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v ecreUavrlinr li 'l’lt. vurauszaMdar, frei inS HauS. WbtehoH m unterer Ervedirton ober m den Zweig- Lueqabeire^n vierreljährtich W Pfg — Erscheint Mittwochs und Lamstags. — Redaktion: TelterS- toep ^. — ^ür Äuibeinniirunß oder Nück^enLung n id,T err^npirT JWanu'frtpie nnrb nicht garantiert.
Verlag der „(Sießeuer Zeitung" (9. m. b. H.
Mr 56 Telephon: Nr. 362.
Politische Rundschau.
Deutschland.
• Die Nordlandreise des Kaisers ist bisher von warmem, ruhigem Wetter begleitet gewesen. Bei der Ankunft der „Hohenzollern" in Bergen wurde der Kaiser vom Konsul Mohr empfangen. — Die Kaiserin, die gegenwärtig auf Wilhelmshöhe weilt, wird, wie es heißt, im kommenden Frühherbst zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit in einem Kurorte an der Südküste Englands längeren Aufenthalt nehmen.
• Die Reichstagsersatzwahl in dem niederbayrischen Wahlkreise Pfarrkirchen für den verstorbenen Abgeordneten Backmeier (Bayer. Bauern - bund) findet am 5. August statt.
• In der Frage des Schutzes derArbeits- willigen sprach sich der Kreisverband Pfalz des Hansa-Bundes für ein gänzliches Verbot des Streikpostenslehens aus, da es heute keineswegs in erster Linie den Zwecken der Belehrung der Streikleitung über die Verhältnisse des bestreikten Betriebes oder von Arbeitswilligen über die Veranlassung des Streiks diene, vielmehr ein Mittel darstelle, durch das auf die Arbeitswilligen ein Zwang ausgeübt werden solle, und das häufig genug Anlaß zu Ausschreitungen aller Art gegen die Arbeitswilligen gebe.
* Dresden, 1t. Juli. Der König von Sachsen wird sich morgen mit Söhnen und Töchtern zu dreiwöchigem Aufenthalt nach dem Nordseebad Mist begeben.
e Für Steuerhinterziehungen ist in Baden vor geraumer Zeit eine Art General- pardon erlassen worden. Die Steuerzahler konnten ohne Furcht vor Weiterungen, vor Strafe und Nach - Zahlungen ihr richtiges Einkommen und Vermögen angeben. Der Erfolg dieser praktischen Maßregel ist, wie der „Mannh. Volksztg." mitgeteilt wird, der, baß allein in Pforzheim bisher über 80 Millionen neuer Steuer - werte an Betriebsvermögen und Rentenkapitalien angemeldet worden sind. Im übrigen Lande seien die Ergebnisse, wenn auch nicht in dem Maße wie in Pforzheim, ebenfalls günstig, sodaß für die Jahre 1912-13 der Staatshaushalt nicht wieder mit einem Defizit ab- schliehen bürste und auch die staatlichen Betriebs um - laufsmittel zum Ausgleich nicht herangezogen zu werden brauchten. — Wie wäre es, wenn man einmal in Hessen „Vergeßlichen" Gelegenheit gäbe, straflos Versäumtes nachzuholen?
Frankreich.
• Paris, 12. Juli. Nach einer Depesche aus Mogador hat der Gegen-Sultan Achmed el Hiba einen
Unter Feinden.
k ' ' Roma» von Karl Matthias. *^f (Nachdruck verboten.)
In BazeilleS war eS gewesen. So war ihr Vater tzlnausgegangen, als er ihr geflucht hatte, „Papa" wollte sie rufen, aber sie brachte keinen Ton über ihre Lippen und die Tür schloß sich lautlos. Dann umfing Re tiefes Dunkel: als es wich, stand d'Alincourt vor ihrem Bette rmd bat sie, aufzustehen, da er verwundet sei. Und sie willfahrte seiner Bitte und pflegte ihn, und dann war es Waldemar, der lag. Als sie ihn aber verbinden wollte, stürzte Soumis herein und rief: „Spionin, Spionin!" und das hinter ihm eindringende Volk wollte sie zerreißen.
Desiree erwachte mit einem Schrei der Todesfurcht. Angstvoll wollte sie das Bett verlassen, aber Fieberschauer schüttelte sie. Es war kalt im Zimmer geworden, das Feuer im Kamin gänzlich erloschen. Zitternd hüllte sie sich in die Decke und beschloß, so den Morgen abzuwarten. Ratlos schaute sie zum Stubenplafond empor. Dort spielte unruhig ein rotes Licht. Es mochte wohl durch einen Spalt des Fensterladens von irgend einer Flamme der Straßenbeleuchtung herstammen. Wie ein Irrwisch flatterte der Schein vor ihren Augen und erhitzte die Einbildungskraft aufs neue. Sie sah tue Flammen von Sedan vor ihren Blicken, die springenden Granaten, die lodernden Gebäude, die verwundeten Menschen, Blut in Strömen, und das rote, feurige Blut tropfte von der Zimmerdecke auf sie hernieder.
Abermals entrang sich ein Schrei ihren Lippen. Sie sprang aus dem Bette und kleidete sich mit zitternden Händen an. Dann wollte sie Licht machen, aber sie vermochte es nicht. Mit heiserer Stimme rief sie nach der Wirtin. . , A .
Als diese mit einer brennenden Kerze emirat, fand
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Lxpeüition: Seltersmeg 83.
Samstag, den 13. Juli 1912.
Khalisen nach Tarudant, wo sich eine Niederlassung der Gebrüder Mannesmann befindet, gesandt, um in seinem Namen die Verwaltung der Stadt zu übernehmen. Raum dort angelangt, erteilte der neue Gouverneur den dort ansässigen Deutschen den Befehl, innerhalb zwölf Stunden die Stadt zu verlassen. Er bot ihnen zu ihrer Sicherheit eine Eskorte von 15 Reitern an. Diese Deutschen, deren Zahl noch nicht bekannt ist, waren die einzigen Europäer in Tarudant. Sie befinden sich jetzt wahrscheinlich schon auf dem Wege nach Agadir.
* Paris, 12. Juli. Wie der „Eclair" aus Bern berichtet, sind die Arbeiten der demsch i^.irösischen Kongo-Konferenz nunmehr beendet und die Delegierten werden morgen in die Heimat abreisen.
Rußland.
* Petersburg, 12. Juli. Heute fand in Reval die Grundsteinlegung für den neuen Kriegs- Hafen durch den Marineminister statt. Dieser Hafen soll der neuen russischen Ostseeslotte als Basis dienen. Der Hasen wird mit einem Kostenaufwand von 72 Millionen Rubel hergestellt und soll im Jahre 1916 seiner Vollendung entgegengehen.
* Der oft gut unterrichtete „Cri de Paris" weiß von überaus interessanten diplomatischen Zusammenkünften zu erzählen, deren Schauplatz Ende des Monats die Villa des russischen Botschafters Iswolski in Tegernsee sein werde. In dieser russischen Villa in den bayrischen Alpen würden der Reihe nach der österreichische Minister des Aeuhern Graf Berchtold, Graf Henckel von Donnersmark, der deutsche Botschafter in Washington Graf Bernsdorff und vielleicht auch der Reichskanzler von Bethmann Hollweg Gäste des Herrn von Iswolski sein. Dasselbe Blatt erzählt auch, daß die Beziehungen zwischen Iswolski und Tittoni in der letzten Zeit bedeutend erkaltet seien, vermutlich habe Italien Herrn Iswolski seine frühere Propaganda für eine neue europäische Konferenz zur Lösung des italienisch-türkischen Konfliktes übel genommen.
Schweden.
• E h r i st i a n i a, 12. Juli. Kaiser Wilhelm traf gestern abend auf der „Hohenzollcrn" in Bergen ein. Das Prinzenpaar Eitel Friedrich kehrle nach einer Zwischenfahrt nach Bergen zurück, uni dort mit dem Kaiser zusammen zu treffen.
Portugal.
• Lissabon, 12. Juli. In der vorangegangenen Nacht haben 1000 Mann Infanterie und Kavallerie Lissabon mit der Bestimmung nach Norden ver-
sie Desiree zusammengetauert auf dem Sofa bebend vor Angst und Frost, mit wilder, wie geistesgestörter Miene.
„Bleiben Sie bet mir, Madame," flehte sie. „Ich sterbe in der Einsamkett. welche von gräßlichen Schreckgestalten erfüllt ist. Verlassen Sie mich nicht mehr."
„Armes Fräulein, wie Sie sich doch aufgeregt haben," sagte die Wirtin, ohne den geringsten Unwillen zu zeigen, trotzdem sie aus ihrer Nachtruhe geweckt war. „Nein, nein, ich gehe nicht wieder fort. Sie haben Fieber, Kind, und müssen wieder ins Bett, aber ich will mir mein Lager auf dem Sofa machen, und die Lampe zünden wir auch an, da werden Sie schon wieder ruhiger werden. Wenn's sechs schlägt, werde ich Kaffee machen und nachher zum Doktor laufen. Haben Sie nur keine Furcht, ich bleibe bei Ihnen."
Mit vielem Bitten bewog sie Desiree, das Bett wieder aufzusuchen, dann fachte sie das Feuer im Kamin an. Die Lampe verbreitete einen sanften Schimmer in der Stube. Als Fosnes sich entfernte, um ein Kopfpolster zu holen, richtete sich Desiree auf. Das Bild unter dem Spiegel war ihr ins Auge gefallen. Sie erinnerte sich des Traumes, sie mußte das Gesicht der weißen Dame sehen. Schnell entschlossen erhob sie sich, nahm das Bild und hielt es dicht unter die Lampe.
„D mein Gott, welche Aehnlichkeit," entrang es sich ihren Lippen. „Träume ich noch immer oder trügen mich meine Augen?"
Das Bild entglitt ihren Händen. Sie kniete auf den Teppich nieder, um es aufzuheben. Ter Lichtschein fiel greller auf das Bild.
„Nein, nein ,ich irre mich nicht," stöhnte sie. „Es ist die Photographie, welche im Salon auf dem Kamin stand. Papa hatte einen kostbaren Rahmen herum machen lassen. einen Rahmen, der mit Türkisen und Opalen geschmückt war. Als später die Villa zum Hospital umaeändert wurde, war das Bild verschwunden, aber öen^ Rahmen fanden n-ir nmcr den Wertsachen, welche
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die 44 mm breite Inseratenteile. — Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. — irrt rabet lagen werden nach Gewicht und CMröhc berechnet. Radau kommt bei Ucberfchreitung dee ZablungS- z'eieS l^<> Taget, bet gcrdHlidicr Beitreibung oder bet Lottknrs m Wegfall. Playvorichriiren obneBrrbtndlikbtei'
Druck der («ießener Verlagsdruckerci.
Telephon Nr.: N2. ^Q ÖFtf*
I lassen. In Tuy hat ein Trupp Verschwörer repnblifa» ! nische Kavallerie angegriffen. Die Royalisten wurden geschlagen und flohen mit einem Verlust von 14 Toten. Es scheint, daß die Republikaner nur geringe Verluste erlitten haben.
Türkei.
* Konstantinopel, 12. Juli. Aus zuver - . lässiger Quelle verlautet, daß die türkische Regierung sich I mit einer deutschen Werft über den Bau zweier Dreadnoughts verständigt hat.
* K e s k e m. Ungeheuere Schneemassen sind hier gefallen, viel Vieh und sogar Menschen sind erfroren.
Griechenland.
* Athen, 12. Juli. Großes Aufsehen erregt ein Regierungsdekret, demzufolge die Reservisten des Jahrganges 1906 einschließlich der Artillerie und der Kavallerie unter die Fahne gerufen worden sind.
Fürsorge für die Hinterbliebenen der auf Zeche Merfeld verunglückten Hergleute,
Man schreibt uns: O b e r h a u s e n, 8. Juli. Die Eulehossnungshütte in Oberhausen hat, wie schon gemeldet, den Witwen der bei der Schlagwetter-Erplosion auf Zeche O st e r s e l d verunglückten Bergleute je ein Sparkassenbuch über den Betrag von 1000 Mark aushändigen lassen. Einer der Verunglückten war unverheiratet,^ weshalb die Zuweisung an dessen Mutter erfolgte. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die Hinterbliebenen der im Bergbau verunglückten Bergleute vor einer Notlage durch die ihnen gesetzlich zustehende Unfallrente bereits geschützt sind. Dir Schien 2 der Knappschasts-Berussgenossenschast in Bochum hat die Feststellungen für die Festsetzung der Unsallmtschä- bigungen bereits ausgenommen. Für die getöteten Bergleute ist zunächst ein Sterbegeld zu zahlen in Höhe des 15. Teiles des Jahresarbeitsverdienstes. Da es sich bei den Verunglückten um Hauer mit einem durchschnitt - lichen täglichen Arbeitsverdienst von etwa 6 Mark handelt, so beträgt deren Jahresarbeitsverdienst 300 mal 6 gleich 1800 Mark, von dem gemäß § 10 Abs. 1 des Eewerbeunsall-Versicherungsgesetzes der 1500 Mk. übersteigende Betrag nur mit ein Drittel zur Anrechnung kommt. Das anrechnungsfähige Jahresarbeitsverdienst wird sich hiernach stellen auf etwa 1600 Mark und demgemäß das Sterbegeld auf 100 bis 120 Mark. Die Witwen und Kinder der getöten Bergleute erhalten eine Rente von je 20 Prozent des Jahresarbeitsverdienstes, also etwa 320 Mk. jährlich gleich 26,70 Mk. monatlich. Eine alleinstehende Witwe erhält also monatlich eine Rente von 26,70 Mk., eine Witwe mit einem Kinde von 53,40 Mk., eine Witwe mit zwei oder mehr Kin- die Deuttcheil^in rührender ^n/^cu. cuiaüüueugetragen hatten und die uns der Obekarzt übergab. ES ist das Bild meiner Mama. Gewiß, gewiß, das sind M^ was sanfte, gütige, schöne Züge. Aber wie kommt daS Bild hierher?"
Sie lag auf den Knien und sprach hastig vor sich hin, als die Wirtin wieder eintre.t.
„Mein Gott, was tun Sie du?" fragte diese heftig erschrocken. „Sie bringen sich ja um in dem kalten Zimmer, bleiben Sie doch im Bette'"
„Wie kommt dieses Bild hierher?" fragte Desiree nochmals, ohne sich von der Stelle zu rühren.
„Ach, Sie haben die gemalte Photographie in der Hand? Nun, ich sagte Ihnen ja schon, die ließ der Kapitän hier zurück."
„Welcher Kapitän?"
„Nun, der traurige Herr, dem seine Frau gestorben war und den die Bayern drüben an der Ecke totgeschlagen haben."
Ein unartikulierter Schrei entrang sich des Mädchens Lippen, und es fiel besinnungslos vorn auf das Gesicht.
Entsetzt sprang die Iosnes herbei.
„Fräulein, Fräulein!" rief sie, „was ist dies nur wieder? Wodurch habe ich Sie denn so erschreckt? Antworten Sie doch!"'
Aber Desiree hörte sie nicht. Sie wand sich in Krämpfen. Fieberglut preßte ihr die Augen fast aus dem Kopf. Die Krankheit, welche schon lange in ihrem Körper geschlummert hatte, brach hervor, als die Tochter so plötzlich den Tod des Vaters erfahren hatte.......
Die Wirtin brachte sie mit Mühe zu Bett und saß selbst fiebernd vor Aufregung neben ihr, bis der Tag angebrochen war. Sie machte der Kranken kalte Umschläge auf der brennend heißen Stirn, aber sie war ratlos, was sie tun sollte, um ärztliche Hilse herbeizu- frfhMicn ,da sie das Zimmer nicht verlassen konnte. (F. f.)