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KZ M. 45

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Telephon: Nr. 362.

Mittwoch, den 5. Juni 1912

Telephon Nr.: 862.

24. Jahru

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Politische Rundschau.

Deutschland.

^^ Berlin, 4. Juni. Der Kaiser stattete gestern

und eingehender Aussprache eine Resolution einstimmig zur Annahme, wonach die Umwandlung der Po­sener Akademie in eine Universität warm be­fürwortet wird.

1 aÄckttag dem Bildhauer Pros. Martin Wolfs in |h-iuiin Atelier einen längeren Besuch ab, um dort das n Wilhelmshaven bestimmte Coligny-Denkmal in Au­

cn^ein zu nehmen. Das Denkmal, das in den An- igun vor bem Siationskommando in Wilhelmshaven luWlung finden soll, stellt den Admiral in reich ge- hnriidlcr spanischer Rüstung dar. Es ist nach einer Sehnung des Kaisers entworfen, und hat eine Höhe um 6 Metern, wovon auf die Figur 2,70 Meter ent= ilkn.

ID. ' Berlin, 4. Juni. Aus dem Spandauer Ar- Te ilciebepot sind Zeichnungen gestohlen worden; es han- elt sich um einen Spionage-Fall.

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)gg* 5 D a r m [t a b t. Am Montag tagte hier die Frak- des Hess. Bauernbundes unter bemVor- Wtz des Abg. Brauer, um zu der Regierungsvorlage, ctr das Beamtenbefoldungsgefetz, nochmals Stellung u nehmen. Nach eingehender Aussprache beschloß man Akins immig, an dem früheren Standpunkt sestzuhallen ^|)/nbi die im Finanzausschuß bisher eingenommene Stel­l'na auch weiter einzuhalten. Man lehnte die Regier- ingpMrlagc in der jetzigen Gestalt mit der Steuererhöh- ingi entschieden ab, bis auf eine Anzahl der von der

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iegjerung gemachten Deckungsvorschläge, gibt aber dem Kunsch Ausdruck, daß diese Deckungsvorschläge baldigst ur Verabschiedung kommen. Man ist bis zur Vorlage ine! endgültigen Besoldungsordnung für eine einmalige lichn pensionsfähige Zulage für 1912.

' Der Finanzausschuß der Zweiten Hessi- cheu Kammer wird nunmehr die Beratungen über die

Oesterreich.

* I m ungarischen 2lbgeorbneien = hause haben sich am Dienstag Skandalszenen ereignet, wie sie in der Geschichte der Parlamente bis­her kaum vorgekommen sein dürften. Der Präsident des Hauses Gras Tisza hat mit eiserner Energie und mit Hilfe der bewaffneten Macht die Obstruktion der Oppo­sition, die so lange Zeit jede ersprießliche Tätigkeit des Parlaments unterbunden hat, niedergerungen. Unter furchtbarem Lärm wurde das Wehrgesetz in erster, zweiter und dritter Lesung angenommen. Gleichzeitig wurde das Gesetz an das Magnatenhaus geleitet und auf die Tagesordnung der Nachmittagssitzung des Ab­geordnetenhauses die Debatte über die Landwehrgesetze gestellt. In der Nachmittagssitzung erreichten die Lärm- und Skandalszenen den Höhepunkt. Vor dem Parla­mentsgebäude waren größere Truppenmassen zusammen­gezogen. 120 Polizisten erschienen im Sitzungssaal und beförderten die sich heftig sträubenden Abgeordneten der Opposition, 37 an der Zahl, aus dem Saal. Die Ma­jorität erklärte sich mit dem Vorgehen des Präsidenten Tisza, der niemand zu Worte kommen lieh, vollständig einverstanden. Die Opposition beschloß, eine Eingabe an das Magnatenhaus und an den Kaiser zu richten, man möge die Beschlüsse für ungesetzlich erklären. Gleich­zeitig sollen Protestadressen an sämtliche Parlamente der Welt gerichtet werden.

In Lüttich begannen die Unruhen mit der Zer­trümmerung der Fenster des Jesuitenklosters. Die Un­ruhestifter erhielten dann Verstärkung durch die Arbeiter dreier Fabriken aus Hersdaal, die wegen der Wahler­gebnisse streikten. Diese zogen vor das Vereinshaus der Katholiken, zerschlugen die Fassade und rissen die als Siegeszeichen gehißten Fahnen herunter. Die P o l i - zeimann schäften wurden überwältigt und entwaffnet. Das gleiche Schicksal widerfuhr der Bürgergarde. Jetzt wurden reitende Gendarmerie und eine Schwadron Ulanen mobil gemacht. Barrikaden wur­den aufgerichtet und es entwickelte sich ein regelrechter Straßenkamps, wobei sowohl aus der Menge, sowie aus dem sozialdemokratischen Volkshause geschos­sen wurde. Daraufhin feuerten auch die Gendarmerie und einige Soldaten namentlich in die Fenster des so­zialdemokratischen Volkshauses, aber auch in die Menge. Erst nach Mitternacht gelang es einer zweiten Schwa­dron Ulanen, von den Regimentern der Gardeschützen und der Bürgerwehr unterstützt, die Aufrührer zu zer­streuen. Während der Kampf hin- und herwogte, wur­den die Schwerverwundeten durch die Straßen in die Hospitäler geschleppt. Drei wurden bereits'1 oi einge­liefert, zwei Brüder, 30 und 33 Jahre alte Arbeiter, hatten tödliche Schüsse in den Kops erhalten, ein an­derer Arbeiter starb nach der Einlieferung infolge eines Schusses in die Brust. Fünf andere Männer sind so schwer verwundet, daß sie nicht wieder auskommen dürf­ten. 17 Personen liegen außerdem mit gefährlichen Ver­letzungen durch Schuß- und Hiebwunden in den Hospi­tälern. Nach Tausenden zählen die verwun­deten Personen. Das Pfhaster ist mit Blut besudelt und mit Trümmern übersät.

Beaunlenbefolbungsoorlagc fortsetzen.

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1 W o r m s. Freiherr v. Heyl hat in derFrks. jtg' erklärt, daß er weder direkt noch indirekt Schritte ,iir Wiederaufnahme in die nationalliberale Partei un-

ein Immen habe. DerWormser Zig." wirb bezüg- Oikt) der Anstellung eines nationalliberalen Parteisekre- lârsi in Hessen von zuständiger Seite mitgeteilt, daß es ich ,mr um eine private Anstellung" handele, mit wel­cher Lache der Landesausschuß der Partei nichts zu tun hi bl!.

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' Berlin. Der 1. Staatsanwalt beim Land - Serwill Berlin 1 hat die von den sozialdemokratischen fogporbneten Borchardt und Leinert gegen den Polizeileutnant Kolb und vier Schuuleute, die Mn sie am 9. Mai im Sitzungssaals des Abge- ordnestnhauses vorgingen, erstattete Anzeige zurück- Beniesen.

, 'Posen. Im Nationalliberalen Verein zu Po- iS»^[en lern nach einem Referat des Pros. Dr. Lehmann

Belgien.

* Brüssel, 3. Juni. Das Ergebnis derKam- merwahlenist eine endgültige Niederlage der Liberalen. Der Sieg der Regierungspartei ist grö­ßer, als sie selbst in ihren kühnsten Erwartungen ge­hofft hatten. Soweit sich die Ergebnisse bisher übersehen lassen, dürfte sich die Zusammensetzung der neuen Kam­mer ungefähr wie folgt gestalten: Von den 186 Sitzen werden 101 von den Klerikalen, 45 von den Liberalen und 39 von den Sozialisten eingenommen werden. Au­ßerdem gehört der Kammer ein christlicher Demokrat an. Die Regierungsmehrheit wird 16 Stimmen betragen.

* Der Ausfall der Wahlen in Bel­gien hat am Montag zu schweren Unruhen geführt. Während in Brüssel nur vereinzelt Zusam­menstöße zwischen den in Gruppen von Hunderten brül­lend umherziehenden Demonstranten und der Bürger - garde, die alle Hauptkreuzungspunkte der Stadt besetzt hält, stattfanden, wobei lediglich Fenster eingeschlagen wurden, gewannen in Lüttich und Verviers die Krawalle verhältnismäßig große Ausdehnung.

England.

* London, 4. Juni. Kriegsminister Lord Hal- dane ist gestern hier von seinem Ausfluge nach Deutsch­land wieder eingetroffen.

Türkei.

* Konstantinopel, 4. Juni. Die italienische Flotte kreuzt vor den Gewässern von Smyrna. Wacht - posten sind am Eingang des Hafens ausgestellt, um die Bewegungen der italienischen Schiffe zu beobachten.

Konstantinopel, 4. Juni.

Marschall, der gestern von Konstantinopel abgereist ist, wird zunächst eine Woche auf seinem Gut bei Freiburg zubringen unb dann nach Berlin kommen, um sich beim

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Unter Feinde«.

Formn von Karl Matthias.

| (Nachdruck verboten.)

- Liese hatten das Gehölz bei Sara» klar gemacht, Mr das Dorf selbst, unterstützt von der Arttllerie, und Me Franzosen hinausgetrieven. Die tt waren bestimmt, die Fliehenden aufzunehmen A tabi fitz den audringenden Bayern als ausgeruhte " Itawn in den Weg zu stellen.

JBet Martin stießen beide HeeresabteiUmgen rnfam- ier hielt bas Gehöft, welches etwas abseits

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:8tt«b ab. Solange nur Metnfeuer seine Stellung pete, hielt er qM; ÄS seine Position aber in ein eilet von Vâ8ätschen kam, folgte er bem allge- ir. ----m Rückzug, um nicht abgeschnstten zu werben, iflii " ras L bayerische Regiment satz 6« 2. Kompanie Lli. tet: 204et dicht aus den Hacken. Vergebltch verschanzte *^.ber Oberst Trepillon abermals hinter den Mauern Sab^ken und hinter den Wällen der Gasanswkt. Gasometer gingen in die Luft, ^^w preußischen rasierten die Mauern der Fabriken und diese

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"«-»^seinem Befehlshaber, Oberstleutnant von 2h unwiderstehlich fortgeführt, gelangte das 1. Mtnent in die Stadt und drang, die ZollArrier«^ um- », bis zum Marktplätze vor. Die Äser bildeten S«*«^ .

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gen. Bourlier und fein Leutnant Periflier, sowie 20 Mann der Kompanie, wurden dadurch vom Regiment abgeschnitten und gerieten in ein Kreuzfeuer. Ersterer wollte sich in die nächststehenden Häuser werfen, fand aber die Türen fest verschlossen.

»Ergebt Euch!" rief der Oberstleutnant von Heim- leth dem kleinen Häuflein Franzosen zu. Bourlier, der sich auf einen Vorbau des nächststehenden Hauses zu­rückgezogen, stieß ein Hohngelächter aus und richtete feinen Revolver gegen den Offizier zu Pferde. Aber ehe er abdrücken konnte, erhielt er eine Kugel in die Schulter und einen BÄtopetthteb über den Schädel, daß er blutüberströmt zu Höbest sank. -

zu sich kam, lag er mit anderen schwer Verwundeten auf einem Karren, der im Dorfe Miurgneuf hielt. Man hatte die noch Lebenden in den Straßen von Orleans aufgelesen und zum Verbinden nach den rückwärts liegenden Ambulanzen geschickt.

Bourlier war verwundet, gefangen, in der Gewalt des verhaßten Feindes. Sofort erkannte er die entsetz­liche Tatsache seiner Lage. Er betastete M, seine Stirn war bandagiert, sein rechter Arm gleichfalls. Mit dem Bewußtsein kehrte auch ein entsetzlicher Schmerz in seinen Kopf, ein viel fürchterlicherer in seinem Her- ^ stein' ich will nicht leben!" rief er verzweifelnd, indem er die Binde von seiner Stirn ritz, daß ihm das Blut über das Gesicht floß. »Eher tot als gefangen! Was soll ich noch hier? Alles ist dahin ich bin ent­ehrt, ein Spott meiner Gegner."

Da richtete sich neben ihm eine Gestalt auf, und ein bleiches Gesicht glotzte ihn mit erloschenen Augen an.

»Warum schreien Sie so, Verehrtester, und reißen sich das Tuch vom Kopf? Zu Ende geht es darum doch nicht Die Prusfiens binden Ihnen den Schädel wieder ein un» die Hände auch, Safe Sie sich nicht rühren kön­nen. Heidi, es geht in die Gefangenschaft.

Freiherr von

Kaiser zu melden. * *

Nord-Amerika.

* Washington, 4. Juni. Präsident Tast sandte an Kaiser Wilhelm folgendes Telegramm:

»Machen Ste'S, wie ich es getan habe. Reitze» «e aus. Ich kann^S lewer nicht mehr. Man hat mir beide Beine abgeschnitteu.â

Es war Oberst Trepillon, der also sprach. Bonr- lier wurde es blutig rot vor den Augen,' sein Herr stand sttll, und stöhnend sank er zurück, immer daS blei­che, verzerrte Gesicht in Erinnerung, bis tiefe Nacht seine Sinne deckte. AlS er wieder zu sich kam, rumpelte der Wagen durch einen Wald. Der Mond schien durch die Zweigen ndbeleuchtete spärlich die schmerzensreiche Gesellschaft. Aber so viel auch Bourlier nach dem am- putterten Kameraden suchte, er war verschwunden.

»Wir haben ihn in Bourgneus aurfldgelaffat/ sagte der deutsche QrzarettgehUfe, den den Karren beaus- sichtigte, »wird wohl schon in der Grube sein. Glücks licher Kerl, waS hätte er ohne Beine ansangen könnenV

xvn.

Die Briefe, welche Herr Deverenr in Sedan an feinen Klienten Bourlier in Bordeaux geschrieben hatte, waren sämtlich als unbestellbar zurückgekommen. Dadurch wurde der Auftrag des Fabrikanten, das Schloß und die Fabrik bei Bazeilles zu verkaufen, hinfällig, da die Unterschrift des Besitzers nicht zu n- halten war. Auch Desirees Briefe hatten dasselbe Schick­sal. Vergeblich waren ihre Nachforschungen durch die Post. Bei Herrn Malvezin war der Vater nur ein­mal gewesen und hatte dort Geld deponiert. Damit ver­lor sich jede Spur.

Desiree ertrug die Ungewißheit nicht länger. Ihre Seele lechzte nach Versöhnung mit dem Vater. Hinter dieser Sehnsucht verschwand alles, was ihr Herz sonst erfüllte; der Geliebte, welcher sich auf dem Wege voll­kommener Heilung bei seinen Eltern befand,' die Tante, für die sie sonst in dankbarer Zuneigung sich gern auf­opferte,' der Bruder, um den sie bisher tief und innig getrauert hatte. (»Ä f^U