Kietzener Jeitung
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Verlag der „Gießener Zeitnng" G. m. b. H.
Druck der Gießener Verlag sdruckerei.
Sir. 74.
Telep hon: Nr. 362.
amslag, Den 14. September 1912.
Telephon Nr.: 862. 24. ^ßbtg.
Politische Rundschau.
Deutschland.
i • Wildpark, 13. Sept. Der Kaiser Be nachmittag 4 Uhr mittels Sonderzuges aus
traf dem
Oklava
ZWrgo
Lmovergelände auf der Station Wildpark ein. Zum Hpjang hatten sich die Kaiserin mit der Prinzes- Lillona Luise und Prinz Adalbert eingefunden, herzlicher Begrüßung begaben sich die Herrschaften dem neuen Palais in Potsdam. Der Kaiser ge- l am Sonntag nach Wilhelmshaven zu fahren.
Höherer Kommandowechsel.
• Generalinspekteur v. Eichhorn. Die bereits längerer Zeit als bevorstehend angekündigte Ernen- g des kommandierenden Generals Erz. v. E i ch - i n zum Generalinspekteur der neuen 7. Armeein- ion in Saarbrücken findet nunmehr seine Bestätig- . Schon zum 1. Oktober d. Js. wird Frankfurt die tnfwürbige Erzellenz verlieren, die noch stets bei ^cien offiziellen Veranstaltungen ihrer Repräsenta- n-Mcht genügte, und die auch als trefflicher Ge-
wgilt, dem auch der Sinn für prickelnden Hu- — ^-^-âr nicht mangelt. — Der neue Kommandeur des Der neue Ich-LÄrmeekorps, Generalleutnant v. Schenck, General- öfMmitbem-.^ des Kaisers, wurde am 11. November 1853 Georg HWl Schloß Mansfeld als Sohn des Rittergutsbesitz- Der Kampf ^rp Wilhelm v. Schenck geboren. 1870 wurde er Leut- und der rmWt im Kaiser Franz Garde-Grenadier-Rgt. Nr. 2. darauf fchteine 'ir nahm an dem Feldzug 1870-71 teil, wurde 1905 nende Erzählung: ^eralmajor uni) Inspekteur der Jnfanteriefchulen, Emmi k(W Generalleutnant und Kommandeur der 2. (5arbe= Die Nase wrâifon und 1909 Generaladjutant des Kaisers, kom-
banebent*t!*^ zum Kronprinzen. — Erzellenz Scholtz, ernst80^« — ö 1908 Kommandeur der 21. Division, ist zum kom- Roda Ma - Edierenden General des neuen 20. Armeekorps Kahlenberg-^MM. Er ist am 24. März 1851 in Flensburg als Palm-vm- ^C5 Süperintendenten Fritz Scholtz geboren. 1870 ec in das Feldartillerie-Rgt. Nr. 9 ein. 1899 wurde "^, brr fcOM des Generalstabes des 18. Armeekorps, 1901 5 bie w'i ^^ 1903 Kommandeur der 25. Feldart.-Brigade, wichtiqstenbed^ 'M Generalmajor, 1906 Oberquartiermeister im Ge- SchaffensundL 'Mftab der Armee, 1908 Generalleutnant und Kom- Neichsti^âkideur der 21. Division. — An seine Stelle als D i- unb billigst'"si! ionskommandeur tritt Freiherr v. H o l- in hatsche MMN, bisher Generalmajor und Kommandeur der 4. Ka- --Mrie-Brigade. Er ist 1851 in Schönweide geboren. ..... Abonnt'. -t Der Gouverneur von Mainz, General der Kaval-
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v. Schliessen, wird von dieser Stellung
Probeheft durchs Woben und unter Belassung a la suite des Kürajster- .«ments Königin mit der gesetzlichen Pension zur Dis- P ijition gestellt. Generalleutnant v. K a t h e-n, Kom-
mandeur der 9. Division, ist zum Kommandeur von Mainz ernannt worden. — Weiler werden noch folgende Personalveränderungen besannt: General der Infanterie v. Bülow, Kommandierender General des 3. Armeekorps, zum Generaloberst befördert und mit dem 1. Oktober unter Belassung a la suite des 4. Galde-Neg. z. F. zum Generalinspekteur der 3. Armee- Inspektion ernannt. General der Inf. von Hoepfner, Inspekteur der Landwehr-Inspektion Berlin, wird zwn 30. September von dieser Stellung enthoben und unter Verleihung des Großkreuzes des Roten Adleror- derls mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt. — Von L o ch o w, Kommandeur der 2. Garde-Division, zum Kommandierenden General des 3. Armeekorps ernannt. — Ferner sind zu Generalen der Infanterie befördert: Frhr. v. Lyncker, General-Inspekteur des Militär-Verkehrswesens, Fürst v. Hohenzollern, von Jacobi, Präses der Generalordenskommission und v. Wachs, Direktor des Zentraldepartements im Kriegsministerium. — Prinz Eitel Friedrich von Preußen, bisher Major und Kommandeur der Leibeskadron des Leibgarde-Husaren-Rgts., als Kommandeur des 1. Bataillons in das 1. Garde-Rgt. zu Fuß versetzt. — Zu Generalleutnants sind befördert worden: die Generalmajore Wandel, v. W i n ck- l e r, Freiherr v. L ü 11 l i tz Sontag. — Zu Generalmajoren sind befördert worden: die Obersten Schmiedecke und K r u s i u s. — Prinz Fried- r i ch Wilhelm von Preußen ist zum Oberstleutnant befördert worden.
• Ein K am p f der Reichs.postverwal- tung mit dem Leipziger Aerzleverband stebt bevor ! Die Reichspostverwaltung beabsichtigt, für ihre Unterbeamten und Angestellten besondere Keanken- kassen einzurichten. Der Leipziger Verband warnt die Aerzte, Stellen bei diesen Postkrankenkassen zu übernehmen. Er hat dem Reichspostamt schon seine Grundforderungen übermittelt und erklärt, daß, wenn die Reichspost diese Forderungen nicht anerkenne, den neuen Kassen die ärztliche Hülfe verweigert werden würde. Diese Eri.ndforderungen bestimmen, daß alle Beamten, die mehr als 2000 Mk. Gesam leinkommen, nicht etwa nur Diensteinkommen haben, von den Kassen ausge - schlissen werden müssen. Jede einzelne ärztliche Leistung soll nach bestimmten Sätzen bezahtt werden, womit die Höhe des ärztlichen Honorars völlig in das Belieben der Aerzte und der Patienten gestellt ist, welche die Aerzte nicht unmittelbar zu bezahlen brauchen. Die Postverwaltung soll ferner alle Aerzte, namentlich die organisierten Aerzte, bei diesen Kaffee zulassen. Als
^?®^® Des Wilderers Mache.
! Erzählung aus dem bayrischen Hochland von
L.hrßC I Otto Landsmann.
Prima hoa)p (Nachdruck verboten.)
(ü u flf I Der Vater rief seine Kinder zu sich, legte ihre Hände II II’ teemanber und bat sie, am andern Tage ihre Hochzeit zu M cjl Zwei Tage danach zogen Helena und Karl chre V^hzeitskleider aus, um Trauergewänder anzulegen.
^^ilehlt ® Nach einiger Zeit tat Karl die nötigen Schritte, um
^L Li He Stelle seines Schwiegervaters zu erlangen, und da ^l^H er hierfür nicht nur alle Vorbedingungen erfüllt hatte, • / fuld» Wern auch von seinem Oberförster aufs beste empfoh- _^^ l«l wurde, so wurde sie ihm, wenn auch vorerst in wi- ^rruflichcr Weise, übertragen. Dieser Erfolg ließ Karl ‘ md Helena nichts mehr zu wünschen übrig. Ein Knabe, * Lauset 6m die junge Frau ein Jahr später gebar, setzte dem le^ 'Nporto ■ Adrigen Eheglücke die Krone auf. Der Förster grün- geM ita^ {Rk die schönsten Hoffnungen auf den pausbäckigen Z«iltz;en, den er auf seinen Knien wiegte, und stellte sich $1 schon vor, daß er einst, groß und stark, seinen Va- tn aus dessen Streifzügen begletten und später selbst
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WÄ ein Forstmann wie er sein würde.
Eines Abends, als er vom Revier heimkehrte, traf SarL seine Fran in Tränen an: der Kleine hatte èämpfe. Schnell wurde der Arzt geholt. Dieser, ein ilter Herr, der schon seit zwanzig Jahren im Orte an- Ds war, kam sogleich,' als er das Kind sah, schüttelte nd-en Kopf, sagte jedoch nichts, sondern begnügte sich iwrit, Lindenteebäder zu verordnen. Am nächsten Mor- SA e^lag das Kind einem heftigen Anfall.
Dieses Ereignis versetzte die kleine Familie in tiefe taer. Lebrecht konnte sich über den Zusammenbruch ter schönen Hoffnungen, in denen sein Vaterstolz sich Hielte, gar nicht trösten. Vier Jahre nach dem Tode tes Knaben schenkte Helena einem Mädchen das Leben. Rant gab ihm den Namen Renata.
Die Geburt dieses Kindes erfüllte das Herz des Vaters mit unaussprechlichem Glück. Gewiß, er hatte seinen Sohn geliebt, der ihm einst ein Freund, den er sich selbst herangebildet, hätte werden können und eine Stütze in seinen alten Tagen,' dennoch aber hatte er sich von jeher nichts so sehnlich gewünscht als eine Tochter, denn eine Tochter gehört sozusagen mehr ihren Eltern als ein Sohn, der, wenn er einmal groß genug ist, seinen Weg einschlagen und deshalb das Vaterhaus verlassen muß, währenb eine Tochter meist bis zu ^hrer Verheiratung unter der direkten elterlichen Obhut verbleibt.
Kein Wunder daher, daß die kleine Renata, deren Ankunft den glühendsten Wunsch des Vaters erfüllte, seinen Abgott, Stolz, Glück und Seligkett bttdete und er mit ganzer Seele an ihr hing. Nie kehrte er von seinen Streifzügen durch das Revier nach Hause, ohne ihr im Dorfe irgendwelches Spielzeug, irgend eine Süßigkeit zu kaufen und sie damtt bei seiner Heimkehr zu beschenken. Und wenn ihm seine Frau deshalb leisen Vorhalt machte, meinte er lacheird: „Ich bin hatt zufällig vorübergekommen, hab' die Sache im Auslagefenster gesehen und konnte der Versuchung, etwas zu kaufen, nicht widerstehen. Uebrigens, was tut's — wir haben ja nur ein Kind."
Eine der Hauptsorgen des Vaters war die Aussteuer seiner Tochter.
„Ich will nicht," sagte er, „daß Renata einst ohne einen Pfennig heiratet. Ich werde tun, was mir möglich ist, ihr ein Vermögen, wenn auch nur ein kleines, zusammenzusparen."
In München lebte ein ehemaliger Kamerad von ihm. Dieser war, was man gewöhnlich einen Schwindler nennt, aber Lebrecht wußte es nicht. Schon öfters hatte ihn derselbe in Staunen gefetzt, indem er ihm ein glänzendes Bild von dem ungeheueren Gewinn entwarf, welchen er erzielen könnte, wenn Karl ibm seine
letzte Forderung wird erhoben: Abschluß der Verträge mit der Aerzteorganisation. Die Reichspostverwaltung steht also vor der Entscheidung, ob sie auf die Errichtung der Posckrankenkassen verzichten oder einen Kampf mit dem Leipziger Aerzteverband aufnehmen will.
*
Oesterreich.
* W i e n, 13. Sept. Der König der Bulgaren ist im Laufe der vergangenen Nacht unerwarteter Weise mit seinen beiden Töchtern in Wien eingetroffen. Es besteht kein Zweifel, daß dieser Besuch des Zaren Ferdinand mit der politischen Lage auf dem Balkan zu- sai.lmenhängt.
Türkei.
* Konstantinopel, 13. Sept. In der Stadt erplodierte heute eine Bombe. 4 Personen wurden getötet, 17 verwundet. Das Revolutionskomitee hat danach seine Drohung, daß es zum Bairamfeste von sich hören lassen werde, verwirklicht.
*
Japan.
Die Trauerfeierlichkeiten in Tokio haben mit einem erschütternden Drama begonnen. Am Sarge seines Kaisers hat der General N o g i, der Held von Port Arthur, mit seiner Frau aus Schmerz um den Tod Mutsuhitos nach echt japanischer Weise S e l b st m o r d durch Harakiri begangen. Als die Zeremonie ihren Anfang nahm, traten der greife Feldherr und Sieger in vielen Schlachten und seine betagte Gattin vor den Sarg des Mikado und verübten Harakiri. Das Entsetzen des Trauergefolges war grenzenlos, doch wagte sich niemand zu regen, um dem greifen Paare bei seinem Vorhaben Einhalt zu tun. Nogi hat ein Alter von 63 Jahren erreicht. Für seine Verdienste wurde er im Jahre 1895 zum Varon und im Jahre 1906 zum Grafen Maresuke ernannt. Nogi wurde auch vom Deutschen Kaiser nach der Einnahme von Port Arthur der Orden Pour le merite verliehen.
Tokio, 13. Sept. Die Leiche bis verewigten Kaisers Mutsuhito wurde gestern abend kurz nach 8 Uhr aus dem Kaiserpalast nach dem Aoyamo-Parade- feld gebracht. Beim Scheine eines auf dem Hose brennenden Wachtfeuers und aufgesteckten Fackeln fuhr der uralter Sitte gemäß von fünf Ochsen gezogene Leichenwagen zum Palasteingang, wo der Sarg ausgenommen wurde. Der Kaiser, die Kaiserin und die Kai- serinwitwe in altjapanischer Tracht (dunkelbraun und orange) mit ausgelöstem Haar, der Kronprinz, seine beiden jüngeren Brüder und der junge Prinz von Korea geleiteten den Sarg bis zum Portal, schlossen sich
Ersparnisse anvertrauen wollte. Bislang hatte dieser ein solches Ansinnen klugerweise zurückgewiesen. Nach der Geburt seiner Tochter erinnerte er sich dieses Kameraden, Konrad Elster mit Namen, und reiste alsbald nach München. Der war eben darüber, ein „brillantes Geschäft" zu eröffnen, welches, wie er sagte, all denen zum Glück gereichen würde, die Geld darin unlerzubringen hätten. Kurl setzte Vertrauen in seinen Freund und gab ihm fünf Tausendmarkscheine. Das waren seine Ersparnisse von fünf Jahren einschließlich derjenigen Vater Gebhards.
Zwei Monate später erhielt er einen aus Genf datierten Brief, in welchem ihm Elster seinen vollständigen Bankerott mitteilte und bemerkte, daß er, um der Verfolgung seiner Gläubiger zu entgehen, gezwungen gewesen wäre, in die Schweiz zu flüchten. Diese Nachricht war ein Tonnerschlag für den Förster: während er Reichtum erhofft hatte, blieb ihm jetzt nichts mehr als sein jährliches Einkommen und seine Familie. Er verlor indes den Mut nicht, sondern beschloß, es in Zukunft nicht mehr zu schnell wett bringen zu wollen und sich auf die kleinen Ersparnis e, die er nach und nach machen konnte, zu beschränken.
Uebrigens brauchte er nur seine Tochter anzufehen, um jeden Verdruß und seine Geldsorgen zu vergessen. Die Kleine war die Freude, der Stolz der Famllie; gleich der Schwalbe, welche, wie der Vollsmund sagt, Glück dem Hause bringt, in welches sie ihr Nest baut, brauchte gt^nata sich nur zu zeigen, und sobald ihr blow- "ber Kopf erschien, das Gezwitscher ihrer kindlichen lühen Stimme tut Hause erklang, verschwand die Tran- rigkett von der Stirne ihres Vaters, der auf sie zuettte und sie leidenschaftlich in seine Arme schloß.
Renata zählte damals zehn Jahre. Seit drei Jahren besuchte sie die Schule, und der Lehrer bezeichn^ sie als seine fleißige und beste Schülerin. '(Jory- W