Bezugspreis 40 Psg. monatlich
v erteljährlich 1,20 Mk., vorausznl>lbar, frei inS Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. — Erscheint Mittwochs und SamötagS. — Redaktion: SelcerS- weg 83. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Verlag der „Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Samstags liegt für die Stadtabonnenten der Illustrierte Wochen-Anzeiger gratis bei.
Expedition: Seltersweg 83.
Anzeigenpreis 20 psg.
die 44 mm breite I n s e ra t e n ze i l e. — Die 90 mm breite Zeile im Reklaweteil 50 Psg. — E x t r a b e l l a g e n werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt i^i Ueberschreitungde-ZahlungS- Zieles (JO Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBerbürdlichleit.
Druck der Gießener Verlagsdruckerei.
Nr. 2«. (2. Blatt).
Samstag, den 9. März 1912.
Telephon: Nr. 362.
24. Jahr^
Die Dedeutung einer 15 pro^entigen Lohnerhöhung im Kuhrbergdan.
Es wird uns geschrieben:
Es ist fraglich, ob die Bergarbeiterorganisationen, welche die Forderung aus eine 15prozentige Lohnerhöhung an die Zechenverwaltungen gestellt haben, sich über die Tragweite dieses Antrages klar sind; als sicher darf jedoch angenommen werden, daß das große Publikum dies nicht ist. Es erscheint deshalb eine Aufklärung hierüber geboten.
Im Ruhrbergbau sind im letzten Jahr (nach Ausscheidung sämtlicher Arbeitskosten, Knappschaftsgesälle usw.) 494 Mill. Mark an Lohn gezahlt worden. Legt man den Lohn des 4. Vierteljahres zu Grunde, so berechnet sich bei gleichbleibender Belegschaft eine Jahres- lohnsumme von 500 Millionen Mark. Auf diese Summe bezogen erfordert die 15proz. Lohnerhöhung 75 Millionen Mark. In Wirklichkeit würde sich der Betrag noch höher stellen, da sich gleichzeitig mit den Löhnen auch die für die Versicherung der Arbeiter an den Allgemeinen Knappschaftsverein und die Knappschaftsbe - russgenossenschast abzuführenden Beiträge entsprechend erhöhen würden. Diese Beiträge belaufen sich auf etwa 71 Mill. Mark, somit ergäbe sich für die Werke eine weitere Mehrleistung von 10,7 Mill. Mark (15 Proz. von 71 Mill. Mk.), so daß im ganzen die geforderte Lohnerhöhung 85,7 Mill. Mark beanspruchen würde, etwa derselbe Betrag, der, wenn man von den reinen Zechen ausgeht, in mittleren Jahren im Ruhrbergbau als Dividende und Ausbeute zur Ausschüttung gelangt.
Bei gleichbleibenden Preisen und sonst unveränderten Verhältnissen würde also die jetzige Lohnerhöhung für die Gesamtheit des Ruhrbergbaues die volle Divi- dendenlofigkeit zur Folge haben; in Wirklichkeit würde sich natürlich die Sache so stellen, daß die jetzt hoch rentierenden Werke auch weiterhin eine, wenn auch verkürzte Dividende bezahlen könnten, während die schon jetzt nur mittel oder schlecht rentierenden Werke alsdann direkt Zubuße bauen mühten. Run sind allerdings die Kohlenpreise vom 1. April ab erhöht worden. Man geht wohl nicht fehl, wenn man diese Erhöhung mit rund 80 Psg. auf die Tonne annimmt; dabei ist es infolge des wachsenden Anteils des nur wenig Gewinn bringenden Auslandgeschäftes an dem Gesamtabsatz der Ruhrkohle noch einigermaßen fraglich, ob sich im ganzen ein um 80 Psg. höherer Preis auf eine Tonne erzielen lassen wird. Aber selbst das angenommen, würde die Preiserhöhung doch nicht ausreichen für die Lohnsteigerung, die auf eine Tonne annähernd 1 Mark ausmachen würde, einen Ausgleich zu schaffen, wobei noch garnicht der Umstand in Betracht gezogen ist, daß auch andere Selbstkostensaktoren, wie Gehälter, Materialien, im laufenden Jahre gegen 1911 einen Mehraufwand bedingen werden. Die Zechen würdèn sich also, wenn sie der Forderung der Bergarbeiterorganisationen nachgäben, trotz wesentlich günstigerer Konjunktur nicht besser, sondern schlechter stehen als im letzten Jahr, dessen Ergebnisse schon nichts weniger als glänzend zu nennen sind.
— __ ■——g—I ——
M§ Stadt und Hand.
G tetz en, den 9. März 1912.
* Der Ausschlag der allgemeinen Landeskirchen - steuern für 1912 beträgt für die Gesamtheit der ev an- g e l i s ch e n Kirche des Großherzoatums 12 Prozent, für die Gesamtheit der katholischen Kirche des Großherzogtums 5% Prozent Zuschlag zu den direkten Staatssteuern.
o G i e ß e n. Ein neues künstlerisch geleitetes Lichtbildtheater soll, wie wir erfahren, in einem Neubau auf dem Seltersweg, der verkehrsreichsten Straße unserer Stadt, eröffnet werden. Dasselbe wird mit allen technischen Neuerungen versehen und komfortabel ausge stattet werden, so daß es künftig eine Sehenswürdigkeit der Stadt darstellen dürfte. Um den Wünschen vieler Kinofreunde entgegenkommen, wird beabsichtigt, nach Möglichkeit nur künstlerisch vollendete Films zu bieten; es wird eine in hiesigen Theaterkreisen bekannte und wohl akkreditierte Persönlichkeit die künstlerische Oberleitung führen.
n Gießen. Die letzthin hier stattgesundene Bundes-Versammlung des „Dill-Lahn-Taunus-Keglerbundes", die von den Klubs in Gießen, Wieseck, Wetzlar und Weilburg stark besucht war, hat als Ort des nächsten Bundessestes Weilburg gewählt.
o Hungen. Die Vuderus'schen Eisenwerke in Wetzlar lassen demnächst aus ihren Eisensteingruben in hiesiger Nähe Drahtseilbetrieb einrichten. Die Beförderung per Achse ist bereits eingestellt, der neue Betrieb soll,
wie man hört, im nächsten Jahre beginnen. Dazu sind größere Arbeiten nötig.
o Nidda. Eine Vezirksgeflügel-Ausstellung findet am 16. und 17. März in Krafts Saalbau unter Mitwirkung der Landwirtschaftskammer statt. Es beteiligen I sich daran die Geflügelzuchtvereine unter Mitwirkung aus den Bezirken Echzell, Hungen, Schotten, Gedern, Ortenberg und Nidda.
o F r i e d b e r g. In letzter Zeit wurden mehrere Mineralquellen in hiesiger Gegend gesunden. Zwei sehr starke Mineralquellen wurden eine bei Entwässerungsarbeiten bei Leidhecken, die andere in der Gemarkung Rockenberg entdeckt. Die Geologen führen das Zulagetreten der Quellen auf das Erdbeben vom November zurück.
o Alsfeld, 28. Febr. Im nahen Bernsburg verübten Zigeuner mehrere Einbrüche. Sie statteten dem Pfarrer und Lehrer ihre nächtlichen Besuche ab. Außer anderen Gegenständen hießen sie beim Lehrer'eine wertvolle Geige mitgehen. Die Bevölkerung unserer Gegend und des Schlitzerlandes ist wegen der fortgesetzten Einbrüche und Bedrohungen durch Zigeuner in größter Aufregung.
-z- Der Einfluß des Stillens. Den vereinigten Bemühungen der Aerzte und aller auf dem Gebiete der Mutter- und Säuglingsfürsorge Arbeitenden ist es gelungen, der alten Wahrheit, daß die natürliche, die Ernährung durch Muttermilch die beste und gesündeste Ernährung für das Kind ist, überall zur Geltung zu verhelfen. Jede Mutter weiß, es ist am besten s ü r das Kind, wenn es gestillt wird; manche Frauen sind aber noch der Ansicht, daß das Stillen wohl einen Vorteil für das Kind, aber einen Nachteil für sie selbst bedeute. Da ist es nun interessant zu hören, was aus einer im Münchener Museum für Säuglingsfürsorge befindlichen Tabelle hervorgeht, nämlich, daß diejenigen Frauen, die ihre Kinder selbst stillen, einer Erkrankung an Krebs der Brustdrüsen und der Unterleibsorgane weit weniger ausgesetzt sind, als jene Frauen, die das Stillen unterlassen. Besonders bei den Erkrankungen an Krebs der Brustdrüsen ist das ganz deutlich ersichtlich; in den drei Kreisen Bayerns, in denen am wenigsten gestillt wird, betrugen die Todesfälle an Brustkrebs 204, 245, 192, gegen 108, 100 und 96 in den Kreisen, in denen die Zahl der Stillenden eine große ist. Wir sehen daraus, wie Eroth (Münchener Med. Wochenschrift, Heft 32, August 1909) sagt, daß die Ernährung der Säuglinge an der Brust der Mutter selbst einen weitgehenden Schutz vor Erkrankungen an Krebs der Brustdrüse und der sexuellen Organe gewährt.
):( Katzenelnbogen. Die in der Gemarkung Berghausen gelegene eisenhaltige Mineralquelle wird nunmehr auf Veranlassung eines Konsortiums gefaßt werden.
):( Limburg. Im Kreistag wurde der Errichtung einer elektrischen Ueberlandzentrale für den Kreis Limburg, mit Ausnahme der Stadt Limburg, im Prinzip zugestimmt. Die Zentrale soll gleichzeitig für die Kreise Limburg, Oberlahn, Unterlahn und St. Goarshausen errichtet werden.
):( Vom Odenwald. Während das Geschäft mit Sandsteinen ständig geringer wird, hat die Hart- gestein-Jndustrie bei uns in letzter Zeit große Bedeutung angenommen. Allerorts sieht man an den Bahnstationen im Weschnitz-, Mümling- und Gersprenztale alltäglich viele Waggons Hartgestein verladen.
):( Frankfurt a. M. Die Verhandlungen der Stadt Frankfurt mit dem Kultusministerium, wegen Gründung der Universität, haben jetzt eine Einigung in den Hauptpunkten herbeigeführt. Der Kultus - minister hat der Errichtung einer Universität im Prinzip z u g e st i m m t. Die Errichtung der Universität kann frühestens in 2 Jahren erfolgen. Dem Landtag wird in der nächsten Session ein diesbezüglicher Gesetzentwurf zugehen.
s D a r m st a d t. Der Hessische Hauptverein des Ev. Bundes wird in diesem Jahre die Feier seines 25- jährigen Bestehens begehen und diese voraussichtlich mit der am 27. und 28. Oktober d. Js. stattfindenden Landesversammlung in Darmstadt abhalten.
s Von der Berg st raße. Die Mandelbäume stehen seit Samstag an den Abhängen der Bergstraße von Zwingenberg über Bensheim, Heppenheim und Weinheim hinaus bis Heidelberg in voller Blüte. Ihre frische Blumenpracht erfreut wohl das Auge, läßt aber doch befürchtende Gefühle aufkommen über das gar zu frühe Hervorsprossen. Auch die rosenroten Psirsichblüten zeigen sich hier und da, sodaß bis Ende dieser Woche unsere Bergstraße in ihr herrliches Frühlingsgewand gekleidet sein wird.
Veraltete Kaiarrye auszarstteu
ist eine recht schwierige Sache. Jeder, der schon einmal mit einem hartnäckigen Katarrh zu kämpfen hatte, kann davon ein Lied singen. Mit den gewöhnlichen Haus- mittelchen, wie Hustenbonbons und Pastillen, ist da nicht viel anzufangen. Bei einem einfachen kleinen Erkältungshusten, der sowieso schon nach einigen Tagen von selbst zu verschwinden pflegt, mögen derartige harmlose Mittel ja ganz gut sein. Aber, die Beseitigung eines chronisch gewordenen alten, immer wiederkehrenden Hustens, be^ bei dazu Disponierten gar oft den Keim der Lungenschwindsucht in sich trägt, erfordert eine ganz andere Aufmerksamkeit und muß mit wesentlich anderen Mitteln behandelt werden, die den Feind sozusagen im Innern seines Lagers aufsuchen und ihn dann „von innen heraus" vertreiben.
Als eines der besten Mittel zur Beseitigung derartig chronisch gewordener Katarrhe mit ihren Folgezuständen: alter Husten, Verschleimung, Asthma, Bronchialkatarrh, Lungensprizenkatarrl) usw. galt den berühmten Aerzten dès Altertums und gilt noch heute im ganzen Orient der sogenannte Arabische oder Utu= Balsam, der naturreine Harzsaft eines in den Küstenländern des Roten Meeres wachsenden Balsambaumes. Dieser Arabische Balsam war bis zur Entdeckung Amerikas die einzige Droge, den man den Namen „Balsam" gab, und es beziehen sich daher alle älteren LiteratursteUen in wissenschaftlichen medizinischen Werken, in denen von „Balsam" die Rede ist, ebenso wie die zahlreichen Hinweise der Bibel auf den Heilwert des „Balsams", nur auf ihn. Schon das Wort „Balsam" zeigt uns die Wertschätzung, in der das Mittel bei den Alten stand: das Wort „Balsam" stammt aus dem Alt-Heoräischen und heißt soviel wie „König der Oele". Erst später kamen aus dem neuentdeckten Amerika weitere Balsame, wie der Perubalsam, der Tolubalsam usw., nach Europa, und noch später belegte man sogar eine Anzahl künstlicher, balsamähnlicher Erzeugnisse mit diesem Namen, der aber eigentlich nur dem Arabischen Balsam zusteht.
Daß sich dieser echte, Arabische Balsam bisher noch nicht in unserem Heilschatz eingebürgert hat, lag an seiner großen Seltenheit und dem dadurch hervorgerufenen, ganz ungeheuer hohen Preise, der Jahrhunderte hindurch den Preis des ungemünzten Goldes um das Doppelte überstieg. Die Schwierigkeiten, die seiner Beschaffung im Wege standen, gelten indessen heute als behoben, und heute kann das von den alten Aerzten so sehr empfohlene Mittel schon zu einem Preise in den Handel gebracht werden, der seine Anwendung auch Minderbemittelten ermöglicht.
Seitdem wir den Arabischen Balsam in den Handel gebracht haben, hatten zahlreiche Patienten Gelegenheit, denselben zu versuchen, und es berichten heute schon Hunderte von Briefen usw., die ganz unverlangt bei uns eingelaufen sind, von den gehabten guten Cr- folgen. Die Wirkungen des Arabischen - oder Utu- Valsams, von dem wenige Tropfen pro Tag genügen, sind in kurzem folgende: Der Balsam macht den Auswurf flüssig und vermindert ihn. Infolgedessen hört schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit der Hustenreiz und damit auch der Husten auf. Infolge der Entfernung der in dem Auswurf enthaltenen Ierfallprodukte tritt da, wo Fieber vorhanden war, eine Abnahme des Fiebers ein. Aus demselben Grunde vernnndern sich auch die Nacht- schweiße, die mit der Ieit ganz aufhören. Ein gesunder Nachtschlaf und damit eine Besserung des Allgemeinbefindens pflegen einzutreten. Außerdem wirkt der Utu= Balsam magenstärkend und appetitanregend und bedingt dadurch eine größere Nahrungszufuhr und hierdurch wieder eine Gewichtszunahme. Der Patient bekommt durch das Verschwinden der katarrhalischen Erscheinungen und durch die Besserung seines Allgemeinbefindens wieder neuen Lebensmut und größere Lust und Ausdauer zur Arbeit.
Wer auch noch so viel andere Mittel ohne Erfolg bereits benutzt hat, der möge trotzdem in seinem eigenen Interesse einmal einen kleinen Versuch mit Utu-Balsam machen. Er wird diesen Versuch so leicht nicht bereuen. Wir versenden kostenlos und franko eine Probe des Balsams an jeden, der uns den hier angel)ängten Bestellzettel ausgefüllt einsendet und ihm 20 Pfg. für Porto 2C. beifügt.
Den Herren Aerzten stellen wir zu Versuchszwecken ein größeres Quantum des Balsams Kostenfrei zur Verfügung. Morgenländiscbc Drogen-Jmport- Gesellschaft
Berlin W. 15