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Kießener Bettung

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Telephon: Wr. 362.

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Druck der Gießener Merlan^brurfcrci.

Mittwoch. üen 13 November 1912

Telephon Nr. H^:

24 ^ahru

Serbien conUa Ölterr ich und cMtautncg

n "° ^ D" serbische Marsch nach Adria.

I, L o Z-2 ^ Kriegsoperationen der Bulgaren und Türken 0 N ?c 3 h plötzlich an Interesse vorloren. Nur einen ^ ^ Dcrfolgt die Welt jetzt mit nervöser Ausmerksani- 3 *5.5 ?pln der Serben durch Albanien nach D u = ^^^b kleine, schon lange grötzenwahnsinnige, § ^^o!ji sbti dreist wagende Volk setzt die ganze Diploma- ?SZn< Mopas in Bewegung und stört den Weltsrieden in L^^.'â Weise. Die ernsten Mahnungen Oesterreich - 2 ^^ immer mehr den Ton schärferer Drohun-

£ §k^J";H^ halten Peters tollkühne Garde nicht ab,

^q « § ^j zu Adria vorzudringen. In die Kabinette der Grotz- Oy ^lllt aber ist wohl infolge dieser Erscheinung plötz- 2.9:81 ?<Ä Erwägung eingezogen, und eine wohl- Entspannung unter den Nivalen macht sich be- 3 >^L,-''M Namentlich ist in England über Nacht das ^'^jW gegen den Dreibund und vor allem ^v> ^2MDeutschland geschwunden. Die englische Feind- 3 P^a Ji gegen Oesterreich-Ungarn und Deutschland, die 3*? a-glM lagen der bosnischen Krise und des Marokko - j'N^Jte bis zur Fieberhitze gestiegen war, ist ruhiger ? c ^21 hnrieguTig und vernünftiger Freundschaft gewichen. 3L^! fibi zu, dah Oesterreich-Ungarn, ebenso wie Italien, FT^w oif ipp|)[ ein großes Interesse an dem Schicksale A l - I icn 5 haben müsse. Und auch in Frankreich i»i: Gönnerschaft für Serbien bis auf Null Grad lrâi, und das Geschrei, datz Oesterreich-Ungern der iötejtörcr sei, ist verstummt. Ganz ins Gegenteil wandelt aber hat sich Italiens Stimmung. Seine ß Mennig für Serbien gegenüber ist arger Vcrstim- iriA gewichen, und fester als je beginnt es sich den »irundgenossen anzuschlietzen. Eine Entspannungun-

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n?| »eil Grohmächtekabinetten überall und doch wieder ^K! Hochspannung. Diese Hochspannung hat Ser-

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»5 5 (Jn heiüorgcrufen, und sie wächst von Stunde

p ^:b'"dk bis zur Beklemmung. V u d a p e st ist

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Zu vor-

der Schauplatz eifriger Zusammenkünfte und ern-

Talungen, und bald wird er nach Berlin ver­luden. Der greise Kaiser Franz Joses weilt flid) seit einigen Tagen in seiner ungarischen Ne- unb hat plötzlich den Thronfolger Erz-

Herzog Franz Ferdinand, der als Haupt der Kriegspartei gilt, in längerer Audienz empfangen. Auch ist c ausgefallen, datz kurz nach ihm auch der Kriegs - minister v. Aussenberg eintraf und daß am selben tage noch ein Marschallsrat abgehalten wurde. Und o mn weilten in Budapest noch Gras Berchtold und der Präsident der bulgarischen Sobranje D o II c w, der auf seiner Reise nach Wien mit dem Zaren Ferdinand und später mit dem König Peter län­gere Unterredungen gehabt hatte. Bulgarien habe die ehrlichste Absicht, aus dem ersten Kriege keinen zweiten entstehen zu lassen und zur sriedlichen Beilegung des serbisch-österreichischen Konfliktes mit beizutragen. K Gewitterschwere Wolken ziehen vom Balkan her­

über über ganz Europa. Die Gefahr wird hoffentlich aber noch in letzter Stunde gebannt werden, denn der Dreibund hält gerade jetzt fester als je zusammen, und von den Triple-Entente-Mächten haben England und $ ran (leid; sich zu kühler Besonnenheit durchgerungen. Ruhland aber, das sichtlich hinter Serbiens dreistem Vorgehen steht, und von dem ein österreichischer Diplo­mat offen erklärte:Wir werden es nie und nimmer dulden, datz Nutzland sich unter dem Pseudonqm oder unter der Firma Serbiens an unserer Südgrenze ein- nutet und unter demselben Pseudonym eine Seemacht im Adriatischen Meere wird", Nutzland wird, wenn es Ernst werden sollte, sich noch ^restlich überlegen, ob es Hne versteckten Pläne in die Tat umsetzen soll, denn

nes Verbündeten hören sollte, ist ein Krieg, den wir weder gewollt, noch provozier, ba­den, in dem aber der Kampf zwischen Deu.sch- I a n b unb uns ein Kamps, mit dem wir für früher oder später rechnen müssen.

Belgrad, 11. Rov. Serbien hat die österreich-ungarischen Vorschläge ab = gelehnt. Gestern abend stattete der österreichisch-un­garische Gesandte von Ugron dem Ministerpräsidenten Pasrtsch einen Besuch ab und teilte ihm den Stand - punkt der Monarchie in der Hafensrage, sowie bezüglich der Besetzung Albaniens mit. Pasitsch hat ablehnend geantwortet. Pasitsch ist noch heute nachmittag nach Ucokü^ abgereist, um König Peter, der vorläufig in Uesfüb bleibt, über die Situation zu berichten. Die Gesandten von Nutzland und Frankreich hatten lange Besprechungen mit dem Ministerpräsidenten.

Belgrad, 12. Nov. Der serbische Prinz Arsen

ist durch Wien durch gereift; er begibt sich nach Berlin behufs wichtiger Konferenzen.

Oesterreich rüstet?

In Oesterreich-Ungarn werden militärische ringen getroffen. So erfolgten Einberufungen

ficnauc Renner der russischen Verhältnisse",

über

die Fassade hinaus in das Innere des Reiches blicken können, sind überzeugt, datz Ruhland zurzeit keinen Krieg führen kann."

Privaten Meldungen aus Uesküb zufolge sind die Vortruppen der dritten serbischen Armee bis an die Küste der Adria vorgedrungen. In längstens zwei Tagen wird das Eintreffen der serbischen Truppen in Durazzo erwartet.

Der französische General Humbel schreibt im Echo de Paris": Das Schlimmste, was uns passieren kann, wenn Oesterreich nicht auf die Beschwörungen sei-

angeblich

Vorkehr- von Be-

urlaubten. Im Kriegshafen von Pola herrscht erhöhte Tätigkeit. Als sehr wahrscheinlich nimmt man an, dah eine gleichzeitige Flotten - Demonst ration De^ stencich-Ungarns und Italiens vor den Häfen Alessio, Durazzo und San Giovanni di Medua erfolgen werde. Es läßt sich aber noch nichÜmiL Bestimmtheit sagen, ob es wirklich zu diesem Unternehmen kommen wird und wann die Demonstration durchgeführt werden soll.

Bulgarien mit Oesterreich.

Aus B u d a p e st wird bekannt, D a n e w habe der österreichischen Regierung folgende Versicher­ung gegeben: 1. Bulgarien werde alles tun, was in seiner Macht stehe, um Serbien zu bewegen, von der Absicht Abstand zu nehmen, einen Hasen des Adriati­schen Meeres zu besitzen. 2. Sollte Serbien auf dieser Forderung beharren, so würde ihm Bulgarien die Un-

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; Lieft SÄttfetotttg gtttügit Böhler, er suchte eine hei- ^rllnterhaDme anzuknüpfen, und brachte das Mäd- unter fortwährendem Geplauder nach Haufe, so daß Wochen über die plötzliche, merkwürdige Redseligkeit R* VornnmbeS in. geheimen verwunderte.

tipttâ junge Mädchen zog sich zeitig auf ihr Zimmer Sie hatte heftige Kopfschmerzen und wollte deß» E kald ihr Lager aufsuche». _

2.09, r Das klettw Schlafgemach war «V« Are Alkoven, Är SH ttM^rch hübsche braune RipSgardineu von dem dane* q-sS Kindlichen, ebenfalls sehr Seine», aber recht nett pitagaus)teten Wohnzimmer getrennt war. Die gut ge- ^Eev Oelbilder der Eltern, von einem Fmmortellen- /tarti umgeben, schmückten die hell tapezierte Wand, ver- *Kiene Nippsächelchen, sowie eine Blumen-Etagere mit meu, saftig-grünen Blattpflanzen, lauter Sachen auS^ U A^rnhanse, gaben im Verein mit 'den an den M<A niederwallenden, schneeweißen Vorhängen, teete W WW, behagliches AnssZen. Achter hielt ftch RöSchen am liebsten auf. Die Ruhe > ar^M wohl, fie ungestört ihren

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kM hatte bereits zwölf

Wege», und noch immer lag Röschen wachend auf Lager. Der schmerzende Kopf ließ sie nicht zur stch ihre Gedan- maft mit dem Geliebten. Warum er nur gar nicht «tthte, ihr irgend eine Nachricht zukommen zu lasten! rÄH, es war ziemlich schwer: der einzige Weg hierzu i W nur, wenn er ihrer vertrauten ^^^â einen Itf gab, den diese dann heimlich an die Adresse be- We. Das ging eben auch nicht immer an. ^ne form- te Sehnsucht nach einem liebevollen, »ärtlichen Wort e-km das sinnende Mädchen. Ihr Leben Wich so

einförmig, so arw an Liebe dahin, daß ein herzliches Wort für sie eine wahre Wohltat bedeutete. Nach und nach verwirrten sich ihre Gedanken, und ein sanfter Schlaf schloß die müden Augen.

Plötzlich ließ sie ein Geräufch wie von einem umge- wvrfeneu Gegenstand heftig erschrocken auftahren. An­gestrengt, mit verhaltenem Atem lauschte sie nach dem Wohnzimmer hin. Doch alles blieb still, nichts regte sich mehr.

Schon glaubte Röschen geträumt zu haben, als ein leise tappender Schritt vernehmbar wurde.

»Großer Gott,--was war das?"--

Heftig pochte das Herz in der Brust des armen Mädchens, das nicht wußte, was es beginnen sollte.

Wenn es ein Dieb wäre, der sich eingeschlichen hatte?

Vielleicht, wenn sie um Hilfe rief, kam ihr Leben in ernstliche Gefahr und wer sollte sie wohl hören, jetzt um diese Stunde? Ihr lauschendes Ohr vernahm nun deut, lich, wie nebenan ein Fach ihrer Kommode vorsichtig ge­öffnet wurde.

Also doch ein Dieb ein Einbrecher--, der vier nach Geld oder Schmucksachen suchte.

O Gott, schütze mich," betete sie leise, indes ihr das wertvolle Kästchen einfiel, das dort verborgen war.

Du besitzest nichts mehr, wenn es Dir gestohlen wird." c

Diese Worte, die die Mutter kurz vor chrem Tode gesprochen, fuhren ihr plötzlich durch den Kopf, und mit Aufbietung aller Kraft und Geistesgegenwart ritz sie, be­bend am ganzen Körper, das nahe Fenster auf, und rief aellend auf die menschenleere, verödete Straße hinab: Zu Hilfe, zu Hise, Diebel^--Doch ungehört verhallte der Nus in der stillen Nacht.

Gleichzeitig hörte sie jedoch, wie die Tür schallend ins Schloß fiel.

Etwas erleichtert atmete das gequälte Mädchen auf.

Unheimliche Stille herrschte jetzt, kein Ton war ver­nehmbar, der freche Eindringling schien sich entfernt zu haben.

Nur mir Mühe gelang es den zitternden Fingern, Licht zu machen. Sie warf rasch ein paar Kleidungs­stücke über uno begab sich nach dem Wohnzimmer. Hier sah es allerdings übel aus. Ein Stuhl lag umgestürzt am Boden, die Kommode war auf gerissen, die Schubfä­cher, in denen sonst alles zierlich geordnet an seinem Platze lag, befanden sich in furchtbarer Unordnung, alles war durchwühlt, ein Teil des Inhalts bedeckte den Bo­dem

Röschen hielt sich nicht lange auf. Sie eilte zur Tür und rief so laut sie konnte, über den Flur nach Tante Aureliens Zimmer hin, um Hilfe.

Gleichzeitig öffneten sich die zwei, zu den getrennt liegenden Zimmern ihrer Verwandten führenden Türem

In der einen erschien Böhler, eine flackernde Kerze hochhaltend, ohne Schuhe, das Haar hing ihm wirr in die Stirn, sein Gesicht war erschreckend bleich.

Um Gotteswilleu, was ist denn geschehen, daß Du so streift und die Leute aus dem Schlafe weckst!" rief er unwirsch, da er sonst immer nur Töne der tiefsten Zärtlichkeit hören ließ.

Statt aller Antwort ellte Röschen auf die noch im­mer wortlos auf der Schwelle ihres Zimmers stehende Tante zu, klammerte sich angstvoll an diese, indem ein heftiges Schluchzen den zarten Körper erschütterte.

Die ganze ausgestandene Angst überfiel sie noch einmal mit aller Gewalt. Liebevoll beruhigte Aurelia das aufgeregte Mädchen, doch dauerte es lange, bis die­ses erzählen konnte, was vorgefallen war.

Man durchsuchte hierauf, mit Hilse der Dienstboten, das Haus, fand jedoch nicht eine Spur von dem frechen Eindringling, es schien, als hätte die Erde ihn ver­schlungen. _ . (Fortsetzung solM