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Deutscher _

Die alles jetzt aufs lebhafteste bervegende Frage des Vergarbeiterstreils hat am Donnerstag auch in Gestalt einer Interpellation ein Echo.im Reichstage gefunden. Zu^ nächst freilich gab es einen Akt internationaler Höflichkeit, indem Präsident Kaempf des, Attentats gegen das italienische Königspaar gedachte und um' die Erlaubnis zur Absendung eines Shmpathietelegrammes an biet italienische Kammer er­suchte Die Rede wurde stehend angehört. Auch ein Teil der Sozialdemokraten hatte sich bemerkenswerterweise erhoben. Dann ging man zur Tagesordnung über. Der Zentrums^ abgeordnete Schiffer begründete die Interpellation, in? dem er die Notwendigkeit einer Lohnerhöhung betonte und die Haltung der Christlichen Gewerkschaften rechtfertigte.. In einer ausführlichen Rede ging Staatssekretär Del-, drück auf die Verhältnisse im Ruhrrevier ein, nachdem; er angekündigt hatte, daß der verhinderte Kanzler evtl, selbst noch in heiterem Verlaufe der Verhandlungen das Wort ergreifen werde. Der Staatssekretär schilderte dann den ganzen Verlaus des Lohnkampfes und hob das Ent-, aegenkommen der Zechenverwaltungen hervor, weshalb ihm von den Bänken der Sozialdemokraten das WortZechen- vnwalt" entgegenschallte. Schließlich erörterte Herr Del­brück noch den Schutz der Arbeitswilligen und betonte, daß erforderlichenfalls auch Militär herangezogen würde. Dem Staatssekretär erwiderte der dem sozialistischen Berg- arbeiterverbande nahe stehende Abgeordnete Sachse, der der Streikenthaltung der christlichen Gewerkschaften politische Motive unterschiebt. Man müsse den Zechen die Zähne geigen, auf ihre Versprechungen sei kein Verlaß. Der fol­gende konservative Redner Rogalla v. Bieberstein Weinte, mit derartigen Reden würde kein Friede geschaffen. $m übrigen gab der konservative Mgeordnete seiner Ge.- nugtuung über die Heranziehung von Militär Ausdrucks Seine Bemerkung erregte den lebhaftesten Widerspruch der Sozialdemokraten, wobei Abg. Sachse sich einen Ordnungs­ruf zuzog. Die Darlegungen des Staatssekretärs ergänzte dann norl) Handelsminister Shdotv in ähnlicher Weise, wie er es kürzlich) im preußischen Abgeordnetenhause getan hatte. Den Schluß machte der nationalliberale Abgeord­nete Böttger, der auf die Lohnverhältnisse int Ruhr- revier einging, und die Haltung der Zechenverwaltungen im großen und ganzen 311 rechtfertigen suchte.

Meklal aus den König w Italien.

Der König unverletzt geblieben.

Die Hauptstadt Italiens ist Donnerstag morgen -urch ein Attentat aus den König in gewaltige Aufre­gung versetzt worden. Ein Unbekannter feuerte auf den König mehrere Revolverschüsse ab, die glücklicherweise ihr Ziel verfehlten und nur einen Begleiter des Königs verwundeten. Es werden folgende Einzelheiten gemel- -et:

Als der König sich in Begleitung der Königin zu einer Seelenmesse für den König Humbert nach dem Pantheon begab, feuerte ein Unbekannter mehrere Re­volverschüsse auf den König ab. Die Majestäten blieben unverletzt, während der Kommandeur der den Wagen begleitenden Kavallerieabteilung, Lang, durch einen Revolverschuß verwundet wurde. Der Täter wurde als­bald verhaftet. Die Bevölkerung bereitete dem Königs- paar lebhafte Ovationen.

Der Verüber des Anschlags auf den König Viktor Emanuel ist ein junger, bartloser, verhältnismäßig gut­gekleideter Mann von dem charakteristischen Aussehen eines Apachen. Er nennt sich Antonio Dalba. Wie sich bei dem Verhör herausstellte, ist er mehrfach vorbe­straft, darunter dreimal wegen Diebstahls. In den letz­ten Jahren ist er Anarchist geworden. Zuerst behauptete er, den Revolver gefunden zu haben, doch räumte er später ein, daß er ihn seit einiger Zeit besitze. In sei­nem Verhör protestierte Dalba dagegen, daß er von der Menge, die ihn lynchen wollte, mißhandelt worden sei. Ueber die Absichten, die er bet seinem Attentat gehabt, sagte er aber nur wenig. Später begann er von seiner Vergangenheit und seinem bisherigen Leben zu spre­chen. Er stellte in Abrede, daß ein Komplott bestünde. Er habe das Verbrechen allein ersonnen und es auch allein ausgeführt. Er habe Vater, Mutter und einen Bruder. Dalba wurden einige Papiere abgenommen. Er hatte einige Schrammen im Gesicht, die ihn: von der Menge im Augenblick bei der Verhaftung zugefügt wa­ren. Dalba hatte sich hinter der Säule eines Palastes verborgen. Sobald der königliche Wagen, in dem sich der König und die Königin befanden, an dem Palais Vorüberfuhr, feuerte er seinen ersten Schuß ab.

Der König blieb nach dem Attentat völlig ruhig, aber die Königin wurde leichenblaß. Sie faßte den Kö­nig am Arn: und warf sich über ihn, um ihn zu schüt­zen. Der König wehrte sanft ab und befahl, die Fahrt nach dem Pantheon fortzusetzen. Major Lang, der Kormnandeur der den Wagen des Königs begleitenden Kavallerieeskorte, hat außer einem Kopfschuß durch den Fall vom Pferd eine Gehirnerschütterung davongetra- gen. Ein Mailänder Blatt bestreitet, daß der Attentä­

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

14) (Nachdruck verboten.)

So, nun fahren Sie mit dem Kühlen fort," ord­nete der Arzt an-bis wir weiter marschieren, wird der Schmerz wohl aufhören. Soll ich Sie krank melden?"

Ich bitte nein," antwortete der Offizier eifrig,ich marschiere auf alle Fälle mit."

Habe nichts dagegen," nickte der Stabsarzt und sah sich nach weiteren Objekten seiner Kunst um. Leider war daran kein Mangel. Tyrolt entfernte sich schnell. Er beneidete den Arzt nicht um sein Amt.

Eine halbe Stunde später Neumann hatte gerade Zeit, die Uniform seines Herrn oberflächlich znsammen- zunähen setzte sich das Regiment wieder in Be­wegung.

Hauptmann Bergetström begrüßte seinen Offizier mit einem Handschlag. Er mußte sich mit der Linken be- gnügen, denn dieser trug den rechten Arn: in einer Binde. Obgleich die Schmerzen nachgelassen hatten, war er außer Stande, irgend etwas zu fassen oder zu halten.

Wir beide nehmen uns gut aus," lachte Berget- ström, auf seine Bandage am Bein zeigend.Zwei Invaliden an der Spitze der Kompagnie. Aber das tut nichts. Im Kriege sind Schönheit und Eleganz Nebensache."

In langen Marschkolonnen rückten -ie Hundert­achter in das Tal von Letanne. Die Bayern hatten tüchtig von den Höhen hillabgepfeffert. Der ganze Weg und die angrenzenden Felder waren von den gefallenen Franzosen dicht besät wie roter Mohn schimmerten überall die historischen Rothosen aus dem Grase und Getreide. Trümmer aller Art, Kadaver von Pferden Gepäckstücke, Leichen machten die Chausseen fast un­passierbar.

Leutnant Tyrolt marschierte unverzagt an der Spitze

ter -er Anarchistenpartet angehöre, er sei ein gewöhn­licher Verbrecher, -er auch schon wegen Mißhandlung seiner Eltern verurteilt sei.

Der Attentäter im Gefängnis.

Oe* Row, 15. März. Der Attentäter Dalba wurde in der Nacht aus dem Polizeigewahrsam nach dem Un­tersuchungsgefängnis gebracht. Bei seiner Einlieferung erklärte er dem Gefäimnisdirektor unter Tranen, daß er seine Tat bereue. Er verweigert die Nahrungsauf­nahme. Der bei dem Attentat verwundete Maior Lang wurde am Donnerstag im Krankenhause operiert. Die Kugeln wurden entfernt. Sein Befinden ist zufrieden­stellend.

Die Anteilnahme Deutschlands.

DieNordö. Allg. Ztg." schreibt: Der frevelhafte Anschlag auf das Leben oes um sein Land hochverdien­ten Monarchen muß bei der ganzen gesitteten Welt ei­nen tiefen Abscheu hervorrrufen. Dem italienischen Königshause und dem verbündeten italienischen Volke bringen wir die herzlichsten Glückwünsche zur Erret­tung des geliebten Königs aus schwerer Gefahr dar. Die Empfindungen, mit welchen die Kunde von der Un­tat und ihrem Mißlingen überall ausgenommen wer­den, werden die Sympathie für die Person des muti­gen und pflichttreuen Herrschers noch erhöhen und die Stellung noch befestigen, die Viktor Emanuel in den Herzen seiner Italiener und in der Hochschätzung seiner Zeitgenossen erworben hat. Der deutsche Reichskanzler begab sich Donnerstag nachmittag zum italienischen Botschafter, um wegen des Anschlages auf das italie­nische Königspaar seine Entrüstung und die wärmste Teilnahme auszusprechen.

Runasc^au vom Cage.

Politisches.

Die angesagte Ministerkonferenz zur Beratung über die Wehrvorlagen und die Deckunqsfraaen hat am Donnerstag stattgefundeu. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt darüber: Donnerstag vormittag begannen unter dem Vorsitz des Reichskanzlers im Bundesratssaale des Reichsamts des Innern die vertraulichen Bespre­chungen über d*e Wehrvorlagen und ihre finanzielle Deckung, zu denen der Reichskanzler die leitenden Mi­nister der Einzelstaaten geladen hatte. An den Bespre­chungen nahmen die Chefs der beteiligten Reichsres- sorts und die Finanzminister der größeren Bundesstaa­ten teil.

Die Beratung -es Postetats wurde am Donners­tag in der Budgetkommission des Reichstages beendet. Die Kommission beschloß, die Eingaben der Postunter­beamten, die eine Erweiterung der Arbeiterausschüsse anstreben, der Reichsregierung zur Erwägung zu über­mitteln. Petitionen, die eine bessere Anrechnung der Dienstjahre herbeizuführen wünschen, wurden als Ma­terial überwiesen, ueber Petitionen, die Gewährung von Zulagen, bezw. deren Ausgleich verlangen, wurde zur Tagesordnung übergegangen.

Ueber die Flottennovelle wird in derTägl. Rund­schau" mitgeteilt, daß sie in erster Linie eine starke Ver­mehrung der Mannschaften ins Auge faßt. Sie für die Bemannung des dritten Geschwaders nötig sind. Es besteht die Absicht, im Herbst dieses Jahres 2500 Mann neu einzustellen und, da nach dem Flottengesetz rund 3400 Mann jährlich mehr erforderlich sind, so würde man insgesamt jährlich mit einer Mehreinstellung von 5900 Mann rechnen müssen. Die Kosten der neuen Mannschaften belaufen sich auf 7% Millionen Mark, wo­bei der einzelne Mann jährlich 3000 Mark kostet. Die zweiten 7^ Millionen Mark, die für das erste Jahr nt Aussicht genommen sind, werden zum Ausbau unserer Unterseeflottille verwendet werden.

Der Direktor des Haufabundes, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, wird, wie der Hansabunö mitteiltz doch von seinem Posten zurücktreten. Die aufreibende Tätig­keit während der beiden Jahre hat seine Gesundheit der­art angegriffen, daß er sich entschlossen hat, um seinen Abschied einzukommen, obwohl sein Vertrag noch meh­rere Jahre läuft. Er scheidet, wie versichert wird, im vollen Einvernehmen, mit allen Instanzen aus. Sein Austritt soll bereits am 15. März erfolgen. Als Nach­folger Knoblochs wird jetzt wieder der Syndikus des Verbandes sächsischer Industrieller Dr. Stresemann ge­nannt. Wie weit das Gerücht begründet ist, läßt sich schwer beurteilen.

Ferri und Bebel. Der italienische sozialistische Ab- georduetc Ferri, der wegen seiner Stellungnahme zum Tripolisfeldzuge zur Niederlegung feines Mandats ge­zwungen wurde, hatte sich auch auf August Bebel be­rufen, der sich auch für eine koloniale Expansionspoli­tik ausgesprochen habe. Die Redaktion eines sozialisti- schen Blattes wandte sich deshalb direkt um Aufklärung an Bebel und erhielt folgende Antwort:Werte Genos- fen! Seit 26 Jahren, d. h. seit Deutschland Kolonial­politik treibt, bin ich der entschiedenste Gegner dieser Politik gewesen und bin es bis auf den heutigen Tag. Ferri kann sich also auf keinen Fall auf mich berufen. Meine Gegnerschaft gegen die Kolonialpolitik ist auch

seines Zuges. Als der Befehl kam, das Dorf Ville- mortry zu nehmen, trat eine ernste Aktion ein. Von Sen Preußen war beim Sturm das 96., 86. und 71. Regiment, von den Sachsen das 101. und 108. Regiment beteiligt. Letzteren fiel die Aufgabe zu, die Franzosen aus dem unteren Dorfe zu vertreiben. Diese, insbeson­dere die Marinetruppen, mehrten sich mit Löwenmut, und fingen erst an zu weichen, als zwei bayerische Bat­terien eine westlich gelegene Anhöhe besetzten unS, Ge­schoß auf Geschoß in die Gehöfte schleudernd, Haus für Haus in Brand steckten. Mit klingendem Spiel rückten die Hundertachter in die Dorfstraße ein; doch bald mußten f^ aufs neue zu Sen Waffen greifen. Während Sie französischen Soldaten sich vor den nie fehlenden Zündnadeln und den bayerischen Schrapnells flüchteten, schickten sich die Bauern an, ihre Häuser zu verteidigen. Aus Fenstern und Luken, von den Dächern und aus Sen Kellerlöchern schossen sie auf die vorbeiziehenden Sieger. Die Folgen dieser wahnsinnigen Tat blieben nicht aus. Die Franktireurs wurden niedergemacht, ihre Häuser eingeäschert. In Mauzon endlich wurde ange­sichts des Feindes Biwak bezogen.

Leutnant Tyrolt hatte nach langem Suchen in Sem zusammengeschossenen Schulhause einen Platz gefunden, um nach den Strapazen des Tages auszuruhen, so zu sagen unter freiem Himmel, denn das Dach war zerstört und klaffte weit auseinander, den feinen Sprühregen, der sich gegen Abend eingestellt, frei einlassend. Den­noch war dem Totmüden der etwas abgelegene Ort will­kommen. Nach dem anstrengenöen Marsche, den aus- gestandenen Schmerzen, nach der Aufregung des Karnp- fes, mit allen seinen Greueln und Schrecken fühlte er sich wie zerschlagen. Nur nach Ruhe lechzte er. Nur kurze Augenblicke wollte er normal denken, vielleicht träumen. In -er zerstörten Schule fand er den geeig­neten Platz und bat Neumann, dafür zu sorgen, - er allein bliebe.

-ie -er deutschen sozialistischen Partei. Im übrigen habe ich Ferri schon seit langem nicht mehr als Sozia, listen angesehen. Herzliche Grüße. August Bebels Ferri veröffentlicht nun in römischen Blattern einen offenen Brief an den Abgeordneten Bebel, öem er vor. wirft, nichts anderes als ein verkappter Monarchist zu sein. Er schließt mit den Worten:Ich wetze jeden An­griff Bebels auf mich entschieden zurück, öa ich stets mit ehrlichen Waffen kämpfe und nicht wie andere um ter Zuhilfenahme von Fälschungen."

Kleine Milchten.

Neue Militärflugapparate. Die deutsche Heeresver­waltung hat bei den Aeroplanwerken Igo Etrich in Trautenau 40 Flugapparate in Auftrag gegeben, da­von 16 nach dem Typ derTaube". Die Lieferung soll in Berlin im Mai erfolgen.

Die Aburteilung der englischen Frauenrechtlerin­nen. Die Verhandlungen gegen die Suffragetten vor öem Londoner Gerichtshof dauern fort. Gestern sind wiederum sieben Frauenrechtlerinnen zu vier Monaten und eine zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wor­den.

Beim Villardspiel gestorben. Bei einem BillarS- turnier, das Mittwoch abend in den Billardsälen im Zentralhotel in Potsdam zwischen öen Meisterspielern Kerkau und Algner veranstaltet wurde, fiel plötzlich Algner während des Spiels entseelt neben dem Billard zu Boden. Als Todesursache wird Herzschlag ange­nommen.

Der Streik im Schneiöergewerbe. Nach den bishe­rigen Feststellungen sind im ganzen etwa 22 000 Schnei­dergehilfen ausgesperrt. Aus 40 Orten fehlt aber noch -ie genaue Angabe von Zahlen über die Aussperrung.

Dynamitaufchlag im Kohlenrevier. In der Ge­meindeAuf dem Höchsten" bei Schwerte wurde aus dem Fensterbrett des Hauses, in dem ein arbeitswilliger Bergmann wohnte, Mittwoch abend eine Dynamitpat­rone zur Explosion gebracht. Das Fenster und die Mö­bel in dem Zimmer wurden völlig demoliert. Personen sind hierbei glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.

Massenerkrankttngen in einem Lehrerseminar. Im Schullehrerseminar zu Würzburg sind 20 Schüler unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

Der Bandit Lesniak, -er in Fürstenwalde an der Spree den polnischen Bauer Tonczik ermordet und seiner Barschaft von 700 Mark beraubt, der des wei­teren in Breslau mehrere polnische Auswanderer er­mordet und beraubt hatte, ist in Krakau verhaftet mor­sen.

Streikende Winzer am Rhein. Nachdem der Aus­stand der Winzer in Rheinhessen zum größten Teil gütlich beigeleat werden konnte und in den Weinber­gen die Arbeit wieder ausgenommen worden ist, hat jetzt die Lohnbewegung auf Sen Rheingau übergegrif- fen. In Hochheim haben die Arbeiter bereits zu strei­ken begonnen. Zwischen Arbeitswilligen und Strei­kenden ist es mehrfach zu Zusammenstößen gekommen.

Attentat ans amerikanische Richter. Das Graf­schaftsgericht von Hillsville im Staate Virginia war am Mittwoch der Schauplatz einer bösartigen Gesetz­losigkeit. Der Richter Massie verurteilte einen gewissen Floyöallen zu einem Jahr Gefängnis, worauf dessen Bruder und Freunde mit ihren Revolvern einen wah­ren Kugelregen eröffneten. Der Richter, der Staats­anwalt, ein Geschworener und der Sheriff wurden von mehreren Kugeln getroffen und getötet, andere Ge­schworene verletzt. Die Täter entkamen.

w» Großer Irrmelendiebstahl im Expreßzug. Auf -er Fahrt von Amsterdam nach Paris wurde einem Diamantenbandler im Erpreßzug eine Kiste mit Ju­welen im Werte von 150 000 Mark gestohlen.

c^ Verhaftung eines Millionenvetritaers 9m Lille wurde der nach Veruntreuung von zwei Missionen Francs geflüchtete Kassierer der Suez-Kanal-Gesell­schaft namens Lepreuix verhaftet.

M «Mwe Weg im towÄ

Aus öen verschiedensten Teilen des Ruhrbezirks laufen wiederum Nachrichten über Ausschreitungen ein, die nach Beendigung der Schichten Mittwoch nach­mittag vorgekommen sind. Aus dem Bezirk Castrop und auch ans einigen anderen Bezirken, in denen die Zahl der Arbeitswilligen die der Streikenden mehr oder weniger beträchtlich übersteigt, wird berichtet, daß gerade dort die Arbeitswilligen außerordentlich starr belästigt werden. In dem Essener Revier hat die Polizeibehörde durchweg in der Nähe der verschiedenen Zechen so starke Polizeiaufgebote untergebracht, daß je- der Versuch einer Zusammenrottung von Menschen­massen von vornherein vereitelt wird. In Bottrop trieb die Polizei mit Waffengewalt eine Versammlung von Streikenden, die sich auf freiem Felde zusammengefun- -en hatte, auseinander. Aus dem Dortmunder Revier wird gemeldet, daß es dort zu heftigen Zusammenstö­ßen gekommen ist. Die Polizei wußte in vielen Fällen mit der Waffe v o r g e h e n, um die Menschenan-

Sie sollen es genießen," sagte der Bursche, seinem Herrn die Lagerstätte auf einem Soldatenmantel, den Tornister als Kopfkissen, bereitend.Ich lege mich quer vor die Türe und sage jedem:Hier sind die Cholera­blattern!" Da laufen sie alte davon!"

Er ging auf seinen Posten. Waldemar streckte sich auf sein hartes Bett nieder. Das herabwehende Naß störte ihn nicht- es kühlte seine Stirn- es müßigte die Glut in seinem Innern. Seine Gedanken weilten bei der Geliebten. Gottlob, Desiree war weit von dem Kriegsschauplätze entfernt. Unter dem Schutze der güti­gen Tante war sie nach Belgien gepflüchtet. Nur Oli­vier weilte in Bazailles. Zu welchem Zwecke? Sollte er wirklich den wahnsinnigen Plan gefaßt haben, den nachrückenden Deutschen Stand zu halten? Um so schlimmer für ihn. Dann gedachte Waldemar seiner Eltern in Reichenbach. Von ihren Segenswünschen be­gleitet, war er zu der Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen. Er hatte ihnen zuletzt von Dieuze geschrie­ben. Er sah die lieben Alten vor seinem inneren Auge, wie sie ungeduldig den Feldpostbrief aufbrachen, wie sie dicht aneianöergedrttngt. ihn gemeinschaftlich lasen und sich freuten, daß er wohl und guter Dinge sei. Guter Dinge? Mit dem Gram um Desiree im Herzen? Doch, gleichviel, sie kannten ja den Grund seiner Trauer nicht. Wozu sollte er sie auch damit betrüben? Aber sie lob­ten ihn und den braven Neumann, der ihn so auf­opfernd pflegte und jetzt draußen vor der Tür lag. Ein treues Herz! Ob ihm auch Desiree die Treue bewah­ren wird, ob sie ihn noch liebt, ob sie seiner gedenkt?

Mit halbgeschlossenen Augen blickte er zu dem wol- kenverhüllten Nachthimmel empor. Kein Lichtstrahl weit und breit! Doch! Dort gerade über ihm ein einzelner, schwachleuchtender Stern auftauchenö, verschwindend. Ob auch Desirees Auge ihn in dieser Nacht sehen wird, ob dort sich ihre Gedanken kreuzen?"