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Nr. 71

Telephon: Nr. 362.

'Die 9Jioalinnen. Aus bem Gaueilanb.

Der Kaiser in der Schweiz.

Berlin, 2. September. Der Kaiser ist um ^ZO Uhr abends zu den Manövern nach der Schweiz greift. Mit dem Kaiser fuhren Fürst Fürstenberg, 1 emialoberst von Plessen, Oberhofmarschall Graf EU- r^urg.

Um 3,31 Uhr verkündeten Kanonenschüsse die An- nj{ des kaiserlichen Sonderzuges in Basel. Um 3,33 hl suhr der Zug in den Bundesbahnhos ein. Sobald l Zug stillstand, verlieh der Kaiser, der die Uni- n- der Gardejäger trug, den Wagen und wandte I an die ihm bekannten Herren, woraus die Vorstel- inq der Anwesenden vor sich ging. Der Kaiser untere elt sich zunächst mit dem Bundesbahnendirektor Zingg ui) den Mitgliedern der Baseler Regierung, ebenso mit tu Ossizieren, insbesondere mit dem Obersten Sprecher . Vcrnegg. Vor der Verabschiedung sprach der Kaiser M Baseler Regierungsräten seine besten Wünsche für »5 Gedeihen der Stadt Basel aus. Um 3,45 Uhr ihr der Zug, in dem auch Generaldirektor Zingg und e drei schweizerischen Offiziere Platz genommen hatten, Zürich weiter.

Am Bahnhof Zürich hatten sich Tausende er- arhmgsüoncr Zuschauer eingefunden. Um % 5 Uhr ig mit klingendem Spiel die 3. Kompagnie des Schüt- nbalaillons Nr. 6, welche den Ehrendienst stellte, uru t Hauptmann Moser an. Gegen % 6 Uhr wurden >e Bajonette aufgepsl'anzt, ein begeistertes Rufen er- bwk Bundespräsident Forrer kam angefahren. Er tGühte dort zunächst den deutschen Generalkonsul von Wch, Faber-Düsour, sodann den Frhrn. v. Kleist, der ii der Uniform der Potsdamer Garde-Husaren erjchie- ßn war.

las traditionelle Wort vom Kaiserweiler auch für die Schweiz gelten, den 'urz vor - An- bch des Kaisers trat aus dem bewölkten Himmel die Senne hervor. Dann noch einige kurze Augenblicke und ier Hoszug fuhr langsam unter den KlängenHeil Dil im Siegerkranz" in den Züricher Bahnhof m Ihm entstieg zunächst der deutsche Gesandte in Zen von Bülow, dann der Kaiser, der sehr wohl i»|ah, in der Uniform der Potsdamer Gardejäger, beschritt sofort aus den Bundespräsidenten Forrer zu M begrüßte ihn herzlich. Dieser stellte ihm dann

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I Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

(Nachdruck verboten.)

Bourlter drehte dem Quäler den Rücken zu. Er Mr entschlossen, die Ursache dieses auffallenden Be- tvhmens zu erforschen, ließ einen Wagen anspannen ob fuhr nach der Stadt, geradewegs zu Herrn Murlit- lm, dem früheren Maire. Der Mann ließ sich vcrleug- m, Prevendaux, einst der treueste Freund, gleich- M.

Bourlier bebte vor Entrüstung, er fuhr zu seinem Aürokaten. Devereux mutzte Stand halten, denn noch Dar Bourlier sein Klient.

Ich kann Sie nicht mehr besuchen," sagte der An- mlt kühl,wenigstens nicht als Freund, da es bekannt Morden ist, daß Sie es mit dem Feind halten."

Welch' eine unsinnige Beschuldigung!"

Nicht so ganz. Man hat erfahren, daß Sie in Tres­en eine Ausnahmestellung unter den Kriegsgefangenen Men. Sie wohnten in einer bequemen Billa, hatten exquisite Verpflegung, vollkommene Freiheit. Das mutz Mrdacht erwecken."

Ich verdanke diese Vorzüge meinem ehemaligen Dhmiegersohne." _

Dem Todfeinde Ihres Sohnes," ergänzte Teve- cvn^mit beißendem Hohn.Sie hätten stch's überlegen sollen die kompromittierende Güte anzunehmen. Ohne Gegenleistung ist das nicht. Daß Sie diese Gegenleistung bereits ins Werk setzten, ist erwiesen, ete lieferten durch tinen Mittelsmann den Teutschen topographuche Be- scheibungen unserer Umgebung und Festungswerke, ja MWndige Karten, die Sie eigenhändig verbetzerten. Können Sie das leugnen?" t , . . . , Zum Teufel, nein. Mir wird doch ein Briefwech­sel rnit meinen Freunden erlaubt fein. Wo ist das un- Hll Sedan ist den Deutschen, die noch heute die

Mittwoch, den 4. September 1912

den Bundesrat Hoffmann, den Chef des Militärdepar- temcnls, vor. Nach der gegenseitigen Vorstellung des Gefolges der Kaiser begrüßte jeden einzelnen in sei­ner gewinnenden herzlichen Art schritt er bei klingen­dem Spiel die Front der E h r e n k o m p a g n i e ab, von der Menge mit großem Jubel begrüßt, welcher kein Ende nehmen wollte. Den ihn verfolgen­den Photographen winkte der Kaiser sreundlich zu, ihres Handwerks nur ruhig zu walten und er stellte sich mit dem Bundespräsidenten sogar extra zum Photographie­ren auf. Unter tosendem Jubel trat er dann die Fahrt durch die Stadt in die Villa Nieter an.

Zürich, 3. Sept. Abends % 8 Uhr fand Tasel zu 36 Gedecken im Hotel Baur au Lac statt. Bei der Umfahrt um das Hotel wurde der Kaiser von der ver­sammelten Menge mit Hochrufen begrüßt. Bei der Ta­fel saß vom Kaiser rechts der Bundespräsident For­rer, links der Bundeshauptmann und Chef des Mili­tärdepartements. Nach der Tafel trat der Kaiser auf die offene Veranda heraus, um ein Ständchen anzu­hören, das ihm der Männergesangverein Zürich und die Harmonie, die als die besten Gesangvereine gelten, durch einige imposante Ehöre darbrachten. Sie hielten es für eine Ehrenpflicht, dem Gäste des Landes Zeug­nis von echt schweizerischer Gesangskunst abzulegen und Dabei das Hauptgewicht auf das Volkslied zu legen. So gelangten u. a. unter Leitung der Dirigen­ten Faßbender und Andreae der Schweizer Psalm, Das weihe Kreuz im roten Feld" und ein Dialettlied von Huber, betiteltLueget vo Berg und Tal" zum Vertrag, das dem Kaiser sichtlich große Freude berei­tete. Er lieh sich nach dem Ständchen vom Stadtprä- sidenten (Bürgermeister) Billeter die Dirigenten und Präsidenten der Vereine vorstellen und sprach ihnen sei­nen Dank und seine Hochachtung aus. Dann verab­schiedete sich der Kaiser vom Bundespräsidenten und sei­ner Umgebung und begab sich in die Villa Nieter zu­rück.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der Kaiser nahm in Gegenwart des katser- lichen Hofes und zahlreicher Fürstlichkeiten die große Herbstparade über das Garde- und 3. Armeekorps ab. An der Parade beteiligten sich 50 000 Mann. Während

Festung besetzt halten, besser bekannt, als unserer Ar­mee. Jene haben wahrlich Zeit genug dazu gehabt, ihre Karten zu ergänzen. Ich unterstütze nur einen Privat­mann bei Herausgabe eines Prachtwerkes."

O nein, Sie trieben Landesverrat, Herr Bourlier! Jeder weiß es in der Stadt, und kein Patriot kann fer­ner mit Ihnen verkehren."

Ihr seid verrückt!" schrie Bourlier.Mich wollt Ihr verdächtigen, da ich für Frankreich mein Leben ein- setzte, während Ihr die Hände furchtsam in den Schoß legtet? Ich habe bewiesen, daß ich ein Patriot bin Ihr aber seid feige Spießbürger, die mit hämischer Po- litf. glauben, das längst verlorene Vaterland zu retten. O über diese Dummheit und Erbärmlichkeit! Wer ist der Spion, den Ihr hinter mich hergehetzt habt?"

Devereux zuckte die Achseln.

Ich denke nicht daran, den Mann zu verraten, der uns Wohlgesinnten den unschätzbaren Dienst geleistet hat, Ihre verräterischen Umtriebe aufzudecken."

Nun denn, so werde ich ihn selber finden!" rief Bourlier.Ihnen aber, verehrter Herr, entziehe ich die Vollmacht, mit der Sie mich zu Gunsten meines Soh­nes schädigen, und bitte mir in acht Tagen vollständige Rechnungslegung aus. Wir sind fertig miteinander."

Nach Hause gekommen, kündigte er seiner Tochter an, daß sie sofort nach Brüsiel abreisen. Seine Schwester verlangte unaufhörlich nach Desiree und er wollte freie Luft in Sedan haben er war entschloffen, den Kanipf mit der Gemeinheit und dem schleichenden Ver­rat aufzunehmen. Sein Verstand sagte ihm, daß nur Olivier, der seine Briese gesehen, vielleicht auch gelesen hatte, der Spion und Verleumder gewesen sei. Er haßte iT. wie er ihn einst geliebt hatte.

Gim Auseinandersetzung vermied er. Der brave Sohn hätte ja doch geleugnet. Er beschloß, ihn härter zu treffen. An demselben Tage schrieb er zwei Briefe, einen an Petzold und einen an Waldemar Tyroltt der in

Telephon Nr.: 362. 24:. ^d^O.

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des militärischen Schauspiels kreuzten zwei Lemballons und 12 Flugzeuge in den Lüsten über dem Tempel - hoser Paradeseld. Nach der Parade beglückwünschte der Kaiser die Gewinner der Kaiserschiehauszeichnungen zu ihren! Erfolge und verlieh dem Pionierbataillon von Nauck (Brandenburg. Nr. 3) die Büste des Generals der Infanterie von Rauch.

* Die Herbstparadefestlichketten wurden mit einem Feldgottesdienst, einer Parade der Truppeuabordnun- gen und einer Veteranenparade eingelettet.

* Berlin. An der Berliner Herbstparade nah­men 2 Lenkballons und 10 Flugzeuge teil.

* Der Kaiser hat amtlich den Wunsch zu er­kennen gegeben, daß etwa in Aussicht genommene per­sönliche Geschenke aus Anlaß des 25jährigen Regierungs­jubiläums für wohltätige und gemeinnützige Zwecke verwendet werden möchten.

* Erst jetzt wird bekannt, dah der Reichs­kanzler v. Bethmann Hollweg in Tirol den Besuch des russischen Botschafters in Paris, Iswolski, empfan­gen hat.

* Generalfeldmarschall v. Bock und Polach, der Generalinspekteur der 3. Armeeinspektion in Hanno­ver, vollendet am 5. September sein 70. Lebensjahr und wird nach Beendigung der Kaisermanöver von sei­ner jetzigen Dienststellung zurücktreten.

* Berlin. Der neue Berliner Oberbürgermei­ster Wermuth, unser ehemaligerHüter des Reichs - schatzes" hat sich einem Berliner Blatt gegenüber sehr pessimistisch über die Reichssinanzen ausgesprochen. Die Aufstellung des neuen Etats für 1913 werde dem Reichskanzler und Bundesrat diesmal schwieriger als im vorigen Winter gelingen.

* Eine neue Militärvorlage stellt eine Berliner Korrespodenz für den kommenden Winter in Aussicht. Die neue Vorlage sei notwendig geworden, damit ein automatisches Milttärgewehr, das eine we­sentliche Verbesserung gegenüber dem heutigen Typ dar­stelle, sobald als möglich eingesührt werden könne. An unterrichteter Stelle in Berlin wurde erklärt, die Nach­richt sei indiese r" Form erfunden. Danach muh man annehmen, daß etwas Wahres an der Meldung sein muß.

* Hauptmann K o st e w i t s ch, der in Deutschland verhaftete und gegen Kaution entlassene russische espion betreibt mit großem Nachdruck seine Rehabilitierung. Nach seinem, von Rußland bestimmt erwarteten Frei­spruch, soll der Hauptmann seine unterbrochene Dienst-

Aachen weilte, wo er die Stellung eines Fabrikdirek- tors angenommen hatte.

Desiree reiste ab zur großen Freude Oliviers, der sofort Madelon wieder nach der Villa führte. Pumar- quet war noch nicht zum Vorschein gekommen, und die Frau folgte seinem Drängen. Er wollte dem Alten zeigen, Madelon fürchte sich nicht mehr. Was die Welt sagte, war Herrn Olivier gleichgültig.

Wir sind keine Landesverräter", sagte er frech, und nur solche sind von der öffentlichen Meinung ge­ächtet."

Bourlier aber brach hinter sich die Brücke ab. Er sehnte sich nach Frieden, und den, wußte er, fand er in der Heimat nicht mehr. Tie Abwickelung seiner Ge­schäfte übergab er einem Advokaten in Mezieres. Er hatte die VUla verkauft und alle erreichbaren Kapita­lien an sich gezogen.

Bevor er aber abreisen konnte, geschah etwas Un­erwartetes. Madelon war eines Tages verschwunden und hatte alle Kostbarkeiten, die sie besessen, das ganze Geld, welches ihr Olivier anvertraut hatte, um es vor seinem Vater sicher zu stellen, mitgenommen.

Sie war nicht allein in die Welt gegangen. Ihr Begleiter war Jose Pumarquet, der sie in ihrem Ver­steck aufgefunden und sich mit ihr hinter dem Rücken Oliviers versöhnt hatte.

Es ist ja mein rechtmäßiger Gatte", schrieb sie an Olivier,und ein schöner Mann, nicht so ein Krüppel wie Sie, mein Freund. Jetzt bin ich erst darauf gekom­men, wie sehr ich ihn liebe. Wir werden, hoffe ich, recht glücklich werden, da wir ja Geld genug haben."

Zum ersten Male in seinem Leben sah Bourlier seinen Sohn weinen. Er schied ungerührt von ihm und ging dorchin, wo er wußte, daß er bessere Menschen finden würde.

- ~ - (Fortsetzung folgt.)