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(Neuefte Nachrichten)

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M Nr. 46

Telep hon: Nr. 362.

Samstag, den 8. Juni 1912.

Telephon Nr.: 362.

24. Jahrg

WMvlal im ungarischen Parlament.

vorra ' B u d a p e st, 7. Juni. Das rücksichtslose Vor- rDeutsT^ re5 Präsidenten des ungarischen Abge- tartikei r > n e 1 e N h a u s e s, des Grafen Tisza, gegen die J^ster^ir^ Mitglieder der Opposition hat am Frei- Reisea^ !u c^nem schweren Verbrechen im Parlamentssitz - angebog? u^joafc geführt. Graf Apponyi hat am Mittwoch de- tkarteeinch geäußert, den Grafen Tisza umbringen zu wollen, »liste gef in Gesinnungsgenosse des Grafen Apponyi, der Ab- p*^ finde Julius Kovacs, hat nun diese Drohung in Tten meinet 2at umzusetzen versucht und sich dann selbst erschos- n Darüber wird berichtet: Die oppositionellen Ab- ^eiien. t'O finden wurden heute, wie in den letzten Tagen von >andiP ei 'l Polizei gewaltsam aus dem Abgeordnetenhause ent- voii ml. Sie verließen auch den Saal, ohne Widerstand i leisten. Präsident Tisza hatte sich gerade erhoben, ' Einbe:n <inc kurze Ansprache zu halten, als plötzlich von amtens g^ eine Stimme rief:Nicht alle Opposi- ..............Mitten streiken, einer ist noch da und der bin ich." Es an der Abg. Kovacs. Er stürmte die Stufen zur ^^iflibententribüne hinauf und feuerte auf Tisza zwei ab. Zwei Abgeordnete eilten mit ihren tkwrn aus Kovacs zu. Da dieser aber inzwischen )ni Polizisten überwältigt worden war, feuerten sie . >4 < um die Polizeimannschasten nicht zu treffen. Meh- 1 ^re Abgeordnete bearbeiteten Kovacs mit den Fäusten ------Id Füßen. Kovacs gab darauf zwei Schüsse auf sich MW ab und brach sofort zusammen; aus seiner Schläfe Blut.

Lttiibi

Hrasident Tisza hatte sich während des Atten -

"Tis erhoben und Kaltblütigkeit bewahrt. Er sagte in Miru Ruhe-Die Sitzung dauert fort. Es ist unerläß-

t), die Sitzung mit Kaltblütigkeit fottzufetzen. Ich imrt die Tat eines unglücklichen Wahnsinnigen.

be-

Er

strebe it sich den irdischen Richtern entzogen, indem er sich IM H gerichtet hat!"

1. Kovacs ist lebensgefährlich verletzt zum Hospi- ^otbn^I äachl worden.

Um 1 Uhr mittags wurde der Abgeordnete R o -

Professor Herczel operiert. Kovacs kam nach M Wei Operation wieder zu Bewußtsein und bat die Aerzte

n getreu Male mit schwacher Stimme Justh und Battia- M« an sein Lager zu rufen. Professor Herczel hat er- 77H^âM daß der Kranke, falls er mit dem Leben davon - Kâisn'pwMn â sollte, wozu aber wenig Aussicht vorhanden TT^i, das Augenlicht verlieren werde. Als Kovacs das SD Achseln wiedererlangt hatte, richtete er an die Aerzte l. M Böge, ob Präsident Tisza am Leben sei. Aus die * ,/Mmde Antwort äußerte er seine Zufriedenheit da- >hne ^ibo^ daß seine Kugel niemand getötet habe.

Stftaitl

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unter Gemsen.

Roman von Karl Matthias.

(Nachdruck verboten.)

HM Dabei blieb es. Desiree wurde reichlich mit Geld I/erton und mit allem ausgerüstet, was für die halb- )lM)tntetiic5e Reise notwendig war. Der 5. November, 7^r Da^ der Abfahrt, brachte sehr ungünstiges, stürmi- Vili^ Vetter, so daß die Fahrt an und für sich schon ^-^.faettvoll war. Aber Desiree war nicht von ihrem Ent- 1,-M)KM abzubringen. Gegen die Tante war sie ganz t NpeHt und Zärtlichkeit, und voll Trauer, wenn diese iKräöllkil vergoß. An Waldemar hatte sie einen über- örtlichen Brief geschrieben, der aber über die Reise illtor^tMslhlveigen bewahtte. r

KachdemKrau von Taranöal auch die Paßange- ae^eit, diâckl verzögerte, in's Gleiche gebracht hatte, Desiree auf das Schiff.

V Um zehn Uhr morgens lichtete dieEsperance die i Bei heftig wehendem Nordwinde verließ sie den ^afmr, Bald war der weiße Rumpf des Schiffes den tugzu der zurückbleibenden Nataly entschwunden. We^ â to warf sie sich in ihren Wagen und ließ sich nach an Gut zurückfahren. m r

.Aperance" heißt das Schiff," schluchzte sie.Es iTttw meine ganze Hoffnung auf ein glückliches Alter I tt «hurt O Desiree, wenn Du mir verloren gingest, * ) rrLröè verzweifeln! Und Waldemar? Ich wage gar

Ir . fidi so verlassen und elend, daß sie in dem ein- ^ MW Luekwarden nicht länger bleiben konnte und ^Mi Büffel überzusiedln beschloß. T È

-Das Schiff führte eine Menge Passagiere. Trotz T^^kr rauben Fahreszett waren die meisten Kabinen gie^eirt. Der Hauptteil der Gesellschaft bestand aus fran- "^hWn Offizieren, welche dasselbe Ziel hân, wie De-

von

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Berlin. Der König und die Königin Bulgarien, der Kronprinz, Prinz Kyrill, Mi­

nisterpräsident Geschow und das Gefolge trafen gestern Freitag im bulgarischen Sonderzug in Wildpark ein. Nach sehr herzlicher Begrüßung, bei der sich die Monar­chen einander wiederholt umarmten und sich küßten und nachdem der Kaiser die Königin mit einem Handkuß be­grüßt hatte, erfolgte die Vorstellung der Prinzen und Prinzessinnen, sowie der Umgebungen. Der Reichskanz­ler wurde vom König lebhaft begrüßt. Im Apollosaal fand Familiensrühstückstasel statt, an der auch die Kai­serin teilnahm. Der Kaiser verlieh dem König von Bul­garien die Kette zum Schwarzen Adlerorden, der Kö­nigin den Luisenorden mit der Jahreszahl 1813-14, dem Prinzen Kyrill den Schwarzen Adlerorden. Ferner er­nannte der Kaiser den König von Bulgarien zum Ches des vierten thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 72.

Von unterrichteter Seite wird versichert, daß König Ferdinand in Berlin auch politische Unter­handlungen pflegen werde, die sich sowohl auf bestehende Verträge wie auch auf künftige Abmachungen mit der deutschen Negierung erstrecken. Es wird darauf hingewiesen, daß derZar der Bulgaren" Staatsver - träge allein ohne ministerielle Hilfe abschließen kann, wie er auch in den Konferenzen persönlich und nicht durch Staatsmänner verhandelt.

* Das Großherzogliche Hoflager ist nach Jagdschloß Wolssgarten verlegt worden. Die Großher­zogliche Familie ist gestern gegen Abend nach Wolfs - garten übergesiedelt.

* Der Finanzausschuß der Zweiten Hess. Kam­mer setzte gestern morgen die Beratungen der Beam­tenbesoldungsreform mit den Vertretern der Regierung fort. Es wurde eine Einigung über den Wohnungsgeldzuschuß erzielt. Weiter hat der Ausschuß der von der Regierung vorgeschlagenen prozentualen Ge­haltsaufbesserung zugestimmt, zunächst jedoch nur für das Jahr 1912. Dagegen lehnt der Ausschuß die von der Regierung in Ansatz gebrachte oprozentige Steuer - erhöhung ab. Man hofft durch Erschließung neuer Deck­ungsmittel eine positive finanzielle Grundlage für die zur Durchführung der organischen Besoldungsreform er- orderlichen 300 000 Mark zu gewinnen. Der 15proz. Erhöhung der Lehrergehälter steht der Ausschuß sym,- pathisch gegenüber. Die Annahme, daß 4 Millionen Mark zur Reform der Beamtenbesoldung erforderlich seien, ist somit unrichtig. Eine Verständigung über die Aufbringung der Deckungsmittel wurde noch nicht er­zielt.

siree. Letztere waren Offiziere der Infanterie, welche mit ihren Trupps die belgische Grenze überschritten hat­ten und dann entwaffnet worden waren. Ihnen war das Wort abgenommen worden, Belgien nicht zu ver­lassen, sie taten es dennoch, um ihren Degen dem Va- lerlande wieder zur Verfügung zu stellen. Aber es wa­ren unter den Reisenden auch jene todesmutigen Reiter, welche bei Sedan, unter Anführung des Generals Gallifet die schneidige Attacke gegen die preußischen Truppen gemacht und sich glücklich durchgeschlagen hat­ten, unter ihnen der persönliche Adjutant des Marschalls Wimpffen, Graf d'Alincourt.

Dieser hielt sich ein wenig abseits von den stets schwatzenden, prahlenden und streitenden Kameraden,- hauptsächlich von denen, welche mit falschen Pässen auf das Schiff gekommen waren und es mit ihrem Ehren­wort nicht genau genommen hatten. Er schien mehr Interesse für die stets einsam und traurig üasitzende Desiree zu empfinden. , , , ,

Der Zufall führte eine Bekanntschaft herbei. Der unfreundliche Nordost hatte dem Mädchen den Hut­schleier entrissen, Graf d'Alincourt erhaschte ihn, bevor er in's Meer geweht wurde. Während Desiree den Flüchtling befestigte, nahm er an ihrer Sette Platz. Durch geschickte Fragen hatte er bald ihren Kummer erfahren. ^^ Ihren Vater suchen, mein gnädiges Fräulein?" sprach er nachdenklich.Das ist in der jetzigen Krüegsperwde ein höchst gefährliches Unterneh­men Haben Sie auch die Möglichkeit erwogen, daß c^ Vater als guter Patriot Kriegsdienste genommen haben kann und vielleicht jetzt schon dem Feinde gegen- ^^Desiree erschrak, der Gedanke war ihr in der Tat bisher nicht gekommen. _ . ..

Mein Vater ist ein Vierziger, Herr Graf, fußte fk/ sich gegen die Föee wehrend, ^r ist fern von allen

* Die Kreisämter Bingen und Alzey sind zur Zeit mit den amtlichen Ermittelungen und der Beweis­erhebung betreffend Protest gegen die Wahl des Reichs- tagsabgeordneten Dr. Becker (wild) beschäftigt. Ein Teil der vorliegenden Protestfälle, die nach Ansicht der Wahlprüsungskommission des Reichstages den Verdacht von strafbaren Handlungen in sich schließen, ist oom hessischen Justizministerium den zuständigen Amtsgerich­ten zur Aufklärung und zu eventuellen eidlichen Zeugen­vernehmungen überwiesen worden. Brieflichen Nachrich­ten aus Berlin zufolge, hat das Bureau des Reichs - tages die hessische Negierung um Beschleunigung des Ermittlungsverfahrens betr. die angefochtene Reichstags- wahl in Alzey-Bingen ersucht, damit die Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl sofort nach Wiederzusam­mentritt des Reichstages (Ende November) getroffen werden könne. Eine eventuelle Neuwahl könne nach dem jetzigen Stande des Wahlprüfungsverfahrens vor Ende Januar oder anfangs Februar 1913 nicht statt» finden.

* Zum neuen deutschen Gesandten in Athen anstelle des als Nachfolger des Botschafters v. Mar - schall nach Konstantinopel versetzten Freiherrn v. Wan­genheim ist der seitherige Gesandte in Teheran, Gras Quadt, ernannt worden. Gras Quadt bekleidete den Gesandtschastsposten in Teheran seit Ansang 1908.

* Eine Vereinfachung des Heereser- g ä n z u n g s - E e s ch ä f t s, die schon seit Jahren er­wogen und auch verschiedentlich bereits praktisch ange­wendet worden ist, soll im nächsten Jahre durchgejührt werden. Die Wehrpflichtigen sollen nämlich in Zukunft nur einmal vorgestellt und untersucht werden; die dop­pelte Untersuchung vor der Ersatz- und Oberersatzkom- mission wird in Fortfall lammen. Die endgültige Ent­scheidung über die Diensttauglichkett wird sofort getrof­fen. Dem Reichstage wird wahrscheinlich im Herbst eine diesbezügliche Novelle zum Reichsmilitärgesetz zu- gehen.

* Das Ergebnis der Landtagswah. len in Gotha ist: 6 Mandate der rechtsstehenden Parteien, 8 Sozialdemokraten und 5 Liberale. Die rechtsstehenden Parteien gewinnen ein Mandat, die Li­beralen verlieren zwei, die Sozialdemokraten gewinnen eins.

Eine freie konservative Vereinig­ung für den Westen hat sich in Düsseldorf gebildet. Die Versammlung, die Regierungs- und Medizinalrat Dr. Bornträger leitete, war von zirka 40 Herren be­sucht, welche ihren Beitritt erklärten. Die Satzungen ge­ben im allgemeinen den konservativen Patteigedanken wieder, betonen jedoch auch, daß sie einem gesunden Fortschritt nicht abhold wären.

exzentrischen Anwandlungen, obgleich die Vorfälle bei Sedan, der Tod meines Bruders*

Das Rachegelüst, dem Sohn bei seinem Feinde Vergeltung zu schaffen, samt auch das friedfertigste Ge­müt zu Ausschreitungen führen. Freilich spricht dage­gen, daß Ihr Papa Rücksicht nehmen mußte, auf seine schöne, liebenswürdige Tochter, die er seines Schutzes nicht berauben darf."

Dieses Bedenken hat Papa jedenfalls nicht gehabt, bemerkte Desiree traurig.Wir beide schieden nicht als gute Freunde. Papa zürnte mir, und darum reiste ec nach Südfrankreich."

Dann allerdings werden Sie gut tun, in den Bu­reaux zu Tours, Le Mans und Bourges nachzufo'rfchen und hierauf erst nach dem Süden zu gehen."

Desiree sah die Möglichkeit ein und diese vergrö­ßerte nur ihre Angst. Als der Dampfer in den Kanal einlief, erlahmte ihre Widerstandskraft, und die See­krankheit ergriff sie mit Heftigkeit.

DieEsperance" passierte die bretagnische Küste, der Wind flaute ab, die See wurde ruhiger, und die kranken Passagiere ließen sich wieder auf Deck sehen. Graf d'Alincourt hatte sich unausgesetzt nach dem Be­finden Desiree's erkundigt, da er für sie ein lebhaftes Interesse fühlte. Er begrüßte Desiree mit aufrichtiger Freude, als sie ihre Kabine verlaffen hatte.

Trotzdem das Wetter noch immer kalt und von ei­sigen Regenböen verschlimmert war, blieben sie doch beide auf Deck und suchten einen warmen Platz über der regelmäßig arbeitenden Maschine. Bald war ihre Unterhaltung in vollem Gange.

Die Ereignisse von Sedan bildeten dabei den Haupt- stoff des Gespräches. Die Eindrücke waren bei Desiree noch immer sehr lebhaft, schien ihr doch der Aufenthalt in Bazeilles nur als eine Fortsetzung jener Tage.

(Fortsetzung folgt.) .. . ^ ; ^