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Druck der Michener Verlagsdruckerci.
t. 63
Telephon: 92t. 362.
Mittwoch, Den 7. August 1912
Telephon Nr.: 362.
24. Jalmi
Deutschland und Frankreich.
von K i d e r l e n - W ä ch 1 e r, der Staats - _ Pi >cs Auswärtigen Amtes, hat sich während sei- ^^MSufenthattes in Bissingen wiederholt mit dem Re- -iir Georges Bourdon vom Pariser „Figaro" über Hc Politik unterhalten und dabei sich sehr ein- ZU der Frage der deutsch-französischen ^^l-sic h u n g e n geäußert. Es ist wahr, daß Deutsch- lÜlMk! ai1b Frankreichs Interessen in der Welt kaum ir- oo auseinander stoßen, und es ist nicht ganz un- raße 30L ^^ wenn Herr v. Kiderlen aus die Türkei ver- tât^ —' ^0 Deutschland und Frankreich beispielsweise ein ltt,- kommen gehen versuchen könnten. Dabei würde M) auch nicht mit seinem russischen Verbündeten derstraßti^sijf^ geraten, die gerade in der Orientsrage dro- renn Frarrkreich die englischen Interessen verfolgt. ^MMMijn Teil sehr geschickten Aeußerungen des Herrn lid'rlen-Wächter und die von aufrichtigem Wollen 861. ®|. Wm Begleitworte des französischen Publizisten
*tn gewiß ihr Teil dazu beitragen, Mißverständ -
pi beseitigen und ein freundlicheres Verhältnis zwi- MMkk ^utschland und Frankreich anzubahnen. Aller-
mitten.
H nicht zu vergessen, daß der durch ein halbes
trafjt 9 p.
------hundert großgezogene Revanchegedanke noch stets ^lyf tr aufgeflammt ist in den Volksleidenschaften, wenn -------dreier sich auf die Boulevards stellte, v. Kider-
^âjler drückte das aus eine Frage, warum wir H Soldaten jährlich mehr einstellen, wenn wir paÄmi ^ England bedroht fühlten, so aus: „Gesetzt den daß wir in einen Krieg gegen die Eng-
>81.
. ^ ^ t verstrick 1 feien, kennen Sie dann in Frank- Regierung, die, und wollte sie es auch, im= .50 Mk. i wäre, länger als drei Stunden dem Volks- ithof bei 2 u wider st ehe n, der das Land an die treiben würde ?"
la s ist die Gefahr, die wir immer, trotz aller Wiw «inmal sich anbahnenden freundschaftlichen Be- .. feen zu Frankreich, im Auge behalten müssen.
JSW&ul.
Wilhelmshöhe eingetroffen; er wurde von der Kaiserin, der Prinzessin Vittoria Luise und dem Prinzen Joachim begrüßt. Ferner waren zugegen der kommandierende General des 11. Armeekorps, Freiherr von Schefser-Boyadel, mit dem Generalstabsches. Auf der Fahrt zum Schlosse Wilhelmshöhe wurde die kaiserliche Familie von einem zahlreichen Publikum stürmisch begrüßt. Am Mittwoch wird der Kaiser in Wilhelms - Höhe bleiben, in der Nacht zum Donnerstag wird er in Begleitung des Prinzen Joachim im Sonderzug nach Villa Hügel bei Essen fahren, wo die Ankunft 8 Uhr morgens erfolgt. Der Gesamtausenthalt des Kaisers auf Schloß Wilhelmshöhe wird voraussichtlich bis Ende dieses Monats dauern, wo sich der Kaiser nach Berlin begibt, um hier am 1. September die große Herbstparade abzunehmen. Anfangs September tritt der Kaiser dann die Reise nach der Schweiz an.
* Der deutsche Kronprinz hat Montag nachmittag auf seiner Reise nach Hopfreben dem Prinz-Regenten einen Besuch in Hohenschwangau abgeftattet.
* Der Reichskanzler hat sich von Hohen - sinew zum Vortrag beim Kaiser nach Swinemünde begeben.
* Der deutsche Botschafter Frhr. o, Marschall ist von London nach Deutschland abgereist.
* Die Königin von England wird am 14. August zum Besuch der Großherzogin von Mecklen- burg-Strelitz in Neustrelitz nach Deutschland reifen. Auf der Rückreise beabsichtigt die Königin, sich auch auf ein oder zwei Tage in Berlin aufzuhalten.
* Eine Vorberatung zu der für den Spätherbst d. Js. in Aussicht genommenen deutsch-englischen Verständigungskonferenz fand in Bad Homburg v. d. H. statt. Den Vorsitz führte der vom englischen Komitee zum Präsidenten der Konferenz gewählte Sir Frank Lascelles, der frühere englische Botschafter am deutschen Kaiserhof, der seit einer Reihe von Jahren ein ständiger Besucher Homburgs ist und auch gegenwärtig wieder zur Kur dort weilt. Es wurde endgültig beschlossen, die Verständig-
Bei der R e i ch s 1 a g s e r s a tz w a h l im Wahlkreise Niederbayern 4 (Pfarrkirchen) erhielt der Landwirt Bauer (Bayerischer Bauernbund) 8G50 stimmen, der Landwirt und Bürgermeister Gerauer (Zentrum) 5798 Stimmen, 12 Stimmen waren zersplittert. Bauer ist somit gewählt.
* Gutem Vernehmen nach wird die angekündigte neue Rlaßnahmc der Bundesregierung für Vetera- n e n - U n t e r st ü tz u n g eine Zentralisierung der Veteranenfürsorge bringen, um die beklagenswerten Vorgänge für alle Zeit zu verhindern. Ob dabei auch gleichzeitig eine Erhöhung der Beihilfe für die Veteranen eintritt, ist noch nicht bekannt geworden.^
* Eine Renten-Statistik. Nach einer im Reichsversicherungsamt gefertigten Zusammenstellung beträgt die Zahl der seit dem 1. Januar 1891 bis einschließlich 30. Juni 1912 von den 31 Landesversicherungsanstatten und den 10 vorhandenen Sonderanstalten bewilligten Invalidenrenten 2 043 354.
England.
London, 5. Aug. Das Kriegsamt ernannte ein Komitee, das aus Offizieren und Sachverständigen Zusammengesetz ist, um die Ausnützung der neueren Entwicklung der drahtlosen Telegraphie für die Bedürfnisse der Armee zu beraten.
nach
Frankreich.
* Paris. Ministerpräsident Poincare Rußland abgereist.
Serbien.
* Belgrad, 5. Aug. Der im Bade Koviljaca weilende König Peter, der an Arterienverkalkung leidet, erlitt gestern einen leichten Ohnmachtsanfall, von dem er sich indessen bald erholte.
t, Bonn iges Muster-; 10.
Politische Rundschau
Deutschland.
^v^* ' Der Kaiser ist Dienstag abend llon Swinemünde kommend, auf dem
iten Ne
um 10.50 Bahnhöfe
ungskonferenz in der Zeit vom 30. Oktober bis vember in London abzuhatten und folgende stände zur Verhandlung zu bringen:
1. Förderung der Länder;
2. Wirtschaftlicher
gegenseitigen Kenntnis der
1. No-
Eegen-
beiden
3.
4.
5.
Die Presse; Unverletzlichkeit in Kriegszeiten;
Wettbewerb;
des privaten (Eigentums zur See
Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären auf kolonialem Gebiet.
Türkei.
* Konstantinopel, 6. Aug. Ueber Konstantinopel wurde der Belagerungszustand für 42 Tage verhängt, weil die Regierung erfahren hatte, daß das Komitee unter seinen Mitgliedern Waffen verteilt hat.
* Die Türkei hat sich kaum je in einer so verzweifelten Lage befunden wie heute. Krieg mit Italien, bedrohliche Haltung Montenegros. Serbiens und Bulgariens, Aufstand in Albanien, Spaltung im Offizierskorps, erbitterter Kampf zwischen Ministerium und Parlament, bezw. der jungtürkischen Partei,
ppenflecMt .
süße.
unter Feinden
Roman von Karl Matthias.
I ^ u. (Nachdruck verboten.)
Aderbeint- BLg Hötte mir leid getan," entgegnete dieser. ,So le , I ich gezwungen gewesen, bis zum Aberrö die Gast- des Schloßherrn in Anspruch zu nehmen.
Ehe noch Wab cnds muß ich wieder hier sein. Richten Sie £zt!. cnipl ach ein."
"^Sbß 0U recht." versetzte der Rosselenker, „aber jetzt . vir los, es wcht barbarisch kalt, und die Land- i ist auch nicht besonders sicher. Ich habe hinter
^'m-a kLloßmauer drei bewaffnete Kerle gesehen." "èespensterfurcht am hellichten Tage," schalt der Fahren Sie zu! Nach dem Dragon d'Or.
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Dresden- 1 A^*
le den Wun'ch, allein zu sein."
war ihm unmöglich, nach dem, was er erfahren, $110 unter den Kameraden zu speisen. Er wollte
^t É& Schmerz austoben lassen, er mußte ungestört können, wenn er nicht selbst den Verstand ver- § wollte.
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8siree, feine geliebte, kluge Desiree wahnsinnig, Lr geistesgestört, dem Tiere gleich? Es war ent- unfaßbar, fast schwerer zu ertragen als die To- Mrtcht.
&rn abend hielt es ihn im Zimmer nicht mehr, ^lembertp achtlos durch die Straßen unb begegnete «Esplanüde dem Leutnant Baldreich.
èln, Freundchen, sieht man Sie denn gar nicht rief ihm dieser schon von weitem zu. „Wir er=
«ten Sie mit Sicherheit zum Mittagessen."
war nicht in gesellschaftlicher Laune, entfchul- l§K" sagte Waldemar trübe.
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ilSr Sie haben sie also nicht gefunden?"
(im "' MOnben schon, aber nicht gesehen und gesprochen.
9 I Alg i nochmals hinaus." _ ___^ ^^â^.
„Zu dem unheimlichen Gesellen? Ich wüßte mir einen besseren Gastfreund."
„Er empfing mich liebenswürdig und versöhnlich, und versprach mir, mich abends zehn Uhr mit seiner Schwester, meiner Braut, zusammenzuführen."
„Warum nicht gleich, wenn sie anwesend war?"
„Das — kann — ich Ihnen nicht sagen," antwortete Waldemar schmerzlich bewegt.
„Hm, hm," brummte der Bayer, „warum aber bei Nacht und Dunkelheit? Weshalb scheut der Bursche das Tageslicht?"
„Auch hierauf muß ich Ihnen die Antwort schuldig bleiben/ versetzte Waldemar mürrisch.
„Ah, Sie glauben, ich sei neugierig," fuhr Herr Vald- reich fort, an der Seite des sächsischen Offiziers dahin- schreitend, indem er mit bayerischer Offenheit bemerkte: „Ta befinden Sie sich bedeutend auf dem Holzwege. Ich traue dem Spitzbuben nicht. Ein Mädchen erst beim Lampenschein, wie eine geschminkte Balltänzerin vorzuführen, hat gar keinen Sinn. Indessen, Sie sind ein freier Herr. Gehen Sie, aber nehmen Sie eine Patrouille, wenn ich Ihnen raten kann."
„Ich werde allein gehen, ich habe es versprochen," antwortete Waldemar, unzugänglich für jeden guten Rat. „Behüt' Sie Gott, Kamerad, und vielen Dank für meinen Empfang und Ihre Freundlichkeit."
Er ging. Baldreich blickte ihm kopfschüttelnd nach.
„Sie sollen von meiner Freundlichkeit noch mehr entzückt werden, Herr Kamerad," sagte er lachend, „ich hab' 'ne Idee, und die führ' ich aus. Schau'n wir mal, was der Herr Kommandant dazu meint." Er ging geradewegs nach der Kommandantur und begab sich von dort mit sehr vergnügtem Gesicht nach der Infanterie- kaserne. . .
Waldemar verließ Sedan nach Dunkelwerden. Er fuhr mit seinem Wagen bis zur Parkmauer. Dort ließ er halten und begab sich, nachdem er dem Kutscher bedeutet hatte, er möge ihn um Mitternacht wieder abholen, zu Fuß nach dem Gartentor. Er fand es nur angelehnt. Seinem Eintritt stand nichts im Wege, aber niemand erwartete ihn. Rasch durchschritt er das Rondel. Als er die Verandastufen Hinaufstieg, hörte er deutlich das Gartengitter schließen. Es mußte also doch jemand auf seine Ankunft gepaßt haben. Die eigentümliche Maßnahme beunruhigte ihn nicht. Er war ja mit Säbel und Revolver wohl bewaffnet. In der Villa war Licht. Man erwartete ihn also. Mit schnellem Griffe öffnete er die Türe, durchschritt das dämmerige Vestibüle und befand sich Olivier gegenüber.
Dieser stand aufrecht zwischen zwei stämmigen Burschen, welche in Livreen gekleidet waren, die aber gar nicht zu den trotzigen, wilden Gesichtern paßten.
„So wären Sie also wirklich gekommen?" sagte der Hausherr, nachdem er höfliche Grüße mit seinem Gaste gewechselt hatte. „Ich biete Ihnen nicht erst Platz an. Ich bin bereit, Sie zu Desiree zu führen."
„Sie kommen mehren Wünschen zuvor," sagte Waldemar, ganz von dein Verlangen, die Teure wiederzusehen, in Anspruch genommen, so daß er für das Eigentümliche der Situation gar keine Aufmerksamkeit hatte. „Gehen wir sogleich!"
„Meine Schwester schläft, wie ich vorhin gesagt. Wir finden sie im Erkerzimmer links. Sie kennen es ja und auch den Weg dorthin. Bitte, nehmen Sie die Leuchter und gehen Sie voraus. Ich folge Ihnen, meine Diener werden mich unterstützen."
Waldemar fand diese Anordnung natürlich und handelte nach ihr ohne Bedenken. Als er die Tür auf- stteß, da er keine Hand frei hatte, trat ihm eine zitternde Greisengestalt entgegen. v ^ (Forts. folgtl