Einzelbild herunterladen
 

Hietzener JeiLrtng

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

v erteljährlich 1,20 Mk., vorauszahlbar, frei ins HauS. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: SelterS- weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Verlag derGietzener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 21. (1. Blatt».

"

Grohherjog Ernst Kud-vig von Hessen, 20 Jahre Kegent.

Heute am 13. März sind 20 Jahre verflossen, daß Großherzog Ernst Ludwig die Regierung seines Lan­des angetreten. Der Fürst steht im 43. Lebensjahre. Er ist einer von den wenigen aus den Höhen Wandeln­den, die die Zeichen ihrer Zeit verstehen. Mit hoher Ach­tung vor der Verfassung des Hessenlandes verbindet er einen feinen Sinn für die Wünsche seiner Landeskinder. Handel, Industrie und Wissenschaft werden von ihm außerordentlich gefördert und um die freie wie ange­wandte Kunst hat er sich bleibende Verdienste erworben. Besonders geglückt ist es ihm, sich die Herzen des Vol­kes zu gewinnen und oft widerstrebende Elemente zur Achtung und Geneigtheit zu zwingen. Möge es darum unserem Großherzog vergönnt sein, noch manches Jahr­zehnt in gleicher Weise zu regieren und das Hessenland allezeit ihn richtig verstehen und su ihm in Treue und Liebe ausblicken. Denn wo in unserer Zeit gleichen Schritt halten

Thron, Land und Kultur, Dort folgt die Menschheit gern deren Spur.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 13. März 1912.

n Gießen. Privatdozent Dr. phil. Chr. Rauch wurde zum außerordentlichen Professor bei der philoso­phischen Fakultät der Landesuniversität ernannt.

n Gießen. Der Steuerkontrolleur Finanzassessor August Berg zu Gießen wurde zum Finanzamtmann bei dem Finanzamt Friedberg ernannt.

* Für langjährige treu geleistete D i e n st e in ein und derselben Familie sind an fol­gende Dienstboten u. a. verliehen worden: das Goldene Kreuz mit Brillanten der Elisabethe Sieg aus Münster, 40 Jahre bei Herrn Bauinspektor K. Schön in Lich, Katharina Weil aus Rockenberg, 40 Jahre bei Herrn Bernhard Seulburger 1. in Butzbach und Magdalene Zahn aus Seligenstadt, 40 Jahre bei Herrn Geheimen Justizrat Dr. GutfKisch in Gießen. , Das Goldene Kreuz der Elisabethe Rau aus Rieder-Ohmen, 25 Jahre bei Herrn Restaurateur Wilhelm Prell in Gießen; Min­na Reeh aus Weilmünster, 25 Jahre bei der Familie des verstorbenen Schulinspektors Gutberlet in Gießen; Margarete Will aus Treis an der Lumda, 25 Jahre bei Herrn Löb Glück in Allendorf an der Lumda und Auguste Roth aus Petersberg, 30 Jahre bei Herrn E. Falkenhainer in Alsfeld.

n G i e ß e n. Die Schlachthof-Kommission wird sich die neuesten Schlachthöfe in Dresden und Breslau an­sehen.

n Gießen, 10. März. Der Vauer' sche Ge­sangverein gab heute zur Feier seines 48. Stif­tungsfestes ein Konzert in der neuen Aula der Uni­versität. Beim Betreten der Kunststätte erblickte ich ein volles aufmerksames Haus undDie drei Worte des Glaubens" von Zöllner (Gedicht von Fr. von Schiller) klangen mir recht angenehm entgegen. Die gut geschul­ten Sänger folgten dem Taktstock ihres Dirigenten Otto Görlach verständnisvoll hier wie auch bei allen fol­genden Chören, sodaß der einmal zu Anfang gewonnene gute Eindruck bis zum Schluß des Konzertes anhielt. Von der schon anderswo beobachteten sog. Effekthascherei einzelner Sänger war nichts zu merken; sicher im Ansatz und bei den Solostellen, wohlklingend beim Forte und sein im Ausklingen der einzelnen Lieder, das war die Sig­natur der a capella-Chöre. Mit dem letzten Liede Nachtgesang im Walde" zeigten Dirigent und Sänger, daß neben dem Volkslied, das in unseren Männerge­sangvereinen recht fleißig gepflegt werden soll, auch für die höhere Ausbildung eines befähigten Gesangvereins und das ist der Vauer'sche Gesangverein! .bas Kunstlied mit herangezogen werden muß. Recht stark applaudiert wurden die beiden ChöreDie Beredsam­keit" undDer Zapfenstreich", so daß Wiederholungen stattfa^den. Der Vauer'sche Gesangverein ist auch in der angenehmen Lage, unter seinen aktiven Mitgliedern derart geschulte Sänger zu haben, die als Quartett zu- sammengestellt, aufzutreten sich nicht zu schellen brau­chen.Elslein von Caub" undIn stiller Nacht , diese beiden Lieder vom Quartett gesungen, war eine nette

Samstags liegt für die Stabtabonnenten der

Illustrierte wochen-ünzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 13. März 1912.

Abwechselung. Konzertsänger Albert Münch von Wetz­lar (ein früheres Mitglied des Wetzlarer Männergesang- vereins), sang die Arie ausDie Afrikanerin" mit fei­ner abgerundeter Stimme. Sein Tenor kam hier schön zur Geltung. Seine anderen Lieder wurden gleichfalls stürmisch applaudiert und das letzteQ, wie so trüge­risch", mußte der Sänger wiederholen. Herrn Münch wird hoffentlich bei Konzerten mitzuwirken recht oft Ge­legenheit gegeben. Den instrumentalen Teil und die Klavierbegleitung für einzelne Programmnummern er­ledigte mit großem Verständnis und fein angepaßt unser Gießener Pianist, Herr Iulius Hahn, auch ihm wurde reicher Beifall.

n Gießen. Dem Andenken Liszi's gewidmet, war das S ch ü l e r k o n z e r t, das am Freitag, den 8. März, in der Schule für Höheres Klavierspiel von Frl. Minna Korner stattfand. So war denn Liszts Name der einzige auf dem Programm, dessen einzelne Nummern uns in geschickter Weise verschiedenartige Kom­positionen des vornehm genialen Meisters nahebrachteu. Die Klavierstücke sämtliche Schüler spielten auswen­dig wurden durchweg mit Verständnis und Schwung vorgetragen. Angesichts der hohen technischen Forder­ungen, die gerade die Wiedergabe Liszt'scher Komposi­tionen an den Ausführenden stellt, berührten die klare Präzision des Spieles, die durchaus sorgfältige Ausar­beitung besonders sympathisch. Der Geist der Komposi­tion kam dabei nirgends zu kurz und die pathetischen, dunklen und leidenschaftlichen Stellen kamen in ihrer Eigenart so gut zur Geltung, wie das geistreiche, elegante Rankenwerk der Liszt'schen Läufe und Passagen. Be­sonders gelungen in Auffassung und Technik erschien uns die Arietta, eine Fantasie über Motive von Rosini, ge­spielt von Frl. Gwendoline Gordon. Auch das oenezi- anifd)e Gondellied, sowie die Heroide Elegiaque wurden von Frl. Toni Günther und E. Volp wirkungsvoll vor­getragen. Herr Assessor Blumenau, an dessen künst­lerischem Können wir uns schon mehrfach zu erfreuen Gelegenheit hatten, spielte die Rhapsodie hougroise Nr. 12, deren Schönheiten durch seine edle Interpretation und durch die glänzende Technik seines Spieles vollauf zur Geltung kamen. Frl. Mathilde Petri, eine junge Sopranistin aus Frankfurt a. M., fang mit wohllau­tender Stimme und angenehmem Vortrag vier Lieder von Liszt. Ihre gütige Mitwirkung trug zur Belebung und Verschönerung des Konzertes bei.

o Mücke. Hier hat sich ein neuer Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs gegründet, dem eine stattliche Anzahl Mitglieder beitraten.

o Lich. Der Turmwächter Adam Schmidt feierte in voller Frische seinen 80jährigen Geburtstag.

o Lumda. Bürgermeister P. Schultheiß wurde zum vierten Male mit 87 Stimmen einstimmig als Bür­germeister wiedergewählt.

! Mainz. Die Folgen des Kohlenstreiks machen sich schon jetzt durch eine erhebliche Verteuerung der Koh­len bemerkbar. Mehrere Firmen haben den Preis der Kohlen bereits um zirka 20 Pfg. pro Zentrier erhöht.

! Worms. Der geschäftsführende Ausschuß des Lutherfestspiels von 1911 hat in einer Besprechung die Aufführung des Gustav-Adols-Festspiels von Devrient für den Monat September einmütig beschlossen. Die künstlerische Leitung wird wieder Oberregisseur Dalmo- nico übernehmen.

):( Herborn. Am 11 März stieß das Auto des Herrn Lutz-Wetzlar mit einem Fuhrwerk zusammen. Der Fuhrmann wurde verletzt und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben.

):( Limburg. In einer hier stattgefundenen Aus­schußsitzung des Lahnkanalvereins wurde die Lahn - Schiffahrtsgesellschaft gegründet. Die Kosten des Probe- Motorschiffes betragen 40 000 Mark. Von 23 Gesell - schäften sind 35 600 Mark gezeichnet worden, staatlicher- seits ist eine Beihilfe von 10 000 Mark zugesagt, sodaß also der erforderliche Betrag überzeichnet ist. Direktor der Lahn-Schiffahrts-Gesellschaft ist Direktor Vansa- Limburg.

Yeffenllicder SprecMaal.

N Gießen. In der letzten Stadtverordnetensitzung sind die im letzten Jahr bewilligten 270 Mark als Un­lerhaltungsbeilrag für die von 3 hiesigen Schutzmännern gehaltenen Polizeihunde gestrichen worden. Diese Streichung ist doch ganz am unrechten Platze, denn manch anderer kleiner Ausgabeposten im slädlffch. Ctat kann dieser beantragten Unterstützung gegenüber wohl eher als weniger wichtig bezeichnet werden. Mit den Po-

Anzeigenpreis 20 pfg.

die 44 mm breite Jnseratenzeile. Die 90 mm breite Zeile im R e k l a m e t e i l 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung deSZahlungS- zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bet Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBerbindlichkeit.

Druck der Gietzener Verlagsdruckcrci.

Telephon: Nr. 362. 24. Jahrg.

lizeihunden ist schon mancher Dienst auch der Stadt geleistet worden und das hätte man doch anerkennen sollen.

Literarisches.

? Die a m t l i ch e Karte der Umgegend von Gießen im Maßstabe 1 : 100 000 herausgegeben von der Kartographischen Abteilung der Kgl. Preußischen Landesaufnahme, welche bisher lediglich an Truppen­teile für militärische Zwecke abgegeben wurde, ist seit dem 1. März d. Js. zum Verkauf an Jedermann frei gegeben worden. Die Umgebungskarten sind durch einen Zusammendruck mehrerer Blätter der Karte des Deutschen Reiches 1 : 100 000 hergestellt, und da besonderer Wert daraus gelegt wurde, daß die betreffende Stadt, nach welcher die Karte benannt ist, möglichst in der Mitte des Blattes gelegen ist, so eignet sie sich besonders als Radfahrer- und Touristenkarle. Der Preis beträgt a u V gezogen Mk. 1.50, unaufgezogen 75 Pfg. Zu be­ziehen ist die Karte durch die Expedition derGießener Zeitung^, sowie durch die Hauptvertriebshandlung R. Eisenschmidt, Berlin NW. 7.

? Dem Großherzogtum Hessen ist die am 21. März erscheinende Nummer 3586 derL e i p z i g e r I l lü­ft r i e r t e n Zei 1 un g" gewidmet, die in der bekann­ten splendiden Ausstattung der Sonderhefte der belieb­ten Wochenschrift in Bild und Tert eine erschöpfende Schilderung des Landes und seiner Bewohner, seiner Kunstschätze und geschichtlichen Erinnerungsstätten bringt. Das Programm und redaktionelle Arrangement der Nummer hat die Zustimmung des Großherzogs von Hes­sen in vollem Umfang gesunden. An der Spitze des Heftes stehen die im Auftrag bei Illustrierten Zeitung von Künstlerhand geschaffenen Porträte des Großher- zogs und seiner Gemahlin im Kreise ihrer Kinder in originalgetreuer farbiger Wiedergabe. Umfangreiche, mit zahlreichen Illustrationen versehene Beiträge zeigen die dynastische und kulturhistorische Entwickelung Hessens, feiern Großherzog Ernst Ludwig als Schöpfer einer modernen künstlerischen Kultur, führen uns durch die Bildungsanstalten des Großherzogtums, veranschaulicheil Volkstrachten und Volkskunst im Hessenland. Den ein­zelnen Städten und Provinzen sind ihrer Bedeutung ent­sprechende Sonderkapitel gewidmet, so Darmstadt, Mainz, Worms, Gießen, Odenwald und Bergstraße, V o - g e l s b e r g, Taunus und Wetterau u. a. m. Im feuilletonistischen Teil finden wir zahlreiche Dialektge­dichte hessischer Dichter, ferner eine novellistische Skizze Der Teufelsmüller" von Alfred Vock. Der reiche In­halt der Nummer ist damit noch lange nicht erschöpft, das Angeführte genügt aber wohl, um zu zeigen, von welcher Bedeutung sie für das Großherzogtum Hessen und seine kulturellen und wirtschaftlichen Interessen zu werden verspricht. Der Einzelpreis der Hessen-Sonder- Nummer der Leipziger Jllustr. Zeitung beträgt 2 Mark. Bestellungen vermittelt jede Buchhandlung.

? Soeben erschien: Volkstümliche Rede­kunst. Erfahrungen und Ratschläge von A. Damaschke. Verlag von Gustav Fischer in Jena. 4.-7. Tausend. 96 Seiten. Preis: gut drosch. 1 Mark. Inhalt: 1. Von der Bedeutung der Redekunst. 2. Von der Anwen­dung der Redekunst:-a) Fleiß und Begabung, b) der Stoff, c) Die Gliederung, d) Der Ausdruck, e) Das An­eignen und f) Der Vortrag. 3. Von der Vollendung der Redekunst. Privatdozent Dr. Waldemar Zimmermann, Redakteur derSozialen Praris", sagt über das Buch: Es ist Damaschke nicht genug zu danken, daß er uns auch einmal einen Blick in die Werkstatt seiner Volks­tümlichen Redekunst tun läßt. Es ist ein Genuß, das Büchlein zu lesen", und Legationsrat Dr. v. Schwerin schreibt in derDeutschen Zeitung":In glänzender, zum Teil humorvoller Weise wird hier alles das erzählt, was dem Redner gefährlich werden kann, was alle Redner beachten müssen."

? In völlig neuer Ausstattung gelangte dieser Tage der bekannte, allseitig beliebte große Zei­tungs-Katalog für 19 12 der Haasen- stein L V o g l e r 'A k 1 i e n g e s e l l s ch a s t zur Aus­gabe. Inhaltlich hat dieses Nachschlagewerk, das aus dem großen Gebiete des Zeitungswesens längst ein un­entbehrlicher Ratgeber geworden ist, eine wesentliche Er­weiterung erfahren. Der aufs praktischste gestaltete Notiz- Kalender wurde beibehalten, ebenso das Ortsregisier, das ein sofortiges Auffinden der an den betreffenden Plätzen erscheinenden Tages-Zeitungen ermöglicht, sowie eine erweiterte, branchenweise Zusammenstellung der aus- geführten Fachzeitschriften schließen sich an.