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Verlag der „Gießener Zeitnng" G. m. b. H.
Nr. 81
2. Blatt
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DedeMung und Detrieb der Spiele.
Von 3- Wik- Wien.
' In der „Deutschen Turnkunst" schreibt Jahn: „Ohne Anspiele kann das Turnwesen nicht gedeihen, ohne Hielplatz ist ein Turnplatz gar nicht zu denken." Sei- «n Worten entsprach sein Tun. Auf dem Turnplätze Ms bei Hasenheide nahmen in dem unter seiner Leit- W sich entfalteten fröhlichen Treiben der Jugend die Pikte einen hervorragenden Raum ein. In Schnepsen- X der Wiege des Schulturnens, pfhegten Salzmann und chlsMuths gar eifrig das Spiel. Wenn man in neu* au Zeit in Schule und Haus, in Vereinen und im ,^( den Spielen eine größere Beachtung schenkt, so heilet das eine Reformation, eine Rückbildung, die Mehr zu alten, bewährten Grundsätzen, die man Inge, viel zu lange unbeachtet lieh. Wie oft wechseln Nt Meinungen, die Ansichten! Es gab Zeiten, wäh- irrt welcher die Geistesbildung die Alleinherrschaft IMl Ein Gelehrter dieser Zeit sagte: „Eine Schule iid)i einem Gefängnisse, wo Schläge, Tränen und Ge- V ohne Ende sind. Hat etwas einen, seinem Wesen •ibtifpred)enben Namen, so ist es die Schule, da es Wr Strengeres und allem Spiel Widerstrebenderes f-ben kann als sie." Wir lesen von Knaben im Pu- unb Haarbeutel, von Mädchen im Reifrocke und filhcr Frisur, für die ein lustiges Spiel roh und un* sittlich galt. Gesegnet sei das Wirken eines Rousseau Mib der ihm nachfolgenden Philanthropen, welche den ßinbi rungen der Natur und Vernunft endlich zum Durch- pnidjt verhalfen. Gibt es nicht auch heute noch Mütter, feit woll Entrüstung die Arme zusammenschlagen, wenn eiln frisches Mädchen in der Hose auf dem Fahr - nbc, oder eine fesche Turnerin auf dem Barren und dm fröhlichen Spiele, oder gar ein übermütiges Mäd- Ät!i aus den Baum klettern sehen? Nur immer schön Wam und artig sein, wenn auch der blutarme Körper Mümmt und dahinsiecht! Auch heute noch gibt es ^urteile zu überwinden, aber es geht vorwärts Ue- Mt her tönt der Ruf: „Gönnt der Iudend freie Be- Wung, gebt dem Körper Gelegenheit zur freien (Ent- ÜiiTig seiner Kräfte!" Diesen Ruf dürfen auch Turn* Weine nicht überhören. Sie haben sich lange genug Wchen den vier Wänden der Hallen verborgen. Nun M es, ihre Scharen, jung und alt, Männer und Frauen, ^üb szuführen auf den Spielplan ynb sie tummeln zu H'nr im fröhlichen Spiele.
Stellen wir vor allem den Begriff des Spieles fest ^ denken dabei an das Spiel im allgemeinen, im Westen Sinne des Wortes. In jedem Menschen lebt «Trieb nach Tätigkeit. Fehlt es ihm an Gelegenheit, Mn natürlichen Trieb zu befriedigen, so empfindet er âlgrweile, dieses drückende Uebel. Er sucht sie zu Men, und fehlt es ihm an ernster Arbeit, oder ist ßren solcher übermüdet, greift er zum Spiel. Dieses tat! ihm, indem er sich dabei frei, ohne Zwang, be* wen kann, nicht bloß Schutz vor Langerweile, son- • Nn nach Belustigung, Erholung. Die Mittel, welche 1 Hit Tätigkeit wirksam machen, bilden das Material des Mitks, die genau bestimmten Vorschriften, welche die sWgleit ordnen, sind die Spielregeln. Auch der Zufall K'r bald mehr, bald weniger, über den Stoff herrschen, IW den Spielreiz zu erhöhen und ein Ansporn zur Betätig- 1I& muß herangezogen werden, der Spielaffekt. Je I toiger der Zufall im Spiele herrscht, desto größer der
des Spieles; das Tarockspiel ist bester als „Ein- i ll^rwanzig" Je unschuldiger der Affekt, desto mert * i vuäer das Spiel; das Schachspiel ist weit höher zu wer- l s als jedes Kartenspiel.
So alt die Menschheit ist, so alt sind die Spiele, tetr die ganze Erde sind sie verbreitet, wir finden sie mohl bei Kultur- als auch bei Naturvölkern. Charak- 1 Ä^anschaften Einzelner und ganzer Völker, deren ' Eten3 der Bildung, der Grad der Rohheit und Der * ' Ätnimg lassen sich an ihnen erkennen, wie sie auch an- Msüits ein wirksames Erziehungsmittel der Einzelnen ml' ganzer Völker sein können; bei der Erziehung der ÄMd sind sie nicht zu entbehren.
Ich denke in erster Reihe an die Jugend, wenn ich AWert der Spiele näher bespreche. Einer der wichtig- ^ Grundsätze der Erziehung ist, dem Kinde Gelegen- W xu geben, seinem innerlichen Drange folgend, frei Waffen und zu gestalten. Im Hause und in oer Äullc steht es in der Zucht seiner Erzieher, der Eltern W 8ber Lehrer, es arbeitet unter dem Zwange des Ee-
Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 9. Oktober 1912.
Horsams. Die freie Betätigung seiner Kräfte gewährt ihm nur der Spielplatz. Hier folgt es dem Gebote des von chm selbst gewählten Führers und gehorcht mit ihm freiwillig dem Gesetz des Spieles. F. W. Klumpp, der das Werk „I. CH. Fr. Guts Muths Spiele zur Uebung und Erholung des Körpers und des Geistes" neu herausgegeben hat, schreibt im Vorworte zur 4. Auflage dieses Buches: „Das Spiel ist die erste Poesie des Kindes, der Spielplatz das eigentümliche Gebiet der Jugend und muß ihm unverkümmert bleiben. Wie sich auf ihm die Glieder regen und dehnen und tummeln, so gewinnt ebendaselbst auch der Geist wieder neue Freudigkeit und neue Schnellkraft, strömt in aufjauchzende Lust aus und spannt sich doch in freier Tätigkeit und oft merkwürdig schaffender Kraft. Denn wie erfinderisch ist der rechte Knabe im frischen jugendlichen Spiele, wie umsichtig und besonnen, und doch, wenn es gilt, wie entschlossen und kühn ! Wie tritt hier jede Eigentümlichkeit, jede geistige Anlage, jede moralische Kraft in aller Frische hervor, wie lernt er bei dem Spielen gebieten und zugleich gehorchen, Anstrengungen und Schmerzen, ja auch Kränkungen ertragen und doch sein Recht wahren und verteidigen. Kurz, der Spielplatz ist seine Republik! Hier gelten ihm keine konventionellen Rücksichten, kein anderes Vorrecht, als das der körperlichen Kraft, des geistigen Talentes, des Mutes und der sittlichen Tätigkeit. Darum ist auch der Spielplatz in seiner freien Bewegung und Entfaltung zugleich eine treffliche Vorschule für die selbständige kräftige Entwickelung des Charakters, ein fruchtbarer Bildungsort für den künftigen Mann. Ohne Spiel ist der Knabe kein rechter Knabe, er lebt nur halb, er ent wickelt sich Unfrei und einseitig. Das Spiel muss für ihn den Ernst der Schule und der sittlichen Zucht ergänzen, es ergänzt sie aber auch vollständig zur schönen Harmonie der Kräfte." Durch diese Worte ist der Wert der Spiele sehr gut gekennzeichnet. In der Gesellschaft der Spielenden gewöhnt sich das Kind gute Eigenschaften an und schlechte ab. Es lernt die Unterorbnung unter ein selbst gegebenes Gesetz, die Verträglichkeit, das Eintreten für eine gemeinsame Sache, es mutz die etwa vorhandene Empfindlichkeit, Hochmut ablegen, Aus • brüche von Rohheit unterlassen. Freilich kann das Spiel auch auf einzelne Kinder nachteilig wirken. Manche Kinder werden durch das Spiel flatterhaft, mutwillig, sie verlieren die Lust zu ernster Arbeit. Groh ist auch der Gewinn, den die Spiele dem Erzieher bringen. Sie ge* ben ihm ein treffliches Mittel, die Jugend kennen zu lernen, ihre Herzen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Bei der ernsten Arbeit in der Schule steht dar Kind immer unter einem gewissen Zwange, es muh seinen Vewegungstrieb zügeln, weil sonst das Arbeiten un* möglich wird. Aus dem Spielplatz aber kann es seiner körperlichen und geistigen Betätigung freien Lauf lassen und so kann hier der Lehrer, wenn er nur zu beobachten versteht, jedes Kind genau kennen lernen, seine guten und bösen Seiten, sein Gemüt und seinen Geist. Gefördert wird noch dieses Kennenlernen der Schüler, weil sie dem Lehrer offen, unbefangen, zutraulich eut« gegentreten, wenn sie sehen, dah er auch an ihrer Freude Anteil nimmt; sie sehen in ihm nicht so die unnahbare Amtsperson, als vielmehr den Freund, den Spielgenossen, dem sie für seine Teilnahme an ihrer jugendlichen Lust Dankbarkeit entgegenbringen. Alle Scheu und Zurückhaltung verschwindet, voll Zutrauen und Liebe tritt das Kind dem Lehrer gegenüber, er hat sein Herz im Sturm erobert, was ihm sonst nur schwer, vielleicht gar nicht gelingt. Der Gewinn, der aus diesem Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler für die Erziehung erwächst, kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Außerdem bringen die Jugendspiele Erholung von der geistigen Arbeit, sie erzeugen Weiterleit und Fröhlichkeit und dazu gesellt sich noch der große Nutzen, der dem Körper zugute kommt. Weil die meisten Spiele, und gerade die besten, nur auf einem genügend großen freien Platze am wirksamsten durchgeführt werden können, zwingen sie den Letter, die Spieler aus den dumpfen Stuben und Hallen ins Freie zu führen. Bei dem stöhlichen Tummeln in der freien Luft arbeiten die Lungen in allen ihren Teilen, die Brust weitet sich, das Herz schlägt voller und treibt das belebende Blut frisch durch alle Teile des Körpers, Arme und Beine werden gekräftigt, Gewandtheit, Entschlossenheit unb der Mut werden gefördert, Körper und 'Geist werden gestählt für den Lebenskampf.
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Wie steht es nun mit dem Betrieb der Spiele? Ich denke wieder zunächst an die Schuljugeird. Da mutz doch unbedingt die Forderung ausgestellt werden, daß alle Schüler, mit Ausnahme der Kranken, an den Spie- kn teilnehmen müssen, sonst kommen die Vorteile, welche die Spiele bieten, nicht allen zugute. Läßt man die Wahl der Teilnahme an ihnen frei, so entziehen sich ihnen gerade diejenigen Schüler, die sie am notwendigsten brauchen, die schwächlichen, die bequemen, die blasierten. Soll das Jugendspiel ein wirksames Erziehungsmittel werden und cur Gesundung des Volkes führen, dann muß es allgemein werden, dann müssen für die Schuljugend verbindliche Spielnachmtt- tage verlangt werden. In den Turnvereinen kann natürlich kein Zwang ausgeübt werden. Hier muß durch verständige Aufklärung und durch gute Beispiele die Ueberzeugung von dem Nutzen der Spiele für jung und alt geweckt werden, um nach und nach alle für sie zu gewinnen Wenn nur zuerst einzelne Spielabteilungen geschaffen werden, so werden bald die anderen mttgeris- sen. Die wichtigste Vorbedingung zur Einführung der Spiele ist ein Spielplatz. In der Großstadt ist die Gewinnung eines großen freien Spielplatzes schwer zu beschaffen. In Wien z. B. ist innerhalb des engeren Stadtgebietes (mit Ausnahme des Praters, über den das Obersthofmeisterantt verfügt) kein entsprechender Spielplatz zu haben. Die Ursache davon ist die unvernünftige, mit Rücksicht auf die Gesundheit der Jugend geradezu als gemütsroh zu bezeichnende Verbauung aller freien Plätze. Die in den letzten Iahrzehrtten in dieser Hinsicht begangenen Sünden sind nicht mehr gut zu machen. Wer spielen will, nruh wett hinauswandern aus dem staubigen und dunstigen Häusermeer. Die paar kleinen geschotterten sogenannten Kinderspielplätze in den Parkanlagen sind unzureichend. Wie steht es in den Provinzstädten und Dörfern, wo doch freie Plätze leichter zu haben sind ? Mit wenigen rühmlichen Ausnahmen viel Teilnahmslosigkeit ! Tatsache ist, daß Bah- neu für Pferde-Rennen und Tummelplätze für Ochsen, Kühe und Kälber leichter zu bekommen sind als Spielplätze für Jungen und Mädchen. Man baut auch lieber Kranken- und Siechenhäuser und bedenkt nicht, daß durch eine bessere Vorsorge um die gesundheitliche Entwicklung der Jugend diese zwar nicht überflüssig, aber doch in geringerer Zahl notwendig sein würden.
Man kann wohl auch auf kleineren Plätzen und selbst in Turnsälen spielen, ist aber dann auf die einfachster! Neckspiele angewiesen, welche bei größeren Knaben und gar bei Turnern wenig Teilnahme erwecken. Die Auswahl der Spiele ist aber für die Entfaltung eines lebhaften Spielbetriebes sehr wichtig. Soll der Spielbetrieb den Nutzen schaffen, den er bringen kann, dann muß man die besten, wirksamsten, die volle Betätigung der Spielenden in Anspruch nehmenden Spiele auswählen und auch jene bevorzugen, oie einen Wett, bewerb ermöglichen; die Kampfspiele sind ganz besonders dazu geeignet, die Spiellust zu wecken und zu er* halten. Solcher Spiele haben wir eine große Menge. Nur auf eins möchte ich besonders Hinweisen, auf ein rechtes deutsches Spiel, das geradezu als eine Perle der Spiele bezeichnet werden kann: den deutschen Schlag - ball. Dieses Spiel zu einem Volksspiel zu machen, sollte als erstrebenswertes Ziel der Schulen und Vereine bettachtet werden. Der deutsche Schlagball kann grundsätzlicher Feind der Fußballspieles, aber auch nicht jetzt alle anderen Spiele, wenigstens in den Schulen, fast zu verdrängen scheint. Es würde den Rahmen bie* [es Aufsatzes überschreiten, wenn ich einen Vergleich dieser beiden Spiele durchführen wollte. Ich bin kein grundlätzlicher Feind des Fußballlpieles, aber auch nicht sein besonderer Freund, schon deshalb, weil es gar zu leicht zu Rohheiten verleitet. Wenn ich für eine eifrige Pflege der Kampfspiele eintrete, so möchte ich doch da-
Wichtig für Asthmatiker.
Die Erfahrung7des Herrn Herman van der Berg in Wesel muß ein Trost mr salle Asthmatiker 'ein, indem ihnen ein Weg gezeigt, wodurch dieses lästige Uebel sofort gelindert werden kann.
Er schreibt: „Astmol-Asthma-Pulver" hat bei mir vorzüglich gewirkt. Ich hatte oft schwere Anfälle von Atemnot, fohald ich aber dieses Pulver gebraucht haue, spürte ich sofort große Erleichterung und werde es jeden Asthmaleidenden empsehlen. Astmol-Asthma-Pulver lostet die große Blechdose M. 2.50, in Apotheken erhältlich. Wo nicht vorrätig wende man sich an Engel-Apotheke, Frankfurt a. M.