Gießener Jeiinng
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Druck der Gießener Verlagsdruckcrci.
Nr. 14. (2. Blatt)
Samstag, den 17. Februar 1912
Telephon: Nr. 362.
24. Jahrg
Die Kohlen werden teurer, diese Meldung weih [d)on jede Hausfrau und darum interessieren wohl gerade jetzt die beiden nachfolgenden Artikel.
Hcrgarbeiterlöhne und Hetriebsüberschüsse.
Bekanntlich sind der sozialdemokratische Bergarbeiter- Verband, die polnische Berufsvereinigung (Bergarbeiter- Abteilung) und der Gewerkverein Hirsch-Duncker'scher Bergarbeiter dieser Tage in einer Eingabe an den Vorstand des Zechenverbandes herangetreten mit dem Ersuchen, aus die Grubenverwaltungen wegen einer allge- meinen Erhöhung der Bergarbeiterlöhne einzuwirken. Als Grundlage für die Lohnaufbesserungen sollen die im Ruhrbergbau bisher gezahlten höchsten Durchschnittslöhne (4,99 Mk. aus den Ropf der Gesamtbelegschaft und 6,14 Mk. Hauerlohn) angenommen werden, die im 4. Viertel des Hochkonjunkturjahres 1907 erreicht wurden. Hierzu soll noch ein Ausschlag treten, durch den die inzwischen eingetretene Lebensmittelteuerung ausgeglichen werde. Zur Begründung dieser Forderung wird daraus hingewiesen, dah der Kohlenbergbau sich gegenwärtig in einer günstigen Konjunktur besinde und die Mehrzahl der Werke höhere Betriebsüberschüsse auszuweisen habe.
Der rein agitatorische Zweck - dieser von den drei Verbänden eingeleiteten Lohnbewegung liegt klar zu Tage. Kurz vorher war noch in der Presse aus bergbaulichen Kreisen berichtet worden, dah die Zechenbesitzer die Absicht haben, die Löhne entsprechend den gebesserten wirtschaftlichen Verhältnissen im Kohlenbergbau herauszusetzen; es stehe zu erwarten, dah die Löhne im Bergban bei Anhalten der jetzigen Konjunktur ihren bisherigen Höchststand von 1907 demnächst wieder erreichen, vielleicht sogar überschreiten würden. Unter Hin - weis aus diese aus den Kreisen der Zechenbesitzer stam- nieiibe Meldung hat denn auch der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter in der Presse erklärt, dah für ihn leine Veranlassung vorliege, sich an der Stellung von Lohilforderungen zu beteiligen.
Da die von den drei Verbänden eingereichten Lohnforderungen mit höheren Betriebsüberschüssen der Werke begründet werden, itnb die Forderung gestellt wird, die im 4. Quartal des Hochkonjunkturjahres 1907 gezahlten Löhne als Grundlage für die vorzvjnehmende Lohnaufbesserung anzunehmen, so dürste es angebracht sein, die in den ersten 3 Quartalen 1907 im Ruhr- bergbau erzielten Ueberschüsse mit denen des Jahres 1911 in Vergleich zu ziehen. Von: 4. Quartal 1911 liegen die Zahlen noch nicht vollständig vor, sodah ein Ver - gleich der Iahresergebnisse von 1911 und 1907 nicht angängig ist. Es kann indes schon jetzt festgestellt wer- ben, dah, wie in den ersten 3 Quartalen, auch das Ergebnis des 4. Vierteljahres 1911 hinter dem desgleichen Quartales 1907 erheblich zurückbleibt. Die Be- tricbsüberschüsse betrugen in der Zeit vom 1. Januar
sind unvergleichlich für Kinder- und Krankennahrung, weil sie nach wissenschaftlich bewähr
ten Grundsätzen aus sorgfältig gewählten Rohstoffen b gestellt werden.
1907
1911
mith. 1911
weniger
14900835
11662 448
3 238387
2134149
1630519
503 630
1072959
817263
225 696
1888229
1520897
367332
2284714
1815570
469154
4 573 777
2712964
1860813
1957 233
829567
1127 666
388 477
143284
245193
229 022
80 297
148725
462 595
318662
143933
5 1911 die
Betriebsüberschüsse
Harpener Vergbau-Akt -Ges. Mülheimer Berwerks-Verein Mont Cenis Königin Elisabeth König Ludwig Graf Vislnarck Unser Fritz Johann Deitnelsberg Alte Haase Aplervecker Actien-Berein bis 1. Oktober
Es zeigt sich hier, da bei allen Werken wesentlich geringer waren als 1907; einzelne Zechen wie „Unser Fritz", „Alte Haase" und „Johann Deimelsberg" haben nicht einmal die Hälfte des Ueberschusses von 1907 aufzuweisen. Auch heute liegen die Verhältnisse selbstredend bei weitem nicht so günstig wie damals. Eine Besserung der Konjunktur ist zwar nicht zu verkennen, ob sie anhalten wird, vermag niemand zu sagen. Angesichts dieser Besserung auf dem Kohlenmarkte ist zwar eine Steigerung der Berg- arbeiterlöhne als berechtigt anzuerkennen, durchaus unbillig ist aber die von den Arbeiterverbänden gestellte Forderung, als Grundlage für eine sofort vorzunehmende Lohnaufbesserung diejenigen Löhne anzunehmen, die in dem wirtschaftlich günstigsten Quartal, das der Bergbau bisher zu verzeichnen hatte, gezahlt wurden.
Eine Siatl-nk der . Hungerlöhue^ im Duhrbrrgba^.
Der sozialdemokratische Verband der Bergarbeiter Deutschlands beabsichtigt, seiner Forderung auf eine
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Lohnerhöhung vor der öffentlichen Meinung das nötige Relief durch eine Hungerlohnstatistik zu geben; durch eine Vertrauensmänner lätzt er z. Zt. eine Zusammen stellung der aus den einzelnen Gruben vorkommenden Hauerlöhne unter 5 Mark machen, „um das Geschrei der Unternehmer über die hohen Berga.vbeiterlöhne zu widerlegen." Was ist nun mit einer solchen Statistik bewiesen? Wenn tatsächlich eine grötzereZahl von Hauern, an deren Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit kein Zweifel bestände, mit ihrem Verdienst erheblich hinter dem Durchschnittssatz ihrer Kameraden zurückbliebe, so würden sich daraus allerdings berechtigte Einwendungen gegen die Lohnfestsetzung im Ruhrbergbau ergeben. Da aber die Menschen nun einmal nach Körperkraft, Ge schicklichkeit und Intelligenz, und nicht zum mindesten dem Fleijze nach sehr verschieden sind, so kann es nicht ausbleiben (wenn man nicht annehmen will, die Bergarbeiter machten hiervon eine Ausnahme), daß auch die Hauerlöhne — selbst bei gleichem Gedinge und sonst im wesentlichen übereinstimmenden Verhältnissen — erhebliche Unterschiede aufweisen. Deshalb ist das Vorkommen von Hauerlöhnen unter 5 Mark, bei einem derzeitigen Durchschnittsverdienst von annähernd G Mark (einschl. der dem Arbeiter obliegenden Knappschaftsge- fälle) an sich nichts überraschendes und berechtigt auch angesichts der anderen Arbeitergruppen im Bergbau und den Angehörigen der übrigen Gewerbe bezahlten Löhne noch lange nicht, von „Hungerlöhnen" zu sprechen. Im übrigem handelt es sich bei den Hauern, die keine 5 Mark verdienen, nur um eine kleine Zahl.
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