefangen?"

Anfangs blieb der Wilderer, außer Fassung, in Verwirrung stehen. Aber dieser währte nur einen Au­genblick. Im nächsten Augenblick war er schon wieder der schlaue, entschlossene Mann. Ein kräftiger Ruck, ein plötzliches Bücken, und der Rucksack war über den Kops abgestreift,- ein paar mächtige Sprünge, und der Wilderer hatte fast den Gipfel des Avhangs erreicht, den der Förster vor Stunden passiert patte.

Steh, oder ich schieß'!" brüllte mit vor Wut heiserer Stimme der Förster, und als beim dritten Anruf der Rote noch nicht stand, sondern nur um so eiliger lief, ritz der Förster das Gewehr an die Wange, und gleich darauf krachte ein Schutz, den der Gegner sofort er­widerte. Des ersteren Kugel hatte ihr Ziel verfehlt, die des letzteren das linke Ohr des Försters leicht gestreift.

Bis sich der Förster von seiner momentanen Be­täubung erholte, war der rote Peter verschwunden.

Im Innern des Försters lohte es vor Verdruß, der sich endlich in einem tüchtigen Fluche Luft machte.

Wenn doch ein Donnerwetter den verdammten Spitzbuben zehntausend Meter tief in den Erdboden hineinschlüge!" so schrie er wie ein Wütender, indem er mit dem Gewehrkolben den Boden stampfte. Aber damit brachte er den Entflohenen nicht wieder zurück. Bald richtete er sein Rasen gegen sich selbst.Dumm­kopf, der ich bin! Hab' ich darum Tage und Nächte lang den Wald durchforscht, bin im Sturm und Wetter dem Schelm nechgegangen, um mich beim ersten Zu- fammentreffen mit ihm wie ein Schuljunge über­tölpeln zu lassen? Doch was schadets am Ende?" fuhr er, sich beruhigend, fort,seinem Schicksal entlaufen kann der Kèrl doch nicht. Hier hab' ich seinen Rucksack, und obendrein ist noch ein Hase drin. Was will man mehr? Die Beweise dafür, daß ich ihn auf frischer Tat ertappt habe, sind in meiner Hand. Zudem kann ich ihn des Mordversuches beschuldigen. Tenn wenn die Wunde auch leichter Natur ist, so ist sie doch ein Beweis dafür, und das alles zusammen reicht hin, um dem elen­den Schurken für längere Zeit ein ^reiquartier iin Ge­fängnis zu besorgen. Allerdings haben wir ihn noch nicht, dank meiner Unbesonnenheit, aber ich krieg' ihn

schon noch, und es ich einstweilen A

ns alle Fälle gut sein, wenn

(Fortsetzung folgt.)

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