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Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Endlich "°^ DitW TUC der Rtstnbltj^ gelobt!
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NN 30. Telephon: Nr. 362.
Arbeiter-Kontrolleure.
Daß Arbeiter-Kontrolleure, wie sie in manchen Berufen eingesührt, manchmal rein nichts leisten, beweist das System der Sicherheitsmänner für die Bergarbeiter. Man lese in den Jahresberichten der Kgl. Preußischen Vergrevierbeamten. Dort heißt es:
Das Grubenunglück von Radbod hatte bekanntlich das Gelegenheitsgesetz betr. die Einführung der Gruben- Rontroneure aus Arbeitskreisen im Gefolge. Che noch die Untersuchung über die Katastrophe abgeschlossen war, ehe man wußte, wem die Schuld beizu- messen sei, hatte man schon unter dem Druck einer schlecht beratenen öffentlichen Meinung jene Berggesetznovelle sertiggestellt, mit der die Arbetterkontrolleure eingesührt werden sollten, und in kürzester Zeit war das Gesetz
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trotz eindringlicher Warnungen aus den in Betracht kommenden Kreisen der Industrie und ihrer Beamten auch angenommen. Der Minister erklärte bei Einbringung der Vorlage im Preußischen Abgeordnetenhaus, er sei der Ueberzeugung, daß die Einrichtung von einem großen Teil der Arbeiterschaft, der zwar sozialdemokratisch wähle, aber deutsch denke, als eine Handlung der Freundlichkeit empfunden und so eine Besserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erreicht werde. Wenn Sie die Vorlage annehmen, so schloß er seine Ausführungen, so tun Sie ein sozialpolitisches Werk, das mehr wiegt, als manches unserer großen sozialpolitischen Gesetze. Sie werden den Weg finden zur Seele eines großen Teils des deutschen Volkes.
Wie bitter sind diese Erwartungen getäuscht worden ! Schon der leidenschaftliche Kamps der Arbeiter
fort hoh. V« strebsame Leuts die über 250 Min n, um damit für c Alleinverkauf eins ’ [en und leicht v j iels übernehmen ? Risiko ausgesch.-; Angebot. Kein ■ ster Erfolgn*
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Organisationen um die Vorherrschaft bei den Sicherheits- männerwahlen, der bekanntlich mit einem glänzenden Siege des sozialdemokratischen Verbandes endete, brachte die Erkenntnis, daß die Sicherheitsmänner eher zur Verschärfung der Gegensätze als zum Frieden im Bergbau beitragen würden. Dieser Enttäuschung über die Aufnahme, die das Gesetz bei den Bergarbeitern gefunden hatte, gab der Handelsminister bei der Einweih- Mg des neuen Oberbergamisgebäudes in Dortmund am Oktober 1909 u. a. mit folgenden Worten Ausdruck:
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„Muß es nicht befremden, zu sehen, daß für die Sicherheitsmänner nicht vor allem die Sachkenntnis und Erfahrung des Gewählten, sondern das Maß seines politischen Radikalismus entscheidend war, und daß die besten Absichten Gefahr laufen, der Wirkung nach in ihr Gegenteil verwandelt zu wer
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8itt r^ Roman von Karl Matthias.
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c,r ohne PtB „Nee, laß man Schulze," sagte ein anderer, welcher -viiblacfse kv Die HUflosigkeit der Damen bemerkt hatte und galanter BÖ sein bärbeißiger Kamerad näher getreten war. »Deinen Quatsch verstehen die noblen Madams nicht, gt möbt BijS taten mußt Du französisch kommen. Uebrigens sehen 1 «-SE ft gar nicht danach aus, als ob sie blos um zuzukteken
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bekommen wären. Bleiben Sie man, meine Damen," »andte er sich an Desiree, „restez vous a peu. Ick werde den Herrn Doktor rufen, docteur crier, der parier francais. Placez vous auf der Veranda. Hier ist das »beur nicht comme il faut." , „ ,
„Herrjeh, wie Du schön französisch sprichst, sagte kchulze verwundert. r e .
„Davor wohnte ich auch in Französisch-Buchholz bei Berlin und war Barbier in der Französischen Straße, Zutwortete der Gelobte stolz und ging nachdem er den brauen zwei Sessel dicht an der Treppe Hingestellt hatte, tat Oberarzt zu rufen.
Mit Xlpp^nbcm Herzen ließen sich die Damen nie- ta. Wenige Minuten darauf erschien der Erwartete, ein sächsischer Arzt, welcher das Französische vollkommen beherrschte, und ihnen höflich entgegentrat.
Nachdem sich Frau von Tarandal und ihre Nichte vorgestellt hatten, erklärte der Doktor, daß ihrem Hierbleiben nichts im Wege stände. Das Haus sei aber von dreißig deutschen und fünfundzwanzig französischen Verwundeten belegt, autzendem seien drei Aerzte und
sechs Krankenwärter da.
„Dennoch ist Platz genug in der Geräumigen Billa vorhanden," meinte er. „Das obere Stockwerk wird nur von uns Aerzten bewohnt, die Wärter kampieren bn Souterrain. Neue Patienten dürften schwer ich zu- kommen, in vierzehn Tagen denke ich überhaupt dieses Rotlazarett räumen zu können. Bleiben Sie getrost ^re
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Expedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 13. April 1912.
Nach den ersten Wahlen hat man in der Oeffent- lichkeit von den Sicherheitsmännern nur wenig vernommen. Nur hin und wieder wurde die Aufmerksamkeit aus sie gelenkt, wenn die dem sozialdemokratischen Bergarbeiterverband angehörenden und von diesem „instruierten" Sicherheitsmänner sich Hebelgriffe hatten zu Schulden kommen lassen. Es sei hier u. a. an den Prozeß der Sicherheilsmänner von Zeche D o r st f e I d erinnert, in welchem sestgestellt wurde, daß die Leute bei einer unbefugten Weise über Tage vorgenommenen Revision der Grubenlampen eine Anzahl der Lampen vorsätzlich beschädigt hatten.
Zum ersten Male seit Inkrafttreten des Gesetzes wird nun die Tätigkeit der Sicherheitsmänner auch in den soeben erschienenen Jahresberichten der Kgl. Preußischen Vergrevierbeamten kritisch besprochen. Einzelne Auslassungen der staatlichen Aussichtsbeamten seien nachstehend wiedergegeben:
We st-Recklinghausen. Durch die Tätigkeit der Sicherheitsmänner ist eine Erhöhung der Sicherheit gegen die Gefahren des bergmännischen Berufes nicht herbeigesührt. — O st-Recklinghausen. Ein Vorteil dieser Einrichtung ist bis jetzt nicht erkennbar. — Hattingen. Die Sicherheilsmänner nahmen im wachsenden Maße von ihren regelmäßigen Befahrungen Abstand. — Herne. Es scheint, als ob das Interesse an dieser Einrichtung und an den Erfahrungen immer mehr erlahme. Vielfach sind die Sicherheits- männer abgekehrt, lediglich aus dem Grunde, um sich ihrem unbequemen P o- st e n z u e n 1 z i e h e n. In den Eintragungen ist meistens nur der Vermerk „In Ordnung" zu finden. — W e st - E s s e n. Aus einer Schachtanlage beschloß der Arbeiterausschuß, beim Oberbergamt zu beantragen, daß die monatlichen Befahrungen durch die Sicherheitsmänner bis auf anderweitige Anordnung wegfallen sollen. Das Oberbergamt hat diesem begründeten Antrag statt- gegeben. Im übrigen wurden bei den Befahrungen irgendwelche wesentliche Mißstände auf keiner Zeche fest- gestellt. — F r a n k s u r t a. O. Die Sicherheitsmänner haben eine bemerkenswerte Tätigkeit nicht entfaltet. Die regelmäßigen Befahrungen wurden in einigen Fällen auch nicht aus eigenem Antrieb, sondern infolge Hinweises der Beamten vorgenommen. — West- Halle. Beachtenswerte Mängel sind von den Sicherheitsmännern nicht sestgestellt worden. Auf mehreren Gruben bemerkten die Sicherheitsmänner, daß eigentlich eine Befahrung der Grubenbaue ihrerseits nicht notwendig sei. — Halber st ad t. Anregung zur Erhöhung der Sicherheit für Leben und Gesundheit der Arbeiter haben die Befahrungen nicht ergeben. — K r e-
sind unter meinem Schutze ganz sicher. Wir Deutschen respektieren gern bas Eigentumsrecht, und Sie werden freundlichst in Berücksichtigung der traurigen Umstände vorlieb nehmen."
„Ich danke Ihnen mein Herr," entgegnete Frau von Tarandal, „ich habe es nicht anders erwartet. Jn- deffen sagen Sie uns aufrichtig, droht uns hier gar keine Gefahr?"
„Durchaus nicht. Mein Kollege, der freiwillige Arzt, ist etr gereifter Mann, verheiratet, acht Kinder,- der andere könnte desien Sohn fein; ein unschuldvolles Gemüt, poetisch angelegte Natur. So ist unsere kleine Gemeinde in diesem Hause. J6 lege für Sie die Hand in's Feuer."
„Sie beruhigen mich vollkommen, mein Herr," sagte die würdige Dame. „Haben Sie hier niemand von den Bediensteten gesehen?" p _
„Nur einen Mann, der sich als Gärtner ausgab und uns das Haus öffnete."
„Laurence," bemerkte Desiree.
„Ich glaube, so hieß er," fuhr der Arzt fort, sich gegen das Mädchen verbeugend. „Ich muß annehmen, daß sich die Leute in unverständlicher Flucht entfernt haben. Oder haben sie sich an der Verteidigung der Fabrik beteiligt, welche, wie Sie bemerken können, in Folge dieser Dummheit zusammengeschossen wurde."
Frau von Tarandal schwieg, sie fürchtete sich, die näheren Umstände jenes Kampfes zu vernehmen. Aber Desiree zögerte nicht, Erkundigungen über daö Schicksal ihres Bruders einzuziehen.
„Waren Sie Zeuge, als man die Fabrik stürmte ober zerstörte, Herr Doktor?" Qr
„Nein, mein gnädiges Fraulein," war die Antwort. „Wir famei erst hier an, als bas Gebäude dort in Flammen stand. So viel ich von den Verwundeten erfahren habe, hat sich drüben eine traurige Episode unseres Krieges abgespielt. Ein junger Feuerkopf hatte den Widerstand gegen unsere Truppen organisiert. Aber
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Telephon: Nr. 862. 24. Jahrci
fj l d. Wesentliches ist von den Sicherheitsmännern im Interesse der Sicherheit nicht geleistet worden; über bedeutungslose Kleinarbeit sind sie nicht hinausgekommen. — Düren. Auf der Grube Diepenlinchen kamen die Befahrungen vom September an in Wegfall. Dies ist das dritte Bergwerk, auf dem der Arbeiterausfchuß von der ihm gesetzlich zustehenden Bestimmung Gebrauch gemacht hat. — Süd-Gleiwitz. War das Jntereffe der Sicherheilsmänner an den Befahrungen im "ganzen nur ein mäßiges, so erwies sich dies ganz besonders gering, wenn ihnen Gelegenheit gegeben war, an den örtlichen bergpolizeilichen Untersuchungen beizuwohnen. Ein Erscheinen zu dem ihnen rechtzeitig bekanntgegebenen Termin wurde meistens nicht beliebt. — Königs- Hütte O.-S. Nur in ganz vereinzelten Fällen sind besondere Wahrnehmungen geringfügigen Gefahrencha- rakters vermerkt worden; begründete dringende Gefahren für das Leben und die Gesundheit der Arbeiter ist von den Sicherheilsmännern nicht festgestellt worden. — O st - V e u t h e n. Die Sicherheilsmänner haben ihre Tätigkeit erheblich eingeschränkt, da bei den anfangs vorgenommenen Befahrungen keine in Betracht kommenden Beanstandungen vorgelegen hatten.
Auch in den übrigen Berichten, die Raummangels wegen, hier nicht Platz finden können, kommt fast durchweg zum Ausdruck, daß die Arbeiter der Einrichtung wenig Interesse entgegenbringen, und daß die Kontrolle durch die Sicherheitsmänner zur Erhöhung der Sicherheit nicht beigetragen hat.
Diese Auslassungen der staatlichen Aufsichtsbeamten verdienen allseitige Beachtung. Irgend eine praktische Bedeutung für die Sicherheit in den Gruben ist dem Gesetz, das nach Ansicht des Ministers manche unserer großen sozialpolitischen Gesetze in den Schattent stellen sollte, nicht beizumessen. Praktischen Wert hat es nach wie vor nur für die Sozialdemokratie und ihre Verbände, die sich der Sicherheilsmänner bedienen, um nur Zwietracht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu säen und Anhänger unter den Arbeitern für ihre umstürzlerischen Ideen zu gewinnen.
Politische Rundschau Deutschland.
• Hamburg, 12. April. Nach einem Telegramm aus Alerandrien wurde der d e u 1 s ch e D a m- p f e r „Pylos" auf der Fahrt von Malta nach Alexandrien von einem italienischen Kreuzer ausgebracht und nach einem italienischen Hasen geschleppt, weil er neben anderer Ladung auch Munition an Bord hatte. Diese war aber für den im Mittelmeer
seine Position wurde umgangen, die Franktireurs satzung niedergemacht, die Fabrik zusammengeschosse«» Das ist das gewöhnliche Ende solcher Privatschlachten.â
„Und der Anführer jener Patrioten, welche Sie Franktireurs nennen?" fragte Desiree zitternd. „WaS wurde aus ihm?"
„Sprechen Sie nicht von dem Feigling," erwidert- der Arzt finster, „er hat seinen Lohn —"
„Seinen Lohn? Mein Herr, ich kann Sie nicht verstehen!" brauste das junge Mädchen auf. „Olivier war kein Feigling, er war ein französischer Offizier, desien Patriotismus man achten muß."
„Olivier war mein Neffe, der Bruder des Fräulein Bourlier," erklärte die alte Dame.
Der Arzt erhob sich. Er blickte Desiree fast feindlich an.
„Dann erlassen Sie mir wohl die weiteren Erzählungen," sagte er. „Ich werde Ihnen die gewünschten Zimmer anweisen lasien."
Er ging. Desiree vermochte sich nicht zu faßen.
„Also tot, mein armer Bruder tot," schluchzte sie, als Frau von Tarandal mit ihr nach den oberen Zimmern hinaufstieg, demselben, welches sie dereinst bewohnt hatte. Sie fand noch alles an seinem Platze, Möbel, Nippes, Lampen, Pendulen, Vorhänge und Porzellan, nur die Betten und Teppiche waren entfernt, da man sie für die Verwundeten gebraucht hatte.
Desiree warf sich in heftigem Schmerze auf eine Ottomane nieder. Frau von Tarandal saß traurig an ihrer Seite. Auch sie war von der Trauerkunde tief ergriffen, aber in dem unabläßlichen Jammer konnte sie keine Träne mehr vergießen.
„Gib Deinem Schmerze nicht zu sehr nach, Desiree," bat sie ängstlich, als sie bemerkte, daß es wie ein Fieber durch den Körper ihrer Nichte schauderte. „Die Todesnachricht trifft uns nicht unerwartet, unsere Hoffnung auf die Rettung Oliviers stand längst auf schwachen Füßen. Er starb für das Vaterland." (F. folgt.), ,