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Druck der Gießener ilLrlaqc<b! utfer i
Nr. 62
Telephon: Nr. <%2.
Samsiag, den 3. August 1912
i c l u b n n Nr.: UL.
24 Iahr^
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Politische Rundschau.
Deutschland.
• Die „H 0 h e n z 0 l l e r n" mit dem Kaiser er Bord ist Freitag morgen von Bergen nach Swinemünde abgegangen.
* Die K a i s e r i n empfing gestern nachmittag ui Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel im Beisein der Prinzessin Viktoria Luise die Vertreter des deutsch -
zurück.
* London. Die Leichterleute beschlossen die Wiederaufnahme der Arbeit. Die Erregung der heute früh zur Arbeit zurückkehrenden Streikenden über die Not der letzten Monate führte zu einer Revolverschie-
crierikmifd)en Lehrerbundes, etwa 400 Lehrer u. Leh- rinnen.
1 * Der neue Gouverneur von Togo, Herzog
1K6 “l^olf Friedrich zu Mecklenburg, tritt am 9. Au- piit von Hamburg aus die Ausreise in das Schutzgebiet zur Uebernahme seiner Stellung als Gouverneur
Herei am Hafen. Die Polizei war machtlos. Die ruhen auf den Docks wurden hervorgerufen durch griffe früherer Streikender auf Nichtunionisten.
Frankreich.
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Republik ernannt worden. Morrison hat den bedeutenden Einfluß, über den er als „Times" Korrespondent in China gebot, bei mehr als einem Anlaß gegen die Interessen Deutschlands in die Wagschale geworfen. Als Beirat Iuanschikais wird er noch öfter und wirksamer Gelegenheit haben, der chinesischen Politik antideutsche Bahnen zu weisen.
trunk für fund um- s Frucht- is 75 Pfg.
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• Der Landrat des Kreises Grimmen, Frei -
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berr v. Maltza h n, wegen dessen Beleidigung der fn sinnige Rittergutsbesitzer Becker (jetzt in Bensheim 'wohnhaft) seinerzeit zu drei Monaten Gefängnis ver- 1 erteilt wurde, ist, wie die „Ostsee-Ztg " erfährt, vom 15. August ab unter Ernennung zum Regierungsrat an das Obcrpräsidium zu Magdeburg versetz! worden.
::: Tilsit. Aus Ragnit wird gemeldet, daß Un- !uben ausgebrochen sind. Zwei Kompagnien Soldaten orgen für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Der Bür- Mi meister schätzt die Zahl der Ausständigen aus 100 rb 120. An den Tumulten ist viel Janhagel beteiligt.
* Pretoria. Dr. Solf weilte hier als Gast he-' stellvertretenden Generalgouverneurs. Premiermini- Ik Botha gab zu Ehren des Staatssekretärs ein Früh- hüd. Dr. Sols reifte dann nach der Delagoabai ob.
id die für reiche für >r gleichschlossen, dreifache
Oesterreich.
* Wie n. Einiges Aussehen erregt hier eine Korrespondenz des „Pester Lloyd", worin ein Flotten-Ab - kommen zwischen Oesterreich-Ungarn und England vor- qc schlagen wird. England soll Oesteireich-Ungarn die bündige Versicherung geben, daß es Oesterrerch-Ungarn im Falle eines englisch-deutschen Krieges nicht aagrei- ^!i werde, dann werde Oesterreich bereit sein, seine Flot- enrüstungen einzustellen. In hiesigen zuständigen Krci- m wird erklärt, daß diese Auslassungen :m „Pester hk-gb“ in keiner Weise die Ansichten der maßgebenden -Greise Oesterreichs-Ungarn wiedergeben; Oesterreich-Un- qarn könne in keinem Falle auf den Bau seiner bescheidenen Kriegsflotte verzichten, die nur Verteidigung - zwecken diene.
England.
Der Primz von Wales verlieh nach vier-
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£ EcieGoet’ '” mailichem Aufenthalt Paris und kehrte nach England
* Paris. Der König von Spanien war in Paris eingetroffen. Er wurde von französischen und spanischen hervorragenden Persönlichkeiten begrüßt und unterhielt sich einige Minuten mit den ihm vorgestellten Personen. Dann reiste der König nach London weiter.
Italien.
* Neapel, 31. Juli. Im hiesigen Hasen traf gestern das Militär-Transportschiff „Ville de Catane" ein, an dessen Bord sich eine Summe von 1 250 000 Lire in englischem Gelde befand, die im Roten Meer an Bord des ägyptischen Dampfers „Jsmalia" beschlagnahmt worden war. Das Geld war für die türkischen Truppen in Arabien bestimmt.
Griechenland.
* Athen. Die Bevölkerung der Insel Ikaria, einer der 12 südlichen Sporaden, die die Italiener nicht besetzt haben, hat sich erhoben. Die türkischen Behörden wurden festgenommen und in Kleinasien an Land gebracht. Die Bevölkerung hat sodann die griechische Fahne gehißt und die Vereinigung mit Griechenland ausgerufen.
Türkei.
* Der Sultan begnadigte 130 Personen, darunter alle Minister und Würdenträger des Sultans Abdul Hamid.
Serbien.
* Belgrad, 2. Aug. Der Ministerrat beschloß, noch zwei Tage die Berichte des serbischen Gesandten in Konstantinopel über die Lage in Albanien und Mazedonien abzuwarien und alsdann nötigen - falls alle in den Bädern weilenden Minister zurückzu- berufen.
China.
* Ein Engländer als p 0 l i 1 i s ch e r V e i- r a t Chinas. Wie aus Peking gemeldet wird, ist der Pekinger Korrcspodent der „Times", Dr. Morrison von Iuanschikai zum politischen Beirat der chinesischen
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* I o s h i h i 1 o, der neue Kaiser von I a - p a n, steht im 33. Lebensjahre. Bei seiner Erziehung wurde Wert darauf gelegt, die bis dahin traoitionelle Abgeschlossenheit des Hoflebens zu durchbrechen. Vor 25 Jahren schüttelten viele Japaner noch den Kopf, als der damals 8jährige einzige lebende Sohn des Kaisers bei Gartenfesten sich frei unter den Gästen bewegte. Er war damals sehr lebhaft und sah in seinem schwarzen Soldatenanzug mit der hohen Mütze aus dem etwas 311 starken Kops recht drollig aus. Einem Vertreter von Krupp gab er beim Vorbeigehen durch ein mit Gesten begleitetes „Bum Bum" zu verstehen, daß er ihn wohl kenne. — Eine kaiserliche Botschaft, die die Thronbe - steigung anzeigt^ wurde durch den Kaiser in Gegen - wart der Minister, Geheimen Räte und anderen Würdenträgern verlesen.
Amerika.
* New-York. Die Jury, die mit der Mord - fache Rosenthal betraut ist, untersuchte die Behauptungen von einer allgemeinen Korruption und Bestechlichleit der Polizei. Wie verlautet, hctt ein weiterer Insasse des Autos der Mörder ein Geständnis abgelegt. — Ein im Zusammenhang mit der Ermordung Rosenthals verhafteter Spieler sagte unter Eid aus, daß drei Polizeibeamte der Stadt New York unter sich 2% " t im vergange-
Millionen Dollars geteilt hätten, die sie
nen Jahr von Spielhöllen und anderen Unternehmungen bezogen.
* Washington. Als Folge einer amerikanischen Gesellschaft, die
gesetzwidrigen
der Versuche Fischerei-
rechte in der Magdalenen bucht an eine j a - panische Gesellschaft zu veräußern, nahm das Staatskomitee für auswärtige Angelegenheiten einstimmig^ den Antrag des Senators Lodge an, die Vereinigten Staaten möchten die Monroe-Doktrin in Ausdrücken, die für die ganze Welt klar seien, von neuem bekräftigen. Gleichfalls angenommen wurde der Antrag Lodges, in dem gemißbilligt wird, daß irgend ein vorteilhafter Platz auf der westlichen Halbkugel von einer Gesellschaft in Besitz genommen werde, die zu einer anderen Regierung in so engen Beziehungen stände, daß sie ihr praktisch eine Kontrolle für nationale Zwecke
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izen.
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
(Nachdruck verboten.)
[er, War« An der Vestebuletüre stellte sich ihm der Diener - abermals in den Weg.
„3$ darf Sie nicht einlassen!" rief er, „der gnä- der dige Herr würde wütend sein und mich auf die Straße setzen.
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„Also ist er doch zu Hause," entgegnete Tyrolt gleichgültig, „das wollte ich nur wissen."
„Nun denn ja, zum Taufel," sagte der Bursche halb ärgerlich, halb furchtsam, „aber er ist für niemand zu sprechen, am wenigsten für einen Prussien."
„Kerl, ich schlage Dir den Schädel ein, wenn Du noch einmal den Respekt gegen mich aus den Augen setzest," drohte Waldemar, an den Säbel greifend. »Melde mich oder ich mache Dir Beine! Sage, Leutnant Waldemar Tyrolt vom sächsischen Schützenregi
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ment 108 wäre da. Du sollst sehen, welche Freude der I Herr haben wird."
Mit den letzten Worten war der Offizier an dem Bedienten vorbei in das Vorzimmer getreten. Ein heftiger Aufschrei im Salon nebenan ließ ihn stutzen. Er kannte die Stimme ganz gut, es war die Oliviers. : ff So habe ich mich selbst angemeldet," sagte er lachend, and werde hier das Weitere abwartem Nun mache, : d«aß Du fortkommst, Bursche!"
Ein Griff nach dem Säbel, machte dem Menschen, ber erschrocken dagestanden hatte, schnelle Beine. Er Verschwand hinter der Salontüre, welche sorgfältig ab- seschlossen wurde.
Tyrolt ging langsam auf und ab. Der Bescheid Meb eine Weile aus. Nebenan ließ sich ein halblautes Sprechen, dann ein hefttges Hin- und Herlaufen vernehmen, hierauf wurde es still, und nach einer kurzen Pause öffnete sich die Tür.
„Der gnädige Herr läßt bitten," meldete der Diener mit knurrender Stimme.
Tyrolt trat ein. Olivier saß auf einem Lehnsiuhl, in der Nähe des flammenden Kamins. Er war ganz in Decken gehüllt, den Arm trug er in der Binde und den Kopf mit einem türkischen Fez bedeckt.
„Entschuldigen Sie, daß ich Sie so empfange, Herr Tyrolt," sprach er mit heiserer Stimme. „Ich bin krank und kann mich nicht bewegen, um Ihnen enlgegenzu- kommen. Seit unserem unangenehmen Renkontre in der Fabrik habe ich mich nicht mehr erholt. Bitte, nehmen Sie Platz."
Er wies aus einen Sessel in seiner Nähe. Waldemar folgte vor Erstaunen stumm der Einladung. Solchen Empfang hatte er nicht erwartet. Diese Höflichkeit, diese leidende Freundlichkeit verwirrte ihn, und nur das Bewußtsein, daß er co e < einem vollendeten Heuchler zu tun habe, gab ihm das Lchgewicht wieder, dessen er diesem Manne gegeni bev durchaus bedurfte.
„Ich bebaute Ihr Leiden, Herr Bourlier," begann er, sich verbeugend, umsomehr, da ich gewissermaßen dabei die Schuld trage. Ich will nicht untersuchen, wer von uns beklagenswerter ist, nur das eine konstatiere ich mit Genugtuung, wir beide leben, wenn wir auch leiden."
„Leider," erwiderte Olwier seufzend, indem er unbeobachtet einen ttickischen Blick auf sein Gegenüber warf. „Sie scheinen indes gmiz geheilt zu sein, während ich Sie tödlich getroffen glaubte."
„Sie bedauern es also, daß Sie mich so schlecht trafen?"
„Nein, jetzt freue ich mich darüber, daß meine Hand zitterte, aber ich bin erstaunt, Sie lebend wiederzufe- hem"
„Hat man Ihnen denn nicht gesagt, daß ich gerettet wurde, und in diesem Hause kösttiche Pflege fand?"
„Nein. Wer sollte es mir gesagt haben?" forschte Olivier mit spöttisch klingendem Tone als Gegenfrage.
„Nun, Desiree, die mich hier pflegte," antwortete Tyrolt triumphierend. Der Pfeil saß, wie er es erwartet hatte. Olivier bin sich die Lippen, daß diese sich blutig färbten. Aber er gewann schnell seine Ruhe wieder.
„Desiree?" fragte er nach kurzer Pause. „Wann sollte mir das meine Schwester wohl erzählt haben?"
„Nun, in dic'.n Tagen. Hier."
„Ach." machte Olivier achselzuckend. „Tas ist der Grund Ihres Besuches? Sie wollen Desiree sehen? Ta haben Sie sich umsonst bemüht. Meine Schwester, Ihre einstige Braut, ist nicht hier."
„Man behauptet das Gegenteil," sprach Waldemar, kaum seine Aufregung bemeisternd, die gegenüber der kühlen Sprechweise des Franzosen ihn in Nachteil brachte. „Sie sind mit einer verschleierten Dame in Sedan gesehen worden. Wer war diese Dame, wenn es nicht Ihre Schwester war?"
„Die Leute scheinen sich um Sachen zu kümmern, die sie nichts angehen," sagte Olivier ausweichend.
„Nun, es gibt doch wohl Leute genug, welche das Recht haben, sich darum zu bekümmern," bemerkte Waldemar zornig.
Ich will Sic daher nicht abweisen. Aber nicht jetzt, ein andermal sollen Sie sie sehen. Kommen Sie später wieder, Sie sollen mir willkommen sein und die Unglückliche wenigstens in menschenwürdiger Verfassung finden. Jetzt, bei Hellem Sonnenlicht ist ein Oeffnen ihrer Zelle unmöglich."
„So will ich heute abend wiederkommen. Darf ich?"
„Ein anderer Tag wäre mir lieber, die Zeit ist zrt kurz, ich muß Vorkehrungen treffen," sagte Olivier nadp denklich, „indessen — es ist, um Ihnen ein Entgegenkommen zu zeigen. Stellen Sie sich um zehn Uhr ein. Wir werden Desiree aus dem Schlaf wecken. Vielleicht
wirkt die Ueberraschung Wunder.
(Forts, folgt.)