Kietzener Leitung
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Druck der Gießener Vcrlagsdruckcrei.
Kr. 72
TeLcp hon: Nr. 362.
Samstag, Den 7. September 1912
Telephon Nr.: 36*2.
24. Jahr«
&’> welches Steinkohle.
lungen!
Der Kaiser in der Schweiz.
• Zürich, 5. Sept. Das Manöver ist beendet. Bei Kaiser ist nach Zürich abgefahren. Dort traf er 13 Uhr mittags auf dem Hauptbahnhof ein. Der Mo- urd) begab sich direkt nach der Villa Rietberg. Nachmittags empfing der Kaiser die Besitzerin der Villa, gtoii Rieter-Bodmer, mit ihren Töchtern und machte btt Damen sein Bild in Rahmen zum Geschenk. Um 6 Uhr empfing dann der Kaiser auf der Parkterrasse der Billa den reichsdeutschen Ausschuß nämlich 29 Herren, Latreter zwölf deutscher Vereine. Die von dem reichs- bdkbcn Ausschuß vertretenen Vereine waren der Neichs- otitin, der Alldeutsche Verband, der deutsche Krieger- bnn) „Germania", der deutsche Militärverein, der deut- [4t Ruderverein, die akademische Verbindung „Teuto- M*. der Verband deutscher Apotheker, der deutsche 9Berb
stattete sich besonders glänzend. Der Kaiser trug die Uniform der Potsdamer Gardejäger mit den Abzeichen eines Generalfeldmarschalls, den kleinen Marschaltstab und das Orangeband des Schwarzen Adlerordens. Auch alle übrigen hohen Militärpersonen und Diplomaten waren in Galauniform erschienen. Die Begrüßung des Kaisers mit dem Bundespräsidenten, den er nun schon seit einigen Tagen kannte, war eine überaus herzliche. Die Gattin des deutschen Gesandten von Bülow war zur Begrüßung des Kaisers mit einem roten Rosen -
strauß erschienen, ten Bundeshaus Audienzsaal wie Ganz besonders
Dann wurde die Fahrt nach dem al- angetreten, wo der Kaiser im gleichen Präsident Fallieres empfangen wurde, interessierte den Kaiser die darauf
folgende Fahrt durch die Stadt Vern, die sich im Hellen Sonnenschein präsentierte und ein unbeschreiblich schö-
n . » «isierverband, der Deutschnationale Handlungsgehilfen-
S T 11 Ö Mbcnb, der deutsche Klub, der Verband deutscher Hand- und der deutsche Männergesangverein. UQUlöU UMIIjIU. Ml. Späte unternahm der Kaiser eine Spazierfahrt im FranWurt a.i ^ ^r Villa. Nach der Abendtasel. die um 8 Uhr oQchneide-Lehranstaii begann, trug der deutsche Männergesangverein Zürich ~ üoethestrasse Leitung des Dirigenten Pfirstinger Lieder vor, Äe'äWmf ^' das »Deutsch« Sieb“ von Faßbender, ein K°- Paris, Soiedoi Mich und „Noch ist bie blühende, goldene Zeit von g. Lehrbüch> Eig. ii:'Rr[iinger. Der Kaiser dankte den Sängern mit freund- Mißerfolg avsgchlièn Worten.
tenenberm. Prospeki
Bern, 6. Sept. Kaiser Wilhelm ist heute hier
Ii^ttroffen. Die Bundeshauptstadt prangt in reichem Der Weg vom Bahnhof zum Bundeshaus M ' film? hohen Goldpostamenten eingesäumt, die Blu- kUVOÉK 'Arrangements tragen. Das Bundeshaus trägt wirb I A polle Moosgirlanden in schweizerischen Farben,
öi öffentlichen Gebäude und die Brücken tragen rei-
rSfl W Rlaggcnfd)mud.
. Aus dem Serner BalMos hatten sich sämtliche Mit-
. 1 AW ' Mer des Bundesrats versammelt. Der Empfang ge=
Fulda,
■ Fräulcil ft (tut. Beignilj. fort WM W Äh ^rf»rih#rmttHunfl M^
nes Bild barbot. Man obachten, wie der Kaiser Houser betrachtete, deren
konnte mehr als einmal be- interessiert die alten Patrizier- architektonische Schönheit aus
ihn, den Kunstkenner, ihre Wirkung nicht verfehlte. Bor allem war es das Berner Münster, das ihn besonders fesselte, und hier war es, wo er eine Deputation des Komitees, das ein internationales Reformationsdenkmal in Genf errichten wird, empfing. Diese Deputation hatte in dem Münster eine kleine Ausstellung der Modelle und Zeichnungen des Denkmals arrangiert. Der Kaiser hat bekanntlich vor kurzer Zeit erst 10 000 Mk. zu diesem Denkmal gestiftet und er versprach heute den Herren, daß er die Statue des Großen Kurfürsten, welche in dieses Denkmal dekoriert werden soll, ebenfalls aus seine Kosten nehmen wolle. Nach dieser Unterbrechung wurde die Fahrt durch die Stadt fortgesetzt. Dann begab sich der Kaiser in die deutsche Gesandtschaft, wo sich der Bundespräsident und sein Gefolge von ihm verabschiedeten. Die Bevölkerung brachte dem Kaiser überall Ovationen dar. In der deutschen Gesandtschaft empfing der Kaiser eine Delegation der deutschen Militärvereine. Im Berner Hof war inzwischen eine prächtige Tafel
Knorrs
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herocrichlet worden zu 84 Gedecken. Der Kaiser saß zwischen dem Bundespräsidenten Forrer und Bundes - rat Müller, gegenüber sah Bundesrat Hoffmann, der Chef des Militärdepartements, und der deutsche und russische Gesandte. Die Antwort des Kaisers auf die Ansprache des Bundespräsidenten war sehr treffend. U. a. sagte der Kaiser: Nach dem Willen der Vorsehung hat sich inmitten der vier benachbarten Großmächte die schweizerische Eidgenossenschaft als wohlgeordneter, allen friedlichen Bestrebungen zugewandter, auf seine Unab - hängigkeit stolzer, neutraler Bundesstaat entwickelt. Mit einügortigerNaturschönheit ausgestattet, auf militärischen, wissenschaftlichen, künstlerischen, industriellen, technischen und wirtschaftlichen Gebieten fleißig vorwärts strebend, hat der inmitten Europas gelegene schweizerische Staat allgemeine Achtung und Anerkennung sich erworben, ein großer Teil der Schweiz hält an deutschem Gei - st e s- und Gemütsleben fest, und der Austausch ideeller und materieller Güter zwischen der Schweiz und Deutschland ist in der Tat ebenso umfangreich wie natürliche — Sie verehren wie wir — um nur an eines zu erinnern — in Schiller einen N a 1 i o n a ldich- 1er, der Ihrem Volk wie kaum ein anderer aus der Seele gesprochen hat; andererseits sind die Werke Ihrer Geistesheroen, wie Gottfried Keller und Konrad Ferdinand Meyer, Gemeingut auch unseres Volkes geworden. Es ist daher begreiflich, daß die Schweiz und das Deutsche Reich bei aller Eigenart ihrer staatlichen Einrichtungen und ungeachtet der Verschiedenheit ihrer geschichtlichen Entwicklung nicht nur durch Austausch ihrer Produkte, sondern auch durch ihr geistiges Leben und Schaffen miteinander eng verknüpft in herzlicher, vertrauensvoller Freundschaft nebeneinander leben wollen. Seit bald 25 Jahren bin ich stets ein guter Freund der Schweiz gewesen und so soll es, was an mir liegt, auch bleiben.
6 Wochen lang täglich eine andere Suppe ohne Jrtühe durch )(norr-Suppen-Würfel (über 40 SorfenJ.
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Zitier »veiliven.
Roman von Karl Dl a t t h i a s.
Bd)lub) (Nachdruck verboten.)
„O, zu viel der Anerkennung," wehrte der Franzose !«verbindlicher Weise. „Welch ein Glück. Sie überstände die gefährliche Krankheit. Ich habe oft mit Bewun- tanum an das junge Dèädchen gedacht, welches ausge- Wigon war, ihren Vater zu suchen. Eine Heldeucat! Uh) Sie sind der Deutsche, den die Heldin so verfchwie- M in ihrem Herzen trug? Ich freue mich, Sie kennen $3i lernen, mein Herr," fuhr er fort, die Hand Walüe- mrs treuherzig schüttelnd. „Damals beneidete ich Sie «in den Schatz, heute beglückwünsche ich Sie, denn Vèa- dMe ist nicht weniger reizend als damals zur Zeit un- facr Reise nach dem Kriegsschauplatz der Südarmee."
„Bedanke Dich, Desiree," lachte Waldemar, seine Stillt umarmend; „eine Matrone, an der ein Viertel- jehshundert spurlos vorübergegangen, und die soeben ihl^n Söhne winkte, der an Bord der „Hohenzollern" «1$ Seeoffizier seinen Dienst tut ist eine Sehenswür- Wciit."
„Dennoch nehme ich mein Wort nicht zurück," be- 5öip tete der General. „Ein Beweis ist, daß ich Ma- bwit auf den ersten Blick wiedererkannte. In der Tat Cie lind die Mutter eines deutschen Marineoffiziers?" MiiLte er sich an Frau Tyrolt. „Das muß Sie mit ^ erfüllen, ist doch Stolz auf die deutsche Marine die Signatur des heutigen Tages."
^Ja, wir sind stolz auf unseren Sohn," antwortete Shrolt dem General, der, obwohl im schwarzen Rocke âit hem Bande der Ehrenlegion, seine soldatische Em- MMichkeit nicht unterdrücken konnte. „Ein guter Schwiegersohn bin ich aber nicht minder, wenngleich unser Sohn ein deutscher Offizier unb Papa selbst der Mwnalste aller Franzosen ist So verwischen sich all
mählich die Gegenfätze der Völker. Unser Vater hat es gelernt, die Tatsachen zu begreifen, die uns der Krieg und der darauffolgende Frieden lehrte. Im freien Lande hat er die Vorzüge beider Nationen schätzen gelernt."
„Sie leben in Lüttich?"
„Wir haben Fabriken in Lüttich und Aachen," sagte der alte Herr nicht ohne Stolz. „Bourlier et fils" heißt die Firma. Richtiger heißt sie: „et beaufils". Aber ich darf meinen Schwiegersohn nicht eitel machen."
„Ihr Sohn fiel bei Sedan, wenn mir recht berichtet worden ist?"
„Nein, er lebt noch heute," antwortete der alte Herr mit leichter Mißstimmung. Er wohnt in Paris und wurde cm Held der radikalen Feder. Wenn er erführe, daß wir,heute dem deutschen Schauspiel zusehen, er denunzierte mich und Sie nicht minder, Herr Gras, als Vaterlandsverräter und hängte uns beiden einen Spio- nageprozeß an."
„Ah, das wäre," sagte d'Alincourt, „ich bin als Militärbevollmächtigter in Holtenau."
„Gleichviel. Vtich trieb er auch sehr unkindlich durch solche Verdächtigungen aus der Heimat, zum Frommen meiner Gemütsruhe. Denn diese Streiche füHrten mich meinem Schwiegersohn in die Arme, der mein Kompagnon wurde. Nun arbeiten wir ein Vier- tekjahrhundert zusammen, und Friede und Glück sind uns treu geblieben bis auf den heutigen Tag."
„Ihr Schwiegersohn ist ein Deutscher und zu den Deutschen paßt die Treue," sagte der Graf, Desiree, welche sich an die Seite Waldemars schmiegte, mit einem
bewundernden Blick strc' ich der deutschen Treue Blut und Grauen. ®lik. sehen, die schrecklichen Tage
„Wir denken ost an sie,"
„Es gab eine Zeit, wo es war eine Zeit voll ab die, welche sie nie ge- von Sedan."
nickte Desiree schwermütig.
„Ach, nicht alle, welche treu mit uns die Gefahr teilten, konnten sich der schönen Friedenszeit freuen."
„Sie meint meine Schwester Nataly," erklärte Bourlier. „Die Teure starb bald nach dem Friedensschluß an einem nervösen Leiden."
„Und auch einen braven Mann — wenn er auch nur mein Bursche war — haben wir in Dresden begraben," fügte Tyrolt hinzu. „Er hieß Neumann und war die treueste Seele unter der Sonne. Frieden seinem Angedenken, und allen, die treu ausharrten in . schwerer Zeit, gleichviel, für welche Sache sie kämpften."
In diesem Augenblick donnerte es von allen Schiffen. Die Flottenparade war zu Ende. Die „Hohenzol- lern" wandte sich mit dem Kaiser ihrem Platze zu, wo sic bei der Bose vor Anker ging.
Aber es war der Donner des Festes, — das Zeichen, daß ein Friedenswerk zu Nutz und Frommen aller Nationen geschaffen sei, — nicht das Brüllen der Geschütze, welche Völker mordem Dem Frieden und dem Handel galt das Rollen der Geschütze, der Jubel der Seeleute, die Tonwogen der Hörner und Posaunen, der brausende Zuruf der Volksmenge, die, soweit das Auge reichte, die Ufer, die Tribünen, die Schiffe auf Föhrde und See bedeckten. Und die Sonne lachte aus heiterem Himmel auf das Fest des Vötkcrfrieöens herab; dieselbe Sonne, welche vor fünfundzwanzig Jahren über die Greuel der Verwüstung, des Hasses und der Schmerzen aufgegangen war. Die Wunden haben sich geschloffen, die Schmerzen sind vergessen, der Haß ist begraben, nur die Erinnerung ist geblieben an den Tag, der Deutschlands Macht und Größe geschaffen, den Tag von Sedan.
Ende.